06.05.2018 01:00
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Amazon - Droht jetzt auch Gefahr für Banken?

Euro am Sonntag-Meinung: Amazon - Droht jetzt auch Gefahr für Banken? | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Meinung
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Die Meldungen, dass der Internet-Händler Amazon den Einstieg ins Bankgeschäft plant, häufen sich. Was das für heimische Institute bedeuten würde.
€uro am Sonntag
von Gerald Prior, Gastautor für €uro am Sonntag

Die Nachricht schlug Ende ­Februar wie eine Bombe ein: Laut "Wall Street Journal" prüft Amazon den Einstieg ins Bankgeschäft. Angeblich will der Onlineriese bald eine Art Girokonto für ­jedermann anbieten. Seitdem sind die deutschen Finanzinstitute in Alarm­bereitschaft. Werden Millionen Kunden hierzulande bald ihrer Bank oder Sparkasse den Laufpass geben und zur "Bank of Amazon" wechseln? Wird das Geschäftsmodell unserer heimischen Banken komplett auf den Kopf gestellt, was wir Unternehmensberater dann gern als Disruption bezeichnen? Ich würde sagen: Noch ist das Rennen nicht gelaufen.


Klar ist: Amazon ist eine echte Bedrohung für heimische Banken. Zudem ist der Onlinehändler deutlich gefähr­licher als andere Onlinegrößen, denen ebenfalls Ambitionen im Bankgeschäft nachgesagt werden. Facebook und ­Google haben sich bereits selbst ins Aus katapultiert, da jeder weiß, dass sie ihre Nutzer umfassend analysieren und deren persönliche Daten zu Geld machen. Wer möchte ihnen nun freiwillig noch den Kontostand verraten?


Apple hat zwar eine treue Fangemeinde, jedoch einen zu geringen Marktanteil und zu wenig Glaubwürdigkeit als Bank. Gegen alle drei spricht zudem: Ihre Aktionäre erwarten Renditen oberhalb von 20 Prozent, die sich jedoch mit standardisierten Bankprodukten wie Kontoführung nicht erwirtschaften lassen. Amazon-Aktionäre geben sich dagegen mit Renditen klassischer Händler von zwei bis fünf Prozent zufrieden, Hauptsache, das Wachstum stimmt.

Amazons größter Vorteil ist das ­gewachsene Vertrauen. Viele Kunden haben hier ihre Konto- und Kredit­kartendaten hinterlegt oder besitzen bereits eine Amazon-Kreditkarte. Wenn Amazon nun selbst ein Konto anbietet, empfinden das viele als folgerichtig. Amazon wird allerdings nicht selbst zur Bank werden, sondern dafür einen Kooperationspartner an Bord holen.


Deshalb lautet die eigentliche Frage: Mit wem arbeitet Amazon künftig zusammen? Infrage kommen in Deutschland nur fünf bis zehn Institute, die stark in der Zahlungsabwicklung sind. Wäre ich an ihrer Stelle, würde ich jetzt aktiv auf Amazon zugehen und mich für angrenzende Länder gleich mitbewerben.

Oft liest man jedoch das genaue Gegenteil: Anstelle von Kooperationen wird Banken empfohlen, lieber eine starke Gegenposition aufzubauen und zusammen mit innovativen Finanz-Start-ups ein eigenes, sogenanntes digitales Ökosystem zu schaffen. Im Laufe meines Berufslebens habe ich derartige Versuche schon mehrfach erlebt. Die Resonanz der Kunden war jedes Mal gleich null. Finanzprodukte ohne Anbindung an reale Produkte verkaufen sich einfach nicht. Banken können deshalb auf Kooperationen mit Firmen wie Amazon nicht verzichten.

Eine Stärke deutscher Banken ist zudem der Datenschutz. Das sollte der Öffentlichkeit angesichts neuer Wettbewerber ins Bewusstsein gerufen werden. Außerdem müssen Banken weiter auf Digitalisierung setzen und als Organisation agiler werden. Mit diesem Maßnahmenbündel können sie neuen Wettbewerbern dann durchaus die Stirn bieten.

Ein Amazon-Konto gekoppelt mit einem Investmentfonds

Wird das Amazon-Konto Realität, werden die wenigsten ihre alte Bankverbindung aufgeben. Davon bin ich fest überzeugt. Zumindest der Gehaltseingang wird weiter über die Hausbank laufen, da sind die Bundesbürger konservativ. Das Amazon-Konto wird eher ein Zweit- oder Drittkonto, über das zunächst nur Amazon-Zahlungen laufen, später dann vielleicht auch sonstige Einkäufe und Absatzfinanzierungen. Einstweilen bleibt die Revolution also aus.

Auch für Amazon hängt viel davon ab, den richtigen Partner zu finden. Möglichst sollte der auf allen Hochzeiten tanzen können, also echte Allfinanzqualitäten mitbringen. "Möchtest du den Rechnungsbetrag von 18,50 Euro vielleicht auf glatte 20 aufrunden?", könnte Amazon den Kunden dann fragen und gleich anbieten, die restlichen 1,50 Euro in einen Investmentfonds einzuzahlen. Alibaba, Chinas größtes Onlinekaufhaus, hat das vorgemacht und auf diese Weise den zeitweilig größten Investmentfonds des Landes aufgebaut.

Kurzvita

Gerald Prior
Vorstand bei Cofinpro
Der Autor studierte Wirtschaftsmathematik und ist seit 1991 als ­Unternehmer und Berater für Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften in Deutschland aktiv. Im Jahr 2007 gründete er gemeinsam mit Kollegen das Beratungsunternehmen ­Cofinpro, das Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften bei der Digitalisierung, ­Regulierung sowie der Verbesserung von Geschäftsprozessen unterstützt und begleitet.



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Bildquellen: Cofinpro, Amazon

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