07.09.2009 05:51

Diedrich Coffee kocht Starbucks ab

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Immer mehr Amerikaner greifen zu Kaffeemaschinen. Diedrich Coffee macht das zum Börsenstar. Noch Mitte März wardie Aktie ein Pennystock, jetzt notiert sie bei 25 Dollar.
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von Tim Schäfer, New York

Ein besseres Aufputschmittel ist kaum denkbar. Vor drei Jahren verkaufte der US-Kaffeeröster Diedrich Coffee seine 40 verlustreichen Filialen an den Erzrivalen Starbucks. Für läppische 13,5 Millionen Dollar riss sich der Branchenprimus die Kette unter den Nagel und zahlte dabei wohl nicht mehr als den Wert der Einrichtungsgegenstände. Doch der Deal zahlte sich aus. Allerdings nicht für Starbucks, sondern für Diedrich Coffee. Denn fortan fokussierte sich das kleine kalifornische Unternehmen auf die Vermarktung der drei hauseigenen Kaffeesorten über das Internet sowie über den Groß- und Einzelhandel – und das mit einem enormen Erfolg.

Wie eine Bombe schlug vor allem der Verkauf exklusiver Kaffeekapseln ein. Dabei hatten Börsianer Diedrich schon als Pleitekandidaten abgeschrieben. Kein Wunder: Insgesamt türmen sich die aufgelaufenen Verluste auf mehr als 50 Millionen Dollar. Folge: Noch Mitte März notierte die Aktie bei 20 Cent.

Doch das Bündnis mit dem Kaffeemaschinenhersteller Green Mountain Coffee Roasters sowie ein neuer Vertriebspartner sorgten für einen kräftigen Umsatzanstieg und die Rückkehr in die Gewinnzone. Der Kurs schoss bis August auf über 25 Dollar nach oben. Zwar gab die Notiz in der Zwischenzeit etwas nach. Trotzdem ist Diedrich an der Nasdaq mit einem Kursplus von 4540 Prozent in diesem Jahr der absolute Topwert. Das ist beachtlich für eine Branche, die normalerweise nicht gerade vor Kursfantasie überkocht.

Alles begann 1916, als Charlotte Diedrich eine Kaffeeplantage in Costa Rica erbte. Als ihr Sohn Carl das Ruder übernahm, suchte er rund um den Globus nach den besten Röstverfahren. In den 60er-Jahren engagierten sich schließlich Carls Söhne. Sie kauften 1966 Plantagen in Antigua, Guatemala, hinzu. Dort ernteten sie jedes Jahr 400 Säcke Arabica-Bohnen. Mit einem kleinen VW-Bus transportierten sie die Säcke zu ihrem Stammsitz im kalifornischen Orange County. 1972 eröffnete das erste Café in Newport Beach. Weitere Filialen folgten.

Der jüngste Erfolg hängt vor allem mit dem Bündnis mit Green Mountain zusammen. Dessen Keurig--Maschinen, bei welchen der Kaffee mithilfe von Kapseln zubereitet wird, verkaufen sich wie verrückt. Allein im zweiten Quartal gingen 479 000 Geräte über die Ladentheke. Große Einzelhändler wie Macy’s, Bloomingdale’s oder Bed Bath & Beyond haben sie längst im Sortiment. Selbst die Mega-Supermarktkette Wal-Mart reiht sich inzwischen bei den Vertriebspartnern ein.

Wegen der wirtschaftlichen Flaute nehmen die Amis Heißgetränke häufiger zu Hause zu sich. Darunter leiden teure Filialisten wie Starbucks. Weil der heimische Automat eine günstige Alternative ist, zählen Firmen wie Green Mountain oder Diedrich zu den Profiteuren der neuen Trinkgewohnheiten. Während eine Kapsel etwa 50 Cent kostet, müssen bei Starbucks zwei Dollar und mehr für einen Becher auf die Theke gelegt werden.

Gegen die teuren Cafés wettert seit Monaten zudem die TV-Werbekampagne „Feed The Pig“ – Füttere das Sparschwein. Wer auf die Pappbecher unterwegs verzichtet, könne über 1000 Dollar im Jahr sparen, rechnet die vom Verband der Buchhalter gesponsorte Reklame vor. Sie richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die lernen sollen, sparsamer mit Geld umzugehen.

