27.11.2020 12:34

Telefonica Deutschland im Fokus: Wohin fließen die Verkaufserlöse?

Verkauf mit Potenzial: Telefonica Deutschland im Fokus: Wohin fließen die Verkaufserlöse? | Nachricht | finanzen.net
Verkauf mit Potenzial
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Kooperation hier, Verkauf da, Neugründung dort - derzeit hat der Telekommunikationskonzern Telefonica Deutschland (O2) in allerlei Bereichen seine Finger drin.
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Analysten sehen vor allem in dem Verkauf von alten Dachstandorten Potenzial. Nur was passiert mit dem Geld? Und wie geht der Zwist aus, den Telefonica seit Monaten mit einem Kunden hat? Was bei Telefonica Deutschland los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

DAS IST LOS BEI TELEFONICA DEUTSCHLAND:

Zuletzt schnitt Telefonica Deutschland deutlich besser ab, als Experten für möglich gehalten hatten. Im dritten Quartal konnte das Unternehmen die Umsätze aufgrund von Wachstum bei Mobilfunk- und Festnetzverträgen stabil halten. Diese konnten die weggebrochene Einnahmen für internationales Roaming kompensieren. Zudem verringerte sich der Umsatz mit Endgeräten, weil einige Mobiltelefone erst später im Jahr erscheinen werden.

Der um Sondereinflüsse bereinigte Nettoverlust reduzierte sich um gut ein Drittel auf 17 Millionen Euro. Rechnet man den Ertrag durch den Verkauf der ersten Tranche von Dachstandorten an den Infrastrukturanbieter Telxius in Höhe von 407 Millionen Euro ein, kommt Telefonica Deutschland erstmals seit dem zweiten Quartal 2016 auf einen Quartalsgewinn. Dieser betrug 390 Millionen Euro.

Was mit dem Geld aus dem Verkauf passiert, wüssten auch gerne Analysten. Sie hoffen bis zum Jahresende auf ein Update von Telefonica Deutschland, das Aufschluss über potenzielle Investitionen geben soll.

Derweil treibt die spanische Mutter Telefonica den Glasfasernetz-Ausbau hierzulande voran. Gemeinsam mit der Allianz ist sie an dem Gemeinschaftsprojekt beteiligt, vom Telefonica-Anteil sind aber 10 Prozent der deutschen Tochter zuzurechnen. Nach Angaben von Telefonica Deutschland sollen mit der Glasfasergesellschaft bis zu 2,2 Millionen Haushalte, vorwiegend in ländlichen Regionen, mit den neuen Anschlüssen bis ins Haus versorgt werden. Damit könnte die Kooperation auch in eine Lücke stoßen, denn jüngst kündigte Vodafone an, sich bei Glasfaser-Direktanschlüssen künftig nur noch auf große Gewerbegebiete oder geförderte Gemeindeprojekte konzentrieren zu wollen.

Bis zum Start mit der Allianz will Telefonica Deutschland Glasfaser bereits auf einem anderen Weg anbieten - in Kooperation mit der Deutschen Telekom. Anfang Oktober unterzeichneten beide einen entsprechenden Festnetzvertrag mit einer zehnjährigen Laufzeit. Darüber hinaus will Telefonica weiterhin VDSL- und Vectoring-Vorleistungsprodukte der Telekom nutzen.

Gleichzeitig aber müssen sich die Münchener mit einem großen Kunden rumschlagen. Konkret geht es um den Preisstreit mit der United Internet-Tochter 1&1 Drillisch. Telefonica Deutschland will von dieser nachträglich 64 Millionen Euro für die Bereitstellung des Telefonica-Mobilfunknetzes kassieren. 1&1 Drillisch braucht Zugang zum Netz, um eigene Mobilfunkleistungen am Markt anzubieten.

