finanzen.net
16.03.2014 15:00

Bitcoin: Die Suche nach dem zweiten Leben

Folgen
Betrug, Kapitalvernichtung und Pleiten: Der Ruf nach einer schärferen Aufsicht über den Handel mit der virtuellen Währung wird lauter. Pläne für eine regulierte Bitcoin-Börse - und eine Steuer - gibt es bereits.
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€uro am Sonntag
von Michael H. Schulz, Euro am Sonntag

Zwei Pleiten, ein Todesfall und lange Gesichter bei Anlegern. Das ist die bittere Realität der virtuellen Währung Bitcoin innerhalb einer Woche. Nach den Hacker-Attacken auf die Tauschbörsen Flexcoin und MtGox, bei denen Hunderte Millionen US-Dollar erbeutet wurden, forderte die virtuelle Währung nun wohl ihr erstes Menschenopfer. Die Polizei in Singapur hat die Chefin der Tauschbörse First Meta Exchange, Autumn Radtke, tot in ihrem Apartment aufgefunden. War es Selbstmord? Besteht gar ein Zusammenhang mit der Pleite von MtGox in Japan?

Doch statt die Totenglocke für die virtuelle Währung zu läuten, ist Barry Silbert, der Chef von SecondMarket, einem Unternehmen für außerbörsliche Firmenbeteiligungen, optimistisch: "Bitcoin hat das Potenzial, noch viel schneller zu wachsen." Oliver Flaskämper, Chef der deutschen Tauschbörse Bitcoin.de, ergänzt: "Wie in jedem funktionierenden Markt wird eine Lücke sofort durch Wettbewerber geschlossen."

Die einen weichen, die andern wachsen. Barry Silberts Pläne für den oft abschätzig als Anarchowährung bezeichneten Bitcoin bedeuten harte Konkurrenz für die einfachen Tauschbörsen und einen Quantensprung ins Finanzestablishment: Im Sommer will er die erste lizenzierte Bitcoin-Handelsplattform nach dem Vorbild der New Yorker Börse mit lizenzierten Teilnehmern gründen. Zugelassen werden sollen nur Banken, Broker und Bitcoin-Unternehmen. Dafür will Silbert seinen 47 Millionen US-Dollar schweren Bitcoin Investment Trust mit rund 82.000 Bitcoin und dem Trading-Desk in ein neues Unternehmen ausgliedern. 20  Millionen US-Dollar lässt er sich diesen Schritt kosten. Silbert: "Ich würde mich so weit aus dem Fenster lehnen zu sagen, dass Bitcoin in fünf Jahren von jedem Onlinehändler akzeptiert wird."

3.333 Bitcoin-Akzeptanzstellen
Zwar sind die durch komplexe Rechnertransaktionen erzeugten Digitalmünzen noch überwiegend ein Spekulationsobjekt, doch immer mehr Händler akzeptieren die Währung als Zahlungsmittel. 3.333 Bitcoin-Akzeptanzstellen und 308 Händler, die die Bitcoin-Alternative Litecoin als Zahlungsmittel annehmen, verzeichnet die Karte coinmap.org.

Die meisten Akzeptanzstellen befinden sich zwar in den USA, doch auch hierzulande kann man mit Bitcoin online eine Pizza oder in Berlin-Kreuzberg ein Pils bezahlen. In der Berliner Kneipe Room 77 steht seit Februar Deutschlands erster Bitcoin-Bankomat.

Bisher schrecken die abrupten Wechselkursschwankungen allerdings noch viele Händler ab. Doch eine lizenzierte Tauschbörse mit Teilnehmern, die eine Zulassung der Börsenaufsicht benötigen, könnte viel Vertrauen in den Bezahlmechanismus schaffen.

Vor allem weil Zahlungen per Kreditkarte ebenso betrugsanfällig und für Händler sogar teurer sind. Für jede Zahlung verlangen Kreditkartenfirmen einen Aufschlag von 2,75 bis 3,5 Prozent. Ein weiterer Vorteil gegenüber einer herkömmlichen Überweisung: Kunden und Händler umgehen bei der Bezahlung mit der Digitalwährung Mittelsmänner wie Banken und Zahlungsdienste. Es gibt keine Rückbuchungen. Jede bestätigte Transaktion ist durch das Netzwerk geschützt. Unternehmen können somit Zahlungen aus jedem Land der Welt akzeptieren, ohne das Risiko einer Rückbuchung einzugehen. Die Transaktionskosten sinken auf fast null. Bestes Beispiel hierfür ist der Amazon Coin: Mit dem virtuellen Einkaufsgutschein können Kunden bis zu zehn Prozent sparen.

