02.06.2018 21:00
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Aktien-Rückkäufe: Die Kunst des Geldausgebens

Euro am Sonntag-Märkte: Aktien-Rückkäufe: Die Kunst des Geldausgebens | Nachricht | finanzen.net
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US-Konzerne stecken Rekordsummen in eigene Aktien. So treiben Konzerne wie Apple ihre Kurse nach oben. Doch das birgt auch Gefahren.
€uro am Sonntag
von Sven Parplies, €uro am Sonntag

Apple hat ein hartnäckiges Problem: Der Konzern hat einfach zu viel Geld. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres blieben netto 14 Milliarden Dollar in der Kasse. Für das Gesamtgeschäftsjahr dürften es nach Analystenschätzungen rund 58 Milliarden werden. Wohin also mit der ganzen Kohle?


Immer wieder mal gibt es Spekula­tionen, dass Apple eine große Übernahme wagt, der Elektroautohersteller Tesla gilt als potenzielles Ziel. Apple aber kauft lieber sich selbst: 100 Milliarden Dollar will der Konzern in die eigenen Aktien stecken. Beim aktuellen Börsenwert würden damit rund zehn Prozent der Papiere verschwinden.


Auch andere US-Konzerne saugen unter großem finanziellem Aufwand ihre Aktien vom Markt. Analysten erwarten, dass das Volumen der Aktienrückkäufe in diesem Jahr auf ein Rekordniveau steigt. Möglich machen das die dank der guten Wirtschaftslage und der großen Steuerreform weiter steigenden Unternehmensgewinne. Zugleich sitzen die Unternehmen auf großen Cashreserven - im marktbreiten Index S & P 500 waren es zuletzt 1,8 Billionen Dollar.

Aktienrückkäufe steigern die Nachfrage nach dem Papier und stützen dadurch den Kurs. Gleichzeitig werden wichtige Kennziffern aufpoliert - beim Kurs-Gewinn-Verhältnis etwa muss der Gewinn nach Rückkäufen auf weniger Stücke verteilt werden. Aus Sicht eines Aktionärs bedeutet das: Mit jeder Aktie bekommt er einen größeren Teil des Gesamtkuchens.


Rückkäufe werden meist parallel zur Dividende eingesetzt. Die Mitglieder im S & P 500 kommen derzeit auf einen ­Dividendenrendite von rund zwei ­Prozent, gleichzeitig werden etwa 2,5 Prozent der Papiere eingesammelt. In ­Europa setzen die Unternehmen die Schwerpunkte anders. Die Dividendenrendite ist höher, dafür fließt weniger Geld in den Erwerb eigener Aktien: ­"Aktienrückkäufe in Europa betragen seit Längerem relativ stabil etwa 60 Milliarden Euro pro Jahr - ­gegenüber 500 bis 600 ­Milliarden­ Dollar in den USA", hat die Bank Bantleon errechnet.

Aus Sicht des Unternehmens haben Rückkäufe den Charme, dass sie relativ geräuschlos ausgesetzt oder beendet werden können - eine Dividendenkürzung dagegen wird an den Finanzmärkten als ein starkes Krisensignal inter­pretiert und setzt den Aktienkurs meist deutlich unter Druck.

In Deutschland sind Rückkäufe noch immer die Ausnahme, werden aber populärer. Zuletzt hat Adidas ein neues Programm gestartet. Bis zu drei Milliarden Euro sollen bis Mai 2021 dafür ausgegeben werden; das würde bei derzeitigem Kurs knapp acht Prozent der Papiere entsprechen. Munich Re hat die Zahl der ausstehenden Aktien seit dem Jahr 2006 um etwa ein Drittel reduziert. Das hat viel Geld gekostet, hilft aber auch zu sparen: Weil für weniger Papiere Bargeld ausgeschüttet werden muss, ist die Dividende leichter zu finanzieren.

