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21.09.2018 01:00
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Klimaschutz: Warum die Rally bei Emissionszertifikaten jetzt weitergeht

Euro am Sonntag-Zerti-Tipps: Klimaschutz: Warum die Rally bei Emissionszertifikaten jetzt weitergeht | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Zerti-Tipps
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Seit die EU angekündigt hat, die Verschmutzungsrechte zu verknappen, steigen die Preise für CO2-Zertifikate. Die Rally könnte sich fortsetzen.
€uro am Sonntag
von Oliver Ristau, Euro am Sonntag

Lange ist es her: Als Europa anfing, den Klimawandel durch den Handel mit Treibhausgasen einzudämmen, hieß der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder, und der Grüne Jürgen Trittin war Umweltminister. Das Abgas Kohlendioxid (CO2), hauptverantwortlich für die Erd­erwärmung, sollte durch den Börsenhandel einen Marktpreis bekommen. Zugleich wurden Obergrenzen für die Verschmutzung festgelegt. Die Logik: Wer zu viel ausstößt, muss Emissionszertifikate dazukaufen. Das sollte Industrie und Energieversorgern einen Anreiz bieten, CO2 zu vermeiden.
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Doch die Wirklichkeit sah anders aus. Die Vorgaben waren zu lasch, der Preis zu niedrig. Wer wegen der vermeintlichen Dringlichkeit des Klimawandels auf steigende Kurse für Kohlendioxid setzte, erlebte ein Fiasko. 2006, ein Jahr nach Einführung des Systems, kostete eine Tonne CO2 an Europas Energie­börsen 30 Euro. Diese Marke wurde bis heute nicht mehr erreicht. Vielmehr stürzte der Preis bis auf drei Euro ab.

Zertifikate, die niemand brauchte

Der Fehler im System: Brüssel und die Nationalstaaten waren gegenüber der Industrie und Energiewirtschaft zu nachsichtig. Großzügig und teilweise gratis teilten sie die Verschmutzungsrechte zu. Für die betroffenen Branchen war es kein Problem, die Obergrenzen einzuhalten. Die Konjunkturschwäche in den Jahren der Finanzkrise und der Ausbau der erneuerbaren Energien sorgten von selbst dafür, dass die CO2-Emissionen sanken. So gelang es Versorgern und Industrie schon 2014, die erst für 2020 geplante Höchstgrenze zu erreichen.

Die Folge: eine Flut von Emissionszertifikaten, die niemand brauch­te. Ende 2016 waren laut EU-Kommission 1,7 Milliarden Papiere aufgelaufen. Das entspricht in etwa der Menge an Abgasen, die im System pro Jahr ausgestoßen werden darf. CO2 war so billig, dass sich sogar der Bau neuer Kohlekraftwerke wie in Hamburg durch Schwedens Energieversorger Vattenfall lohnte. Nirgends entsteht so viel CO2 wie bei der Verbrennung von Braun- und Steinkohle.



Doch diese Zeiten sind vorbei, seit die EU Ende 2017 eine Reform beschloss. Im Zeitraum von 2021 bis 2030 sinkt der erlaubte CO2-Ausstoß jährlich um 2,2 Prozent. Bisher waren es nur 1,7 Prozent pro Jahr. Noch entscheidender ist, dass Brüssel dem CO2-Markt ab 2019 jährlich Papiere entzieht und in eine Reserve überführt. 2023 sollen daraus zwei Milliarden Papiere im Gegenwert von rund 40 Milliarden Euro endgültig gelöscht werden. Das ist etwa so viel, wie deutsche Anlagen in fünf Jahren in die Luft blasen dürfen. So will die EU die CO2-Flut endgültig austrocknen.

Als Folge der neuen Knappheit rechnen die Analysten der Berenberg-Bank für die kommenden Jahre damit, dass das Angebot die Nachfrage nicht mehr decken wird. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass der Anteil der Kohle an der Stromversorgung Europas immer noch zu hoch ist. Insbesondere in Osteuropa tun die Versorger in Sachen ­Kohleausstieg zu wenig. Außerdem wird die Industrie deutlich seltener als bisher als Verkäufer von Zertifikaten auftreten. Sie muss nun selbst schauen, wie sie die strengeren Auflagen erfüllt.

Kein Wunder, dass die Preise reagieren. Seit Brüssel die Reform beschlossen hat, hat sich der Preis der Zertifikate von unter sieben Euro je Tonne auf zwischenzeitlich über 25 Euro erhöht.

