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29.02.2020 21:59

T. Rowe Price: WeWork hat uns "übergroße Kopfschmerzen und Enttäuschungen" bereitet

"Schreckliches Investment": T. Rowe Price: WeWork hat uns "übergroße Kopfschmerzen und Enttäuschungen" bereitet | Nachricht | finanzen.net
"Schreckliches Investment"
Kaum ein anderes "Unicorn" wurde so schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ein Investor zieht nun ein Resümee zu geplatzten WeWork-IPO.
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• WeWork-Debakel sorgt für Milliardenverluste
• T. Rowe Price spricht von einem "schrecklichen Investment"
• Investoren werden vorsichtiger

Der gehypte Büroraum-Anbieter WeWork war erst durch private Finanzierungsrunden auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt worden, sah sich durch immer mehr skeptische Stimmen dann jedoch gezwungen, sein mit großen Erwartungen verbundenes IPO abzusagen.

Achterbahnfahrt bei WeWork

Die Erfolgs- und schließlich auch Misserfolgsstory des Büro-Vermieters WeWork schlägt in der internationalen Finanzwelt noch immer ihre Wellen. So sah das US-Unternehmen seinen einstigen durch private Finanzierungsrunden erzielten Unternehmenswert von satten 47 Milliarden US-Dollar in kürzester Zeit auf acht Milliarden US-Dollar zusammenschrumpfen, als es das Einhorn nicht schaffte, sein sehnlichst erwartetes Initial Public Offering durchzuführen. In kürzester Zeit wandelten sich vorherige Optimisten in Skeptiker und strichen ihre Unterstützung für das Büroraum-Startup zusammen.

Dabei verfolgte WeWork-Mitgründer Adam Neumann mit seinem Geschäftsmodell eine Vision, an der zuvor viele Investoren Gefallen gefunden hatten: Das Schaffen einer neuen Arbeitskultur. Dafür werden Büroräume von Besitzern angemietet, renoviert und im Stil der WeWork-Philosophie umgestaltet und schließlich an neue Mieter weitervermietet.

Schnell fand das Unternehmen, das 2010 gegründet wurde, die nötige finanzielle Unterstützung, um seinen Wirkungskreis zu erweitern. Ein besonders wichtiger Mann in diesem Zusammenhang ist Softbank-CEO Masayoshi Son, der WeWork mehrmals mit Finanzierungsspritzen in Milliardenhöhe unterstützte und das Unternehmen letztlich sogar vor der Pleite rettete - was dem Medienkonzern den ersten Quartalsverlust in 14 Jahren bescherte.

T. Rowe Price bedauert Investment

Doch Softbank ist bei weitem nicht der einzige Aktionär, der sein Investment mehr als einmal bereut haben dürfte. So machte auch der WeWork-Investor T. Rowe Price in seinem vor kurzem bei der SEC eingereichten jährlichen Bericht für Anteilseigner seiner Meinung über den Büroraum-Anbieter Luft.

Dabei informiert der US-Vermögensverwalter darüber, in 2014 ein "kleines privates Investment" in WeWork getätigt zu haben, welches ihm seitdem "übergroße Kopfschmerzen und Enttäuschungen" beschert habe. Zwar sei die finanzielle Unterstützung damals explizit an die Forderung gebunden worden, dass das Unternehmen seine "massive Wachstumsrate" verlangsame, und sich stattdessen auf eine nachhaltigere Businessstrategie konzentriere. Nach einigen Monaten, in denen das Management auf diesen Rat gehört hätte, hätten neue Investoren die Geschäftsleitung jedoch wieder dazu verleitet, "den Fuß wieder aufs Gas zu drücken".