Mehr als die Hälfte der Erwachsenen trinkt regelmäßig Kaffee. Die Amis geben jährlich 26 Milliarden Dollar dafür aus. 80 Prozent kochen mittlerweile wieder zu Hause, berichtet der Nationale Kaffeeverband. Dazu passt ins Bild, dass Starbucks seit Jahren unter einem rückläufigen Umsatz leidet. Zuletzt hatte McDonald’s dem Koffeingiganten den Kampf mit frisch gebrühtem Bohnenkaffee für einen Dollar angesagt. Montags bietet McDonald’s sogar vorübergehend Kaffee gratis an.

Zu den Profiteuren des Bohnen-kriegs zählt auch Peet’s Coffee and Tea. Der Filialist befindet sich im Aufwind dank der 8000 Einzelhändler, die den abgepackten Qualitätskaffee direkt an Verbraucher verkaufen – zum Selberbrühen.

Klarer Gewinner ist zudem, neben Diedrich Coffee, Green Mountain. Der Kurs kocht regelrecht. Seit der Erstnotiz 1993 schoss der Nasdaq-Titel von 1,47 auf über 63 Dollar. Clever ist die Strategie: Ähnlich wie Gillette mit seinen Rasierklingen hohe Margen verdient, bittet Green Mountain die Verbraucher bei den Kapseln zur Kasse. Jede neu verkaufte Maschine – sie kostet nur um die 100 Dollar – ist praktisch eine Garantie für Hunderte von Kapseln. Zudem gab das Management nur vier Röstern die Lizenz für die Kapseln. Damit ist die Konkurrenz begrenzt. Was voll und ganz dem Geschmack der Green-Mountain-Chefs und der Anleger entsprechen dürfte.

Diedrich Coffee
Abgekapselt von den Filialen

Die Trennung vom Filialgeschäft führte zum Durchbruch. Im vergangenen Quartal gelang nach jahrelanger Durststrecke der Turnaround: Bei einem Umsatz in Höhe von 19,5 Millionen betrug der Gewinn 1,35 Millionen Dollar. Angesichts der stürmischen Nachfrage nach den Kaffeekapseln ist mit weiteren positiven Nachrichten zu rechnen. Mitte Juni kündigte Diedrich an, die Kapselproduktion um mehr als 40 Prozent auszubauen. Dennoch nur für risikobewusste Anleger. Stoppkurs beachten!

Green Mountain Coffee Roasters
Heiß gelaufen

Der Jahresausblick des Unternehmens erscheint konservativ. Im laufenden Turnus soll der Umsatz auf rund 800 Millionen Dollar steigen. Zum Halbjahr kamen 390 Millionen zusammen. Der Gewinn je Aktie soll dieses Jahr von 0,87 auf bis zu 1,53 Dollar steigen. Angesichts der dynamischen Entwicklung könnte der Gewinn sogar noch höher ausfallen. Aber: Die Aktie ist schon recht teuer bewertet. Deshalb Kursrücksetzer abwarten.

Peet’s Coffee & Tea
Glänzt in der Krise

Das 1966 von Alfred Peet im kalifornischen Berkeley gegründete Café diente den Gründern von Starbucks Anfang der 1970er-Jahre als Blaupause. Während Starbucks zu einem globalen Giganten heranwuchs, expandierte Peet überwiegend an der Westküste. Die Bohnen werden nach wie vor per Hand geröstet. Das Aroma kommt gut an: Im ersten Halbjahr kletterte der Gewinn je Aktie um 36 Prozent auf 0,49 Dollar. Auf Jahressicht sollen 0,97 bis 1,00 Dollar erreicht werden. Spekulativ!

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26.07.2019Starbucks overweightJP Morgan Chase & Co.
26.07.2019Starbucks Market PerformTelsey Advisory Group
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26.07.2019Starbucks Market PerformTelsey Advisory Group
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13.04.2018Starbucks Market PerformCowen and Company, LLC
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