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11.09.2018 15:00
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Agrar: Miese Ernte, hohe Preise

Euro am Sonntag: Agrar: Miese Ernte, hohe Preise | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag
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Die Dürre sorgt für geringe Erträge und macht Getreide teurer. Aber auch der Handelsstreit zwischen den USA und China hat Folgen für die Entwicklung der Kurse.
€uro am Sonntag
von Oliver Ristau, Euro am Sonntag

Nicht nur Milch, auch Müsli macht munter. Morgens greift man in immer mehr heimischen Haushalten zum Mix aus Getreide und Trockenfrüchten, 2018 dürfte der Absatz um vier Prozent zulegen. Künftig könnte das Getreidefrühstück aber kostspieliger werden, denn viele Feldfrüchte werden teurer.
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Grund sind Wetterkapriolen weltweit. Nicht nur in Deutschland war es im Frühjahr und Sommer so trocken und heiß wie selten zuvor. Auch in anderen Regionen Mittel- und Osteuropas, zudem in Kanada und Australien hat es kaum geregnet. Folge: Überall dort sind die Ernteerwartungen im Keller. Zuletzt revidierten Kanada und die EU die Prognosen weiter nach unten. Während die EU-Kommission im Mai eine Weizen­ernte von 151 Millionen Tonnen erwartete, waren es Mitte August nur noch 138 und zuletzt 129 Millionen Tonnen - gegenüber 2017 ein Minus von neun Prozent. In Deutschland, hinter Frankreich zweitgrößter EU-Weizenproduzent, fällt der Einbruch mit 25 Prozent auf 18 Millionen Tonnen noch größer aus.


Weizen ist für die Welternährung der wichtigste Agrarrohstoff, er steht für 30 Prozent der globalen Getreideernte. Weizen ist in Brot und Müsli zu finden und in vielen Nahrungsmitteln wie Nudeln, Fertiggerichten, Soßen oder Frikadellen. Nur Mais wird noch stärker angebaut. Im Unterschied zu Weizen landet ein bedeutender Teil der gelben Körner jedoch nicht auf dem Teller, sondern im Futtertrog des Viehs oder als Bio­sprit im Tank. Drittwichtigstes Getreide ist ­Asiens Grundnahrungsmittel Reis.

Für alle Ackerfrüchte gilt: Der Verbrauch steigt. Gründe sind vor allem das weltweite Wachstum von Wohlstand und Bevölkerung. Für die Saison 2018/19 erwartet das US-Landwirtschaftsministerium, dass der globale Getreideabsatz gegenüber der Vorsaison um 1,5 Prozent ansteigt. Mit den aktuellen Ernten ist der Bedarf nicht zu decken. Während vor zwei Jahren die Äcker noch mehr produzierten, als die Welt verbrauchte, hat sich das Verhältnis jetzt gedreht. Etwa drei Prozent der Nachfrage müssen aus den Lagern bedient werden.

Weizenlager leeren sich

Trotz eines Rückgangs der weltweiten Weizenlagerbestände um fünf Prozent gibt es keine Sorge um die Vorräte. "Es besteht keine Knappheit", sagt Michaela Kuhl, Analystin bei der Commerzbank. "Aber die Zeiten, in denen immer mehr eingefahren werden kann, sind vorbei." Auch die DZ Bank warnt: Künftig dürften nur globale Traumwetterjahre noch zu steigenden Lagerbeständen führen.

Die Ernteprognosen sind teils so mau, dass große Produzenten ihre Exporte zu beschränken beginnen. So hat mit dem Krisenland Argentinien einer der weltweit größten Exporteure dieser Tage die vor drei Jahren abgeschafften Steuern auf Weizen und Mais wieder eingeführt und die auf Soja erhöht. Auch die Weizenriesen Russland und Ukraine diskutieren darüber. Russland rechnet nach zwei sehr guten Erntejahren damit, dass die Mähdrescher in der laufenden Saison 25 Prozent weniger Weizen ernten.

Dass das globale Angebot an Weizen trotz der Rückgänge nicht drastisch eingebrochen ist, liegt vor allem an stabilen Ernten in den USA und China. Die USA rechnen mit einem Ernteplus von acht Prozent. Diese gegenläufigen Bewegungen begrenzen den Preisauftrieb.

So hat sich der Weizenpreis in den USA dieses Jahr an der Chicagoer Börse zwar um 20 Prozent auf zuletzt 5,10 Dollar je Scheffel erhöht, auf Monatssicht aber um 13 Prozent nachgegeben. An der Börse in Paris lag der Weizenpreis nach einem Jahresplus von 26 Prozent zuletzt bei 200 Euro je Tonne. Die hohen Preiserwartungen aus dem Hochsommer sind auch dort etwas gewichen, auf Monatssicht entstand ein Minus von acht Prozent.

Weil Analysten akut keine weitere Eskalation erwarten, sehen sie die Luft nach oben begrenzt. Die Commerzbank rechnet mit stabilen Preisen um die 200-Euro-Marke bis Jahresende. 2019 könnte Weizen wieder billiger werden.