Schlechte Investoren
Aktienrückkäufe haben Tücken. In einigen Unternehmen ist der Gewinn je Aktie eine Variable für die Berechnung der Vorstandsvergütung. Das Management kann Rückkäufe also missbrauchen, um das Gehalt aufzubessern. Größer ist ein anderes Problem: Die meisten Unternehmen kaufen dann, wenn die Kurse stark gestiegen sind. Mit 580 Milliarden Dollar erreichten die Aktienrückkäufe im S & P 500 ausgerechnet kurz vor der großen Finanzkrise einen Höhepunkt. Als Aktien nach dem Crash billig waren, fehlten Mut und Geld, um die niedrigen Kurse zu nutzen. Im Jahr 2009 steckten die Unternehmen nur noch 133 Milliarden in eigene Aktien. Ein Musterbeispiel für ein missglücktes Rückkaufprogramm liefert General Electric. Im Jahr 2016 gab der Industriekonzern 22 Milliarden Dollar für eigene Aktien aus. Weil das Tagesgeschäft schlecht läuft, hat sich der Kurswert der GE-Aktie seitdem halbiert.

Auch in Deutschland sind viele Manager schlechte Investoren, wenn sie das Geld ihrer Firma einsetzen. Weniger als die Hälfte der Unternehmen aus DAX und MDAX, die in den Jahren 2005 bis 2014 Rückkäufe in einem bedeutenden Umfang durchführten, haben günstige Zeitpunkte erwischt, hat die Vermögensverwaltung Flossbach von Storch errechnet.

Unabhängig vom Zyklus stellt sich für jedes Unternehmen die Frage, ob das Geld nicht produktiver eingesetzt werden kann. Investitionen in das operative Geschäft steigern Umsatz und Gewinn, in der Praxis aber verschwenden Unternehmen gerade durch Übernahmen viel Geld. Auch die Finanzierung ist ein kritischer Punkt. Nach Berechnung der LBBW investierten die amerikanischen Unternehmen in der Spitze sogar 130 Prozent ihres Gewinns in Aktienrückkäufe und Dividenden.

Trotzdem: Bei der Suche nach Invest­ments können Rückkäufe ein guter Indikator sein. Wer aus dem S & P 500 jene Unternehmen herausgepickt hat, die besonders aggressiv eigene Aktien kaufen, hat über die vergangenen zehn Jahre den Gesamtmarkt deutlich geschlagen. Auf europäische Aktien spezialisierte Fonds waren mit der Strategie ebenfalls erfolgreich (siehe Investor-Info unten). Das könnte sich dadurch erklären, dass große Rückkäufe tatsächlich die Kurse treiben. Wichtiger dürfte ein anderer Punkt sein: Die meisten Unternehmen kaufen dann, wenn es ihnen wirtschaftlich gut geht - ein Anleger, der auf Rückkäufer setzt, geht also systematisch ­Krisenkonzernen aus dem Weg.

Investor-Info

Apple
Doppelte Geldquelle
Der iPhone-Hersteller startet bereits sein zweites großen Aktienrückkaufprogramm. Parallel dazu zahlt Apple eine moderate, aber nach Einschätzung der Analysten auch weiter steigende Dividende. Neben dem Verkauf von Geräten wird Apple künftig einen immer größeren Umsatzanteil mit Dienstleistungen wie dem Musikstreaming erzielen und damit unabhängiger werden von seinem großen Verkaufsschlager, dem iPhone. Die Aktie bleibt einer der Top-Favoriten der Redaktion.

Munich Re
Dividende mit Extra
Eine hohe Dividende, dazu wenn möglich Aktienrückkäufe: 22 Milliarden Euro hat der Versicherungskonzern auf diesem Weg allein in den Jahren 2006 bis 2016 an seine Aktionäre weitergereicht. Die Dividendenrendite der Aktie liegt deutlich über DAX-Niveau. Bis zur Hauptversammlung 2019 sollen erneut eigene Aktien im Wert von einer Milliarde Euro vom Markt genommen werden. Die Aktie bleibt ein gutes Langfristinvestment.

KBC Eq. Fund Buyback Europe
Europas Rückkäufer
Aktienrückkäufe werden auch in Europa populär. Der Fonds der belgischen Gesellschaft KBC setzt bereits seit der Jahrtausendwende auf europäische Unternehmen, die Aktienrückkäufe einsetzen. Zuletzt im Fonds prominent vertreten waren Nestlé, HSBC und Novartis. Rund acht Prozent des Portfolios ist dabei in deutsche Aktien investiert, der größte Teil steckt in Papieren aus Großbri­tannien und Frankreich.
ISIN: BE0174406976




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