01.02.2018 20:13
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Wie lange kann die Rally in DAX und Dow Jones noch weitergehen, Robert Halver?

Interview exklusiv: Wie lange kann die Rally in DAX und Dow Jones noch weitergehen, Robert Halver? | Nachricht | finanzen.net
Interview exklusiv
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Robert Halver, Chefanalyst der Baader Bank, spricht über die Politik von EZB und Fed sowie über den starken Euro, den Goldpreis und Bitcoin.
von Benjamin Summa

Herr Halver, das Börsenumfeld ist ideal: gutes Wirtschaftswachstum, nur moderate Inflation und wenig Störfeuer vonseiten der Notenbanken. Der US-Leitindex Dow Jones hat seit Beginn des vergangenen Jahres um mehr als 30 Prozent zugelegt, der hiesige DAX kam im gleichen Zeitraum auf immerhin rund 15 Prozent. Welche Prognose wagen Sie für die Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantiks für das laufende Jahr?
Robert Halver: Egal ob wegen oder trotz Trump, Amerika hat momentan einen richtigen Lauf. Das liegt an der Steuersenkung, der Digitalisierungsstrategie und der damit einhergehenden Standortverbesserung. Das führt dazu, dass enorme Kapitalzuflüsse in die USA stattfinden, aber auch, dass Amerikas Aktienmarkt deutlich überbewertet ist. Doch ein steigender Gewinntrend ist geeignet, der Überbewertung entgegenzuwirken. Auch die europäische Wirtschaft und der europäische Aktienmarkt werden davon profitieren. Auch wenn Europa in puncto Wirtschaftsreformen hinterherhinkt, profitiert vor allem Deutschland von einer starken Weltkonjunktur.

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Welches sind die größten Risiken, die Sie ausmachen?
Das größte Risiko wären wirklich restriktive Notenbanken, die der Liquiditätshausse den Garaus machen würden. Denn gerade der Ausfall von Zinsvermögen als ernstzunehmende Anlagealternative hat die Aktienbörsen nach oben getrieben. Der Anleihemarkt ist ja sogar noch teurer als Aktien, was diese relativ gesehen wieder günstig macht. Doch die Geldpolitik kann schon lange nicht mehr so, wie sie will. Seit dem Ausbruch der Schuldenkrise 2008 hat sich die weltweite Verschuldung weit über 50 Prozent erhöht. Wer sollte das bezahlen, wenn Leitzinsen und Renditen wieder normale Niveaus annähmen? Daneben ist die Inflation unterdrückt. Ölkrisen wie früher sind wegen der Alternativfördermethode Fracking nicht mehr möglich. Und daneben verhindern Globalisierung und Digitalisierung - also der Ersatz von Menschen durch Maschinen - jeden merklichen Lohnkostendruck. Tatsächlich hat die EZB klar zum Ausdruck gebracht, dass sie sich mit der geldpolitischen Wende sehr viel Zeit lassen wird. Nicht zuletzt will die EZB einen zu starken Euro, der unsere Exportwirtschaft belasten würde, verhindern.

Einer der wichtigsten Posten der Weltwirtschaft wird bald neu besetzt: Jerome Powell folgt auf Janet Yellen und wird neuer Vorsitzender der Notenbank Fed. Gehen Sie davon aus, der Powell die behutsame Zinspolitik von Janet Yellen fortsetzen wird?
Ja, hier sehen wir alten Wein in neuen Schläuchen. Ich kann mir sogar vorstellen, dass die Fed das Inflationsziel von zwei auf drei Prozent erhöht, um sich damit mehr Zeit für Zinserhöhungen zu lassen. Und mit Herrn Powell hat Trump sich keine exportschädliche Laus in seinen Konjunktur-Pelz gesetzt. Scharfe geldpolitische Restriktionen lehnt er als ehemaliger ab. Auch die Steuerreform lässt sich nicht aus der Portokasse bezahlen. Wir müssen damit rechnen, dass Amerika seine Verschuldung jedes Jahr um eine weitere Billion erhöhen wird. Und man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass - käme es hart auf hart, das heißt, würden die Anleiherenditen zu stark ansteigen und damit die Finanzierung der apokalyptischen US-Schulden zu teuer - die US-Notenbank wieder auf Anleihe-Shopping Tour gehen wird. Wetten, dass?