Kurzfristige Korrektur möglich

Das hat Spekulanten auf den Plan gerufen. Mittlerweile wird eine Vielzahl von Finanzprodukten auf den CO2-Preis angeboten. Nach Auskunft der Deutschen Emissionshandelsstelle war das Handelsvolumen in den ersten vier Monaten 2018 um 40 Prozent höher als im Vorjahr. Entsprechend anfällig könnte der Preis kurzfristig für Rückschläge sein, warnen Marktbeobachter. So sei der jüngste Anstieg eine Art "Torschlusspanik und rein spekulativ getrieben", schreibt die Commerzbank.

Ende vergangener Woche kam es zu einer deutlichen Korrektur. Mittelfristig aber dürften die Preise weiter steigen. Analysten zumindest sehen Notierungen von 30 bis 50 Euro in den nächsten Jahren voraus. "Letztlich ist in einem System wie dem für den Emissionshandel der EU nahezu jeder Preis denkbar, denn das Gut wird immer knapper", sagt Fabian Huneke vom Berliner Beratungsunternehmen Energy Brainpool. Die Unternehmen dürfen ihre Verpflichtung nur sehr begrenzt durch Zukäufe von CO2-Zertifikaten aus anderen Regionen der Welt erfüllen. "Allerdings sollten die Marktteilnehmer beachten, dass der Emissionshandel auch ein politisches Instrument ist" - und damit ein Risiko enthält. Brüssel, so Hunekes Warnung, könnte eingreifen, sobald das CO2 zu teuer für Wirtschaft und Industrie werde. Die Preise würden kollabieren.

Doch davon ist erst einmal nicht auszugehen. Für die Berenberg-Analysten wären vielmehr Preise von 100 Euro schon bis 2020 keine Überraschung. "Wenn eine Anlage die Auflagen nicht erfüllen kann, wird sie mit einer Strafe von 100 Euro je Tonne belegt", schreiben sie in einer Studie unter Verweis auf die bestehenden EU-Sanktionen. "Da­rüber hinaus muss sie das Zertifikat im Jahr darauf nachliefern. Der Preis wäre dann sogar 200 Euro: 100 Euro für die Strafe und 100 Euro für das Zertifikat".

Erneuerbare als Gewinner

Für Stromversorger, die noch einen hohen Anteil an Kohlekraft im Portfolio haben, klingt das nicht gut. Zwar sind zuletzt auch die Strompreise gestiegen, sodass sie die steigenden Kosten der Verschmutzung kompensieren können. Doch von Dauer ist der Trend nicht. Denn ab einem CO2-Preis von etwa 35 Euro würden laut Marktbeobachter teure Kraftwerke auf Erdgasbasis ökonomisch wettbewerbsfähig und Kohlemeiler aus dem Markt drängen. Da allerdings derzeit auch der Preis für den Rohstoff Erdgas steigt, gibt es eindeutige Gewinner: "Mit höheren CO2- und Strompreisen steigen die Margen für regenerative Kraftwerke und Kernkraftwerke", sagt Energieexperte Huneke. Die produzieren keine Treibhausgase. Unter dem Strich profitieren also die Versorger, die vor allem auf Sonne, Wind und Wasser setzen. Kommt es so, hätte der Emissionshandel tatsächlich das erreicht, wozu er vor langer Zeit gegründet wurde.

Investor-Info

Commerzbank-Zertifikat
Kohle mit Kohlenstoff

Mit der Verschärfung des Emissionshandels sollten die CO2-Preise mittelfristig weiter steigen. Das Indexzertifikat der Commerzbank folgt der Entwicklung eins zu eins, es bildet den Fu­tures-Preis an der europäischen Energiebörse ICE ab. Nach dem starken Anstieg sollten Anleger den Rücksetzer abwarten.

Verbund
Wasserkraft marsch

Zu den Versorgern, die angesichts steigender CO2-Preise von einem sauberen Strommix besonders profitieren, zählt Österreichs Wasserkraftbetreiber Verbund. Das Unternehmen kann wegen steigender Strompreise seine Margen ausweiten, hat aber keine höheren Kosten für Verschmutzungsrechte.

Deka-Umweltinvest
Sauberer Mix

Der Fonds setzt auf Anbieter klimafreundlicher Technologien und Lösungen, die von der Notwendigkeit, CO2 zu vermeiden, profitieren. Vertreten sind etwa grüne Versorger wie Ørsted, Windkraftpionier Vestas, der Katalysatorbauer Johnson Matthey und die Messtechnikspezialisten Horiba und Hexagon.





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Bildquellen: Claudia Otte/Fotolia, IM_photo / Shutterstock.com

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