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12.03.2022 22:43

Europas Banken im Aufwind: Welche Banken-Aktien jetzt interessant sind

Zinswende im Fokus: Europas Banken im Aufwind: Welche Banken-Aktien jetzt interessant sind | Nachricht | finanzen.net
Zinswende im Fokus
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Die Ära der Niedrigzinsen geht zu Ende - nun wohl auch im Euroraum. Das stärkt die Ertragskraft der Geldhäuser. Ein gutes Zeichen für Investoren einzusteigen.
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€uro am Sonntag

von Ralf Witzler, Euro am Sonntag

Lange Zeit machten Anleger einen großen Bogen um Bankaktien. Aus guten Gründen. Das wirtschaftliche Umfeld mit niedrigsten, gar negativen Zinsen war eine Bürde, mit der die Branche im Vergleich etwa zu Technologiewerten, die vom billigen Geld profitierten, nur unterdurchschnittlich performen konnte. Nun aber ändern sich die Voraussetzungen, unter denen die Geldhäuser agieren. Die Zinswende hat begonnen oder steht in wichtigen Währungsräumen unmittelbar bevor.

Im Dezember war es die Bank of England, die als erste große Notenbank in der westlichen Welt die Zinsen anhob. In den USA wird mit dem Beginn der Zinserhöhungen im März gerechnet, um der rekordhohen Inflation im Land zu begegnen. Gerätselt wird an den Finanzmärkten lediglich noch, in welchem Tempo und mit wie vielen Zinsschritten die Fed vorangehen wird.

Selbst die lange Zeit sehr zurückhaltende Europäische Zentralbank (EZB) beginnt, ihre Haltung angesichts anhaltenden Preisdrucks zu überdenken. Marktteilnehmer rechnen mit einer Zinswende noch in diesem Jahr. Das sind gute Nachrichten für die Geldhäuser im Euroraum, wenn die Zinsen auch in ihren Heimatmärkten anziehen. Das zeigt die Kursentwicklung etwa der großen europäischen Banken wie der französischen BNP Paribas, der italienischen Unicredit, der spanischen Banco Santander, aber auch der heimischen Finanzinstitute Deutsche Bank und Commerzbank.

EZB im Dilemma

Im Vergleich zu den großen US-amerikanischen Geldhäusern haben die europäischen Institute in den zurückliegenden Wochen und Monaten deutlich aufgeholt. Während die Aktienkurse der Banken jenseits des Atlantiks im Februar meist deutlich unter dem Niveau von November vergangenen Jahres liegen, befinden sich die europäischen Häuser weiter im Aufwind und notieren deutlich darüber.

Finanzmärkte in Bewegung

Allerdings wird nicht damit gerechnet, dass die EZB ihren expansiven Kurs in der Geldpolitik allzu vehement ändern wird, denn sie steckt in einem Dilemma. Einerseits bewegt sich die Teuerungsrate nun schon einige Monate auf Rekordniveau und weit über jenen etwa zwei Prozent, die die EZB anstrebt. Andererseits wollen die europäischen Währungshüter die zum Teil hoch verschuldeten Staaten des Euroraums nicht durch steigende Zinsen in Zahlungsschwierigkeiten bringen, weil ihnen die Zinsen für ihr geliehenes Geld über den Kopf wachsen.

Zudem muss die EZB, und das gilt auch für andere Notenbanken, darauf achten, die wirtschaftlich noch wenig gefestigte Belebung nach der Corona- Pandemie nicht durch eine zu heftige Verteuerung von Geld abzuwürgen. Zwar erwartet etwa die Bundesbank Wachstumsraten für Deutschland von 4,2 Prozent im laufenden und 3,2 Prozent im kommenden Jahr, doch diese sind auch nötig, um wieder auf das wirtschaftliche Niveau von vor der Pandemie zurückzukommen. Die Zinswende im Euroraum beginnt nach Ansicht von Bundesbank-Vorstand Joachim Würmeling auch nicht erst mit der tatsächlichen Anhebung der Zinssätze, sondern sobald die EZB ihre Anleihekäufe zurückfährt. Denn schon damit werde sich das Zinsniveau spürbar nach oben bewegen.

Wie dem auch sei: Die Zinswende, ob schon eingeleitet oder bevorstehend, bringt die Finanzmärkte in Bewegung. Das Umschichten etwa von Wachstumswerten in eher defensivere Titel ist in vollem Gang. Großer und eindeutiger Profiteur ist die Bankenbranche. Denn grundsätzlich gilt, dass mit steigenden Zinsen die Ertragskraft der Geldhäuser zunimmt. Das liegt vor allem daran, dass sie zwar höhere Zinsen für die Geldeinlagen ihrer Kunden zahlen müssen, aber die Differenz zu den Zinssätzen, für die die Banken Geld als Kredite ausreichen, tendenziell zunimmt und somit die Zinsmargen stärkt. Davon profitieren in erster Linie Banken mit hohem Anteil an klassischem Kundengeschäft.

Eine Studie der Ratingagentur S & P geht davon aus, dass der Anstieg der Leitzinsen der EZB um einen Prozentpunkt den Zinsüberschuss der Banken jährlich um rund 18 Milliarden Euro steigert. Eine ähnliche Größenordnung erreichte laut Bundesbank die Summe, die die europäischen Banken im vergangenen Jahr als Negativzinsen an die Notenbanken zahlen mussten: insgesamt etwa 17 Milliarden Euro, von denen die Institute nur einen Teil an die Kunden als sogenannte Verwahrentgelte weiterreichen konnten. Fielen also zumindest die negativen Zinsen weg, wäre den Banken schon mal geholfen, leichter profitabel zu wirtschaften.

