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10.02.2011 06:00

Rohstoffaktien: Silberrausch in Mexiko

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Die Preisrally bei dem Edelmetall ist erst mal vorbei. Die Minenbetreiber aber packt die Expansionsfreude erst recht. Ein Besuch an der Quelle.
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von Tim Schäfer, Euro am Sonntag

Der Geländewagen quält sich widerwillig über den Schotterweg. Die staubige Piste ist übersät mit Schlaglöchern. Ein ausgewachsenes Schwein rennt vor uns vorbei. Ein paar Meter weiter trägt eine Frau einen riesigen Sack mit frisch geernteten und gewaschenen Radieschen auf dem Kopf.

Willkommen in Oaxaca, dem ärmsten Bundesstaat Mexikos. Hier, mitten im Niemandsland, legt der ­kanadisch-peruanische Bergbaukonzern Fortuna Silver eine neue Mine an. Gewaltige Schächte hat der Konzern dazu in den sandigen Boden getrieben. Über 1,5 Kilometer erstreckt sich der Tunnel. 24 Millionen Dollar wurden bislang investiert.

Ein paar Meilen entfernt liegt das Dorf San José, dessen Einwohner im Schnitt um die 300 Dollar im Monat verdienen. Die Armut ist enorm, die Menschen leben in einfachsten Verhältnissen. „Viele Kinder haben nie einen Arzt zu Gesicht bekommen“, sagt einer der Bergleute.

Nun kommt Fortuna und gibt den Menschen Arbeit – und hilft der Gemeinde. Gründer und Vorstandschef Jorge Ganoza bringt die Infrastruktur auf Förderniveau. Es gibt Bau­material für neue Dorfküchen, Sanitäranlagen und Wassertanks auf Firmenkosten. Ganoza entstammt selbst einer Bergbaufamilie. Er weiß, wie wichtig es ist, die Bewohner auf seiner Seite zu haben. „Das Letzte, was man will, sind Probleme mit der Gemeinde“, erklärt Manager Carlos Baca. Sein Konzern betreibt in Peru bereits eine Mine, die Silber, Zink und Blei fördert. Jetzt hat Fortuna seinen zweiten Betrieb in San José fast fertig. Im August soll die erste Unze verkauft werden.

Fortuna ist nur ein Beispiel unter vielen. In Mexiko ist das Silberfieber ausgebrochen. Explorer aus der gan­zen Welt, insbesondere aus Kanada, erobern das lateinamerikanische Land im Rekordtempo. Aber Mexiko gilt als eines der attraktivsten Länder für neue Projekte. Denn einerseits sind die Vorkommen besondes lukrativ – aus jeder Tonne Gestein lassen sich fünf bis 30 Unzen Silber gewinnen –, zum anderen gelten die Behörden trotz strenger Umweltauflagen als „zuvorkommend“.

Es geht um gewaltige Summen. In den kommenden drei Jahren erwartet die Regierung ausländische Investitionen in Höhe von 13,1 Milliarden Dollar. Mehr als 200 ausländische Aktiengesellschaften arbeiten derzeit an Vorhaben. 300.000 Jobs hat der Sektor bereits geschaffen.


Der Bergbau in Mexiko hat eine lange Tradition
Vor allem die Bundesstaaten Zacatecas, Durango, Chihuahua, Guanajuato und Querétaro profitieren von dem Aufschwung. Aber der Boom steht auf tönernen Füßen. Im Norden des Landes tobt ein gnadenloser ­Drogenkrieg. Seit Präsident Felipe Calderón bei seiner Wahl 2006 den organisierten Drogenkartellen den Kampf angesagt hat, kamen fast 32.000 Menschen ums Leben. Längst ist die Kriminalität außer Kontrolle geraten. Immer wieder machen hemmungslose Schießereien und grausige Morde Schlagzeilen.

