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12.08.2020 22:06

Aussichten für den Rest des Jahres: Dürfen Aurora Cannabis-Anleger weiter hoffen?

Aurora in Turbulenzen: Aussichten für den Rest des Jahres: Dürfen Aurora Cannabis-Anleger weiter hoffen? | Nachricht | finanzen.net
Aurora in Turbulenzen
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Die Aktie von Aurora Cannabis galt einst als einer der größten Hoffnungsträger in der noch recht jungen potenziellen Zukunftsbranche Cannabis. Doch seit geraumer Zeit kennt der Anteilsschein der Kanadier nur eine Richtung: Südwärts. Können die Bemühungen des Managements die Talfahrt der Aktie stoppen?
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• Aurora Cannabis in Turbulenzen
• Cannabis-Konzern hat schlimme Monate hinter sich gebracht
• Wie erfolgversprechend sind die Gegenmaßnahmen?

Mehr als ein Drittel ihres Wertes hat die Aktie des kanadischen Cannabis-Konzerns Aurora Cannabis seit dem Börsengang eingebüßt. Doch für Anleger, die zu den Hochzeiten des Titels eingestiegen sind, sind die Verluste noch deutlich höher: Fast 200 Kanadische Dollar war die Aktie zu ihren Höchstzeiten wert - aktuell stehen magere 14 CAD an der Kurstafel.

Dabei war es insbesondere das Jahr 2019, das Aurora Cannabis-Anlegern massive Verluste beschert hatte: Von über 80 CAD Aktienpreis zum Jahresstart ging es bis Dezember 2019 auf knapp 30 CAD abwärts, seitdem hat sich der Anteilsschein nochmals halbiert.

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Zahlreiche Fehler und Fehleinschätzungen unter anderem durch das Management von Aurora Cannabis haben die Talfahrt der Aktie verursacht und beschleunigt. Inzwischen steuert die Führungsebene mit zahlreichen Maßnahmen dagegen - doch reicht das, um der Aktie in diesem Jahr wieder auf die Beine zu helfen?

Expansionspläne von Aurora Cannabis zu ambitioniert

Die im Oktober 2018 erfolgte Legalisierung des Konsums und Verkaufs von Cannabis in Kanada hat Aurora Cannabis zu einem der größten Marktplayer in dem noch recht jungen Segment aufsteigen lassen. Anfangs stimmte die Wachstumsstory, die Umsätze wurden stetig vervielfacht.

Doch die Expansionspläne des noch recht jungen Unternehmens waren mehr als ambitioniert. Nachdem in kurzer Zeit zahlreiche Unternehmen auf den Markt drängten, die ihren Teil vom Cannabis-Kuchen abhaben wollten, kam es zu einem zwischenzeitlichen Überangebot am Markt, das weit über der tatsächlichen Nachfrage lag. Viele Unternehmen suchten ihr Heil daraufhin in der Expansion und Zukäufen. So auch Aurora Cannabis: Die Kanadier übernahmen bereits 2018 CanniMed und MedReleaf und stiegen somit zu einem der größten Marktplayer in diesem Segment auf.

Die Strategie brachte eine hohe Verschuldung mit sich - zeitgleich bekam der Konzern den starken Wettbewerb zu spüren, hohe Lagerbestände mit zeitgleich geringen Umsätzen aufgrund nicht wettbewerbsfähiger Preise brachten Aurora in starke Bedrängnis.
Hinzu kamen die Ambitionen von Aurora auf dem internationalen Markt. Noch immer ist die Legalisierung von Cannabis in vielen Ländern Zukunftsmusik, dennoch begann das Unternehmen bereits früh, internationale mögliche Zukunftsmärkte ins Visier zu nehmen, statt die Stellung auf dem Heimatmarkt zu zementieren und dort auszubauen, wo man bereits Umsätze und Gewinne einfahren konnte.
Das wirkte sich auch auf die Wahrnehmung der Geschäftsaussichten am Markt aus, die Börsen-Erfolgsgeschichte von Aurora bekam empfindliche Risse.

Führungsquerelen belasten zusätzlich

Verstärkt wurde die negative Außenwirkung auch durch Führungsquerelen. Ende 2019 verließ mit dem Chief Corporate Officer Cam Battley eine Führungsfigur das Unternehmen, die die Konzerngeschichte nachhaltig geprägt hatte.
Der Gründer und Chef von Aurora Cannabis, Terry Booth, nahm dann im Februar seinen Hut, neuer Interims-Chef wurde Michael Singer, der bislang als Executive Chairman für das Unternehmen tätig war.
Im Frühsommer verkündete dann mit Steve Dobler ein weiteres Gründungsmitglied seinen Abschied - der Manager war seit 2014 Vorstandsmitglied des Unternehmens.

