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11.01.2019 10:30
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Comeback der Konsum-Aktien: Gegessen wird doch immer!

Euro am Sonntag-Aktien-Tipps: Comeback der Konsum-Aktien: Gegessen wird doch immer! | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Aktien-Tipps
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Viele setzen jetzt verstärkt auf Firmen, die auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten viel Geld verdienen. Bei welchen Aktien sich der Einstieg lohnt.
€uro am Sonntag
von Florian Westermann, Euro am Sonntag

Nach einem turbulenten Jahr an den Börsen bringt auch 2019 etliche Unsicherheiten mit sich. Der Handelsstreit zwischen den USA und China bleibt ein Thema mit Sprengkraft. Aber auch der Teilstillstand der Regierungsgeschäfte in den USA und der geplante Austritt Großbritanniens aus der EU Ende März belasten. Hinzu kommen konjunkturelle Risiken und steigende Zinsen - das alles gilt als Gift für Aktien.


In solch unsicheren Zeiten investieren Anleger verstärkt in Unternehmen mit einem möglichst geringen Risikoprofil, deren Geschäft von der Konjunktur weitgehend unabhängig funktioniert. Im Idealfall locken die entsprechenden Firmen auch noch mit einer großzügigen Dividende. Börsenprofis sprechen von Antizyklikern, zu denen Konzerne gehören, die Produkte des ­alltäglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Haushaltswaren oder Drogerieartikel produzieren. Deren langfristige Wachs­tums­treiber sind die ansteigende Weltbevölkerung und die immer größer werdende Mittelschicht in Ländern wie China.


Die Aktie des weltgrößten Konsumgüterherstellers Procter & Gamble (P & G) etwa zeigt sich von den Börsenturbulenzen wenig beeindruckt und notiert nur knapp unter ihrem Allzeithoch.

Der Konzern zahlt seit 128 Jahren ­Dividende und hat diese seit nunmehr 62 Jahren in Folge erhöht. Dank des breiten Portfolios mit Marken wie Pampers (Windeln), Gillette (Rasierer), Ariel (Waschmittel) oder Wick (Erkältungsprodukte) fahren die Amerikaner auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten hohe Gewinne ein. Firmenlenker David Taylor hat P & G in den vergangenen Jahren stärker auf die wichtigsten Kernmarken ausgerichtet und wenig profitable Geschäftsfelder abgestoßen.


Mit der Stärkung seiner Kernmarken rüstet Taylor den Konzern für kommende Herausforderungen. Immer mehr Drogerien und Supermärkte verkaufen Eigenmarken, die deutlich günstiger angeboten werden als die teuren Konkurrenzprodukte der bekannten Hersteller. Außerdem etablieren sich ständig neue Konkurrenten am Markt, die Körperpflegeprodukte wie Duschgels oder Rasierer mit tatkräftiger Werbeunterstützung sogenannter Influencer (das sind Privatpersonen, die eine große Fangemeinde in sozialen Medien wie Instagram haben) erfolgreich über das Internet verkaufen. P & G überlässt das Feld aber nicht der Konkurrenz: Rund ein Drittel seiner gesamten Werbeausgaben steckt der Konzern in die Digitalwerbung.

Trotz der neuen Konkurrenz läuft das Geschäft hervorragend. Im ersten Fiskalquartal erzielten die Amerikaner ein organisches Umsatzplus - also ohne ­Firmenzukäufe und Verkäufe - von vier Prozent. Im Vorjahreszeitraum war es lediglich ein Prozent. Für das zweite Fiskalquartal rechnen die Analysten der Bank of America Merrill Lynch mit einem Zuwachs von drei Prozent, gestützt auf eine gute Entwicklung im wichtigen US-Markt, in dem P & G zudem auch noch eine überdurchschnittlich hohe Gewinnmarge einfährt.

Außerdem reagiert der Konzern auf veränderte Kundenwünsche und baut neue Produktkategorien auf oder kauft Marken zu. Dabei konzentriert sich das Management verstärkt auf Naturprodukte, die von immer mehr Kunden gewünscht werden. Erst vor wenigen Tagen etwa kündigte Procter & Gamble an, in Lizenz Zahnpasta unter dem Label des Naturkosmetikherstellers Burt’s Bees auf den Markt zu bringen.

Coca-Cola wird grüner

Das Thema Gesundheit steht auch beim weltgrößten Getränkehersteller Coca-Cola weit oben auf der Agenda. Der Absatz ungesunder Zuckerbrausen ging in den vergangenen Jahren stetig zurück und brachte dem Konzern, an dem Starinvestor Warren Buffett über seine Beteiligungsgesellschaft Berk­shire Hathaway knapp zehn Prozent der Anteile hält, rückläufige Erlöse und eine enttäuschende Aktienkursentwicklung.

