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aktualisiert: 14.12.2011 12:51
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Wie Anleger an der Inflation verdienen

Viele Anleger fürchten eine bevor­stehende Geldentwertung. Mit Zertifikaten können sie von einer steigenden Inflation profitieren – sofern diese überhaupt kommt.
€uro am Sonntag
von Christian Ingerl, €uro am Sonntag

Nach einer wochenlangen Hoch­druckphase zogen vergangene Woche Sturmböen über Deutschland. Börsianer kennen das, an starken Gegenwind haben sie sich längst gewöhnt. Schuldenkrise, Rezessions­gefahren und unkontrollierte Geldvermehrung prägen bereits seit Monaten das Geschehen. Vor allem Letzteres verbreitet zusehends Angst und Schrecken.

Denn Anleger wissen: Ist zu viel Geld im Umlauf, kann es gefährlich werden, dann droht Inflation. Und davor haben die Deutschen – ein­gedenk der Hyperinflation in der Weltwirtschaftskrise 1923 und der Währungsreform nach dem Zweiten Weltkrieg – immer noch eine Heidenangst. Kein Wunder: Eine zunehmende Teuerung bedeutet, dass man für sein hart verdientes Geld weniger kaufen kann.

Noch liegt sie auf einem vertret­baren Niveau. In Deutschland betrug die Inflationsrate im November 2,4 Prozent, in der gesamten Eurozone waren es drei Prozent . Dennoch liegt die Rate damit klar über dem Zins­niveau, Sparer verlieren de facto also an Kaufkraft. Experten rechnen damit, dass der Preisdruck wegen der bevorstehenden Konjunkturflaute abebben wird. Zumindest kurz- bis mittelfristig. Langfristig gibt es aber ganz andere Szenarien. Etliche Experten warnen von einer rapiden Geldentwertung.

Zu diesen Mahnern zählt der deutsche Ökonom Lüder Gerken. Sollte die Europäische Zentralbank (EZB) den Ankauf von Staatsanleihen weiter ausbauen oder Eurobonds ein­geführt werden, könnte die Inflationsrate bis auf knapp zehn Prozent ansteigen, malt Gerken ein Horror­szenario aus.

Da wundert es kaum, dass Inflationsschutz ein gefragtes Thema unter Anlegern ist. Geldanlagen, die nach Abzug der Teuerung positive Erträge liefern, oder mit anderen Worten ­einen realen statt nur einen nomi­nalen Wertzuwachs ermöglichen, stehen weit oben auf der Wunschliste der ­Investoren. Die kreative Finanzbranche hat natürlich passende Anlage­vehikel parat.

Dass sich die Papiere auch rentieren, zeigt beispielsweise der Bond ­Select Inflation Basket der Bank ­Vontobel (ISIN: DE 000 VT0 MMM 6). Der Tracker spiegelte den Preisanstieg im Sommer dieses Jahres eindrucksvoll wider. Von April bis Anfang Sep­tember legte er um rund sieben Prozent zu. Das Papier orientiert sich an der Wertentwicklung von fünf inflationsindexierten Staatsanleihen aus Deutschland und Frankreich.


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Keine Lohn-Preis-Spirale
Aber selbst wenn immer mehr Menschen glauben, dass sich das Inflationsvirus überall auf der Welt zunehmend ausbreitet, sollten Anleger einen kühlen Kopf bewahren. Von einer klassischen Inflation, wie sie in den 70er-Jahren zu beobachten war, fehlt jede Spur. Denn die allseits gefürchtete Lohn-Preis-Spirale wird kaum in Gang kommen können.

Die Arbeitslosenrate ist in weiten Teilen Europas und in den USA hoch, die Schuldenkrise in Europa zwingt die Staaten, in den kommenden Jahren den Gürtel enger zu schnallen, und der weltweite Wettbewerb um Arbeitsplätze lässt drastische Lohnsteigerungen in Deutschland ebenfalls nicht zu. In einem solchen Umfeld ist eine unkontrollierbare Lohnkosten-Preis-Spirale wenig wahrscheinlich. Und Preiserhöhungen würden sich mangels Massenkaufkraft schnell selbst abwürgen.

Denkbar ist dagegen eine Inflation, die der zunehmenden Geldmenge folgt. Bis dato sind die Auswirkungen der expansiv ausgerichteten Geldpolitik der EZB jedoch überschaubar. Die vielen neu geschaffenen Mittel kommen nämlich in der realen Wirt­schaft nicht an. Die Banken parken sie postwendend wieder bei der Zen­t­ralbank. „Ich denke, dass mit einer geldpolitischen Lockerung durch die Europäische Zentralbank keine wesentlichen Inflationsrisiken verbunden sind“, sagt Chris Iggo, Zinsexperte bei AXA Investment Managers. In dasselbe Horn stoßen viele andere Konjunkturexperten.

Wie eine Untersuchung der DZ Bank ergab, hat die Mehrheit großes Vertrauen in die Geldpolitik von EZB-Präsident Mario Draghi. Der Konsens für die durchschnittliche Inflationserwartung liegt für die kommenden Jahre bei 1,8 bis 1,9 Prozent, was genau dem Inflationsziel der EZB von „unter, aber nahe bei zwei Prozent“ entspricht.

Auch in den USA blinken trotz der hohen geldpolitischen Aktivitäten der vergangenen Jahre keinerlei Warnlampen auf. Die Prognostiker sehen die US-Inflationsrate in den Jahren 2016 bis 2020 bei durchschnittlich 2,2 Prozent. Selbst kurzfristig scheint sich das Inflations­gespenst wieder aus dem Staub zu machen.