Zu diesen Investoren hat wohl auch Softbank-CEO Son gehört. Wie die Financial Times (FT) berichtet, habe der Unternehmer von Tag eins an Neumann dazu angehalten, ehrgeiziger zu expandieren: "Er kam rein und sagte, ‚Woah, woah, woah; warte. Warum es nur auf eine Million Mitglieder abzielen, wenn du auch fünf Millionen haben kannst?‘", so Neumann gegenüber der FT in einem Interview. Und weiter: "Jede Zahl, die wir hatten, sagte er, ‚Es ist zu klein‘".

Dass sich die Wachstumsstrategie so nicht auszahlte, wurde deutlich, als mit dem Antrag auf das IPO ersichtlich wurde, wie schnell WeWork tatsächlich Geld verbrannte und wie sehr das Unternehmen von den Geldspritzen seiner Unterstützer abhängig war. Die Hoffnung, dass der Büro-Vermieter schon bald Gewinne einfahren könne, war erstmal dahin.

Auch T. Rowe Price informierte in dem SEC-Bericht, dass er schon vor dem misslungenen IPO die Reißleine ziehen wollte. So habe der Vermögensverwalter in 2017 und 2019 Aktien verkauft und damit rund 50 Prozent des ursprünglichen Investments. Allerdings hätte T. Rowe Price nicht seinen restlichen Anteil verkaufen können, obwohl es dazu eine Chance gegeben hätte, da diese Entscheidung vonseiten des WeWork-Managements hätte abgesegnet werden müssen - was nicht geschah.

Mit dem abgeblasenen Börsengang seien die verbliebenen Unternehmensanteile des Vermögensverwalters an WeWork nur noch "einen Bruchteil ihres vorherigen Wertes" wert. Wie viel Geld der Vermögensverwalter jedoch tatsächlich in das Unternehmen investierte, darüber hüllte sich T. Rowe Price in Schweigen.

Letztlich fasst der Vermögensverwalter zusammen: "Wir sind bereit, dies zu einer schrecklichen Investition zu erklären". Nun wolle man aus den Fehlern lernen, denn dieses und andere Investments hätten dem Vermögensverwalter auch dazu verholfen, einen besseren Einblick in die "sich verändernde Dynamik der Industrien, den Einfluss von technologischen Entwicklungen und den zukünftigen Wettbewerb" zu erhalten. "Kurz gesagt, wir glauben, dass das WeWork-Debakel eine Fehleinschätzung war, nicht jedoch ein fehlerhafter Prozess."

Investoren ziehen Konsequenzen

Doch nicht nur T. Rowe Price hat seine Lehren aus dem Milliardendesaster WeWork gezogen. Auch andere Risikokapitalgeber werden künftig vorsichtiger agieren und mehr Sicherheiten verlangen, bevor sie sich bereit erklären, ihre Milliarden in Startups zu stecken, wie die Nachrichtenagentur Reuters einige Manager indirekt zitiert.

Insbesondere die sehr hohe Bewertung vieler Einhörner würde mehr Finanzprofis dazu veranlassen, sich für den Notfall abzusichern. "Dabei geht es meistens um Gehälter, Verschuldung, größere Ausgaben oder große Verträge", wird Shawn Carolan, Partner beim Risikokapitalgeber Menlo Ventures, von Reuters wiedergegeben. Dies würde es auf der anderen Seite jedoch auch für Startups erschweren, einen Börsengang über die Bühne zu bringen, denn wenn der Kuchen schon vor dem IPO verteilt ist, wer soll dann noch zuschlagen, wenn fast nichts mehr übrig ist? "Wie kauft man eine Firma, die 400 Millionen oder 800 Millionen Dollar an Ausschüttung garantiert für weniger als eine Milliarde Dollar?", meint dazu Ed Zimmermann von der Anwaltskanzlei Lowenstein Sandler laut der Nachrichtenagentur.

Eines ist deutlich geworden: Die Erfahrung mit WeWork hat den gesamten IPO- und Techbereich wieder wachgerüttelt.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: photobyphm / Shutterstock.com, StockStudio / Shutterstock.com

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