Doch im Gegensatz dazu bunkern viele Bitcoin-Fans aus Angst vor Schadsoftware die virtuelle Währung nicht auf dem eigenen Rechner, sondern in elektronischen Geldbörsen, den sogenannten Wallets, bei den Handelsplattformen (siehe Grafik). Diese Bitcoin-Börsen sind zwar prinzipiell mit einer Bank vergleichbar, doch anders als bei gesetzlichen Zahlungsmitteln gelten die Digitalmünzen nicht als Einlagen. Bitcoin sind kein gesetzliches Zahlungsmittel. Streng genommen sind sie nicht einmal E-Geld, sondern eine Rechnungseinheit. Eine Einlagensicherung existiert nicht.

Derweil denkt man in Japan, wo die insolvente Tauschbörse MtGox ansässig ist, über eine schärfere Regulierung und eine Besteuerung von Bitcoin-Transaktionen nach. "Was fehlt und bestimmt noch kommen wird, ist die Regulierung für das Verwalten fremder Bitcoin", sagt Oliver Flaskämper, der eine einheitliche europäische Lösung für denkbar hält. Doch selbst ein regulierter Bitcoin-Markt schützt nicht gegen Softwareschwachstellen und fehlendes Finanzwissen der Tauschbörsenbetreiber. Laut Berichten im Forum bitcointalk.org soll es bei MtGox gravierende Sicherheitsmängel gegeben haben. Ferner soll die Plattform nicht mal die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung beachtet haben. Doch während manches Opfer explodiert, wollen etwa die Winklevoss-Zwillinge, Erfinder von Facebook, die auf die Zulassung ihres Bitcoin-Exchange-Tradingfonds warten, ihren geplanten Weltraumflug mit Bitcoin bezahlen.

Investor-Info

Finanzinnovation
Nichts für Anleger

Ausgerechnet in dem von Russen lange bevorzugten Geldwäscheparadies Zypern gibt es seit Ende Februar die laut Angaben von Neo & Bee erste Bitcoin-Bank. Das Geldhaus sei besonders innovativ und biete ein - in Euro geführtes - Sparkonto mit einem Bitcoin-Bonus an. Steigt der Bitcoin-Wechselkurs gegenüber dem Euro, profitieren Anleger begrenzt von der Wertentwicklung. Fällt der Bitcoin-Wert, tragen Anleger kein Verlustrisiko. Eine solche Verlustbegrenzung kann man leicht kreieren, wenn Europas Steuerzahler und Sparer mit ihren Einlagen für die Einlagen in zyprischen Banken geradestehen.

Tauschbörsen
Eine Serie von Beutezügen

Ob Online-Tauschbörsen, Softwareanbieter oder virtuelle Geldbörsen - unter den Marktteilnehmern, die vom Bitcoin-Boom profitieren wollen, finden sich viele Glücksritter. Manche Betreiber sind Start-ups. Schwachstellen bei der Tansaktionssoftware und eine schlampige Buchführung sind eine Einladung an kriminelle Hacker, auf Raubzug zu gehen. Dem Höhenflug des Bitcoin-Kurses haben die Attacken allerdings kaum geschadet.

Juli 2011: 17.000 Bitcoin verschwinden auf der Seite von Bitomat.pl durch ein fehlendes Backup.
Juli 2011: 79.000 Bitcoin werden bei MyBitcoin unterschlagen.
März 2012: Bitcoin im Wert von umgerechnet 14.000 Euro verschwinden auf der Tauschbörse Bitcoinica.
Juli 2012: Weitere 18.500 Bitcoin verschwinden.
September 2012: Hacker brechen über den Server von Bitfloor ein und erbeuten 24.000 Bitcoin im Gegenwert von 250.000 US-Dollar.
Dezember 2012: Eine der ersten Tauschbörsen in der Europäischen Union, Bitmarket.eu, wird nach einem Fehler des Betreibers liquidiert. Nutzer verlieren 20.000 Bitcoin.
April 2013: Die virtuelle Sparkasse Instawallet muss nach einer Hacker-Attacke schließen. Die Höhe des Schadens ist nicht bekannt.
Oktober 2013: Das FBI beschlagnahmt 26.000 Bitcoin der Plattform Silk Road und wickelt die Tauschbörse, die als Tummelplatz für Kriminelle gilt, wegen des Verdachts der Geldwäsche ab.
Februar 2014: Wegen gravierender Schwachstellen in der Software gelingt es Hackern, über Jahre hinweg auf MtGox rund 750.000 Bitcoin von Nutzern der Börse zu klauen. Ein Hacker schafft es wegen einer Schwachstelle im Abbuchungssystem der Börse Poloniex, Bitcoin zu ergaunern, er erstattet die Summe aber wieder.
März 2014: 896 Bitcoin im Gesamtwert von circa 430.000 Euro verschwinden nach Hacker-Angriffen bei der kanadischen Tauschbörse Flexcoin. Der Betreiber ist pleite.

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