Der im Mai 2017 angetretene Konzernchef James Quincey setzt deshalb verstärkt auf gesündere Alternativen wie Säfte, Smoothies, Tees und andere kalorienärmere Getränke. Das Geschäft mit den klebrigen Getränken wie Coca-Cola, Fanta und Co schwächelt zwar. Trotzdem fährt der Konzern nach wie vor immense Gewinne ein. Das ermöglicht es ihm, das Portfolio massiv auszuweiten. Seit 2014 kamen rund 400 Marken wie Fuze Tea und Honest Tea hinzu. Erst vor wenigen Tagen beteiligte sich Coca-Cola mit 15 Millionen Dollar an Iris Nova. Das New Yorker Start-up vertreibt mit Dirty Lemon eine Biolimonade über das Internet. Bekannt wurde die Firma durch innovative Werbekam­pagnen mit Influencern auf Instagram.

Einen Paradigmenwechsel stellt die im Sommer vergangenen Jahres angekündigte Übernahme der größten bri­tischen Kaffeehauskette Costa dar. Der Starbucks-Konkurrent betreibt weltweit knapp 4.000 Filialen und soll eine tragende Säule im Imperium des in Atlanta ansässigen Getränkeriesen werden. Der gut fünf Milliarden Dollar schwere Zukauf sorgte wegen des hohen Preises für viel Kritik. Mit der geplanten Transaktion, die im ersten Halbjahr dieses Jahres abgeschlossen werden soll, stellt Quincey Coca-Cola aber auf ein weiteres Standbein - und er verfolgt konsequent die eingeschlagene Richtung hin zu Brausealternativen wie Wasser, Säfte oder eben Kaffee.

Nestlé kann auch vegan

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé ist ebenfalls längst auf den ­Gesundheitstrend aufgesprungen. Das ­Geschäft mit klassischen Supermarkt­produkten wie Tiefkühlpizzen, Tüten­suppen oder abgepackten Wurstwaren bringt nicht mehr das Wachstum, das sich die Anleger wünschen.

Stattdessen steigt die Nachfrage nach vegetarischen oder gar veganen Bioprodukten, für die Verbraucher auch bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen. Für das Frühjahr etwa kündigte Nestlé mit dem Incredible Burger einen veganen Hamburger an, der sich kaum von einem Burger aus Fleisch unterscheiden soll. Das boomende Geschäft mit der grünen Ware soll die Schweizer zurück zu alter Stärke führen.

Der von Nestlé-Chef Mark Schneider eingeschlagene Kurs spiegelt sich auch in den Zahlen wider. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres zogen die Erlöse organisch um 2,8 Prozent an und damit etwas stärker als im Vorjahreszeitraum. Bis 2020 will der Konzern wieder Zuwachsraten von rund fünf Prozent einfahren und damit seine Erfolgsgeschichte weiterschreiben.

Investor-Info

Coca-Cola
Auf Wachstumskurs

Der Konzernumbau trägt Früchte. Für das laufende Jahr rechnen Analysten mit einem Umsatzplus von vier Prozent auf gut 33 Milliarden Dollar. Der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn dürfte etwas stärker um sechs Prozent auf 9,5 Milliarden Dollar steigen. Für 2020 rechnen Analysten mit einem Umsatz von knapp 35 Milliarden Dollar und einem Nettogewinn von mehr als zehn Milliarden Dollar. Die Aktie ist ein Basisinvestment für langfristig orientierte Anleger.

Nestlé
Auf zu neuen Rekorden

Im laufenden Jahr steigt der Umsatz des weltgrößten Nahrungsmittelherstellers voraussichtlich um vier Prozent auf 95 Milliarden Schweizer Franken. Beim bereinigten Nettogewinn rechnen Analysten mit einem Plus von sechs Prozent auf 12,2 Milliarden Franken. 2020 dürfte sich der positive Trend mit einem Umsatzanstieg auf knapp 99 Milliarden Franken fortsetzen. Der Nettogewinn steigt dabei um gut eine Milliarde auf dann 13,3 Milliarden Franken, prognostizieren Analysten. Die Nestlé-Aktie bleibt aussichtsreich.

Procter & Gamble
Im Aufwind

Knapp 67 Milliarden Dollar Umsatz - etwa so viel wie im Vorjahr - dürfte der weltgrößte Konsumgüterhersteller im laufenden Geschäftsjahr (per Ende Juni) einfahren. Der bereinigte Nettogewinn steigt voraussichtlich leicht auf 11,4 Milliarden Dollar. Im kommenden Geschäftsjahr rechnen Analysten mit einem Umsatz von knapp 69 Milliarden Dollar und einem Nettogewinn von gut zwölf Milliarden Dollar. Die Chancen stehen gut, dass die Aktie ihren Höhenflug 2019 fortsetzt.






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Bildquellen: scyther5 / Shutterstock.com, Lisa S. / Shutterstock.com, Dean Belcher/Getty Images

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