Erste Amerikaner schrecken schon vor den einst so beliebten Ferien in dem sonnigen Schnäppchenparadies zurück. Sicherheitskräfte bestimmen in vielen Städten das Straßenbild. Selbst in der Touristenstadt Oaxaca, die in der Nähe von Fortunas Mine liegt, fahren schwer bewaffnete Polizisten durch die Innenstadt. Fortuna hat sein Minen­areal umzäunen lassen. Bewaffnete Wachleute kontrollieren die Anlage.

Der Bergbau in Mexiko hat eine lange Geschichte. Bereits im 16. Jahrhundert begannen die ersten Minen im Silbergürtel mit der Förderung – manch ein Unternehmen ist bis zum heutigen Tag dort aktiv. Historisch betrachtet stammen mehr als zehn Milliarden Unzen Silber aus Mexiko. Kein anderes Land hat je eine größe­re Menge des Edelmetalls gefördert.

Zurzeit liefert das Land rund 100 Millionen Unzen jährlich. Nur Peru baut momentan mehr Silber ab. China folgt auf dem 3. Platz. Mexikos Vorteil sind vor allem die guten Rahmenbedingungen. Angefangen von den niedrigen Gehältern und der Vielzahl erfahrener Arbeiter bis hin zu günstigen Energie- und Wasserpreisen. Hinzu kommen moderate Steuersätze. Anfang der 90er-Jahre hatte die Regierung ihre protektionistischen Gesetze gelockert, um ausländische Investitionen zu erleichtern. Inzwischen herrscht Wettbewerbsgleichheit zwischen ein­heimischen und ausländischen Betrieben. Das ist nicht überall so. So verweigert das rohstoffreiche Venezuela Ausländern seit Jahren den Zugang, Venezuelas Präsident Hugo Chávez ließ schon Soldaten aufmarschieren, um Betriebe zu schließen.

Weltweit gibt es rund 20 reine Silberminen wie Fortuna Silver, Fresnillo, Pan American Silver oder Endeavour. Der Großteil des Edel­metalls wird lediglich als Nebenprodukt abgebaut, weil reine Silbervorkommen selten zu finden sind.

Auf eine Nische hat sich Silver Wheaton spezialisiert: Der Gigant aus Vancouver betreibt keine Minen, sondern sichert sich gegen eine Einmalzahlung das als Nebenprodukt abgebaute Silber. Nicht nur kleine Firmen schließen mit dem Marktführer Verträge ab, selbst die Giganten Barrick Gold und Goldcorp sind wichtige Kunden. Aufgrund verbesserter geologischer Methoden kommen indes immer mehr Silberschätze zum Vorschein.


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Selbst wenn irgendwo ein neuer Vorrat entdeckt wird, dauert es mindestens sechs bis acht Jahre, bis die ersten Unzen das Werk verlassen können. Der Börsenwert aller Silberproduzenten weltweit reicht nicht einmal an den Börsenwert von Ford Motor mit 55 Milliarden Dollar heran. Die Goldindustrie kommt dagegen auf einen Börsenwert von 200 Mil­liarden Dollar weltweit. Größter Silberkonzern der Welt ist Fresnillo PLC mit einer Markt­kapitalisierung von gut 15 Milliarden Dollar. Die Gruppe steuert der 76-jährige Vorstandschef Jamie Lomel von Mexiko-Stadt aus. Die Wurzeln des Konzerns reichen bis ins Jahr 1554 zurück. In Mexiko betreibt der Goliath vier Minen. In der Stadt Fresnillo im Staat Zacatecas befindet sich das Flaggschiffprojekt. Die Abbaumengen wachsen aufgrund verbesserter Technologien rasant. In ­bekannten Gebieten wie Fresnillo ­bewegen die Arbeiter mittlerweile bis zu 7500 Tonnen Gestein pro Tag. Gegenüber den 70er-Jahren entspricht dies einem Anstieg um 700 Prozent. Gerüchten zufolge hat der Mexikaner Carlos Slim, laut „Forbes-Magazin“ der reichste Mensch der Erde, ein Auge auf Fresnillo geworfen.

