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26.03.2015 03:00

Nimmt die Crash-Gefahr allmählich zu, Folker Hellmeyer?

Interview exklusiv: Nimmt die Crash-Gefahr allmählich zu, Folker Hellmeyer? | Nachricht | finanzen.net
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Der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, bewertet im Interview die internationalen Finanzmärkte und äußert sich zum Öl- und Goldpreis.
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von Benjamin Summa

finanzen.net: Herr Hellmeyer, seit Jahresbeginn hat der DAX um mehr als 20 Prozent zugelegt. Kürzlich ist er das erste Mal in seiner Geschichte über die 12.000-Punkte-Marke geklettert. Besonders viele ausländische Investoren wurden angelockt, die mit dem starken Dollar im Gepäck günstig europäische und deutsche Aktien erwerben. Welches mittelfristige Szenario haben Sie für den heimischen Aktienmarkt: Immer weiter noch oben oder nimmt die Crash-Gefahr allmählich zu?
Folker Hellmeyer: Märkte sind nie linear, es kann natürlich Konsolidierungen oder wirkliche Korrekturen von fünf bis zehn Prozent geben. Durch die extreme Niedrigzinspolitik und die quantitativen Maßnahmen sind die relativen Bewertungsniveaus an den Aktienmärkten aber sicherlich nicht Crash-gefährdet.

Könnte beispielsweise ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone die Börsen nachhaltig schocken?
Wir haben uns in den vergangenen Wochen täglich mit einer Verschärfung der Griechenlandkrise auseinandergesetzt. Die Wirkung dieses Themas auf die Aktienmärkte hat mit der Zeit aber immer weiter abgenommen. Ein Grexit brächte einen enormen politischen Schaden, aber wir würden eine solche Situation systemisch verkraften. Mit anderen Worten: Die Griechenland-Diskussion kann belasten und eine Korrektur auslösen - aber keinen nachhaltigen Trendwechsel und auch keinen Crash.

Gilt dasselbe für die Ukraine-Krise?
Diese Krise birgt meiner Meinung nach ein größeres Risiko für die Finanzmärkte, weil hier eine Teilung Westeuropas von Russland auf dem Spiel steht. Wenn es zu einer nachhaltigen Verschärfung käme, hätte das sicherlich sehr negative Auswirkungen. Aber derzeit sehe ich nur bedingt Korrekturpotenzial.

Die allermeisten Deutschen ließen und lassen sich die guten Renditechancen entgehen, sie sind gar nicht in Aktien investiert, sondern zu über 80 Prozent in Geldwerten. Wird es aus Ihrer Sicht hier künftig ein Umdenken geben?
Diese Hoffnung werde ich nie aufgeben, aber ich erwarte kein wirkliches Umdenken. Wenn der Deutsche eines kann, dann ist es in ideologischen Kategorien zu denken - in Bezug auf Finanzmärkte heißt das, sich auf Zinsen zu konzentrieren, nicht auf Dividendenerträge. Das Gros der Anleger negiert damit die deutsche Geschichte seit 1871. In dieser Zeit hat man mit Zinstiteln sein Kapital mehrmals verloren. Mit Investments in für die Grundversorgung unverzichtbare Unternehmen, die Weltkriege, Hyperinflation und Währungsschnitte überstanden haben, konnte man sein Geld, also gesparte Arbeit, hingegen über Generationen weitergeben.

Sie haben es angesprochen: Die Triebfeder der Rekordrallye ist vor allem die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank. Damit einher geht der Wertverfall des Euro. Dies hilft vor allem der deutschen Exportwirtschaft enorm - unsere Exportüberschüsse sind auf Rekordhoch. Sehen Sie also auch handfeste fundamentale Gründe für die Aktienrallye - neben der explosionsartigen Geldmengenausweitung?
In der Tat. Wir bewegen uns beim durchschnittlichen Kurs-Gewinn- und Kurs-Buch-Verhältnis im Bereich der historischen Norm, deutlich billiger als die USA. Wir liegen bei der Dividendenrendite aktuell bei 2,5 Prozent, deutlich höher als die USA mit zwei Prozent. Wir haben keine Überbewertung, sondern eine faire Bewertung. In diesem Jahr werden Dividenden in Höhe von 29,5 Milliarden Euro ausgeschüttet, das sind zehn Prozent mehr im Vergleich zum vergangenen Jahr - ein Rekord. Zudem ist die Profitabilität deutscher Unternehmen in diesem Jahr noch einmal durch exogene Faktoren wie niedrige Rohstoffpreise, ein niedriger Euro und ein extrem niedriges Zinsniveau deutlich gestiegen.

Sie würden europäischen Aktien derzeit also gegenüber amerikanischen den Vorzug geben?
Ja, definitiv. Der Aufschwung in den 19 Ländern der Eurozone gewinnt nach dem als Frühindikator für Wirtschaftsentwicklung geltenden Einkaufsmanager-Index an Fahrt. Wir sehen gerade die größte Wachstumsdynamik in der Eurozone seit vier Jahren. Das ist nachhaltiges Wachstum, bedingt durch Strukturreformen, die in der Vergangenheit sicherlich anstrengend waren und wehgetan haben. Aber jetzt sehen wir die Früchte dieser Politik.