Die EZB lässt den zentralen Zinssatz, zu dem sich Banken im Euroraum Geld leihen, bei null Prozent. Wann rechnen Sie mit einem Ende der ultralockeren Geldpolitik, die ja vor allem in Deutschland viele Gegner hat?
Selbst wenn in der zweiten Jahreshälfte 2019 mit Zinserhöhungen angefangen werden sollte, muss man sich immer vor Augen führen, dass diese Zinserhöhungen niemals die Chance haben werden, die Inflation einzuholen. Das ist keine restriktive Geldpolitik, sondern nur Verbalakrobatik. Überhaupt wird der Zinserhöhungsprozess dann nur sehr langsam sein. Man muss immer im Hinterkopf behalten, dass Europa überschuldet ist und die Euro-Krise zwar mühsam beigelegt werden konnte, aber immer noch schwelt. Die EZB will in der Eurozone keine schlafenden Hunde wecken, die sie mit viel geldpolitischem Schlafmittel in den Dämmerzustand versetzt hat. Und da sich die Welt ja in einem Währungsabwertungswettlauf behindert, wird Mario Draghi den Amerikanern keine Dollarschwäche durch wirkliche harte europäische Zinserhöhungspolitik durchgehen lassen. Der europäische Export ist zu wichtig, um ihn mit einem harten Euro zu torpedieren.

Der US-Dollar ist jahrelang gestiegen, nach der Trump-Wahl hat er ein Hoch erreicht. Seitdem ist er deutlich schwächer geworden. Bitte erklären Sie unseren Lesern diese Trendumkehr.
Anlagegeld geht immer gerne dorthin, wo die Zinsen am höchsten sind. Wir haben es mit einem Paradigmenwechsel zu tun. Amerika will keinen harten Dollar mehr. Früher konsumierte Amerika das, was die Welt produzierte. Amerika importierte, die Welt exportierte. Doch Uncle Sam will nicht mehr die weltweiten Regale leer kaufen, sondern sie selbst befüllen. Aus der ehemaligen reinen Konsum- soll eine waschechte Industrie- und Exportnation werden. Man braucht also keinen teuren Dollar mehr zum billigen Einkauf, sondern will einen schwachen zum besseren Verkauf. Das erklärt auch die vorsichtige US-Geldpolitik, die gar nicht daran denkt, Preissteigerungen mit Zinserhöhungen zu kompensieren. Das nenne ich einen billigen geldpolitischen Trick.

Der schwache Dollar treibt den Goldpreis in die Höhe. Kürzlich stieg das gelbe Edelmetall auf den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren. Europäer haben indes wenig davon: In Euro gerechnet bewegt sich der Goldpreis kaum. Wie stehen Sie derzeit zu Gold?
Meine positive Meinung zu Gold hat sich nicht geändert. Dieses Jahr könnte der Goldpreis die 1.400 Dollarmarke überspringen, aber wirklich riesige Kursgewinne erwarte ich nicht, denn Gold wird von den Notenbanken über derivative Finanzinstrumente immer gedrückt. Ich bin nach wie vor dafür, dass man bis zu zehn Prozent des liquiden Anlagevermögens in Gold investieren sollte. Denn die Renditen für Zinsvermögen sind nach einer Inflation negativ, mit Gold verliert man also nichts. Und man hat mit Gold eine Absicherung, die in einer völlig überschuldeten Welt ein Must-have ist.

Letzte Frage: Was halten Sie eigentlich vom Bitcoin?
Man hat nun mit den beiden amerikanischen Terminbörsen die Möglichkeit, auch auf fallende Kurse beim Bitcoin zu setzen und damit Geld zu verdienen. Dem Spekulanten ist es egal, ob er mit steigenden oder fallenden Kursen Geld macht. Seitdem ist die Schwankung deutlich höher geworden, das ist ein großes Problem für den Otto-Normalanleger. Hinzu kommt: Die westliche Welt, die Notenbanken und die Politik, will keine Ersatzwährung haben, denn Kryptowährungen sind nicht beliebig vermehrbar und können somit weder Schuldenkrisen noch soziale Krisen lösen. Politiker lassen sich diese Allmacht nicht nehmen. Und beim Weltwirtschaftsforum in Davos konnte man tatsächlich sehen, wie hart mit Bitcoin & Co. ins Gericht gegangen wurde.

Disclaimer: Der Autor, Benjamin Summa, ist freier Mitarbeiter bei finanzen.net. Er interviewt regelmäßig Finanzexperten zu aktuellen Themen.

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Bildquellen: Bernd Roselieb, Simon Katzer, Robert Halver
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