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07.12.2015 03:00
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Covestro: "Verfolgen eine nachhaltige Dividendenpolitik"

Euro am Sonntag-Interview: Covestro: "Verfolgen eine nachhaltige Dividendenpolitik" | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Interview
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Wegen Turbulenzen am Kapitalmarkt brachte Frank Lutz, der Finanzchef von Covestro, den Chemiekonzern im Oktober zum Schnäppchenpreis an die Börse. Seither steigt der Kurs.
€uro am Sonntag
von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Von großem Druck befreit, wie ein Sieger, läutete Covestros Finanzchef Frank Lutz zum Parkettdebüt des Leverkusener Spezialchemiekonzerns im Oktober die Glocke an der Frankfurter Börse. Obwohl der Börsengang (IPO) lediglich 1,5 Milliarden statt der ursprünglich ­geplanten 2,5 Milliarden Euro brachte, wurde es der größte IPO des Jahres in Deutschland. Investmentbanker Lutz, der zwölf Jahre bei Goldman Sachs und der Deutschen Bank gearbeitet hat, kam im September 2014 als Finanzchef zu Bayers Chemiesparte Material Sciences, um die Abspaltung vorzubereiten.
Dass Lutz mit angespannten Investoren gut umgehen kann, hat sich bewährt: "Wir hatten Phasen, wo es vor ­allem darum ging, Ruhe zu bewahren und genau zu wissen, was zu tun ist, um die Transaktion wie geplant abzuschließen", erzählt der Banker von seiner Roadshow. Vor Covestro war der in Stuttgart geborene Ökonom Finanzchef beim Lkw-Hersteller MAN und beim Lebensmitteldiscounter Aldi Süd.


In der Chemiebranche ist Lutz Quer­einsteiger. Dennoch bereiten die Überkapazitäten in Covestros Massenmärkten für ­Polyurethanschaumstoffe und Polycarbonatkunststoffe Lutz keine Sorgen. Die Branche müsse in den anfangs noch zu großen Anzug hineinwachsen, sagt der Manager. Neues, auch die mit komplexen Begriffen gespickte Chemie, spornt den 46-jährigen Betriebs- und Volkswirt an.


€uro am Sonntag: Herr Lutz, wenige Wochen nach dem IPO ist nun auch der Aufstieg in den MDAX geschafft.
Frank Lutz:
Wir freuen uns sehr über die Aufnahme in den MDAX und sind stolz, dass dieser Schritt so rasch erfolgt ist. Er spiegelt die erfreuliche Kursentwicklung und das große Interesse der Investoren seit unserem Börsengang am 6. Oktober wider.

MAN-Lkw wecken leichter Interesse als Polyurethanschaumstoffe und Polycarbonatkunststoffe von Covestro. Wie haben Sie Investoren überzeugt?
Die sperrigen Begriffe Polyurethan und Polycarbonat sind schon die erste Hürde. Daher haben wir zu Präsentatio­nen Produkte mitgenommen, in denen unsere Materialien verarbeitet sind. Zum Beispiel einen Autotürgriff aus ­Polycarbonat, Dämmung für Kühlschränke, hergestellt aus Polyurethan, und Kunstleder auf Basis von Covestro-Spezialprodukten. Damit konnten wir den Investoren vermitteln, dass sie in ihrem Alltag selten mehr als fünf ­Meter von Produkten aus Covestro-Materialien entfernt sind: Smartphones, Lebensmittelverpackungen, Sitzpolster.


Hat es Ihnen bei der Vorbereitung des Börsengangs geholfen, dass Sie früher auch bei der Deutschen Bank und bei Goldman Sachs gearbeitet haben?
Für den Start in die Eigenständigkeit von Covestro hat mir meine Erfahrung als Finanzchef bei anderen Firmen geholfen. Bei dem IPO-Prozess selbst war es natürlich sehr hilfreich, auch die andere Seite als Berater gesehen zu haben. Damit waren mir die Abläufe vertraut. Vor allem konnte ich bei schwierigen Situationen die Dinge besser einschätzen.

