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24.05.2018 11:02
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Öl-Aktien: Hier sprudeln die Gewinne!

Euro am Sonntag-Aktien-Tipps: Öl-Aktien: Hier sprudeln die Gewinne! | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Aktien-Tipps
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Der Ölpreis hat sich deutlich erholt, die Gewinne der großen Produzenten nähern sich alten Rekorden. Doch der Crash hat die Branche verändert.
€uro am Sonntag
von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Für immer tiefer - lower forever. Es klang fast ein wenig nach Verzweiflung, als Shell-Chef Ben van Beurden im vergangenen Sommer dieses Motto ausgab. Ein Fass Rohöl kostete damals rund 50 Dollar, weniger als die Hälfte der alten Rekordstände. Die Botschaft van Beurdens: Der Konzern müsse fit gemacht werden, um auf Dauer bei niedrigen Ölpreisen profitabel zu wirtschaften. Konkret hieß das: Weniger rentable Projekte werden auf Eis gelegt, entbehrliche Geschäftsbereiche abgestoßen, Verträge mit Zulieferern neu verhandelt.


In der für ihre starken Zyklen bekannten Ölindustrie aber ändert sich das Klima schnell. Die Notierung des Schmierstoffs hat sich stärker und vor allem schneller erholt als von vielen Profis erwartet (siehe Chart links). Die Bank of America hält inzwischen sogar einen Preis von 100 Dollar im kommenden Jahr für ein realistisches Szenario.


Treibende Kraft hinter dem Comeback des Ölpreises ist die Weltkonjunktur. Weil die Wirtschaft in fast allen Ländern wächst, steigt der Ölverbrauch - laut Statistik der Internationale Energie Agentur um 1,6 Millionen auf knapp 98 Millionen Barrel täglich. Im laufenden Jahr dürfte die Nachfrage nach Einschätzung der Organisation ähnlich stark zulegen. Gleichzeitig halten sich die Staaten der OPEC an die selbst auferlegten Förderbeschränkungen.

Richtig Schwung bekommen hat der Ölpreis durch politische Krisen. Der neu entfachte Konflikt um das Atomprogramm des Iran, des fünftgrößten Produzenten der Welt, sowie die Turbulenzen in Venezuela, der Nummer 11 unter den globalen Produzenten.


Bei den Ölkonzernen sprudeln wieder die Gewinne. Bei den fünf großen Europäern - Royal Dutch Shell, BP, Total, Eni, Statoil - ist der bereinigte Nettogewinn im vergangenen Jahr laut Daten des Finanzdienstes Bloomberg um fast 150 Prozent gestiegen. Auch die freien Finanzmittel (Free Cashflow) sind inzwischen wieder positiv.

Der harte Sparkurs der Krisenjahre macht sich also bezahlt. Die Konzerne haben bei einem durchschnittlichen Ölpreis von 54 Dollar je Barrel fast so viel Geld reingeholt wie im Boomjahr 2014, als der Preis des Rohstoffs lange über 100 Dollar pendelte. Man erreiche das gleiche Resultat mit weniger Aufwand, vermeldete Shell-Finanzchefin Jessica Uhl bei der Jahresbilanz.

Alles für die Dividende

Börsianer schauen bei den großen Ölkonzernen vor allem auf die Dividende. In vielen Pensionsfonds sind die europäischen Riesen prominent vertreten, weil sie meist Dividendenrenditen über fünf Prozent abwerfen. Je geringer die Kosten sind, desto niedriger liegt die Schwelle, ab der sie ihre Ausschüttungen aus dem operativen Geschäft he­raus finanzieren können. Auf aktuellem Niveau sollte die Dividende wieder auf einem sicheren Fundament stehen.

Einen ähnlichen Stellenwert haben Aktienrückkäufe. Sie erhöhen die Nachfrage nach den Papieren und polieren Kennziffern wie den Gewinn je Aktie auf. Die Ölriesen hatten ihre Programme während der Krise ausgesetzt, um Geld zu sparen. Jetzt soll es wieder losgehen. BP oder Total kaufen bereits wieder eigene Papiere und signalisieren auch damit, dass die Krise vorbei ist.

Börsianer teilen offenbar den Optimismus. Der weltweite Aktienindex MSCI World Energy (siehe rechts) ist laut Bloomberg in diesem Jahr der beste Branchensektor. Seit März hat der Index rund 16 Prozent an Wert gewonnen, der weltweite Aktienmarkt, repräsentiert durch den MSCI World Index, schaffte lediglich zwei Prozent.

