finanzen.net
05.08.2018 15:00
Bewerten
(2)

Blockchain: Die digitale Aktien-Revolution ist gestartet

Euro am Sonntag-Wissen: Blockchain: Die digitale Aktien-Revolution ist gestartet | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Wissen
DRUCKEN
Jungunternehmer finanzieren sich neuerdings ganz unreguliert über sogenannte ICOs. Dabei werden digitale Anteile ausgegeben - ähnlich wie Bitcoins.
€uro am Sonntag
von Birgit Haas, Euro am Sonntag

Christian Rokitta braucht Geld. Nicht für sich, sondern für sein Unternehmen Insoro, das er im November 2017 gegründet hat. Insoro betreibt eine digitale Vermögensberatung. Die Software gibt es bereits, sie soll erweitert werden. Und an Kundschaft fehlt es noch. Also will Geschäftsführer Rokitta eine Marketingkam­pagne starten.


Sie möchten in Kryptowährungen investieren? Unsere Ratgeber erklären, wie es innerhalb von 15 Minuten geht:
» Bitcoin kaufen, Ripple kaufen, IOTA kaufen, Litecoin kaufen, Ethereum kaufen, Monero kaufen.

Um Kapital einzusammeln, reisten Jungunternehmer wie der 27-jährige Kölner mit ihren Präsentationen von Konferenz zu Konferenz. Diese Road­trips sind teuer und zeitintensiv. Und besonders in Deutschland sitzt das Geld auch bei Risikokapitalgebern nicht eben locker. Im Gegenzug wollen sie zudem oft stattliche Anteilspakete.

Seit 2016 aber etabliert sich eine Alternative: das ICO. Die drei Buchstaben stehen für "Initial Coin Offering", ganz ähnlich dem IPO, dem Kürzel für "Initial Public Offering", Englisch für Börsengang. Auch bei einem ICO gehen Unternehmen an die Börse, aber an eine für Kryptowährungen. Begeben werden keine Aktien oder digitale Münzen wie Bitcoin, sondern sogenannte Token. Das Revolutionäre ist, dass so Start-up-In­vestitionen nicht nur einem exklusiven Kreis von Risikokapitalgebern vorbehalten sind. Jeder kann, ohne an eine regionale Börse gebunden zu sein, über ein Kryptokonto mit jedem Betrag einsteigen. Mit den Token entsteht so ein Sekundärmarkt für Risikokapitalinvesti­tionen, denn sie sind handelbar. Die blockchainbasierte Technologie hat zudem das Potenzial, dem klassischen Aktienmarkt Konkurrenz zu machen.



Der Markt wächst rasant. 2016 haben laut Statistik des Anbieters ICOdata noch ganze 29 Firmen Token ausgegeben, mehr als 90 Millionen US-Dollar wurden eingesammelt. 2017 stieg die Zahl der ICOs bereits auf 873. Rund 6,1 Milliarden Dollar investierten die Risikokapitalgeber. Das Jahr 2018 übertrifft diese Zahlen schon jetzt: In bislang 962 ICOs haben junge Firmen rund 6,2 Milliarden Dollar eingesammelt. Dass Länder wie China und Südkorea ihren kryptoaffinen Bürgern und Unternehmern 2017 ICOs verboten haben, bremst das Wachstum nicht.

Rokitta und sein zehnköpfiges Team starten bald den Verkauf des Insoro-­Tokens an ausgewählte Investoren: "Wir wollen etwa 1,5 Millionen Euro im Vorverkauf einsammeln. Wenn das klappt, starten wir den Hauptverkauf." Auf über zehn Millionen Euro hofft der Gründer, seine Chancen dafür schätzt er hoch ein. Damit die Investoren wissen, was sie kaufen, hat Insoro auf einem "White Paper" den Geschäftsplan, die Kosten eines Token, die technische Ausgestaltung der Software und Haftungsregeln dargestellt.

Gutscheine statt Anteile

Ein herkömmlicher IPO für die Mittelbeschaffung kommt für ihn nicht infrage. "Ich sehe keinen Vorteil in einem regulären Börsengang - vor allem wegen der hohen Kosten." Bei Rokitta erhalten Anleger Anspruch auf die künftige Nutzung der digitalen Vermögensberatung. Der Token ist also ein digi­taler Gutschein, im Fachsprech ein "Utility Token" - also eher eine Art Anleihe als eine Aktie. "Ich hätte den Token aber auch gestalten können wie eine digitale Aktie", sagt Rokitta. Abgeschreckt hat das Insoro-Team aber die weltweit unklare Rechtslage für "Equity Token". Unter Umständen ist diese Form erlaubnispflichtig und müsste ein langwieriges Verfahren bei der Finanz­aufsichtsbehörde Bafin durchlaufen.

Die Wächter des heimischen Finanzmarkts prüfen aktuell noch jeden ICO im Einzelfall - und warnen davor. Die Bafin weist Anleger darauf hin, dass ein Investment immer einen Totalverlust bedeuten kann. "Wie bei den meisten aktuellen Trends zieht das hohe öffentliche Interesse an ICOs auch Betrüger an", so die Bafin. "Wir haben uns zu einer Verbraucherwarnung entschlossen, um Anleger zu sensibilisieren, ohne das Innovationspotenzial der Blockchain auszubremsen", so ein Sprecher.

Selbst ICO-Kandidaten betonen die Risiken. Spar-App-Anbieter Savedroid etwa wies bereits medienwirksam auf die fehlende Regulierung hin. Gründer Yassir Hankir gaukelte Mitte April Anlegern einen Tag lang vor, sich mit 40 Millionen Euro aus einem ICO aus dem Staub gemacht zu haben.

