Novo Nordisk-Aktie stürzt ab: Umsatzrückgang wegen niedriger Preise erwartet

Starke Konkurrenz für seinen Gewichtssenker Wegovy und das Diabetes-Mittel Ozempic bringt den Pharmakonzern Novo Nordisk weiter in Bedrängnis.
Die Dänen gehen für 2026 von weniger Umsatz aus - es wäre der erste Rückgang seit fast einem Jahrzehnt. Zudem wird das US-Geschäft durch die Einigung des Konzerns mit der Trump-Administration getroffen, die Preise für seine Medikamente zu senken. Konzernchef Mike Doustdar sprach am Mittwoch in einer Telefonkonferenz von einem "nie dagewesenen Preisdruck".
Analysten hatten mit einem weitaus geringeren Rückgang gerechnet. Die Prognose der Dänen impliziere, dass bereinigter Umsatz, operatives Ergebnis und Ergebnis je Aktie um 7 bis 10 Prozent unter den jeweiligen Konsensschätzungen liegen dürften, kalkulierte etwa Graham Parry von der Citigroup. Auf ähnliche Berechnungen kam auch Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan.
Für 2026 rechnet Novo Nordisk währungsbereinigt mit einem Umsatzrückgang von 5 bis 13 Prozent, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitgeteilt hatte. Novo verwies zur Begründung neben der Einigung in den USA auch auf das Auslaufen von Patenten für seinen Diabetes- und Abnehmwirkstoff Semaglutid in einigen Märkten.
Das nun angekündigte Umsatzminus wäre der erste Rückgang seit 2017, damals hatte Novo Nordisk leichte Einbußen inmitten eines Preiskampfes bei Insulin verzeichnet. Seitdem waren die Gewichtssenker zum wichtigsten Kassenschlager der Dänen geworden und hatten in den vergangenen Jahren für regelmäßig steigende Milliardenumsätze gesorgt.
Doch die Spitzenposition im Markt für die Abnehmmittel hat der Konzern mittlerweile verloren. Die Dänen gerieten im Ringen mit dem direkten US-Wettbewerber Lilly ins Hintertreffen, dessen Konkurrenzmittel als effektiver gelten. Eli Lilly wird noch an diesem Mittwoch aktuelle Geschäftszahlen vorlegen, die dann ein noch genaueres Bild der Konkurrenzsituation ermöglichen werden.
Obendrein gab es im vergangenen Jahr vermehrt für Novo Nordisk Schwierigkeiten, weil in den USA Apotheken und andere Hersteller unter Ausnutzung regulatorischer Schlupflöcher billigere Kopien seiner Abnehmmedikamente auf den Markt brachten.
Im November einigte sich Novo Nordisk dann mit der US-Regierung auf deutliche Preissenkungen für seine Blockbuster wie Wegovy und Ozempic, die unter anderem im Rahmen staatlicher Gesundheitsprogramme gelten sollen.
Wie die Dänen beugten sich seinerzeit auch viele andere Pharmakonzerne dem Vorstoß der Regierung, darunter auch Konkurrent Lilly. Die US-Regierung will so die Kosten im US-amerikanischen Gesundheitssystem senken. Sie hatte den Pharmakonzernen daher mit hohen Zöllen gedroht, sollten sie nicht für niedrigere Preise sorgen und mehr Produktion in die USA holen.
Vorstandschef Mike Doustdar, der seit August 2025 an der Spitze von Novo Nordisk steht, hatte wegen der Probleme bereits kurz nach seinem Amtsantritt den Abbau von rund 9.000 Stellen angekündigt - den Großteil davon in Dänemark. Dabei gab es auch schon erste Veränderungen im obersten Top-Management.
Neben dem Umbau hat Doustdar die Entwicklung neuer Medikamente zum wichtigsten Ziel erklärt. Große Hoffnungen setzt er auch auf die Wegovy-Pille, die in den USA Ende 2025 zugelassen wurde. Hier gebe es bereits 170.000 weitestgehend neue Verwender der Tablette, sagte er vor Journalisten. Allerdings ist auch Konkurrent Lilly mit einer eigenen Abnehmtablette den Skandinaviern dicht auf den Fersen - der US-Konzern hofft auf grünes Licht in den nächsten Monaten.
Im vergangenen Jahr hatten die Dänen ihren Umsatz immerhin noch steigern können. Der Erlös kletterte den Angaben vom Dienstag zufolge um sechs Prozent auf gut 309 Milliarden dänische Kronen (rund 41,4 Mrd Euro), währungsbereinigt lag das Plus bei zehn Prozent - und damit im Rahmen der Anfang November gesenkten Prognose. Das operative Ergebnis fiel um ein Prozent auf 127,7 Milliarden Kronen, wobei sich Währungseffekte negativ bemerkbar machten. Unter dem Strich verdiente Novo Nordisk mit 102,4 Milliarden Kronen ein Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Zudem kündigte der Konzern für 2026 einen Aktienrückkauf im Volumen von bis zu 15 Milliarden dänischen Kronen an - umgerechnet etwa 2 Milliarden Euro. Begonnen wird damit an diesem Mittwoch. Aktienrückkäufe sind oft ein probates Mittel zu Kurspflege und bei einigen Investoren beliebt, weil sich durch die sinkende Zahl der ausgegebenen Aktien der Gewinn je Anteilsschein erhöht. Wie Novo Nordisk selbst mitteilte, kommt der Konzern mit dem Rückkauf auch seinen Verpflichtungen aus aktienbasierten Anreizprogrammen nach.
Novo Nordisk-Aktie unter Druck
Die Aussicht auf sinkende Umsätze des Pharmaherstellers Novo Nordisk in diesem Jahr hat den Kurs der Aktie am Mittwoch einbrechen lassen. An der Kopenhagener Börse sackten die Papiere letztlich um 17,17 Prozent au 304,65 DKK ab.
Das Hoch aus dem Juni 2024 bei mehr als 1000 Kronen ist damit meilenweit entfernt. Damals liefen die Geschäfte mit Abnehmmitteln noch prächtig.
Der Kurs der Aktie hatte sich eigentlich von Mitte Dezember bis Ende Januar erholt und war jüngst wieder auf ein Hoch seit Mitte 2025 geklettert. Diese Gewinne haben die Anteilsscheine am Mittwoch wieder abgegeben.
Dieser Ausblick der Dänen impliziere, dass bereinigter Umsatz, operatives Ergebnis und Ergebnis je Aktie um 7 bis 10 Prozent unter den jeweiligen Konsensschätzungen liegen dürften, kalkulierte Analyst Graham Parry von der Citigroup. Der Gegenwind betreffe vor allem das Abnehmmittel Wegovy in den USA. Hier belasteten niedrigere Preise, Einschränkungen beim Gesundheitsprogramm Medicaid und rückläufige Trends bei der injizierbaren Version des Medikaments.
Analyst Derren Nathan vom Investmenthaus Hargreaves Lansdown sprach von einem "schlanken Ausblick" der Dänen. US-Präsident Donald Trumps Kreuzzug gegen hohe Medikamentenpreise, der Ablauf von Patentschutz und ein zunehmender Wettbewerb spielten hierbei eine Rolle.
Novo-Chef Maziar Doustdar dürfte auf einer Investorenveranstaltung am Mittag harte Fragen beantworten müssen, prognostizierte Nathan. Das umso mehr, als mit Eli Lilly der große Kontrahent in den USA vor Börsenbeginn mit seiner Quartalsbilanz ein ganz anderes Bild zeichnen könnte als Novo Nordisk.
BAGSVAERD (dpa-AFX)
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