13.07.2016 12:00

Brexit-Beben: So handeln Fonds-Profis in der Krise

Euro am Sonntag-Check: Brexit-Beben: So handeln Fonds-Profis in der Krise | Nachricht | finanzen.net
Bert Flossbach
Euro am Sonntag-Check
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Die Anleger ­vertrauen ihnen Milliarden an, um vor Turbulenzen geschützt zu sein. €uro am Sonntag hat sich die Reaktionen der Top-Fondsmanager auf das Brexit-Votum angesehen.
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€uro am Sonntag
von Christoph Platt, Euro am Sonntag

Die Briten haben die Finanzmärkte kräftig durcheinandergewirbelt. Wegen ihrer Entscheidung, die EU zu verlassen, schwappt eine Welle der Verunsicherung über die Börsen.


Für die Lenker milliardenschwerer Mischfonds ist der Ausgang des Referendums eine neue Herausforderung, der sie sich zügig stellen müssen. Denn die Anleger in diesen beliebten Produkten erwarten von den Managern nichts weniger, als dass sie diese sicher durch unruhige Zeiten steuern.


€uro am Sonntag hat sich umgehört unter den Fondsprofis und sich erklären lassen, wie sie auf das Referendum reagiert ­haben. Die Redaktion befragte das Fondsmanagement des Carmignac Patrimoine, des FvS Multiple Opportunities, des Kapital Plus und des Ethna-Aktiv. Sie wollte wissen, wie sich die Fonds auf das Referendum vorbereitet haben, wie sie sich seit dem Votum verhalten haben und welche mittel- bis langfristigen Folgen für die Portfolios zu erwarten sind.

Carmignac Patrimoine

Der Carmignac Patrimoine hat den Absturz der Aktienmärkte gut abgefedert. Am 24. Juni verlor er nur marginal und steht mittlerweile gegenüber dem Tag des Referendums mehr als ein Prozent im Plus. Mehrere Punkte haben dafür gesorgt, dass der Fonds stabil geblieben ist. So besitzt er keine Finanztitel, die nach dem Brexit-­Votum besonders gelitten haben. Hinzu kommt ein fünf­prozentiges Engagement bei Goldminenbetreibern. "Dies hat nicht nur seit dem Aufbau der Positionen im Februar kräftig an Wert zugelegt, sondern war auch am 24. Juni hilfreich", sagt Didier Saint-Georges, Mitglied im Investmentkomitee der Pariser Vermögensverwaltung.

Zudem hielt der Fonds Absicherungen im Euro Stoxx 50 und in einigen asiatischen Aktienindizes. Auch auf der Rentenseite schützten sich Edouard Carmignac und sein Team: "Um die Volatilität bei Firmenanleihen zu kompensieren, haben wir das Portfolio gegen sich ausweitende Kreditprämien abgesichert", erklärt Saint-Georges.


Mittel- bis langfristig sieht der Stratege keinen Änderungsbedarf als unmittelbare Folge des Brexit-Votums. "Es gilt, die kommenden politischen Entwicklungen aufmerksam zu beobachten und wie sie sich wirtschaftlich auswirken." Auf lange Sicht erwartet er, dass die Märkte der Industrieländer weiter schwächeln werden, weshalb sich aktuell keine Kaufgelegenheiten aufdrängten. Die defensive Haltung des Patrimoine wird vorerst bestehen bleiben.

FvS Multiple Opportunities

Auch der FvS Multiple Opportunities hat sich gut aus der Affäre gezogen. Am Tag nach dem Referendum verlor er weniger als ein Prozent. Spezielle Maßnahmen in den Tagen zuvor, um von dem Ausgang der Abstimmung zu profitieren, hat Bert Flossbach nicht getroffen. Dass der Fonds durch das Votum nicht allzu stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, führt der Manager auf die robuste Auf­stellung des Portfolios zurück. "Eine ausgewogene Diversifi­kation - Aktien, Anleihen, Gold, Währungen - und der Fokus auf Qualität haben geholfen, die unmittelbaren Brexit-Folgen abzufedern", sagt er. Vorteilhaft war zudem, dass der Fonds keine Bankaktien hält.

Unmittelbar nach dem Absturz der Börsen am 24. Juni war Flossbach als Käufer unterwegs. "Wir haben einen Teil unserer Liquidität genutzt, um nach den Kursrückschlägen Aktienpositionen auf- beziehungsweise auszubauen", sagt er.

Der Manager fürchtet weniger die unmittelbaren als vielmehr die mittelbaren Folgen des Brexits. "Der Brexit ist für sich betrachtet weit weniger relevant als seine Wirkung auf die globale Tiefzinspolitik und den damit verbundenen Abwertungswettlauf der Währungen", sagt er. Langfristig sei aus Investorensicht die aggressive Geldpolitik der Notenbanken weltweit und ein damit einhergehender möglicher Vertrauensverlust in unser Geldsystem entscheidend. "Unser Fokus wird deshalb weiterhin auf liquiden Sachwerten, insbesondere auf Qualitätsaktien liegen."