Aurora Cannabis mit harten Maßnahmen gegen die Krise

Der Abgang von drei prominenten Gesichtern aus der Führungsebene dürfte den Plänen von Interims-CEO Singer entgegenkommen, der das Unternehmen neu aufstellen will. Der Mitarbeiterexodus soll auch dazu beitragen, das Anlegervertrauen wieder herzustellen und ist nur eine von mehreren Stellschrauben, an denen Aurora in diesem Jahr dreht, um die Glaubwürdigkeit des Unternehmens wieder herzustellen und sowohl den Geschäftsaussichten als auch damit verbunden dem Aktienkurs wieder auf die Beine zu helfen.

Auch ein umgekehrter Aktiensplit sollte dazu beitragen: Mitte Mai vollzog der Cannabis-Riese nach einem massiven Kursverfall einen Reverse-Split - Anleger bekamen für zwölf alte Aurora-Aktien eine neue Aktie ins Depot. Mit diesem Schritt konnte das Unternehmen, dessen Aktienkurs bis auf rund einen Dollar gefallen war, einen Rauswurf von der US-Börse umgehen.

Zudem hat der Interims-CEO Singer dem Unternehmen einen drastischen Sparkurs verordnet, in dessen Rahmen kleinere Standorte geschlossen wurden und der Bau neuer Standorte verzögert wurde.

Neben der Verwaltung will man auch beim Vertrieb den Gürtel enger schnallen, was mit dem Abbau von 500 Arbeitsplätzen einher geht. Den Fokus will man zudem auf etablierte Märkte legen, statt in Regionen zu expandieren, wo man auf eine künftige Legalisierung von Marihuana hofft. Im zweiten Halbjahr 2020 sollen die Ausgaben auf unter 100 Millionen Kanadische Dollar fallen, so das von Singer ausgegebene Ziel.

Wie erfolgsversprechend ist der Umbau bei Aurora Cannabis?

Der Fokus auf das kanadische Geschäft und den Markt für medizinisches Cannabis dürfte dem Unternehmen helfen, sich in Sachen Expansion nicht zu verzetteln. Darüber hinaus dürften die Strategien zur Kostensenkung den Verschuldungsstand zusätzlich drücken und die Bilanz entlasten.

Doch die Maßnahmen werden wohl nicht kurzfristig große Erfolge mit sich bringen, Anleger werden wohl die Entwicklung der vergangenen Monate abwarten müssen. Insbesondere die Zahlen zum dritten und vierten Quartal dürften Aufschluss darüber geben, ob die Spar- und Umbaumaßnahmen von Erfolg gekrönt waren.

Und auch Aurora Cannabis wird wohl zeitnah nicht an alte Börsenerfolge anknüpfen können. Das sehen auch Analysten ähnlich: Von 18 Experten, die die Aurora Cannabis-Aktie bei FactSet unter die Lupe nehmen, empfehlen nur drei die Aktie zum Kauf. Weitere drei raten zum Verkauf, während die übrigen elf Analysten ein "Hold"-Rating vergeben.

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Mit einem Kurssprung in diesem Jahr rechnet die Mehrzahl der Analysten trotz der eingeleiteten drastischen Maßnahmen nicht. Ein wichtiger Faktor - auch für die Entwicklung des Aurora Cannabis-Aktienkurses - dürfte der Fortgang der Legalisierung von Cannabis in den Vereinigten Staaten sein. Für diesen Markt haben sich die Kanadier zuletzt den Schlüssel verschafft, als sie für 40 Millionen Dollar den US-Konzern Reliva übernommen haben. "Das ist der sofortige Zugang zum größten CBD-Markt weltweit", verteidigte Michael Singer den Zukauf.

Reliva ist schuldenfrei und sichert Aurora den Zugang zu 20.000 der rund 50.000 Einzelhandelsstandorte, an denen CBD-Produkte in den USA vertrieben werden. Kommt es hier zu einer starken Nachfrage, kann Aurora schnell reagieren und profitieren, zumal Reliva Produkte im unteren Preissegment anbietet, was insbesondere angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, an denen viele US-Amerikaner besonders leiden, ein Vorteil ist.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Opra / Shutterstock.com, Jarretera / Shutterstock.com

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