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15.10.2019 20:15
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Wirecard-Aktie bricht zweistellig ein - Zeitweise fast vier Milliarden Euro Börsenwert futsch: Neue Vorwürfe der "FT" - Bafin untersucht

Versuchte Täuschung?: Wirecard-Aktie bricht zweistellig ein - Zeitweise fast vier Milliarden Euro Börsenwert futsch: Neue Vorwürfe der "FT" - Bafin untersucht | Nachricht | finanzen.net
Versuchte Täuschung?
Die Vorwürfe um Bilanzierungsprobleme beim Zahlungsdienstleister Wirecard reißen nicht ab.
Interne Dokumente des Unternehmens sowie die Korrespondenz hochrangiger Manager der Finanzabteilung erweckten den Anschein, als könnten Umsätze und Gewinne in Dubai und Irland zu hoch ausgewiesen worden sein, berichtete die "Financial Times" am Dienstag. Zudem sei möglicherweise versucht worden, den Wirtschaftsprüfer EY zu täuschen. Eine Wirecard-Sprecherin bezeichnete den Bericht auf Nachfrage der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX als "falsch und verleumderisch". Alle Zahlen des Konzerns, auch die in Dubai, seien im Rahmen des Konzernabschlusses geprüft.

Schon Anfang des Jahres hatten Berichte der "FT" rund um Bilanzunregelmäßigkeiten in Singapur für Unruhe gesorgt. Die Aktie rutschte innerhalb einer guten Woche teils um fast die Hälfte ab. Wirecard hatte dann nach eigenen Untersuchungen einräumen müssen, dass einige Posten bei einer Tochter tatsächlich falsch verbucht wurden, allerdings in geringerem Umfang als von der "FT" suggeriert. Einige Mitarbeiter könnten sich in Singapur strafbar gemacht haben, systematische Luft- und Falschbuchungen schließt Wirecard aber aus.

Bafin auf den Plan gerufen

Die Finanzaufsicht Bafin untersucht "den neuerlichen Vorfall". Er fließe in die laufende Untersuchung wegen Verdachts der Marktmanipulation ein, sagte eine Sprecherin in Bonn. "Dabei stehen wir in sehr enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft München." Die Bafin sehe aber keinen Grund, Leerverkäufe von Wirecard-Aktien erneut zu verbieten, sagte die Sprecherin. Zuvor hatte das Finanzportal "boerse-online.de" über die Bafin-Reaktion berichtet.

Schon Anfang des Jahres hatten Berichte der "FT" rund um Bilanzunregelmäßigkeiten in Singapur für Unruhe gesorgt. Die Aktie rutschte innerhalb einer guten Woche teils um fast die Hälfte ab. Wirecard hatte dann nach eigenen Untersuchungen einräumen müssen, dass einige Posten bei einer Tochter tatsächlich falsch verbucht wurden, allerdings in geringerem Umfang als von der "FT" suggeriert. Einige Mitarbeiter könnten sich in Singapur strafbar gemacht haben, systematische Luft- und Falschbuchungen schließt Wirecard aber aus.

Der Fall beschäftigt weiter die Behörden. In Deutschland gehen Staatsanwaltschaft und Finanzaufsicht Bafin dem Verdacht unerlaubter Marktmanipulation durch Spekulanten nach, die mit schlechten Nachrichten die Aktie unter Druck bringen und daran mittels sogenannter Leerverkäufe verdienen wollen. Das Unternehmen geht auch rechtlich gegen Mitarbeiter der Londoner Zeitung vor, weil sie womöglich mit Spekulanten unter einer Decke stecken sollen. Die "FT" sieht sich allerdings nach eigens in Auftrag gegebenen Untersuchungen einer Anwaltskanzlei entlastet von diesen Vorwürfen.

Angebliche Belege für Vorwürfe in Form von Dokumente

Die Zeitung veröffentlichte zu ihrem Artikel am Dienstag mehrere Dokumente und Tabellen, die einerseits Mitteilungen zwischen Wirecard-Managern belegen sollen und andererseits Zahlen verschiedener Tochtergesellschaften des Konzerns aufschlüsseln sollen. Ob die Dokumente authentisch sind, dazu äußerte sich Wirecard zunächst nicht.

Laut "FT" sollen die Unterlagen nahelegen, dass eine bereits in früheren Artikeln thematisierte Tochter in Dubai gemessen am Transaktionsvolumen unverhältnismäßig viel Gewinn in die Konzernzentrale nach Aschheim bei München meldete.

In früheren Berichten hatte die Zeitung bereits angedeutet, dass es bei der Prüfung der Bücher in Dubai nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnte. Auf einer Kapitalmarktveranstaltung in New York vor einer Woche hatte Wirecard-Finanzchef Alexander von Knoop dagegen erneut angegeben, die Dubai-Tochter sei wie vorgeschrieben im Rahmen der Konzernbuchprüfung ebenfalls kontrolliert worden.

Wirecard verdient sein Geld mit der Abwicklung von elektronischen Zahlungen und an zusätzlichen Dienstleistungen wie Risikoabsicherung und Händlerfinanzierung. Damit profitiert das Unternehmen vor allem vom Online-Shoppingboom, der bei Internethändlern die Kasse klingeln lässt. Wirecard behält vom abgewickelten Transaktionsvolumen eine Gebühr ein.

Erst vergangene Woche schraubte das Unternehmen nach dem Einstieg des japanischen Technologieinvestoren Softbank und der Ankündigung mehrerer neuer Großkunden die Mittelfristziele in die Höhe. 2025 will Wirecard mehr als 12 Milliarden Euro Umsatz machen und den operativen Gewinn auf über 3,8 Milliarden Euro steigern. Das abgewickelte Transaktionsvolumen soll von knapp 125 Milliarden vergangenes Jahr auf dann mehr als 810 Milliarden Euro klettern.

Wirecard zählte zuletzt weltweit mehr als 300 000 Händler zu seinen Kunden, der weit überwiegende Teil davon sind kleine Verkaufsstellen, die geringe Transaktionsvolumina auslösen. Lange war Wirecard vor allem durch Übernahmen in Asien schnell gewachsen. Seit einiger Zeit legt das Unternehmen aber vor allem aus eigener Kraft zu.

Aktie bricht ein

Durch die Nachrichten hat die Wirecard-Aktie an der Börse zeitweise fast vier Milliarden Euro an Wert verloren. Dabei brach der Aktienkurs im Tief mit 107,80 Euro um beachtliche 23 Prozent ein. Nachdem eine Konzernsprecherin die neuen Vorwürfe zurückwies, konnten sie einen Teil der Verluste aufholen. Am Ende stand aber immer noch ein herbes Minus von fast 13 Prozent auf der Kurstafel.

Für Analyst Mirko Maier von der LBBW sind die neuerlichen Berichte kein Grund zur Beunruhigung. "Wir halten uns an das Testat der Wirtschaftsprüfer, die die schon früher erhobenen Vorwürfe im Rahmen einer Sonderprüfung widerlegten", kommentierte der Experte am Dienstag. Er blickt bei seiner beibehaltenen Kaufempfehlung stattdessen auf die bald erwarteten Quartalszahlen, bei denen er "erfreuliche Umsatz- und Ertragszahlen" erwarte.

Auch die DZ Bank gab sich am Dienstag nach dem Dementi von Wirecard gelassen. Wie Analyst Harald Schnitzer schrieb, komme die Aktie immer wieder durch Betrugsvorwürfe und damit Leerverkaufs-Attacken unter Druck, bisher hätten sich aber alle Vorwürfe als haltlos erwiesen. LONDON (dpa-AFX)

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