Doch das muss nicht sein. "Sollten Russland und die Ukraine Exportbeschränkungen beschließen, könnte der Weizenpreis noch einmal Auftrieb erhalten", sagt Analystin Kuhl. Dann könnten auch die alten Hochs von 2012/13 in den Blick geraten, als in Paris in der Spitze 275 Euro je Tonne und in Chicago neun Dollar je Scheffel gezahlt wurden. Weiteren Auftrieb kann zudem die Erd­erwärmung liefern, die global zu immer mehr Wetterausreißern führt. Am Horizont zieht bereits das nächste Ungemach auf: Das Wetterphänomen El Niño könnte im nächsten Jahr die Ernten durcheinanderwirbeln. Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt australischen Meteorologen zufolge derzeit. Die Wetteranomalie im Pazifik sorgt für Trockenheit in der einen Region und für Extremniederschläge in der anderen.

Das Wetter ist für jede Feldfrucht der entscheidende Faktor, auch für Mais. Der Cornflakes-Rohstoff hat sich in den vergangenen drei Monaten an der US-Börse allerdings um drei Prozent verbilligt, obwohl sich die weltweiten Maisvorräte zum Ende der aktuellen Saison laut US-Landwirtschaftsministerium innerhalb von zwei Jahren um ein Drittel reduziert haben.

Mais, Soja und der Handelskonflikt

Das Bild ist gemischt. So ist für die laufende Saison mit Zuwächsen bei den wichtigsten Exporteuren USA, Brasilien und Argentinien zu rechnen. Doch zum einen läge dieses Volumen immer noch unter dem Rekordniveau der Saison 2016/17, zum anderen steigt die Nachfrage in allen Märkten - für Lebens- und Futtermittel ebenso wie für Kraftstoff.

Dass der US-Maispreis, anders als in Europa, vor sich hin dümpelt, liegt am Handelsstreit mit China. Als Antwort auf US-Strafzölle für chinesische Importe hat Peking Abgaben auf wichtige US-Agrargüter eingeführt. Allerdings ist China für US-Mais weniger wichtig, weshalb die Strafzölle das Geschäft der Maisbauern nur am Rande behindern.

Ganz anders bei Sojabohnen, global bedeutendste Ölsaat und wichtiges Nahrungs- und Futtermittel in Asien. Jede dritte Bohne weltweit wird in China konsumiert, etwa in Form von Tofu. Das Land ist zu 90 Prozent von Importen abhängig, die bisher vor allem aus den USA kamen. Während China auf Ware aus Südamerika umschwenkt, bleiben US-­Farmer auf ihren Bohnen sitzen. Folge: An der Börse in Chicago wurden für ein Scheffel vorige Woche nur 8,41 Dollar gezahlt, 2012 war der Preis etwa doppelt so hoch. Damit ist Soja derzeit so billig wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Investor-Info

ETFS Soybeans
Auf Kurserholung setzen

Soja ist die weltweite Ölsaat Nummer 1, in China wächst die Nachfrage ständig. Zwar nimmt auch die Anbaufläche weltweit zu, die sinkenden Preise dieses Jahr liegen aber am Handelsstreit zwischen den USA und China. Auf dem aktuellen Niveau können mutige ­Anleger auf eine Kurs­erholung an der Börse in den USA setzen. Sollte sich der ­Konflikt entspannen, sind kurzfristig hohe Gewinne drin.

Tresides Commodity One
Die Rohstoffvielfalt kaufen

Rohstoffe sind eine attraktive Anlageklasse, Anleger sollten bei Investments in Nahrungsmittel aber beachten, dass diese zu Preisanstiegen beitragen könnten. Wer das nicht will, kann mit dem Tresides Commodity One in ­ein Rohstoffportfolio ohne Grundnahrungsmittel investieren. Auf Agrarrohstoffe wie Baumwolle entfielen zuletzt elf Prozent, auf Energierohstoffe 51, auf Basismetalle 33, auf Edelmetalle fünf Prozent. Mit dem Fonds sind Anleger breit im derzeit aussichtsreichen Rohstoffsektor engagiert. Auf Sicht von drei Jahren gab es im Schnitt ein Plus von acht Prozent per annum.

DJE Agrar & Ernährung
In den Megatrend investieren

Die Ernährung der Welt ist eine große Aufgabe und erfordert breiten Einsatz von Technologie, Wissen und Kapital. Anleger können mit einem Aktienfonds in diesen Megatrend investieren und sich damit auch unabhängiger von volatilen Rohstoffkursen machen. Lange bewährt hat sich der DJE Agrar & Ernährung. Toptitel im Portfolio sind derzeit der Düngemittelkonzern Nutrien, der Technologiewert AgJunction und der Lebensmittelriese Danone. In den vergangenen drei Jahren gab es im Schnitt ein Plus von sieben Prozent jährlich.


Bildquellen: andrea lehmkuhl / Shutterstock.com, Istockphoto

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