27.01.2021 01:04

Twitter: Wie es ohne Trump jetzt mit der Twitter-Aktie weitergeht

Ende einer Hassliebe: Twitter: Wie es ohne Trump jetzt mit der Twitter-Aktie weitergeht | Nachricht | finanzen.net
Ende einer Hassliebe
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Die Techfirma Twitter sperrte Donald Trump und verstieß damit einen ihrer wichtigsten Mitarbeiter. Welche Konsequenzen das für die Twitter-Aktionäre hat.
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von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Jack Dorsey hatte sich den Jahresauftakt gewiss anders vorgestellt: Der Twitter-Chef, ein Freund von Yoga und Meditation, entspannte auf einer Insel im Pazifik, in Französisch-Polynesien, als sich daheim in den USA die Ereignisse überschlugen: In Washington stürmten Anhän- ger von Noch-Präsident Donald Trump das Kapitol. Mitten im Getümmel: Twitter!

Trump hatte die Plattform immer wieder genutzt, um seine Gefolgschaft aufzupeitschen. Dieses Mal ist Trump zu weit gegangen: Twitter hat das Benutzerkonto @realdonaldtrump gesperrt - und damit einen seiner wichtigsten Mitarbeiter verstoßen. Mit 88 Millionen Abonnenten lag Trump unter den zuletzt 187 Millionen aktiven Twitter- Nutzern auf dem sechsten Platz der Rangliste, auf Augenhöhe mit Popsängerin Taylor Swift. Die meisten Follower hat Ex-Präsident Barack Obama mit knapp 128 Millionen, gefolgt von den Popmusikern Justin Bieber (114) und Katy Perry (109).

Eine besondere Beziehung

Twitter und Trump - das hat sich über die vergangenen vier Jahre zu einer Art Hassliebe entwickelt. Trump hatte auf der Plattform nicht nur eine große Gefolgschaft, sondern war auch sehr aktiv: Mehr als 26.000 Mitteilungen hat er in seiner vierjährigen Amtszeit verschickt, zuletzt mehr als 30 am Tag. Sein Tageshöchstwert, aufgestellt im Juni vergangenen Jahres, liegt bei 200 Tweets. Rein zahlenmäßig war Trump für die Plattform also ein vorbildlicher Nutzer. Zugleich ist der 74-Jährige aber auch Synonym für die zerstörerische Kraft des Netzwerks: Trump verbreitete abstruse Verschwörungstheorien, falsche Behauptungen und nutzte die Plattform immer wieder für giftige Attacken. Die "New York Times" zählte zwischenzeitlich "598 Personen, Orte und Gegenstände", die Trump auf Twitter beschimpft hat, darunter übrigens auch die Verantwortlichen des Unternehmens.

Die nächste Protestwelle

An der Börse geriet Twitter bereits unmittelbar nach den Krawallen in Washington unter Druck. Nach der Sperre für Trump verlor die Aktie noch mal fast sechs Prozent. Die Bedenken der Investoren sind durchaus berechtigt: Viele Trump-Anhänger haben als Protest gegen die Verbannung ihres Idols ihre Twitter-Konten gelöscht.

Ein Exodus würde es Twitter schwerer machen, die Wachstumserwartungen der Wall Street zu erfüllen. Wie sensibel die Börse auf Enttäuschungen reagiert, zeigte sich zuletzt im Oktober: Twitter meldete, dass die Zahl der täglichen Nutzer im Quartal um 29 Prozent auf 187 Millionen gestiegen war. Da die Wall Street 195 Millionen einkalkuliert hatte, stürzte der Aktienkurs in der Spitze um mehr als 20 Prozent ab.

Die Trump-Krise könnte noch einen anderes Problem verschärfen: Republikaner im Kongress erneuerten die Forderung nach einer Aufhebung von Section 230. Diese Gesetzespassage schützt Internetfirmen davor, für Äußerungen ihrer Nutzer haftbar gemacht zu werden. Ohne diesen Schutz würden auf Twitter, aber auch Facebook oder Google erhebliche Kosten zukommen.

Die Entscheidung über Section 230 liegt durch den jetzt anstehenden Machtwechsel in Washington bei den Demokraten. Die Analysten von Bloomberg Intelligence rechneten bislang lediglich mit kleineren Veränderungen ohne größere finanzielle Belastungen für die Internetriesen.

Unabhängig davon bleibt ein anderes Problem: Twitter ist noch immer nicht nachhaltig profitabel. Weil viele Unternehmen aufgrund der Pandemie ihre Werbeausgaben gekürzt haben, dürfte die Techfirma 2020 sogar in die roten Zahlen gerutscht sein. Im neuen Jahr sollte nach Einschätzung der Wall Street die Rückkehr in die Gewinnzone gelingen. Mit seinen Kurzmitteilungen aber hat Twitter wenig Möglichkeiten, Werbung zu platzieren. Dadurch verdient das Unternehmen weniger Geld als etwa der große Rivale Facebook, bietet zudem auch weniger Wachstumsfantasie als jüngere Herausforderer wie Pinterest.

Die nächste große Bewährungsprobe für Jack Dorsey kommt spätestens am 9. Februar, wenn Twitter seinen Geschäftsbericht zum Schlussquartal 2020 vorlegt. Trump ist dann nur noch ein Ex-Präsident - bei Twitter dürfte er trotzdem immer noch Gesprächsthema Nummer 1 sein.

Attackiert: Die Turbulenzen um Trump bremsen den Turnaround. Andere Aktien aus dem Sektor bieten mehr Potenzial. Halten.








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Bildquellen: 1000 Words / Shutterstock.com, Annette Shaff / Shutterstock.com

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