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30.12.2018 01:00
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Tages- und Festgeld: Von Angebot zu Angebot hangeln

Euro am Sonntag: Tages- und Festgeld: Von Angebot zu Angebot hangeln | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag
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Die Inflation nagt am Ersparten. Wer seine Verluste begrenzen will, muss aufpassen. Einzelne Banken bieten mitunter Lockzinsen, bei denen Sparer zugreifen können.
€uro am Sonntag
von Simone Gröneweg, Euro am Sonntag

Wer klettert, braucht Ausdauer und muss jeden Schritt überdenken. Konservativen Anlegern geht es derzeit nicht viel anders: Sie benötigen Durchhaltevermögen angesichts der extremen Niedrigzinsphase, und sie sollten zugreifen, wenn sich eine Ren­ditechance bietet. Daran scheinen aber immer weniger Sparer Interesse zu haben. Durchschnittlich ein Viertel der Deutschen lagert Erspartes mittlerweile zu Hause, ergab kürzlich eine Umfrage der Postbank. "Da es für Ersparnisse auf dem Konto praktisch keine Zinsen mehr gibt, ist die Motivation, Geld zur Bank zu tragen, sehr gering", kommentierte Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank, diesen Trend.


Wie Haushalte 2017 ihr Geld investieren (pdf)

Höhere Inflationsrate

In den vergangenen Monaten verschärfte sich die Situation zusätzlich, denn die Inflationsrate überstieg die Zwei-Prozent-Marke. Das treibe die Realzinsen - die nach Abzug der Inflation bleiben - immer mehr ins Negative, betonen Fachleute. Die Direktbank Comdirect rechnet regelmäßig vor, was das für die konservativen Sparer bedeutet. Für das dritte Quartal 2018 kamen die Analysten auf eine Realrendite von minus 1,92 Prozent. Insgesamt hätten die deutschen Sparer dadurch 10,8 Milliarden Euro verloren - und das allein in den Monaten Juli, August und September. Das seien durchschnittlich 130 Euro pro Bundesbürger. Eine ernüchternde Bilanz.



Mancher frustrierte Sparer hofft, dass es 2019 endlich zur Zinswende kommt. Zu Beginn des Jahres werde die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Nettoankäufe von Anleihen beenden, sagt Chefvolkswirt Bargel. Außerdem könnten die Währungshüter im Herbst 2019 den Leitzins etwas anheben: "Dafür spricht, dass die Inflation im Euroraum nahe am EZB-Zielwert von zwei Prozent verharren dürfte."

Stefan Maly, Leiter der Anlagestrategie bei der Consorsbank, macht aber deutlich, dass es dauert, bis eventuelle Zinserhöhungen auf den Markt durchschlagen. Höhere Zinsen seien voraussichtlich erst mit einem Zeitverzug von mehreren Monaten nach der ersten Zins­erhöhung zu erwarten, sagt Maly. "Zumindest für Tagesgelder heißt das, dass die Zinsen auf dem aktuell sehr niedrigen Niveau um null Prozent bleiben werden", so sein Resümee. Die Sparer müssen sich also noch gedulden.


Der Chefvolkswirt der ING, Carsten Brzeski, meint sogar, beim EZB-Leitzins und den Kapitalmarktzinsen werde es auch 2019 kaum Besserung geben. Durch die leichte Abkühlung der Weltwirtschaft und die drohende Gefahr eines aufkommenden Abschwungs werde die EZB zwar ihr Anleiheprogramm beenden, der Leitzins aber werde frühestens zum Ende nächsten Jahres erhöht, prognostiziert Brzeski ganz ähnlich wie Postbank-Kollege Bargel.

Miese Aussichten

Die Aussichten für das kommende Jahr scheinen also eher trübe zu sein. Ein Zinsanstieg lässt noch länger auf sich warten. Das Geld zu Hause unterm Kopfkissen zu bunkern, stellt trotzdem keine adäquate Alternative dar. Stattdessen sollten Sparer wachsam und flexibel sein. Unter Umständen können sie sich wie die Kletterer von einer attraktiven Offerte zur nächsten hangeln. Allerdings haben es Zinsjäger, die gezielt nach Neukunden-Angeboten Ausschau halten, derzeit schwer.

Selbst die Lockangebote für Neulinge sind weniger geworden. Trotzdem würden sich ein Zinsvergleich und ein Wechsel der Bank unter Umständen lohnen, meint der Zinsexperte Max Herbst, Gründer der FMH-Finanzberatung. "Es gibt Banken, die wieder Kunden akquirieren wollen. Das versuchen sie über attraktivere Angebote", berichtet er.

