Adobe-Aktie knickt ein: Suche nach neuem Chef - Quartalszahlen übertreffen Erwartungen

Beim US-Softwarekonzern Adobe steht nach vielen Jahren ein Chefwechsel an. Shantanu Narayen (62) werde zurücktreten, sobald ein Nachfolger gefunden ist.
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Das teilte der Anbieter von Kreativsoftware am Donnerstag nach US-Börsenschluss mit. Der Manager werde aber Verwaltungsratsvorsitzender bleiben. Narayen war bereits 1998 zur Adobe gekommen und führt das Unternehmen seit Dezember 2007. Zuletzt zweifelten Investoren zunehmend an der Adobes Fähigkeit, im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz (KI) erfolgreich zu sein. Das Unternehmen bietet etwa Software zur Bearbeitung von Videos und Fotos an.
Der Wechsel werfe Fragen hinsichtlich strategischer Kontinuität, Prioritäten bei der Kapitalallokation und Innovationstempo auf, erklärte Grace Harmon, Analystin bei Emarketer. Investoren dürften sich darauf konzentrieren, ob die neue Führung ein Gleichgewicht zwischen disziplinierter Umsetzung und aggressiven KI-Investitionen wahre, besonders angesichts des zunehmenden Wettbewerbs im Bereich kreativer und unternehmensweiter KI, so die Expertin.
Angesichts des anstehenden Chefwechsels gerieten die von Adobe zeitgleich vorgelegten Zahlen des Geschäftsquartals in den Hintergrund. Die Zahlen lagen weitgehend über den Erwartungen der Analysten. Die Höhe der jährlich wiederkehrender Umsätze habe dabei einen Tick unter den Erwartungen gelegen, schrieb Mark Murphy von des US-Bank JPMorgan. Er bleibt nach den Resultaten des ersten Geschäftsquartals gleichwohl optimistisch. Der Softwarekonzern habe die Saat gesät für die nächste Wachstumsphase.
Der Hersteller von Photoshop und anderen Produkten für Kreativprofis gehört zu einer Gruppe von Anwendungssoftware-Unternehmen wie Salesforce, die angesichts aufstrebender KI-Anbieter Schwierigkeiten haben, neue Kunden zu gewinnen. Adobe hat darauf reagiert und KI-Tools in seine Kreativ- und Marketingsoftware integriert und bietet eigene KI-Modelle zur Generierung von Bildern ohne Urheberrechtsrisiken an, um seinen Marktanteil zu verteidigen.
In Narayens Amtszeit fiel eine Phase enormen Wachstums, in der sich der Jahresumsatz von Adobe seit seinem Antritt fast versechsfachte und zuletzt und bei rund 24 Milliarden US-Dollar lag. Dem Manager wird oft zugeschrieben, einen der ersten erfolgreichen Übergänge in der Softwarebranche zu einem Abonnement-Modell eingeleitet zu haben.
In den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres bis zum 27. Februar steigerte das Unternehmen seinen Umsatz im Jahresvergleich um zwölf Prozent auf 6,4 Milliarden US-Dollar (knapp 5,6 Mrd Euro). Der von Analysten stark beachtete um Sondereffekte bereinigte Gewinn je Aktie schnellte um fast ein Fünftel auf 6,06 Dollar nach oben. Der Nettogewinn legte alles in allem um gut 4 Prozent auf 1,89 Milliarden Dollar zu.
Für das laufende zweite Geschäftsquartal peilt Narayen Erlöse von 6,43 bis 6,48 Milliarden Dollar an sowie ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 5,80 bis 5,85 Dollar. Damit fällt auch der Ausblick höher aus als von Analysten erwartet.
Adobe-Aktie sackt ab
Überraschend schwache Umsätze von Adobe und das baldige Ausscheiden des Chefs Shantanu Narayen haben die Aktien des US-Softwarekonzerns am Freitag stark belastet. Anleger fürchteten insbesondere einen Strategiewechsel des Unternehmens. Zu Handelsbeginn waren die Papiere an der NASDAQ um bis zu 8,4 Prozent auf gut 247 US-Dollar abgerutscht und hatten sich damit dem Ende Februar erreichten, tiefsten Stand seit 2019 genähert.
Zum Handelsschluss verloren die Adobe-Aktien noch 7,58 Prozent auf 249,32 US-Dollar. Damit waren sie das klare Schlusslicht im breit gefassten, leicht nachgebenden Index S&P 500.
Bei Adobe steht nach vielen Jahren ein Chefwechsel an. Narayen (62) wird nach Aussage des Unternehmens zurücktreten, sobald ein Nachfolger gefunden ist. Narayen war bereits 1998 zur Adobe gekommen und führt das Unternehmen seit Dezember 2007. Der Manager wird aber Verwaltungsratsvorsitzender bleiben.
Auf diese Ankündigung reagierte Analyst Saket Kalia von der Barclays Bank mit den Worten: "Narayens Führung bei Adobe war beispielhaft". Narayen habe Adobe zu einem der größten Anbieter von Abo-Software per Internet und Cloud gemacht. Angesichts der zurückliegenden Kursverluste der Aktien sei der Schritt aber auch verständlich. Seit den Hochs über 600 Dollar vor zwei Jahren hat sich der Adobe-Kurs mehr als halbiert.
Dass Narayen Vorsitzender bleibt, könnte laut Kalia auf größere Veränderungen im Unternehmen hindeuten. Die Suche nach einem neuen Chef werde Monate dauern und dessen Einarbeitung weitere Monate. In dieser Zeit das Geschäftsmodell zu modernisieren, sei zwar nicht unmöglich, werde aber Zeit beanspruchen. "Aus diesem Grund treten wir nun an die Seitenlinie", sagte Kalia.
Analyst Mark Murphy von der Bank JPMorgan richtete den Fokus auf die Geschäftszahlen. Die Höhe jährlich wiederkehrender Umsätze habe einen Tick unter den Erwartungen gelegen. Er bleibt gleichwohl optimistisch. Der Softwarekonzern habe das Saatgut ausgebracht für die nächste Wachstumsphase.
Analystin Gabriela Borges von der Investmentbank Goldman Sachs riet weiterhin zu einem Verkauf der Adobe-Aktien. Die Kursverluste seien auch Ausdruck des Missverhältnisses zwischen Zuwachs der Abo-Umsätze und dem Abschwung der jährlich wiederkehrenden Umsätze.
Aus charttechnischer Sicht hat sich derweil das Bild weiter eingetrübt. Der Kurs fiel jetzt auch unter die 21-Tage-Durchschnittslinie, die den kurzfristigen Trend beschreibt. Die viel beachtete 200-Tage-Linie als Maß für die langfristige Entwicklung erweist sich bereits seit Ende 2024 als hartnäckiger Widerstand.
dpa-AFX
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