Einem Gutachtenentwurf zufolge ist eine nachträgliche Preiserhöhung nicht möglich - allerdings gilt das bisher nur für den aktuellen Fall. Was künftige Nachforderungen und Rechnungen angeht, könnte Telefonica Deutschland durchaus gute Argumente für höhere Preise vorlegen und so im Nachhinein Gelder eintreiben.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Etwas mehr als die Hälfte der Analysten ist derzeit gut gestimmt, wenn es um Telefonica Deutschland geht. Nach Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg raten 15 der Experten zum Kauf, acht zum Halten und drei zum Verkauf der Papiere. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 2,87 Euro. Das entspricht etwa dem zeitweisen Höchststand in der Corona-Pandemie Anfang Juni in Höhe von 2,90 Euro und liegt rund ein Fünftel über dem aktuellen Niveau.

Nach Ansicht von UBS-Analyst Polo Tang fielen die Mobilfunk-Serviceumsätze im dritte Quartal deutlich besser aus als erwartet. Er vermutet, dass dies jeweils zur Hälfte auf Umsätze von Telefonica-Deutschland-Partnern wie Drillisch sowie auf Entwicklungen im Einzelhandel zurückzuführen ist. Beide Segmente hätten besser als erwartet abgeschnitten. Zwar belasteten fehlende Roaming-Gebühren infolge weltweiter Corona-Reisebeschränkungen weiter die Zahlen.

Da diese im vierten Quartal aber eine untergeordnetere Rolle spielten, geht Tang davon aus, dass sich die Einnahmen aus dem Mobilfunk-Segment weiter verbessern werden. Tang senkte sein Kursziel, behielt die Einstufung aber auf "Buy". Die Zielsenkung begründete er mit der Erwartung, dass der Aufbau eines eigenen Netzes durch 1&1 Drillisch ab 2025 an den Umsätzen nagen wird.

Statt wie bislang zum Halten rieten die Experten der Bank Mainfirst nun zum Kauf. Analyst Stephane Beyazian hob seine Cashflow-Schätzungen in einer am Dienstag vorliegenden Studie deutlich an. Er geht zwar fest davon aus, dass der Vertragspartner 1&1 Drillisch bessere Konditionen für das Roaming aushandeln kann. Deutlich steigende Datenvolumina sicherten dem O2-Netzbetreiber dennoch für Jahre Einnahmen auf vergleichbarem Niveau.

Mathieu Robilliard von der Bank Barclays betonte, er sehe einen besseren Wettbewerb auf dem deutschen Markt als in anderen Ländern. Er blickt gespannt auf ein mögliches Update zum Jahresende, in dem Telefonica Deutschland womöglich Neuigkeiten bekannt geben wird, was das Unternehmen mit den Erlösen aus dem Verkauf seiner Funkturmsparte machen will.

DAS MACHT DIE AKTIE

Im Corona-Crash brach die Aktie von Telefonica Deutschland wie die vieler anderer Unternehmen ordentlich ein. Innerhalb weniger Wochen fiel sie um 35 Prozent bis auf 1,72 Euro und damit den tiefsten Stand seit dem Börsengang 2012. Damals wurde das Papier für 5,60 Euro das Stück ausgegeben - bereinigt um eine Kapitalerhöhung zur Teilfinanzierung der E-Plus-Übernahme lag der Emissionspreis bei rund 4,50 Euro.

Mit derzeit rund 2,40 Euro hat sich das Papier zwar wieder deutlich vom Corona-Crash-Tief erholt. Dennoch liegt sie noch knapp acht Prozent unter dem Niveau von Ende 2019 - immerhin schneidet das Papier damit in diesem Jahr etwas besser ab als die meisten Branchentitel.

Ganz anders sieht das beim Blick auf die vergangenen fünf Jahre aus. Seit dem Rekordhoch von knapp sechs Euro Ende Oktober 2015 büßte der Telefonica-Deutschland-Kurs fast 60 Prozent ein, während der europäische Branchenindex Stoxx 600 Telecommunications rund 40 Prozent nachgab.

Insgesamt kommt Telefonica Deutschland auf einen Börsenwert von rund sieben Milliarden Euro. Die spanische Mutter Telefonica, die knapp 70 Prozent der Anteile hält, wird mit knapp 20 Milliarden Euro bewertet. Im Vergleich: Die britische Vodafone kommt umgerechnet auf rund 38 Milliarden Euro und die Deutsche Telekom auf knapp 72 Milliarden Euro.

/ngu/knd/men/zb

MÜNCHEN (dpa-AFX)

Bildquellen: Gil C / Shutterstock.com

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