KlöCo-Aktie gewinnt zweistellig: US-Gigant Worthington plant Milliarden-Übernahme - Führung soll bleiben

Der Stahlhändler Klöckner & Co steht vor der Übernahme durch den US-Konzern Worthington Steel. Was Anleger wissen sollten.
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Der US-Konzern bietet elf Euro je Aktie für das Düsseldorfer Unternehmen. Großaktionär Friedhelm Loh unterstütze das Gebot und habe sich verpflichtet, die gesamte Beteiligung von 41,5 Prozent der KlöCo-Aktien anzudienen, teilte Worthington Steel am späten Donnerstagabend in Columbus und Düsseldorf mit. Der Unternehmenswert inklusive Schulden des im SDAX notierten Konzerns werde bei der Transaktion mit 2,4 Milliarden US-Dollar (knapp 2,1 Mrd Euro) beziffert.
So reagiert die Aktie
Das Übernahmeangebot von Worthington Steel hat die Aktien von Klöckner & Co am Freitag nach oben schnellen lassen. Der US-Konzern bietet 11 Euro je Aktie für den Düsseldorfer Stahlhändler. Die Papiere stiegen daraufhin via XETRA letztlich um 28,22 Prozent auf 11,04 Euro. Der Unternehmenswert von Klöckner & Co werde bei der Transaktion mit 2,4 Milliarden Dollar oder umgerechnet knapp 2,1 Milliarden Euro beziffert.
Bereits im vergangenen Dezember wurden Übernahmeverhandlungen zwischen den beiden Unternehmen bekannt. Davon angetrieben sprangen die Aktien über ihren Abwärtstrend und legten bis zum Vortag in der Spitze bereits um fast 50 Prozent zu. Seit Jahresbeginn haben die Anteilsscheine im Kleinwerte-Index SDAX nun um mehr als ein Drittel zugelegt, in den vergangenen zwölf Monaten sogar um rund 145 Prozent.
Großaktionär Friedhelm Loh, der über die Swoctem GmbH 41,5 Prozent der Klöckner-Aktien hält, unterstütze das Übernahmeangebot. Worthington Steel möchte mindestens 65 Prozent der Anteile von Klöckner & Co und rechnet mit einem Abschluss der Transaktion in der zweiten Jahreshälfte. Klöckner soll nach dem Zusammenschluss weiter eigenständig bleiben. Worthington will im Aufsichtsrat als "strategischer Partner" vertreten sein.
Analyst Christian Cohrs von Warburg Research hält die Übernahmeofferte für attraktiv. Der von Worthington Steel gebotenen Preis liege fast doppelt so hoch wie der eigenständige faire Wert des Stahlhändlers von 6,15 Euro. Die Offerte ermögliche es Investoren, in einem herausfordernden europäischen Marktumfeld den wahren Wert des Unternehmens zu realisieren und dabei die Risiken zu umgehen, die bei dem Stahlhändler vorhanden seien.
DZ-Bank-Experte Dirk Schlamp hält die Erfolgswahrscheinlichkeit der Transaktion angesichts der vergleichsweise niedrigen Mindestannahmeschwelle und der Unterstützung des Vorstandes sowie von Großaktionär Loh für hoch. Außerdem erwartet er keine wesentlichen Hürden im Rahmen der regulatorischen Freigaben. Obwohl eine Nachbesserung des Angebots wenig wahrscheinlich erscheine, sei es klar positiv.
Auch LBBW-Analyst Jens Münstermann würde nicht auf eine höhere Übernahmeofferte wetten und empfiehlt den Aktionären, den jüngsten Kurssprung zu nutzen und die Aktien zu verkaufen. Wer die Aktien erst andienen wolle, nachdem die Dividende im Mai ausgezahlt wurde, gehe das Risiko ein, dass die Übernahme möglicherweise scheitere.
Thomas Schulte-Vorwick vom Bankhaus Metzler erachtet die Übernahme wegen eines hohen Potenzials an operativen Einspareffekten auch als strategisch sinnvoll. Zudem lobt der Analyst den Verkauf der Becker Gruppe, den Klöckner separat angekündigt hatte. Die Multi-Metals-Plattform im Flachstahlsektor biete nur eine schwache Profitabilität, das verbleibende Portfolio dürfte dagegen attraktivere Wachstumschancen bieten.
Worthington Steel hält an Führung von Klöckner fest
Der US-Stahlkonzern Worthington Steel will auch nach der angestrebten Übernahme des deutschen Stahlhändlers Klöckner & Co auf Kontinuität setzen: Das bestehende Management soll erhalten bleiben und eine zentrale Rolle bei der Integration spielen, erklärte Worthington-Vorstandschef Geoff Gilmore im Gespräch mit dem "Handelsblatt". Klöckner-Chef Guido Kerkhoff solle weiterhin eng mit Worthington zusammenarbeiten und operative Abläufe begleiten.
Worthington strebe eine vollständige Integration der beiden Unternehmen an, sagte Gilmore. In Europa solle die Führung weitgehend autonom bleiben. Das europäische Portfolio sei solide aufgestellt, die Strategie überzeugend. "Wir werden dem Führungsteam vertrauen und ihm Raum geben, seine Strategie umzusetzen." Es sollen keine Standorte geschlossen werden, auch eine Verlagerung von Produktionsstandorten in die USA sei derzeit nicht geplant.
Die strategische Ausrichtung zielt seinen Aussagen zufolge auf Wachstum und höhere Wertschöpfung. Dabei sei Elektrostahl, der etwa für Transformatoren in Rechenzentren benötigt wird, ein Schwerpunkt. Klöckner habe in den vergangenen Jahren sein Geschäft stärker auf margenstarke Produkte ausgerichtet und passe damit zur Strategie von Worthington. Die Integration werde mehrere Jahre dauern, sagte Gilmore. Er rechne mit rund drei Jahren, um Synergien umzusetzen und die Organisation Schritt für Schritt anzupassen. Entscheidend sei, dass das Tempo von Mitarbeitern und Führung mitgetragen werde.
Mit Blick auf die Branche erwartet der Konzernchef weitere große Konsolidierungen, vor allem in Nordamerika. Die Märkte seien fragmentiert, größere Plattformen würden in den kommenden Jahren zunehmend eine dominierende Rolle spielen. "In Nordamerika wird sich der Markt weiter konsolidieren. In Europa muss sich das noch zeigen", sagte Gilmore.
dpa-AFX
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