Jede Woche wertet die FMH-Finanzberatung zahlreiche Offerten von Tagesgeld, Festgeld und langfristigen Anlagen für die Redaktion von €uro am Sonntag aus. Manche Institute schaffen es mit ihren Konditionen sehr oft auf die Spitzenplätze. Einen Lichtblick stellte in diesem Jahr zum Beispiel die Consorsbank dar. Die deutsche Tochter der französischen Großbank BNP Paribas gehörte 44-mal zu den drei besten Anbietern in der Kategorie Tagesgeld. Insgesamt erhielt sie bei der Auswertung 113 Punkte.

Zuletzt wurde das Institut aber von anderen Anbietern überflügelt, etwa der Direktbank ING, die bis vor Kurzem noch ING DiBa hieß. Aktuell erhalten Neukunden dort ein Prozent aufs Tagesgeld, und zwar für einen Zeitraum von vier Monaten und für Guthaben bis zu einer Summe von 50 000 Euro. Danach müssen sie sich mit einem variablen Zinssatz begnügen, der derzeit bei 0,01 Prozent liegt.

Zins-Hopping kann sich lohnen

Grundsätzlich gilt: Wer Geld schnell verfügbar halten muss, kommt um ein Tagesgeldkonto nicht herum. Wer sich solche Lockangebote nicht entgehen lassen will, kann auch zu einer etwas unorthodoxen Lösung greifen und zum sogenannten Zins-Hopper werden. "Man holt sich einfach die besten Zinsen, die es gibt", erklärt Herbst das Prozedere. Wenn nach einigen Monaten der Neukundenzins auslaufe, nehme der Kunde sein Geld und ziehe zur nächsten Bank. Nur um einige Monate später schon wieder nach den besten Offerten Ausschau zu halten. Allerdings: Dazu müssen Sparer Lust und Zeit haben.

Zumindest der technische Fortschritt erleichtert dieses Unterfangen. Die meisten großen Banken bieten inzwischen das Video-Ident-Verfahren an. Kunden können so zum Beispiel vom heimischen Computer direkt ein Konto eröffnen. Ein großer Vorteil.

Aber ob sich das Zins-Hopping am Ende überhaupt lohnt? "Das muss jeder für sich selbst entscheiden", sagt Herbst. "Wer die halbe Stunde Arbeitsaufwand auf sich nimmt und zum Beispiel 10.000 Euro anlegt, hat eventuell 30 oder 40 Euro gewonnen", rechnet er vor. Das entspreche einem Stundensatz von 60 bis 80 Euro. Wenn jemand den Aufwand angesichts des überschaubaren Ertrags scheue, könne man das auch nachvollziehen, räumt er ein. Zins-Hopper sollten, wenn sie mit ihrem Geld weiterziehen, bedenken: Nur wer das Konto komplett dichtmacht und räumt, hat die Chance, in absehbarer Zeit wieder als Neukunde akzeptiert zu werden.

Etwas attraktiver scheint Fachleuten derzeit eine Sparform, die schon aus der Mode gekommen war: das Festgeld. Hier fielen in diesem Jahr die Ziraat Bank und die Akbank mit attraktiven Angeboten auf. Auch bei den Sparbriefen kamen die beiden Institute sehr häufig unter die Bestplatzierten.

Auf die Zinswende warten

"Festgeld eignet sich vor allem für Verbraucher, die auf mittlere Sicht nicht auf ihre Ersparnisse zugreifen müssen", betont Herbst. Wer sich für diese Variante entscheidet, kann unter Umständen sogar die Zeit bis zu einer möglichen Zinswende überbrücken. Falls die Notenbank Ende nächsten Jahres aus ­ihrer Nullzinspolitik aussteigt, wird sie das vermutlich behutsam tun, um die Konjunktur im Euroraum nicht zu gefährden. Wer sein Geld für ein oder zwei Jahre fest anlegt, verpasst nach Ansicht vieler Experten keine Chancen.

Die Akbank bietet derzeit Online-Festgeld für ein Jahr mit einem Zinssatz in Höhe von 0,85 Prozent an. Ein Vorteil: Das Institut ist freiwilliges Mitglied des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken.

Die französische Crédit Agricole offeriert aktuell sogar 1,01 Prozent für ein Jahr Festgeld. Sie unterliegt der Einlagensicherung in Frankreich. Damit sind pro Kunde bis zu 100.000 Euro abgesichert (Informationen zur Einlagensicherung siehe unten).

Die Oyak Anker Bank zahlt für dreijähriges Festgeld 1,3 Prozent Zinsen. Die ehemalige Anker Bank wurde vor mehr als 20 Jahren von der Oyak Gruppe - einem türkischen Pensionsfonds - übernommen und firmiert seitdem unter dem Namen Oyak Anker Bank. Sie gehört dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) an.

