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10.10.2019 19:12
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Blick auf die Details lohnt sich: So hat US-Präsident Trump den Aktienmarkt wirklich bewegt

Stillstand statt Rally: Blick auf die Details lohnt sich: So hat US-Präsident Trump den Aktienmarkt wirklich bewegt | Nachricht | finanzen.net
Stillstand statt Rally
US-Präsident Donald Trump reklamiert gerne für sich, die erfolgreichste Aktienmarktentwicklung in den USA zu verantworten. Tatsächlich zeigt der Fokus auf den Gesamtzeitraum ein positives Bild. Ein Blick auf die Details offenbart allerdings, dass die Erfolgsbilanz von Trump bröckelt.
• US-Aktienmärkte haben seit Trumps Amtsantritt deutlich zugelegt
• Seit Anfang 2018 Stagnation
• Starke Volatilität prägt das Handelsgeschehen

Twitter ist das bevorzugte Kommunikationsmedium des US-Präsidenten. Immer wieder im Verlauf seiner Amtszeit hat Donald Trump mit Tweets an den Finanzmärkten für Bewegung gesorgt. Dabei wird er nicht müde zu betonen, dass die Finanzmärkte phänomenal laufen und sogar noch besser laufen könnten, wenn die US-Notenbank Federal Reserve in Sachen Zinssenkung noch mutiger wäre.

Im ersten Jahr lief es wirklich phänomenal

Und tatsächlich: Seit der Wahl von Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten am 8. November 2016 haben die US-Aktienmärkte eine positive Bilanz. Der S&P 500 legte seit der Wahl um 35,7 Prozent zu, für den Dow Jones ging es sogar um satte 43,3 Prozent nach oben, während der Techwerteindex Nasdaq Composite mehr als 51 Prozent höher steht als vor rund drei Jahren.

Im Chartverlauf deutlich zu sehen: Anleger verteilten nach der Wahl Vorschusslorbeeren an Donald Trump, denn seit dem Amtsantritt im Januar 2017 fällt die Bilanz mit +28 Prozent beim S&P 500, +33 Prozent beim Dow Jones und +41 Prozent bei den Techtiteln etwas schwächer aus.

Tatsächlich kann sich Donald Trump also eine erfolgreiche Aktienmarktentwicklung unter seiner Präsidentschaft auf seine Fahne schreiben, wenn auch Kritiker monieren, die Finanzmärkte und auch die robuste Wirtschaft profitieren noch von der Politik der Obama-Regierung.

Seit geraumer Zeit stagnieren die Märkte

Was beim Blick auf die komplette Amtszeit des Präsidenten aber oft nur wenig Beachtung findet, ist die Tatsache, dass die kompletten Gewinne an den US-Märkten bis 2018 erzielt wurden - seitdem haben die Märkte eine Achterbahnfahrt sondergleichen aufs Parkett gelegt.

Im Januar 2018 erreichte der S&P 500 mit einem Stand von über 2.870 Punkten bereits ein Kursplus von knapp 35 Prozent - zur Erinnerung, die Gesamtbilanz des US-Index bis Oktober 2019 liegt bei 35,7 Prozent. Und auch bei Dow Jones und Nasdaq zeigt sich ein ähnliches Bild: Den größten Teil ihrer Indexzuwächse von 43 und 51 Prozent erreichten sie bereits im Januar beziehungsweise August 2018. Schaut man sich die Kursentwicklung seit diesem Zeitpunkt an, fällt die Bilanz von Donald Trump deutlich ernüchternder aus: Die Indizes haben nämlich auf absolute Sicht stagniert. Seit den Indexständen im Jahr 2018 haben S&P 500 und Dow Jones nur marginal zugelegt, der Techwerteindex Nasdaq steht heute sogar unter seinem 2018er Wert.

Starke Volatiliät prägt den Markt

Dabei war die Entwicklung in den vergangenen anderthalb Jahren alles andere als geradlinig, die Märkte haben keine klare Seitwärtsbewegung hingelegt, wie ein Blick auf die absoluten Zahlen vielleicht vermuten ließe. Im Gegenteil: Seit 2018 folgten kräftige Kurseinbrüche auf kräftige Kursanstiege. In diesem Jahr haben die Märkte im Sommer noch neue Rekorde erreicht - seitdem ist die Bilanz allerdings negativ.

Die Märkte spiegeln dabei die deutliche Unsicherheit wider, die US-Präsident Donald Trump mit seinen Tweets immer wieder aufkommen lässt. Immer neue Vorstöße im Handelsstreit, die Hoffnung auf eine Einigung mit China und immer neue Rückschläge führen zu einer Achterbahnfahrt an den Börsen.

"Ich schaue mir dieses Ding an - mein Gott - es ist wie eine Tour de France-Radtour", zitiert Bloomberg Marvin Loh, den globaler Makro-Stratege bei State Street. "Massive Anstiege und großartige Abfahrten - außer dass dies schreckliche Abfahrten sind. Und dann steigen wir auf den nächsten Gipfel und fahren ihn runter. "

Rezessionssorgen und Fed-Politik bestimmen das Geschehen

Neben dem Handelsstreit sind es auch Wirtschaftsdaten, die immer häufiger Anlass zur Besorgnis geben. Zwar betont Donald Trump immer wieder, der US-Wirtschaft gehe es dank seiner Politik phänomenal, doch es mehren sich Anzeichen, die auf eine Rezession hindeuten. Dass der Aufschwung in Gefahr ist, hatte zuletzt auch die US-Notenbank erkannt, die im Juli erstmals seit zehn Jahren den Leitzins wieder drosselte und im September einen zweiten Zinsschritt nachlegte. Dies verhalf den Börsen kurzzeitig zu neuem Schwung. Donald Trump war dies aber nicht genug: Bereits kurz nach der geldpolitischen Ankündigung der Währungshüter erklärte er auf Twitter, die Fed habe ein weiteres Mal versagt. "Kein Mut, kein Sinn, keine Vision", schimpfte er, der sich einen deutlicheren Zinsschritt nach unten erhofft hatte, um die US-Wirtschaft zu stützen.

Tatsächlich konnte der Zinsschritt den Börsen nachhaltig keinen dauerhaften Schub verleihen, die volatile Entwicklung an den Märkten geht aktuell weiter.

Bleibt abzuwarten, wie die Bilanz des US-Präsidenten zum Ende seiner Amtszeit ausfallen wird. Fest steht: Die Anleger sind längst nicht mehr so positiv gestimmt, wie noch zu Trumps Amtsantritt 2017. Handelsstreit, Geldpolitik insbesondere aber der Zustand der US-Wirtschaft wird das Handelsgeschehen voraussichtlich weiter deutlich prägen.



Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Chip Somodevilla/Getty Images, Kevin Dietsch-Pool/Getty Images
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