Preisdruck schwindet
Der Preisdruck schwindet nicht nur in den USA – im Oktober gingen die Verbraucherpreise um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück, hierzulande kosteten Waren und Dienstleistungen zuletzt ebenfalls weniger. Im November ging die Jahresrate im Schnitt auf 2,4 Prozent zurück, nachdem die Inflation im September mit 2,6 Prozent noch ein Dreijahreshoch markiert hatte. „Wir dürften den Höhepunkt überschritten haben“, sagt Unicredit-Analyst Alexander Koch mit Blick auf die aktuelle Entwicklung.

Das sehen auch die Kollegen der DZ Bank so, allerdings nimmt deren Optimismus auf längere Sicht ab. Ab 2013 könnte sich ihrer Meinung nach in den Industrieländern – ausgehend von den Rohstoffmärkten – eine Tendenz zu steigenden Preisen durchsetzen. Die Volkswirte sehen die Inflationsraten auf Sicht der nächsten drei bis fünf Jahre in den Vereinigten Staaten bei vier bis fünf Prozent, im Euro­raum bei 2,5 bis 3,5 Prozent.

Anleger haben angesichts der moderaten Inflationserwartungen also genügend Zeit, sich auf die Teuerung einzustellen. Mit passenden Produkten können sie gar eine mögliche Preissteigerung in Rendite umwandeln. Dabei nutzen die Emittenten als Basiswert ihrer Produkte meist den Harmonisierten Verbraucherpreis­index, kurz HVPI, innerhalb der Euro­zone ohne Tabak. Er wird vom Statistikamt Eurostat auf monatlicher Basis veröffentlicht.

Legt der Index zu, fallen die Kuponzahlungen, die die Zertifikate versprechen, höher aus. Aber es gibt noch andere Varianten, die sich in der Funktionsweise etwas unterscheiden. Insgesamt lassen sich drei Gruppen von Papieren auf einen Nenner bringen: Produkte mit Hebelwirkung, Zertifikate mit Mindest- und Maximalkupon sowie Tracker auf inflationsindexierte Staatsanleihen.

Investor-Info

Inflationsrate
Höhepunkt erreicht

Auf der Grafik ist es gut zu sehen: Während der Finanzkrise nach Lehman und der damit verbundenen Abkühlung der Weltkonjunktur sank auch die Inflationsrate in Deutschland stark. Experten rechnen nun ebenfalls wieder mit einer sinkenden Teuerungsrate.

Inflationsfloater
Zinschance mit Obergrenze

Am 22. Dezember startet ein neuer „Inflationsfloater“ der Landesbank Berlin (ISIN: DE 000 LBB 59E 6). Die jährliche variable Zinszahlung orientiert sich am September-Stand des Verbraucherpreisindex HVPI. Je ­höher die Inflation, desto höher der Kupon. Anleger gehen nie leer aus, da die Bank eine jährliche Zinszahlung von 1,0 Prozent garantiert. Diesen gibt es aber nicht gratis: Der jährliche Kupon ist auf 4,0 Prozent begrenzt.

Bonus & Sicherheit
Kupon mit Risiko

Mehr zu holen ist bei einem Produkt der österreichischen RCB (ISIN: AT 000 0A0 S9J 6). Das Zertifikat ­Inflation Bonus & Sicherheit 2 partizipiert 1 : 1 an der jährlichen Veränderung des HVPI. Die Teuerungsrate wird zu dem Fixkupon von 4,1 Prozent addiert. Das ­Risiko ist im Vergleich zum Landesbank-Produkt höher, denn die Höhe der Rückzahlung des Zertifikats zum Laufzeitende hängt vom Verlauf des Euro Stoxx 50 ab.

Inflationsanleihe
Sicherheit mit Hebel

Eine sehr interessante Variante ist die neue Inflationsanleihe von Morgan Stanley, die derzeit gezeichnet werden kann (ISIN: DE 000 MS0 KER 8). Das Produkt garantiert eine Ausschüttung von 4,0 Prozent im ersten Jahr. In der Folgezeit orientiert sich der Zins an der Höhe der Inflationsrate im Juni, die mit dem Faktor 2 multipliziert wird. Zum Laufzeitende ist das Ka­pital voll geschützt. Unser Favorit unter den Inflationsprodukten.

Anleihen-ETF
Anleihen im Paket

Für spekulative Anleger, die auf Deutschland, Frankreich und Italien vertrauen, kommt der ComStage-ETF auf iBOXX € Sovereigns Inflation-Linked Euro-Inflation TR in Betracht (ISIN: LU 044 460 718 7). Die Verzinsung der im Basiswert enthaltenen Staatsanleihen aus dem Ländertrio wird an die Inflationsrate angepasst. Die Gebühr beläuft sich auf 0,17 Prozent p. a., die Kupons werden angerechnet.

Heute im Fokus

DAX kaum bewegt erwartet -- Asiens Börsen mit roten Vorzeichen -- Angebliche Ermittlungen wegen Bayer-Mittel Iberogast -- Porsche schärft Ergebnisprogramm nach -- Philips verdient deutlich mehr

China verhängt Strafzölle auf Edelstahl-Importe aus Europa. Julius Bär macht weniger Gewinn. Siemens-Chef: US-Präsidentenamt unter Trump verkörpert 'Rassismus'. Volvo ruft 500.000 Autos in Werkstatt zurück. Satzungsänderung: Halloren will im Immobiliengeschäft mitmischen.
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