Hatten Sie mit Problemen zu kämpfen?
Mit den Turbulenzen durch den Abgas­skandal bei VW und der Gewinnwarnung des ebenfalls auf Kunststoffe spezia­lisierten US-Konkurrenten Huntsman hatten wir auf unserer Roadshow bei Investoren Phasen, wo es vor allem darum ging, Ruhe zu bewahren und genau zu wissen, was zu tun ist, um die Trans­aktion erfolgreich abzuschließen.

Bei vielen Chemieunternehmen macht der Ölpreis einen erheblichen Teil der Kosten aus. Ist der Ölpreis auch wesentlich dafür verantwortlich, wie profitabel Covestro sein kann?
Nein, obwohl man das vermuten könnte. Für uns ist nicht der Preis für ein Barrel Rohöl, sondern jener von Ölderivaten entscheidend. Dessen Entwicklung weicht zum Teil deutlich vom Ölpreis ab. Wenn das nicht so wäre, könnten wir uns mit üblichen Hedging-Strategien gegen Preisschwankungen bei Öl ausreichend absichern. In unserer Branche liegen die Dinge jedoch speziell: Sobald sich bei unseren Produkten das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage verändert, ist es in einigen Fällen nicht mehr möglich, Veränderungen im Rohstoffpreis an die Kunden weiterzugeben oder in stärkerem Maß Preiserhöhungen durchzubringen. Das haben wir 2015 deutlich gemerkt. Wir sind zwar abhängig von der Preisentwicklung bei Rohstoffen, für uns ist jedoch entscheidend, wie stark sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage zu unseren Gunsten oder Lasten entwickelt.

Zuletzt musste Covestro trotz niedriger Rohstoffkosten mit fallenden Verkaufspreisen klarkommen.
Wir haben Märkte, die stark von einzelnen Ländern mit erheblichem Über­angebot geprägt sind. Die Folge davon sind niedrigere Verkaufspreise, weil wir auch die günstigen Rohstoffpreise dann vollständig an Kunden weitergeben müssen. Bei unseren Polycarbonaten hatten wir 2015 jedoch auch die erfreuliche Situation, dass der Markt sehr kurz war, also die Nachfrage das Angebot deutlich überstieg. Damit war es schnell möglich, höhere Preise durchzusetzen.

Wie vermeiden Sie Wachstumsfallen beim Gewinn wie jene, in der die ehemalige Bayer-Tochter Lanxess steckt?
Wir bieten auf Basis von Polycarbonaten und Polyurethanen sehr viele Produkte an, die für viele Industrien essenziell sind. Im Segment für Beschichtungen, Kleber und Speziallösungen (CAS) stellen wir mehr als 2.300 Produkte für über 4.300 Kunden in zehn Industrien her - darunter die Autobranche, der Bausektor, die Möbel- und Holzverarbeitungsindustrie sowie die Elektronik und Verpackung. Covestro ist breit positioniert, auch regional. Wir sind in allen wichtigen Wirtschaftsregionen mit Produktion, Forschung und Vertrieb präsent.

Bei den jüngsten Zahlen war der Ausblick für 2015 positiv, es gab aber ­dennoch keine Prognose mit konkreten Zahlen.
Wir haben eine Indikation für 2015 gegeben, aber für 2016 noch nichts gesagt, auch weil es für unsere Industrie zu früh ist. Die Visibilität, also die Voraussicht auf die Marktentwicklung, beträgt gerade mal drei Monate. Im Vergleich mit anderen Märkten ist es in unserer Branche nicht so, dass große Order eingehen, die dann während der nächsten 24 Monate abgearbeitet werden. Wir haben langfristige Lieferverträge, aus denen Bestellungen kurzfristig abgerufen werden.