Die Besten im Zinsvergleich (pdf)

Ausländische Anbieter

Wer mit seinem Geld ins Ausland zieht, erhält unter Umständen einen ­etwas attraktiveren Zinssatz. Während die deutschen Geldhäuser ausreichend mit Einlagen versorgt sind, fehlt es manchen ausländischen Instituten daran. So gibt es bei der rumänischen Alpha Bank für einjähriges Festgeld 1,2 Prozent Zinsen. Die Banca Sistema aus Italien übertrumpft den Satz noch. Dort bekommen Sparer 1,25 Prozent. Allerdings müssen sie mindestens 5.000 Euro anlegen.

Internetplattformen wie Zinspilot, ­Savedo und Weltsparen ermöglichen deutschen Kunden, ihr Vermögen bei solchen Instituten unterbringen. Verbraucherschützer sehen insbesondere Offerten aus wirtschaftlich kriselnden Ländern kritisch.

Grundsätzlich gilt in Europa: Geht eine Bank pleite, haben alle Kontoinhaber einen Rechtsanspruch, ihr Geld bis zu 100.000 Euro zurückzubekommen. Die Einlagensicherung obliegt allerdings den jeweiligen Ländern, in denen das Geld geparkt ist.

Zinsexperte Herbst rät zur Gelassenheit, solange man mit seinem Geld in einem EU-Staat bleibt. "Wer dort etwas für zwei oder drei Jahre anlegt, dürfte keine großen Risiken eingehen", meint er.

Wer sich über eventuelle Risiken im Ausland keine Gedanken machen möchte, sollte auf einen etwas niedrigeren Zins mit deutscher Einlagensicherung ausweichen. Das ist jedenfalls besser, als das ersparte Geld in den eigenen vier Wänden zu horten. Dort gibt es schließlich überhaupt keine Zinsen.

Festgeldangebote der Zinsportale (pdf)

Einlagensicherung:
Mindestens 100.000 Euro

Grundsätzliches: Geht eine Bank in Europa pleite, erhalten die Kontoinhaber ihr Geld bis zu einer Summe von 100.000 Euro (für Ehepaare mit Gemeinschaftskonto 200.000 Euro) automatisch zurück. Darauf haben sie einen Rechtsanspruch. Das gilt für Guthaben auf Giro-, Tages- und Termingeldkonten. Auch Zinsen, die zwar aufgelaufen, aber noch nicht gutgeschrieben wurden, werden erstattet.

Höhere Grenzen: Die garantierte Summe kann sich sogar auf bis zu 500.000 Euro erhöhen. Das ist möglich, wenn Verbraucher nachweisen können, dass sich das Geld durch besondere Lebensumstände auf dem Konto befindet - zum Beispiel nach dem Verkauf einer selbst genutzten Immobilie, bei Scheidung oder Renteneintritt. In derlei Fällen ist das Guthaben hierzulande besonders geschützt, sodass für sechs Monate eine höhere Sicherungsgrenze gilt. Die Kunden müssen einen Antrag stellen, um eine Entschädigung zu erhalten.

Private Institute: Wenn Kunden einer Privatbank durch eine Bankpleite über 100.000 Euro verloren haben, steht die private Einlagensicherung des Bankenverbands (BdB) für den darüber hinausgehenden Betrag gerade. Welche Summe je Kunde maximal abgesichert ist, richtet sich nach dem haftenden Eigenkapital der jeweiligen Bank. Anders als die gesetzliche Einlagensicherung umfasst der Fonds des Bankenverbands auch Fremdwährungskonten (Infos unter www.bdb.de).

Sparkassen und Co: Alle öffentlich- rechtlichen Sparkassen, Landesbanken und Landesbausparkassen sowie Genossenschaftsbanken gehören institutsbezogenen Sicherungssystemen an. Das bedeutet: Geht es einem Institut finanziell schlecht, wird es von den übrigen Verbandsmitgliedern unterstützt, bis es wieder solvent ist (Infos dazu unter www.dsgv.de und www.bvr.de).

Im Ausland: Die 100.000-Euro-Grenze gilt in der gesamten Europäischen Union. Sparer sollten wissen, dass es jedoch (noch) keinen europäischen Sicherungstopf gibt. Das bedeutet: Die Einlagensicherung obliegt den jeweiligen Ländern, in denen das Geld angelegt ist. Die Bonität des Landes ist also von Bedeutung. Ein Institut sollte aus einem Land stammen, das wirtschaftlich stark genug ist, um unter Umständen für die Einlagen der Sparer selbst einzuspringen, raten Verbraucherschützer Anlegern immer wieder. Zudem sollte man auch darauf achten, dass die gewählte Bank von den großen Ratingagenturen als solide bewertet wird.


Bildquellen: Sebastian Duda / Shutterstock.com, MaximP / Shutterstock.com
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