17.12.2016 03:00

Zinsen nahe Null: Wo es jetzt noch gute Angebote gibt

Euro am Sonntag-Service: Zinsen nahe Null: Wo es jetzt noch gute Angebote gibt | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Service
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Bei den meisten Zinsangeboten steht nur noch die Null vor dem Komma. Durch die steigende Inflation fällt es Sparern schwer, den Wert ihres Geldes zu erhalten, unmöglich ist es aber nicht.
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€uro am Sonntag
von Markus Hinterberger, Euro am Sonntag

Verstehe einer die Finanzmärkte. Seit Wochen steigen die Zinsen für Baugeld, aber Sparer bekommen immer weniger, wenn sie ihr Geld auf ein Tagesgeld- oder Festgeldkonto legen. Gerade einmal zwei Banken, die Volkswagenbank und die ING-DiBa, haben beim Tagesgeld mit 1,1 und 1,0 Prozent eine Eins vor dem Komma. Bei den übrigen Angeboten, die Bankkunden hierzulande ohne Vermittler abschließen können, lautet der Zinssatz Nullkommaetwas.


"Das wird auch noch einige Zeit so bleiben", sagt Max Herbst. Der Inhaber der FMH-Finanzberatung beobachtet die Zinsen und deren Entwicklung seit mehr als 20 Jahren. Die Banken bräuchten derzeit kein Geld von ihren Kunden, denn dies müssten sie wiederum irgend­wo anlegen. "Und anstatt in die Verlegenheit zu kommen, bei der Europäischen Zentralbank (EZB) 0,4 Prozent Strafzinsen zu zahlen, machen sie ihre Zinsen so unattraktiv, dass die Kunden erst gar nicht kommen", so Herbst. Beim Baugeld sei dies anders, denn dessen Zinsentwicklung ist eng an die der Pfandbriefe und Bundesanleihen gekoppelt. Nach der Wahl in den USA haben sich deren Renditen wieder erhöht und auch die Baugeldzinsen wieder etwas teurer gemacht.


Wie wenig erpicht die Banken zurzeit auf Spargelder ihrer Kunden sind, zeigt sich bei Instituten, die Strafzinsen verlangen. Die Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien markiert den vorläufigen Höhepunkt. Ihre Kunden zahlen für ihr Tagesgeldkonto eine Monatsgebühr von mindestens fünf Euro. Macht bei einer Anlagesumme von 1.000 Euro abzüglich der Zinsen von 0,01 Prozent eine Gebühr von 59,90 Euro pro Jahr. Anders ausgedrückt: Die Kunden müssen einen verkappten Strafzins von fast sechs Prozent zahlen.

Doch damit nicht genug: In den vergangenen Monaten ist auch die Inflation wieder gestiegen, zuletzt auf 0,8 Prozent. In unserer Grafik "Inflation schlägt Tagesgeldzinsen (pdf)" ist deutlich zu erkennen, wie groß der Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Tagesgeldzins und der Inflationsrate ist. Seit Mitte dieses Jahres verlieren Sparer, deren Tagesgeldkonto einen durchschnittlichen Zins abwirft, bares Geld. Die Grafik zeigt aber auch eine Lösung: Wer sich in den vergangenen Jahren stets das aktuell beste Tagesgeld­angebot gesichert hat, lag bequem über der Inflationsrate.


Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefe (pdf)

Max Herbst glaubt, dass die Inflationsrate noch etwas steigen wird: "Die Politik der EZB ist auf eine steigende Inflation ausgerichtet." Auch Toralf Richter vom Vergleichsportal Verivox ist pessimistisch: "Langfristig deutet wenig auf eine Zinswende hin. Nach dem Brexit-Votum und dem italienischen Nein zur Verfassungsreform dürfte der Euro weiter schwach bleiben." Wer nach höheren Renditen suche, der sollte Invest­mentfonds in den Blick nehmen.

Sparer, die dennoch Geld bomben­sicher anlegen wollen - nur bei Tagesgeld, Festgeld und Co gibt es eine Ein­lagensicherung -, müssen sich genau umschauen und mobil sein. Obwohl inzwischen einige Banken Video-Ident-Verfahren anbieten, mit denen Neukunden sich den Gang zur nächsten Post­filiale sparen, sind Kontowechsel noch immer mit einem gewissen Aufwand verbunden. Um zu zeigen, mit welchen Angeboten man langfristig hohe Zinsen mit wenig Aufwand bekommt, hat €uro am Sonntag gemeinsam mit der FMH-Finanzberatung die wöchentlichen Zinsvergleiche ausgewertet.