Ist es als unabhängiger Konzern jetzt einfacher, den kleineren, aber sehr profitablen Bereich für Beschichtungen, Kleber und Spezialitäten auszubauen?
Ein Vorteil unserer Eigenständigkeit ist, dass wir nun schneller Entscheidungen treffen können. Große Zukäufe sind auf absehbare Zeit jedoch nicht geplant. Da es bei Polyurethanen und Polycarbonaten, wo Covestro jeweils Weltmarktführer ist, kartellrechtliche Hürden für Übernahmen gibt, würden wir überwiegend die CAS-Sparte mit Zukäufen im mittleren bis hohen zweistelligen Millio­nenbereich ausbauen.

Sind die von Bayer übernommenen Kredite in Höhe von 5,3 Milliarden Euro ein Handicap für Zukäufe?
Nein. Durch die Erlöse aus dem IPO sind unsere Verbindlichkeiten auf 2,5  Milliarden Euro netto geschrumpft. Davon schulden wir Bayer noch zwei Milliarden, die wir 2016 zurückzahlen wollen. Bei Moody’s haben wir die Bonitätsnote "Baa2", liegen also im Invest­ment-Grade-Bereich. Wir können es uns leisten, die Kreditmärkte in Anspruch zu nehmen, um die Schuldentilgung gegenüber Bayer zu refinanzieren. Die Tranchen an Bayer werden im März und im Juni 2016 fällig.

Bei der Dividende für 2015 hat Covestro bis zu 150 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Wird auch in Zukunft knapp ein Drittel der Mittelzuflüsse als ­Dividende an die Aktionäre fließen?
Für die Zukunft würde ich das so noch nicht prognostizieren. Wir haben gesagt, dass wir zwischen 30 und 50 Prozent des Nettoergebnisses als Dividende ausschütten, erstmals für 2016. Weil wir 2015 nur drei Monate an der Börse gewesen sein werden, haben wir uns für das laufende Jahr bereits festgelegt.

Chipkonzerne wie Infineon wollen auch in schwachen Jahren mindestens so viel Dividende ausschütten wie im Vorjahr. Kann Covestro da mithalten?
Ja. Wir verfolgen eine nachhaltige Dividendenpolitik. Deshalb haben wir uns für eine große Spanne entschieden. In schwächeren Jahren können wir den Anteil der Ausschüttung am Nettogewinn erhöhen und damit das Niveau der Dividenden bezogen auf den Betrag pro Aktie konstant halten.

zur Person:

Passende Formel
Covestros Geschäft mit Polyurethanen und Polycarbonaten ist zyklisch: Hohe Investitionen in die Produktion, starke Schwankungen der Nachfrage. Allerdings gehören die Leverkusener weltweit zu den Größten in den Märkten, und sie haben die niedrigsten Kosten. Während der vergangenen 15 Jahre waren die Mittel­zuflüsse aus dem Geschäft stets positiv. UBS-Schätzungen zufolge wird sich der Cashflow bis 2018 im Vergleich zu 2015 auf eine Milliarde Euro verdoppeln. Damit ziehen die Gewinne an. ­Attraktiver Zykliker.
Bildquellen: Michael Rennertz/Covestro
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Der Kunststoffkonzern Covestro verkauft sein europäisches Geschäft mit Polyurethan-Systemhaäusern für einen hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag an die in Florida ansässige Beteiligungsgesellschaft H.I.G. Capital.
05.06.19

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14.06.2019Covestro VerkaufenDZ BANK
11.06.2019Covestro buyJefferies & Company Inc.
07.06.2019Covestro HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
31.05.2019Covestro SellBaader Bank
29.05.2019Covestro HoldHSBC
11.06.2019Covestro buyJefferies & Company Inc.
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29.04.2019Covestro buyJefferies & Company Inc.
07.06.2019Covestro HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
29.05.2019Covestro HoldHSBC
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14.06.2019Covestro VerkaufenDZ BANK
31.05.2019Covestro SellBaader Bank
22.05.2019Covestro SellBaader Bank
09.05.2019Covestro SellBaader Bank
08.05.2019Covestro VerkaufenDZ BANK

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