04.12.2021 12:17

Die Anti-Spekulanten: Wie der Shootingstar der Finanzszene investiert

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Baillie Gifford ist der Shootingstar der Investmentszene. Das Erfolgsrezept der Schotten: gute Firmen finden und halten, halten, halten.
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von Andreas Hohenadl, Euro am Sonntag

Auf die Zeit nach dem Corona- Crash im Frühjahr 2020 blickt Stuart Dunbar mit gemischten Gefühlen zurück - rein aus der Investorenperspektive. "Viele unserer Anlageideen für die kommenden fünf Jahre sind innerhalb weniger Monate aufgegangen", sagt der Partner und Vertriebsdirektor bei Baillie Gifford. "Das hat uns nur bedingt gefreut."

Eine Rally wie 2020 ist dem auf langfristige Anlage eingeschworenen Vermögensverwalter aus Edinburgh suspekt. Gleichwohl schafften es die Schotten, in dieser Aufschwungphase deutlich an Bekanntheit zu gewinnen. Mehrere ihrer Publikumsfonds erzielten Wertzuwächse zwischen 60 und 110 Prozent - und zählten damit zu den stärksten aktiv gemanagten Portfolios des vergangenen Jahres. Anerkennung kam etwa von der Ratingagentur Morningstar, die die Gesellschaft zum besten Fondsanbieter 2020 und "Outstanding Investment House" kürte.

Derlei Erfolge ziehen zunehmend auch Privatanleger an. Lange Zeit war Baillie Gifford fast ausschließlich institutionellen Investoren bekannt. So vertrauen zum Beispiel zehn der weltweit größten Pensionsfonds auf die Anlageexpertise der Schotten. Doch dieses Geschäft hat auch seine Tücken. Entwickeln sich die Aktieninvestments aus Edinburgh besonders gut, was in der Vergangenheit häufig der Fall war, realisieren Pensionsfonds Gewinne und schichten diese in weniger riskante Anlageklassen um. Wegen Erfolg vorzeitig gekündigt, lautete oft das Ergebnis. Für den Vermögensverwalter war irgendwann klar, dass das Geschäft breiter aufgestellt werden soll. Teil dieser Strategie sind Publikumsfonds, die vor rund zehn Jahren ins Programm kamen.

Ob für Pensionsfonds oder private Investoren: An der Anlagephilosophie ändert sich nichts. "Wir suchen nach Wachstum, das über einen Zeitraum von fünf Jahren und länger den Aktienkurs treibt. Kürzer als drei Jahre sind Aktiennotierungen zufällig und interessieren uns nicht", sagt Dunbar. "Echte Investoren denken in Jahrzehnten, nicht in Quartalen" - mit diesem Motto in großen Lettern wird der Besucher über dem Eingang zur Firmenzentrale begrüßt. Das meinen die Schotten ernst.

Sie investierten in einem sehr frühen Stadium in Unternehmen wie Netflix, Tencent oder Tesla und blieben deren Aktien auch in stürmischen Zeiten treu. Mit dem Onlinehändler Amazon beispielsweise konnte Baillie Gifford bis heute das 75-Fache des ursprünglichen Einsatzes erzielen. Zwischenzeitlich aber waren zwei Dutzend Kursrückschläge von mehr als zehn bis hin zu 60 Prozent auszuhalten.

Ein ähnlich heißer Ritt: die Aktie des E-Auto-Pioniers Tesla. Auch die blieb bei Abstürzen von 50 Prozent und mehr in den Portfolios und pushte diese 2020 weit nach oben.

Suche nach den besten 1,3 Prozent

"Mit den Aktien, mit denen wir richtig liegen, machen wir ein Vielfaches dessen an Gewinn, was wir mit Titeln, bei denen wir falsch liegen, verlieren", sagt Tom Slater, Leiter des US-Aktien- Teams und einer der Köpfe hinter Baillie Giffords Long-Term-Growth-Strategie. Damit das funktioniere, müssten jedoch zwei Bedingungen erfüllt sein: "Zum einen müssen Sie die wirklich wachstumsstarken Unternehmen finden und zum anderen genügend Zeit zum Investieren mitbringen", so Slater. Die Langfristigkeit, mit der die Schotten das Business betreiben, drückt sich auch dadurch aus, dass die Fondsmanager dort "Investoren" heißen.

Doch wie häufig findet man wachstumsstarke Unternehmen? Das hat der Fondsanbieter in einer großen Kapitalmarktstudie untersuchen lassen. Das Ergebnis: "Mit rund 60 Prozent der weltweit notierten Aktiengesellschaften verlieren Anleger über lange Zeit Geld. Mit knapp 40 Prozent der Unternehmen können sie diese Verluste ausgleichen. Aber nur 1,3 Prozent der Firmen bewegen die Aktienmärkte langfristig wirklich nach oben", erklärt Dunbar. "Die gilt es zu finden."