Die Volkswagenbank war den ver­gangen Monaten Dauergast unter den besten Tagesgeldofferten. Die Braunschweiger bieten derzeit 1,1 Prozent mit einer Zinsgarantie von vier Monaten. Nach den vier Monaten sinkt der Zins auf 0,3 Prozent. Die 1,1 Prozent gibt es auf Beträge bis zu 100.000 Euro.

Beim Festgeld auf ein Jahr war die Credit Plus Bank in den vergangenen Monaten am häufigsten in unseren Übersichten vertreten. Aktuell bieten die Stuttgarter auf ein Jahr nur 0,65 Prozent. Da lohnt sich ein Blick auf die Denizbank, die im Lauf des Jahres immer wieder und auch aktuell mit einem Prozent auf zwölf Monate die Festgeldübersicht anführt. Kleiner Wer­muts­tropfen: Die Einlagensicherung der Bank mit russisch-türkischen Wurzeln liegt bei lediglich 100.000 Euro. Dafür ist sie derzeit auch bei den Sparbriefen weit vorn. Übers Jahr betrachtet ragten vor allem die Ziraatbank und die PBB direkt heraus. Sie bieten auch aktuell noch vergleichsweise hohe Zinsen.

Inflationsschutz mit Festgeld

Wer sich zu langfristig bindet, läuft unter Umständen Gefahr, einen Zins­anstieg zu verpassen. Daher rät Zins­experte Herbst bei Festgeld zu Lauf­zeiten von bis zu drei Jahren. "Es kommt auf den richtigen Mix aus Tagesgeld für kurzfristige Anschaffungen und Festgeld zum Sparen an", erklärt er. Wem das zu aufwendig ist, kann zu sogenannten Kombigeldern greifen. Bei diesen speziellen Festgeldkonten haben Sparer die Möglichkeit, während der Laufzeit einen Teil des Geld zu entnehmen.


Derzeit bieten drei Geldhäuser diesen Service an. Bei der VTB Direktbank, einer Tochter der russischen VTB Bank mit österreichischer Einlagensicherung, können Kunden 20 Prozent des Sparbetrags jederzeit entnehmen. Das Konto mit dem Namen VTB Duo gibt es mit zwei und drei Jahren Laufzeit, der Zins liegt bei maximal 0,9 Prozent, die Mindesteinlage bei 500 Euro und das Geld kann wieder eingezahlt werden. Beim Kombigeld der niederländischen NIBC Direkt können Kunden sogar die Hälfte der Sparsumme jederzeit abheben. Das Konto kann zwischen zwei und zehn Jahren bespart werden. Maximal gibt es 0,95 Prozent, Sparer sollten mindestens 5.000 Euro mitbringen.

Das jüngste Angebot in diesem Kreis kommt von MoneYou. Der Sparspezialist aus den Niederlanden verspricht, dass man die Hälfte des Geldes vorzeitig abziehen kann. Die Laufzeiten sind kurz, betragen lediglich sechs oder zwölf Monate. Der Zins liegt bei verhältnismäßig mageren 0,5 Prozent. Wer die Hälfte des Geldes entnimmt, bekommt nur mehr 0,3 Prozent Zinsen.

Sparen grenzenlos

Den Kombigeldern ähnlich sind sogenannte Flexgelder. Sie werden von Zinsvermittlern angeboten. Auch bei diesen Festgeldern ausländischer Banken können sich Sparer während der Laufzeit Geld auszahlen lassen, müssen im Gegenzug jedoch Einbußen beim Zins hinnehmen. Bei einigen Flexgeldern wird der Zins sogar komplett gestrichen, geht man vor dem Ende der Laufzeit an sein Geld. Andere, wie die über Weltsparen erhältliche Prodavaska Banka aus Kroatien, bieten bei vorzeitigem Ausstieg immerhin noch 0,65 Prozent. Abseits dieser Flexgelder lohnt sich ein Blick auf die Konditionen der Zinsvermittler (siehe PDF-Tabelle unten). Der Vorteil aller drei Anbieter: Der Kunde hat es mit einem Ansprechpartner zu tun, kann aber aus teilweise gut 90 Angeboten vom Tagesgeld bis zum Festgeld mit zehn Jahren Zinsbindung wählen.

Das Gros der Vermittlerangebote kommt aus dem EU-Ausland oder aus Staaten, die eine gesetzliche Einlagen­sicherung von nur 100.000 Euro haben. Darüber hinaus versprechen die Anbieter, ihren Kunden im Fall von Bank­insolvenzen und auch bei der Quellensteuer, die in einigen Ländern anfällt, zur Seite zu stehen.