Kapital Plus

Am 24. Juni ging es für den Kapital Plus zwar gut zwei Prozent nach unten. Doch die Verluste konnte der Fonds in den folgenden Tagen wieder wettmachen. Gewohnt ruhig gibt sich deshalb Manager Stefan Kloss. Bis auf leichte Anpassungen im Aktienbereich habe er nicht reagiert, nachdem das Ergebnis des Referendums feststand. "Bei den Aktien konzentrieren wir uns auf Unternehmen, die mit strukturellem Wachstum überzeugen können", sagt er. "Mit dieser ­Positionierung auf Einzeltitel­ebene, die mindestens einen mittelfristigen Anlagezeitraum zugrunde legt, erfordern Markt­ereignisse wie der Brexit keine spontanen umfangreichen Aktivitäten."

In den Tagen vor dem Referendum hat Kloss auf der Rentenseite Anpassungen vorgenommen. "Mit der steigenden Unsicherheit hat das Rententeam das relative Übergewicht in südeuropäischen Anleihen reduziert", sagt er. Auf den Ausgang der Abstimmung gewettet habe er aber nicht, betont er.

Langfristig drängen sich für ihn keine zwangsläufigen Anpassungen am Portfolio auf. "Wir werden die Verhandlungen aufmerksam verfolgen und werden reagieren, wenn sich Konsequenzen für Unternehmen und ihre Geschäftsmodelle abzeichnen", sagt er. An dem fixen Verhältnis von 30 Prozent Aktien und 70 Prozent Anleihen wird der Manager festhalten.

Ethna-Aktiv

Vom Brexit-Votum unbeeindruckt blieb der Ethna-Aktiv. Er gewann am Tag nach dem Referendum sogar leicht hinzu. Die Fondsmanager Luca Pesarini und Christian Schmitt hatten den Fonds mit Blick auf das unsichere Marktumfeld schon seit Mitte Januar sehr vorsichtig positioniert. "In Erwartung einer zunehmenden Marktvolatilität zum Brexit-Termin hin haben wir diese defensive Positionierung beibehalten und unsere Cashquote erhöht", berichtet Schmitt.

Weitere Maßnahmen kamen hinzu: Die Fondsmanager verstärkten zum einen ihr Engagement in Fremdwährungen - insbesondere im US-Dollar. Zum anderen wurde der Aktienanteil reduziert. "Unser ohnehin schon defensiv ausgerichtetes Aktienportfolio hatten wir zusätzlich über Derivate abgesichert, sodass die Marktverwerfungen der ersten beiden Tage nach dem Brexit nahezu keinen Einfluss auf den Wert des Ethna-Aktiv hatten", sagt Schmitt. Darüber hinaus hatten die Manager vor dem Referendum verstärkt auf Anleihen verlässlicher Schuldner gesetzt.

In den vergangenen Tagen ist das Team des Ethna-Aktiv bei seiner vorsichtigen Haltung geblieben. Gleichwohl wurde die Netto-Aktienquote etwas hochgefahren und liegt nun bei zehn Prozent. Seine defensive Positionierung will der Fonds vorerst beibehalten. Staatsanleihen und qualitativ hochwertige Unternehmensanleihen aus den USA werden weiter den Kern des Anleiheportfolios bilden.

Investor-Info

Carmignac Patrimoine
Klassiker mit Auf und Ab

Der Carmignac Patrimoine zählt zu den ausgewogenen Mischfonds. Mindestens die Hälfte des Vermögens muss in festverzinsliche Wertpapiere oder Geldmarktprodukte investiert sein. Zurzeit liegt die Aktienquote bei unter 40 Prozent. Defensive Titel aus dem Gesundheits- und Konsumsektor sowie IT-Konzerne stehen im Fokus. In den vergangenen Jahren entwickelte sich der Klassiker mäßig, doch 2016 läuft es recht gut für ihn.

FvS Multiple Opportunities
Auf der Erfolgswelle

Bert Flossbach schwimmt mit seinem flexiblen Mischfonds seit mehreren Jahren auf einer Erfolgswelle. Auch 2016 platziert sich der FvS Multiple Opportunities in der Rangliste der ­offensiven Mixprodukte weit vorn. Flossbach setzt vor allem auf Aktien und bevorzugt qualitativ hochwertige Konzerne aus aller Welt. Ein rund zehnprozentiger Goldanteil fungiert als Absicherung gegen Extremrisiken und hat in diesem Jahr maßgeblich zu der guten Entwicklung beigetragen.

Kapital Plus
Keine Experimente

Bei Stefan Kloss gibt es keine Experimente bei der Vermögensaufteilung: Das Portfolio seines Kapital Plus besteht fix zu 70 Prozent aus Anleihen und zu 30 Prozent aus Aktien. Mit diesem risikoeffizienten Mix erzielt der ­defensive Mischfonds seit Jahren eine schöne Rendite, wenngleich er 2016 nur mittelmäßig erfolgreich ist. Kloss kauft ausschließlich Anleihen verlässlicher Schuldner, die fast immer in Euro notieren, und beschränkt sich bei den Aktien auf europäische Unternehmen.

Ethna-Aktiv
Kampf gegen die Schwäche

Kapitalerhalt hat für die Manager des Ethna-­Aktiv oberste Priorität. Umso schlimmer ist es für das Team um Luca Pesarini und Christian Schmitt, dass sie 2016 im Minus liegen. Mittlerweile ist der rentenlastige Fonds sehr defensiv aufgestellt, was im Umfeld des Brexit-­Votums positiv war. Derzeit ist er nur für sehr vorsichtige Anleger geeignet. Ansonsten drängt er sich aufgrund seiner längeren Schwächephase nicht zum Kauf auf.
Bildquellen: Thomas Rabsch für Finanzen Verlag, Brian A. Jackson / Shutterstock.com
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