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09.06.2011 13:00
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Bank of America - Hoffnung für einen abgestürzten Riesen

Der Aktienkurs der Bank of America, das führende US-Institut, befindet sich nahe eines Zwölf-Monats-Tiefs. Für geduldige Anleger hat das ausgebombte Kursniveau durchaus seinen Charme.
von Tim Schäfer, New York

Längst nicht ausgestanden ist die Immobilienkrise in den USA. Nach dem Platzen der Blase vor vier Jahren erholt sich der Häusermarkt nur langsam. Eines der Kernprobleme ist die hohe Arbeitslosigkeit von neun Prozent. Solange der Arbeitsmarkt nicht in Schwung kommt, kann es kaum zu einer nachhaltigen Erholung für Betongold kommen. Massenweise gehen Häuser in die Zwangsversteigerung. Zu den Leidtragenden an der Börse zählen natürlich in erster Linie die Banken, sie müssen ihre Hypothekenportfolios um Milliardensummen bereinigen.

Bei der Bank of America zeigt die Börsenwaage nur 118 Milliarden Dollar an, allein der Buchwert beläuft sich auf fast das Doppelte. Was ist der Grund für die Diskrepanz zwischen Eigenkapital und Marktkapitalisierung? Das erste Quartal fiel äußerst schwach aus. Das Ergebnis sank um 35 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Neben faulen Krediten belasteten juristische Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der mißglückten Übernahme des Hypothekenanbieters Countrywide Financial, kurz bevor der Finanzmarkt kollabierte. Einen Verlust von 2,4 Milliarden Dollar musste Vorstandschef Brian Moynihan im Auftaktquartal in seiner Hypotheken-Sparte mit Privatkunden verschmerzen. Allerdings konnte das erstarkte Kreditkartengeschäft die Verluste auffangen. Auch ziehen die Erträge im Investmentbanking immer stärker an. Ebenfalls entwickelt sich der Eigenhandel erfreulich. Licht am Ende des Tunnels ist also in Sicht.

Im ersten Quartal summierte sich immerhin das Ergebnis nach Steuern auf 2 Milliarden Dollar beziehungsweise 17 Cent je Aktie. Analysten hatten jedoch mehr erwartet. Sie prognostizierten ein Ergebnis von durchschnittlich 27 Cent. Das ist einer der Gründe für den starken Kursverlust. Gewiss ist das Resultat mager, wenn man es mit dem Vorjahresquartal vergleicht, als 3,2 Milliarden netto oder 28 Cent je Aktie hängen geblieben waren. Der Umsatz enttäuschte ebenfalls, er sank von 32 auf 27 Milliarden Dollar.


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Konkurrenten wie JP Morgan Chase oder Wells Fargo haben die schwerste Finanzkrise seit mehr als 80 Jahren deutlich besser überstanden. JP Morgan schüttet bereits wieder eine attraktive Dividende aus, die Dividendenrendite beträgt stolze 2,3 Prozent. Die kalifornischen Traditionsbank Wells Fargo, deren größter Aktionär Warren Buffetts Beteiligungsholding Berkshire Hathaway ist, erreicht eine Dividendenrendite von immerhin 1,7 Prozent. Die Bank of America schüttet indes nur einen lausigen Cent je Anteilsschein pro Quartal aus. Mehr gibt wohl die wackelige Bilanz nicht her. Die amerikanische Zentralbank FED lehnte im Frühjahr einen Antrag des Vorstands ab, der die Dividende kräftig anheben wollte. Börsianer sind frustiert, sie sind verunsichert. Es wird spekuliert, wo neue Probleme lauern könnten. Aber genau hinter dieser Schwäche steckt ja die Kurs-Phantasie.

Nur mit ganz kleinen Schritten kommt Konzernlenker Moynihan bei der Sanierung voran. Wenn man das erste Quartal in Relation zu den vorangegangenen Berichten betrachtet, dann war der ausgewiesene Überschuss in Höhe von zwei Milliarden Dollar indes ein großer Schritt: Im vierten und dritten Quartal 2010 türmte sich der Verlust auf zusammen besorgniserregende 8,5 Milliarden Dollar. Im laufenden Jahr erwarten Analysten, dass das schlimmste überstanden ist. Sie haben einen Gewinn je Aktie in Höhe von 1,06 Dollar auf ihrer Agenda. Gemessen daran, beträgt das KGV elf. Das scheint moderat zu sein.


Tim Schäfer, US-Aktienexperte für Euro am Sonntag, empfiehlt Bank of America
Freilich sind immer wieder Rückschläge möglich. Für negative Schlagzeilen könnten etwa Ermittlungen der New Yorker Staatsanwaltschaft sorgen. Oft werden aber drohende Verfahren im Vorfeld gegen eine Ausgleichszahlung eingestellt. Die Bank of America ist übrigens nicht die einzige Adresse, die ins Visier der Justiz geraten ist.

Kurzum: Die Aktie macht vor allem für Anleger mit einem langen Zeithorizont Sinn. Voraussichtlich im Herbst, spätestens jedoch im nächsten Jahr wird das Management die Dividende erhöhen. Dann dürfte eine kräftige Kurserholung ins Haus stehen. So gesehen, kommt die Krise der Bank of America für Schnäppchenjäger geradezu gelegen. Spannend wird es jetzt im Chartbild. Es sieht danach aus, als ob bei der Elf-Dollar-Marke ein starke Unterstützung vorliegt.

Tim Schäfer ist Journalist und schreibt seit 1998 über Börse, Aktien und Unternehmen. Seit 2006 lebt der studierte Diplom-Betriebswirt und DVFA-Aktienanalyst in New York und berichtet von dort über die Geschehnisse an der Wall Street, unter anderem für Euro am Sonntag. Bekannt ist Schäfer für seine Berichterstattungen über kleine Nebenwerte.

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