Viele kluge Volkswirte stimmen darin überein, dass durch eine massive Geldmengenausweitung auf längere Sicht eine starke Inflation zu befürchten sei. Derzeit dreht sich allerdings alles um Deflationsängste. Wie passt das zusammen?
Inflation ist ausschließlich ein monetäres Phänomen - Aktien, Anleihen und Immobilien steigen derzeit kontinuierlich im Preis. Die Geldschwemme erreicht den Finanzmarkt, aber noch nicht die Realwirtschaft. Mit der anspringenden Konjunktur wird aber genau das der Fall sein: Dann laufen wir von einem leicht deflationären Preisniveau in ein zunehmend inflationäres Preisgefüge. Mittelfristig sehe ich eine Bewegung in Richtung drei Prozent Preisinflation. Das ist ein weiteres Argument für die Aktienmärkte: Denn Bilanzsummen und Gewinne von Unternehmen wachsen eben auch mit der Inflation, dagegen ist eine Anlage in Zinspapiere - gerade wenn sie lange Laufzeiten haben - in dieser Phase verlustträchtig. Wer zehnjährige Anleihen mit einer Rendite von 0,2 Prozent im Portfolio hat, der erleidet reale Kaufkraftverluste in erheblichem Umfang angesichts von ein, zwei oder drei Prozent Preisinflation.

Die US-Notenbank Fed hat kürzlich verkündet, man wolle eine Zinserhöhung nicht mehr ausschließen - sofern der Arbeitsmarkt und die Inflation dies zuließen. Glauben Sie an eine scharfe Zinswende in den USA?
Eine Zinswende im großen Stil wird nicht kommen, bestenfalls reden wir von 0,25 oder 0,5 Prozent. Die US-Konjunkturaussichten sind so enttäuschend wie seit 2011 nicht mehr. Die Einzelhandelsumsätze brechen ein, der Immobilienmarkt schwächelt und das Thema "Fracking-Shale-Gas" fällt in sich zusammen. Diese ungemütliche Großwetterlage verträgt keine echte Zinswende.

Es dauert wohl nicht mehr lange, bis Dollar und Euro Parität erreicht haben. Das gab es zuletzt im November 2002 und davor 1999, also im Euro-Geburtsjahr. Nicht wenige sehen die Gefahr eines Abwertungswettlaufes zwischen Japan, der Eurozone und den USA, man könnte das auch Währungskrieg nennen, um Vorteile im Export zu haben. Wie ist Ihre Einschätzung in dieser Frage?
Ich sehe keinen Währungskrieg. Es gibt nach wie vor auf G7-Ebene sehr enge Abstimmungen bei systemisch relevanten Bewertungen an den internationalen Finanzmärkten. Märkte sind nur relativ frei, nicht vollkommen frei. Ich schließe nicht aus, dass wir im Rahmen von politischen Unwägbarkeiten kurzfristig in Richtung Parität wandern bei Euro und Dollar. Ich erwarte Tiefstkurse im ersten Quartal, dann aber wieder eine sukzessive Befestigung bei 1,15 bis 1,20 Dollar im Verlauf des Jahres. Ich teile also den Konsensus des Marktes zugunsten des US-Dollars nicht.

Auch der Preisverfall beim Öl geht weiter. Ein Ende des weltweiten Überangebots ist nicht in Sicht: Saudi-Arabien nähert sich beispielsweise mit einer Fördermenge von zehn Millionen Barrel pro Tag historischen Rekordwerten. Auf der einen Seite werden die Vorteile für die Verbraucher und die Konjunktur in den Industriestaaten genannt, auf der anderen Seite wird vor einer Schieflage in den ölproduzierenden Ländern gewarnt, deren Volkswirtschaften stark vom Ölexport abhängig sind. Können weiter sinkende Preise Ihrer Meinung nach zum Risiko werden?
Bei dieser Debatte müssen immer die operativen Kosten als Grundlage betrachtet werden. Diese liegen in Saudi-Arabien bei knapp 20 Dollar, in den Golfstaaten zwischen 20 und 40 Dollar, in Russland bei 45 Dollar, beim konservativen Ölgeschäft in den USA liegen wir bei 55 Dollar und beim Shale-Fracking bei 75 bis 90 Dollar. Hier erkennt man schon, wen diese niedrigen Preise treffen. Es trifft maßgeblich die Vereinigten Staaten, hier gingen in den ersten beiden Monaten des Jahres 39.000 hochwertige Jobs in der US-Ölindustrie verloren. Es trifft zweitens Russland, wir werden dort in diesem Jahr eine Rezession erleben, die meiner Meinung nach aber schwächer ausfallen wird, als von vielen befürchtet wird. Betroffen sind auch Länder wie Brasilien und Mexiko. Aber global betrachtet ist die Wirkung niedriger Ölpreise grundsätzlich positiv, sie wirken wie ein großes Konjunkturpaket.

Wie wird es beim Goldpreis weitergehen?
Viele warnen, dass eine echte Zinswende in den USA den Goldanlegern in der zweiten Jahreshälfte die Laune verderben könnte. Ich habe gerade ausgeführt, dass es zu einer solchen nachhaltigen Zinswende nicht kommen wird. Ich denke, dass wir beim Gold kurz vor dem Ende einer fast vierjährigen Korrektur stehen. Uns steht dann meiner Einschätzung nach eine mehrjährige starke Aufwärtsbewegung bevor. Man sollte sich hier an Ländern wie Brasilien, China, Russland und Indien orientieren. Dort wird physisches Material kontinuierlich aufgekauft. Die Korrektur an den Edelmetallmärkten haben wir einzig und allein den Terminmärkten zu verdanken. Langfristig wird sich bezüglich der Preisentwicklung aber der physische Markt, der relativ eng ist, durchsetzen.

Der Autor, Benjamin Summa, ist ausgebildeter Finanzredakteur und freier Mitarbeiter bei finanzen.net.

Bildquellen: Chefvolkswirt der Bremer Landesbank

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