Dass man für diese Aufgabe nicht vorrangig Bedenkenträger braucht, betont Tom Slater. "Wir wollen Leute im Unternehmen, die kalkulierte Risiken eingehen." Der Ausgangspunkt einer jeden Investmentidee sollte nicht die Frage sein: Was kann alles schiefgehen? Stattdessen sollten sich die Fondsmanager fragen: Was passiert, wenn die Dinge gut laufen? Nur so erkenne man das Potenzial, das in manchen Unternehmen stecke. "Moderna zum Beispiel darf man nicht einfach als Biotech-Firma begreifen, sondern als Technologieplattform, die in viele Gesundheitsbereiche hineinwirken kann", so Slater. Im Long Term Global Growth, dem Flaggschifffonds der Schotten, sowie im Health-Innovation-Fonds ist Moderna aktuell am höchsten gewichtet (s. Investor-Info).

Zeit für große Umbrüche

Was heute innovative Health Care und E-Automobile sind, waren vor mehr als 100 Jahren Kautschukpflanzer, in die das Risikokapital des von dem Offizier Augustus Baillie und dem Rechtsanwalt Carlyle Clifford gegründeten Unternehmens floss. Bis heute haben sich die Vermögensverwalter ihre Unabhängigkeit bewahrt. Die Firma gehört 38 Partnern und neun Partnerinnen, die im Schnitt 20 Jahre im Unternehmen tätig sind.

Zu ihnen zählt auch Helen Xiong, die ermutigende Perspektiven für Growth- Investoren aufzeigt. "Wir treten in eine neue Phase schnellen Wachstums ein", ist sie überzeugt und zieht Parallelen zu den Roaring Twenties des vergangenen Jahrhunderts. "Wir stellen fest, dass sich der Rhythmus unseres täglichen Lebens in den vergangenen zehn Jahren stärker verändert hat als in den vorangehenden 50." Das schaffe ein Umfeld für große Umbrüche. Doch sie von Beginn an wahrzunehmen, falle den meisten schwer. "Wir sind nicht an exponentiellen Wandel gewöhnt", so Xiong.

Die Fondsmanger bei Baillie Gifford sollen diese Anfänge erkennen, ehe eine Entwicklung Fahrt aufnimmt. Dazu pflegt das Haus Kooperationen mit Unis und unterstützt die Forschung. Auf diese Art komme man zu guten Ideen, "nicht, indem man mit Investmentbanken redet", ist Dunbar überzeugt.


INVESTOR-INFO

Baillie G. Long Term Gl. GRW.

Das Flaggschiff der Schotten

Der Baillie Gifford Long Term Global Growth basiert zu großen Teilen auf der Anlagestrategie des Scottish Mortgage Trust. Das ist der größte im FTSE-100-Index notierte britische Investment-Trust (ISIN: GB 00B LDY K61 8; hierzulande als Aktie handelbar). In Unternehmen vor ihrer Börsennotierung investieren, wie der Trust, kann der Fonds nicht. Aber sonst ist das Vorgehen ähnlich: Die Manager versammeln im Portfolio Unternehmen, die langfristig sehr stark wachsen können. Amazon ist seit 2004 und Tesla seit 2012 dabei.

Baillie G. Positive Change

Nachhaltig rentabel

Unternehmen, die zu einer positiven Veränderung unserer Welt beitragen, sind das Anlageziel dieses Portfolios. Die getätigten Investments sollen der Gesellschaft nutzen und zugleich eine starke Rendite bringen. Das Portfolio ist als sogenannter Artikel-9- oder Impact-Fonds klassifiziert und strebt konkrete Nachhaltigkeitsziele an. Mit einer Wertentwicklung von mehr als 170 Prozent in den vergangenen drei Jahren wirkte sich der "positive Wandel" für Anleger sehr lukrativ aus.

Baillie G. Health Innovation

Nah dran am Fortschritt

Mit diesem Fonds setzen die Schotten auf Innovationen im Gesundheitssektor. Investiert wird in eine neue Generation von Unternehmen, die mit revolutionären Diagnoseverfahren, Therapien oder digitaler Technologie das Gesundheitswesen voranbringen. Um bei diesem Wandel nichts Wichtiges zu verpassen, arbeitet das Fondsmanagement mit Wissenschaftlern und Pionieren des Gesundheitswesens zusammen. Topwert im Portfolio ist die Biotech-Firma Moderna.











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Bildquellen: Dieter Spannknebel/Getty Images, Peshkova / Shutterstock.com

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