Zinsprofiteur Santander

Doch nicht nur die Zinsentwicklung spricht für die Banken. Darüber hinaus sind Europas Geldhäuser recht gut durch die Krise gekommen. Aufgrund staatlicher Hilfen blieb die zu Beginn der Pandemie befürchtete Pleitewelle - manche erwarteten sogar einen Kreditausfall-Tsunami - bei den Unternehmen aus. Milliardenhohe Rückstellungen der Banken zur Absicherung gegen Kreditausfälle können nun mit Abflauen der Pandemie allmählich aufgelöst und investiert oder angesichts der derzeit soliden Eigenkapitalpolster an die Anteilseigner ausgeschüttet werden.

Die steigenden Zinsen kommen allen Instituten zugute, aber nicht gleichermaßen. So profitiert etwa die größte Bank Spaniens in besonderem Maße. Die Banco Santander ist stark im Retailgeschäft und erzielt einen Großteil ihrer Erträge in Brasilien und Mexiko, wo die Zinsen schon seit geraumer Zeit wieder steigen und zu keiner Zeit auf dem niedrigen Niveau des Euroraums lagen. Die Bank überraschte bei Vorlage ihrer Geschäftszahlen für 2021 vor allem durch ihre starke Ertragsdynamik. Allein der Zinsüberschuss stieg im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent. Zugleich verbesserte sich die Qualität der ausgegebenen Kredite im Konzern. Mit den Erträgen soll es ähnlich erfreulich weitergehen. Für 2022 strebt die Bank ein Ertragswachstum von fünf Prozent an. Auf dem Heimatmarkt in Spanien gab sich Santander bislang eher zurückhaltend, was die Auflösung der Risikovorsorge angeht. Das ist vor allem der schwer einzuschätzenden Entwicklung bei kleinen und mittelständischen Betrieben im Land geschuldet.

BNP hebt Ausschüttungsquote an

Die französische Großbank BNP Paribas hat nach pandemiebedingter Verzögerung einen neuen Geschäftsplan mit Zielen für das Jahr 2025 vorgelegt. BNP setzt auf den Ausbau der Vermögensverwaltung und der margenstarken Spezialfinanzierung. Durchschnittliche Ertragssteigerungen von jährlich 3,5 Prozent und Kostensenkungen sollen die Rentabilität erhöhen und die Anhebung der Ausschüttungsquote von bislang 50 auf 60 Prozent des Gewinns ermöglichen. Dazu kommen positive Effekte aus Veräußerungserlösen in den USA.

Die Mailänder Unicredit wird immer wieder genannt, wenn es um die Konsolidierung der Bankenbranche, auch länderübergreifend, geht. Der italienischen Großbank trauen etwa die Experten der Berenberg Bank zu, die drittgrößte italienische Bank BPM zu übernehmen, ohne deshalb am Ausschüttungsplan Abstriche machen zu müssen. Der sieht vor, zwischen 2021 und 2024 rund 16 Milliarden Euro auszuzahlen. Im Ausland ist die Bank schon jetzt mit verschiedenen Marken vertreten, beispielsweise in Deutschland mit der Hypovereinsbank, der Bank Austria und Schoellerbank in Österreich. Darüber hinaus ist die Unicredit in etlichen Ländern Mittel- und Osteuropas aktiv.

Auch die heimischen Banken haben mittlerweile wieder an Attraktivität zugelegt. Die Deutsche Bank befindet sich auf der Zielgeraden ihres Konzernumbaus. Zuletzt hat Deutschlands Finanzprimus den größten Jahresgewinn seit 2011 eingefahren. Die Commerzbank steckt dagegen noch in einer früheren Phase der Sanierung, macht jedoch sowohl auf der Ertragsseite als auch bei den Kostensenkungen Boden gut und wird als Investment zunehmend interessant.


INVESTOR-INFO

Unicredit

Ausschüttung lockt

Der Plan, zwischen 2021 und 2024 etwa 16 Milliarden Euro auszuschütten, macht die Unicredit-Aktie schon für sich genommen interessant und hebt sie von der Konkurrenz ab. Zudem zählt die Bank zu den renditestärksten Instituten in Europa. Dass die Unicredit in der Lage ist, bei der Konsolidierung des Bankensektors eine führende Rolle zu übernehmen und ihre Position strategisch auszubauen, spricht für eine gute Entwicklung auch auf längere Sicht. Ein Kauf.

BNP Paribas

Stabilität beruhigt

Die BNP Paribas zeichnet sich durch ein stabiles, ertragreiches Geschäftsmodell mit hoher Krisenresistenz aus. Frankreichs größte Bankengruppe profitiert auch von der anhaltenden Erholung der Wirtschaft und des Privatkundengeschäfts auf dem Heimatmarkt, die mit anziehender Kreditnachfrage einhergeht. Die Aktie eignet sich wegen ihrer soliden Entwicklung auch für eher risikoaverse Anleger. Die recht hohe Ausschüttungsquote macht sie attraktiv.

Commerzbank

Sanierung belebt

Die Bank kommt bei der Sanierung voran. Mit einem Gewinn von 430 Millionen Euro für 2021 überraschte sie die Experten positiv. 2022 sind weiter steigende Gewinne geplant, danach ist auch wieder eine Dividende in Aussicht gestellt, beginnend mit einer Ausschüttungsquote von 30 Prozent. Das ist im Branchenvergleich nicht viel. Risikoaffine Anleger können darauf spekulieren, dass die deutlich attraktivere Commerzbank als Übernahmeziel interessanter geworden ist.











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