Obwohl diese Angebote in der Regel noch immer über den Offerten liegen, die Kunden am deutschen Markt direkt abschließen können, trifft das Zinstief auch die Banken im Ausland. Im Vergleich zur letzten Erhebung von €uro am Sonntag Ende Juli sind die Zinsen bei den Angeboten mit Laufzeiten bis zu drei Jahren im Schnitt zwischen 0,4 und 0,5 Prozentpunkten gesunken. Bei langfristigeren Engagements ging es im Schnitt um 0,2 Prozent nach unten.

Bei deutschen Banken ging es allerdings langsamer: Laut Verivox sanken die Zinsen bei Festgeldern mit fünf und zehn Jahren Zinsbindung seit Juli um zwei und fünf Basispunkte. Beim zweijährigen Festgeld zeigt das Portal im Juli sogar einen kleinen Zinssprung nach oben. Trotzdem werden die Zinsen weiter fallen. Wer sein Geld nicht der Inflation preisgeben will, sollte also genau hinsehen.

Einlagensicherung
Sieben Tage Zeit

Die Europäische Union will Bankpleiten verhindern. Dabei helfen soll ein Europäischer Sicherungsfonds, in den jede Bank der EU einzahlt und der bis 2024, dem Jahr, ab dem die gemeinsame Einlagensicherung gelten soll, 45 Milliarden Euro schwer sein soll. Bis dahin gelten noch die nationalen Sicherungssysteme.
Die 100.000-Euro-Grenze. Grundsätzlich gilt in Europa: Geht eine Bank pleite, haben alle Konto­inhaber einen Rechtsanspruch, ihr Geld bis zu 100.000 Euro (für Ehepaare mit Gemeinschaftskonto 200.000 Euro) zurückzubekommen. Dazu zählen Guthaben auf Giro-, Tages- und Termingeldkonten. Auch Zinsen, die zwar aufgelaufen, aber noch nicht gutgeschrieben wurden, werden erstattet. Derzeit darf es in Deutschland sieben Arbeitstage dauern, bis Kunden entschädigt sind. EU-weit beträgt die Frist in vielen Ländern noch 20 Tage. Bankkunden erhalten ihr Geld automatisch zurück. Kunden, die zwischenzeitlich mehr Geld auf dem Konto haben, etwa weil sie ihre Privatwohnung verkauft oder eine Abfindung bekommen haben, sind hierzulande besonders geschützt. Wird ihre Bank zahlungsunfähig, gilt für sie sechs Monate lang eine Sicherungsgrenze von 500.000 Euro. ­Allerdings müssen sie in diesem Fall einen Antrag stellen, um eine Entschädigung zu erhalten.

Freiwillige Einrichtungen. Wenn Kunden einer Privatbank durch eine Bankpleite über 100.000 Euro verloren haben, steht die private Einlagen­sicherung des Bankenverbands (BdB) für den ­darüber hinausgehenden Betrag gerade. Welche Summe je Kunde maximal abgesichert ist, richtet sich nach dem haftenden Eigenkapital der jeweiligen Bank. Bis 2025 wird die Sicherungsgrenze schrittweise von derzeit 20 Prozent des haftenden Eigenkapitals auf 8,75 Prozent gesenkt. Selbst dann beträgt die Absicherung noch mindestens 437.500 Euro. Anders als die gesetzliche Einlagensicherung umfasst der Fonds des Bankenverbands auch Fremdwährungskonten (mehr dazu unter www.bdb.de).

Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben eine Institutssicherung: Geht es einem Institut ­finanziell schlecht, wird es von den übrigen Verbandsmitgliedern unterstützt, bis es wieder solvent ist. Mehr dazu unter www.dsgv.de (Sparkassen) und www.bvr.de (Genossenschaftsbanken).

Sicherheit im Ausland. Die 100.000-Euro-Grenze gilt in der gesamten EU. In EU-Staaten wie Groß­britannien, die eine andere Währung als den Euro haben, wird entsprechend umgerechnet. Seit Juli 2015 erhalten Kunden von Banken aus dem Europäischen Wirtschaftsraum, die hierzulande eine Zweigstelle haben, im Ernstfall die Entschä­digung von der deutschen Einlagensicherung (www.edb-banken.de). Sie müssen ihre Ansprüche nicht mehr im Ausland beantragen.

Festgeldangebote der Zinsportale (pdf)
Bildquellen: StockThings / Shutterstock.com, Ismagilov / Shutterstock.com

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