Selbst ohne Slims Zutun trieb der Hunger nach Rohstoffen den Silberpreis auf immer neue Höhen. Innerhalb eines Jahrzehnts schoss der Preis für eine Unze von rund fünf auf mehr als 28 Dollar. Allein im vergangenen Jahr verteuerte sich der Preis um 83 Prozent, während Gold nur um knapp 30 Prozent zulegte.

Im Gegensatz zum Gold besteht bei Silber industrieller Bedarf. So weist das Metall die beste elektrische Leitfähigkeit aller Elemente auf, zudem ist die Wärmeleitfähigkeit hoch. Silber findet sich daher in Batterien und Elektronikgeräten wie Computern, Fernseh- und DVD-Geräten. CD- und DVD-Scheiben sind ebenfalls mit Silber beschichtet. In der Medizin fördert die bakterienhemmende Wirkung die Heilung etlicher Krankheiten wie der Legionärskrankheit und selbst schwerer Verbrennungen.

Ein beträchtlicher Teil des jährlich produzierten Silbers landet aber auf Müllkippen und wird damit dem Markt entzogen. Zieht die Konjunktur an, steigt der industrielle Bedarf, was wiederum den Preis weiter anheizen dürfte.

Investor-Info

Endeavour Silver
Teurer Zwerg
Die Kanadier betreiben zwei Silberminen in Mexiko. Zurzeit holt Endeavour etwa 4,5 Millionen Unzen Silber im Jahr aus dem Boden. Vorstandschef Bradford Cooke kurbelt den Ausstoß an und will so schnell wie möglich fünf bis zehn Millionen Unzen fördern. Seine beiden Minen in Mexiko erwarb das Unternehmen für einen Appel und ein Ei von mexikanischen ­Familien, die ihre Lagerstätten für völlig ausgebeutet hielten. Die Aktie ist gut gelaufen, die ­Bewertung ist ambitioniert. Uninteressant.

Fortuna Silver
Fördervorteil
Der Bergbauer hat einen Wettbewerbsvorteil: An den Förderstandorten im Süden Perus machen die abgebauten Nebenprodukte Zink und Blei die Gesamtkosten der Silberförderung mehr als wett. Ab dem Sommer soll die Förderung in der Silbermine San José anlaufen. Bis 2015 soll sich die Produktion damit auf fast zehn Millionen Unzen Silber verdoppeln. Bei einem unterstellten Silberpreis von 22 Dollar ergäbe dies einen Umsatz von 220 Millionen Dollar. Bei Kursschwäche einsteigen.

Fresnillo PLC
Möglicher Übernahmekandidat
Seit Wochen treiben Übernahmegerüchte den Kurs des weltgrößten Silberförderers – allen Dementis von Mehrheitseigentümer Penoles zum Trotz. Die Spekulation: Seit Multimilliardär Carlos Slim unlängst mit seiner Minenfirma Minera Frisco an die Börse ging, wird in der Branche über eine Konsolidierungswelle spe­kuliert. Fresnillo kommt auf 42 Millionen Unzen Silber. 2011 sollen es 44 Millionen Unzen werden. Aussichtsreich.

Pan American Silver
Auf Wachstumskurs
Das Konglomerat aus Vancouver verfügt über acht Silberminen in Lateinamerika. Im Vorjahr kam das Unter­nehmen auf eine Fördermenge von 23,5 Millionen Unzen ­Silber. Bis 2014 soll der Ausstoß auf 45 Millionen Unzen steigen. Mit 26 Prozent ist die operative Marge glänzend. Der Börsenwert von 3,7 Milliarden Dollar entspricht dem 5,9-fachen Umsatz. Das ist ambitioniert. Aber das 2011er-KGV ist mit 15 akzeptabel. Kaufen.

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