Ausgerechnet beim amerikanischen Ölgiganten ExxonMobil, vor wenigen Jahren noch das wertvollste Unternehmen der Welt, sind Börsianer aber skeptisch. Nicht nur, weil die Texaner zuletzt enttäuschende Zahlen vorgelegt haben. Was Analysten außerdem missfällt: Exxon will gegen den Spartrend in der Branche die Investitionen ausweiten - von 24 Milliarden Dollar auf über 30 Milliarden im Jahr 2020. Das ist nicht unbedingt schlecht, birgt aber auch Risiken.

Vor allem schränkt es die Möglichkeiten ein, Geld direkt über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre weiterzureichen. Die Investmentbank JP Morgan kalkuliert, dass das Ölpreisniveau, auf dem Exxon seine Dividende finanzieren kann, bis zum Jahr 2020 von 55 auf 66 Dollar steigen wird. Exxon wäre damit besonders anfällig, falls der Marktpreis des Rohstoffs erneut unter Druck geraten sollte.

Aufbruch in die neue Zeit

Die eher schlechte Kurs­entwicklung der Exxon-Aktie zeigt, dass Börsianer Zweifel haben, ob die Ölpreisrally wirklich nachhaltig ist. Pessimisten haben durch­aus Argumente: In den USA wird massenhaft billiges Schiefergas produziert. Wind und Sonne werden als Energiequellen immer wichtiger. Die Boston Consulting Group kalkuliert, dass ab dem Jahr 2025 der Absatz von Elektroautos stark ansteigen wird, vor allem durch wachsende Nachfrage und sinkende Batteriepreise. Der Marktanteil des Verbrennungsmotors werde bis 2030 auf 50 Prozent sinken und damit auch die Nachfrage nach Sprit.

Gleichzeitig aber steigt der Energieverbrauch durch die wachsende Weltbevölkerung und den zunehmenden Wohlstand der aufstrebenden Länder an. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass die Nachfrage erst um das Jahr 2040 herum ihren Höhepunkt erreicht. Bis dahin würden Güterverkehr, Luftfahrt und Chemieindustrie den sinkenden Bedarf in anderen Bereichen der Wirtschaft mehr als ausgleichen.

Auch Shell-Chef van Beurden sieht seine Ansage "lower forever" nicht als eine finstere Preisprognose. Es gehe darum, im Unternehmen eine Mentalität zu schaffen, dass man sich nicht automatisch auf steigende Ölpreise verlassen könne. Anders als in früheren Zyklen sollen die Kosten also auch in der nächsten Boomphase unter Kontrolle gehalten werden - damit der nächste Crash kein Absturz wird.

Investor-Info

Royal Dutch Shell
Unbürokratische Dividende

Der britisch-niederländische Konzern ist einer der größten Dividendenzahler. Auf aktuellem Ölpreisniveau ist die Ausschüttung durch Erträge im operativen Geschäft gedeckt. Bislang verzichtet der Vorstand auf Aktienrückkäufe, weil die durch die Übernahme der BG Group deutlich gestiegene Verschuldung gedrückt werden soll. Da Großbritannien auf die Besteuerung ausländischer Aktionäre verzichtet, ist die Aktie für Dividendensammler ein unbürokratisches, lukratives Investment.

Chevron
Amerikas neuer Held

Der Ölkonzern stand bei Investoren lange im Schatten des größeren Rivalen ExxonMobil, hat derzeit aber die besseren Argumente. Die jüngsten Quartalsergebnisse lagen deutlich über der Analystenerwartung, der Konzerngewinn dürfte 2018 stärker wachsen als bei Exxon. Die Dividende von Chevron steigt seit 30 Jahren kontinuierlich. Die Dividendenrendite der Aktie ist allerdings nicht so hoch wie bei den europäischen Konkurrenten.

LYXOR ETF MSCI WORLD ENERGY
Profiteure im Paket

Energiefirmen aus 23 Ländern sind im MSCI World Energy gebündelt. Unter den mehr als 80 Positionen machen ExxonMobil, Shell und Chevron fast ein Drittel des Index aus. Nach Einschätzung der Commerzbank ist der Energiesektor trotz der jüngsten Kursgewinne vergleichsweise niedrig bewertet. Neben den Kursen sind nämlich auch die Gewinnschätzungen der Analysten gestiegen. Bei diesem Produkt werden Dividenden reinvestiert.




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Bildquellen: 1971yes / Shutterstock.com, Kokhanchikov / Shutterstock.com, gopixa / Shutterstock.com, sacura / Shutterstock.com

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09.11.2018Shell (Royal Dutch Shell) (A) overweightJP Morgan Chase & Co.
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29.11.2017Shell (Royal Dutch Shell) (A) SellCitigroup Corp.
17.04.2013Royal Dutch Shell Grou a verkaufenExane-BNP Paribas SA
28.11.2012Royal Dutch Shell Grou a underperformExane-BNP Paribas SA
05.11.2012Royal Dutch Shell Grou a sellGoldman Sachs Group Inc.
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