Weil die Regulierung in den Kinderschuhen steckt und Vertrauen notwendig ist, etablieren sich andere Absicherungsstrukturen. Die japanische Kryptobörse Binance etwa bietet für eine Gebühr zwischen 50.000 und einer Million Dollar einen Rundum-ICO-Service an. Unternehmensbewertung, Marketing, Listing und ein Treuhänder sind im Paket. "Wir engagieren freiwillig Treuhänder, die das Geld aus dem ICO annehmen und kontrolliert an uns ausschütten", sagt Rokitta.

Die Berliner Firma Neufund will die Bafin in Schwung bringen. Das Start-up will über eine Plattform Aktien-Token von Unternehmen wie Brille24 verkaufen. Am Ende könnte ein Handelsplatz entstehen, der dem Neulingssegment Scale der Deutschen Börse Wettbewerb macht. Sollte die Bafin nicht mitspielen, will Neufund nach Malta abwandern. Dort arbeitet die Regierung intensiv an der Regulierung der Kryptobranche.

Investor-Info

Initial Coin Offerings
Viele kleine Token

Um 1,7 Milliarden US-Dollar einzusammeln musste der Chatdienst Telegram noch nicht mal ein öffentliches ICO machen - mit einem Vorverkauf setzte sich der russische Messengerdienst bereits an die Spitze der fünf Top-ICOs. Die nächstgrößeren ICOs stammen allesamt von Unternehmen, die im Geschäft mit der Blockchain sind. Dragon Coin arbeitet an einer Bezahllösung für die Blockchain, Hdac an einer entsprechenden Internet-der-Dinge- Plattform, und hinter Filecoin sowie Tezos stehen blockchainbasierte Netzwerke. Die meisten ICOs sind Anwendungen im zweitgrößten Netzwerk Ethereum. Interessierte Anleger sollten sich über das hohe Risiko eines Investments im Klaren sein, wenn sie sich mit einem Konto zum Handeln von Krypto­währungen, einer sogenannten Wallet, der Börsen Coinbase, Binance oder Bitmex Zutritt zur Welt der Token verschaffen.


Das könnte Sie auch interessieren: Bitcoin kaufen - So geht's





______________________________

Bildquellen: Alexander Yakimo / Shutterstock.com, Westend61 / Getty Images
Anzeige

Nachrichten zu Deutsche Börse AG

  • Relevant
  • Alle
    1
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Deutsche Börse AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
21.02.2019Deutsche Börse buyUBS AG
21.02.2019Deutsche Börse HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
18.02.2019Deutsche Börse HaltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
18.02.2019Deutsche Börse neutralIndependent Research GmbH
15.02.2019Deutsche Börse HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
21.02.2019Deutsche Börse buyUBS AG
14.02.2019Deutsche Börse kaufenDZ BANK
11.02.2019Deutsche Börse buyDeutsche Bank AG
06.02.2019Deutsche Börse buyUBS AG
04.02.2019Deutsche Börse buyUBS AG
21.02.2019Deutsche Börse HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
18.02.2019Deutsche Börse HaltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
18.02.2019Deutsche Börse neutralIndependent Research GmbH
15.02.2019Deutsche Börse HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
15.02.2019Deutsche Börse Sector PerformRBC Capital Markets
20.09.2018Deutsche Börse SellJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
26.07.2018Deutsche Börse SellJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
11.06.2018Deutsche Börse UnderweightMorgan Stanley
18.05.2018Deutsche Börse SellJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
28.07.2017Deutsche Börse VerkaufenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Deutsche Börse AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die richtige Strategie für die Börsenkrise

Stecken Sie nicht den Sand in den Kopf, sondern kaufen Sie die richtigen Aktien. Erfahren Sie im aktuellen Anlegermagazin mehr über attraktive Qualitätsaktien und zyklische Aktien
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX geht grün ins Wochenende -- Wall Street freundlich -- Volkswagen steigert 2018 Umsatz und Gewinn -- Kraft Heinz: Milliardenverlust und Dividendenkürzung -- BVB, RHÖN im Fokus

Deutschland und Frankreich einig zu Details von Euro-Zonen-Budget. Thyssenkrupp baut Werk für Elektromobilität in Chemnitz. Wie der Anstieg einer China-Aktie Experten ratlos macht. Telecom Italia stapelt beim Gewinn 2019 tiefer. Airbus hofft auf mehr Aufträge zum Satellitenbau am Bodensee. VW: BGH-Äußerung lässt keine Rückschlüsse zu Klage-Aussichten zu.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Das sind die reichsten Länder Welt 2018
USA nicht mal in den Top 10
Abschlüsse der DAX-Chefs
Diese Studiengänge haben die DAX-Chefs absolviert
Erster Job
Wo Absolventen am meisten Geld verdienen
Die weltweit größten Smartphone-Hersteller
Der Worldwide Quarterly Mobile Phone Tracker
StepStone Gehaltsreport 2019
So viel verdienen die Deutschen in diesen Branchen
mehr Top Rankings

Umfrage

Sind Sie in Cannabis-Aktien investiert?

finanzen.net Brokerage

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Wirecard AG747206
The Kraft Heinz CompanyA14TU4
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
Scout24 AGA12DM8
Apple Inc.865985
Amazon906866
Allianz840400
TeslaA1CX3T
CommerzbankCBK100
Deutsche Telekom AG555750
BASFBASF11
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Aurora Cannabis IncA12GS7
E.ON SEENAG99