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17.10.2017 18:40
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Bitcoin: Ein Schurke wird salonfähig

Euro am Sonntag-Spezial: Bitcoin: Ein Schurke wird salonfähig | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Spezial
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Bankenchefs sind noch uneins, doch die Digital-Währung boomt - angefeuert von der Geldschwemme bei schwachen Währungen.
€uro am Sonntag
von Birgit Haas, Euro am Sonntag

Als der venezolanische Präsident Nicolas Maduro im April 2013 an die Macht kam, gab es für einen US-Dollar noch 22 Bolivar. Zuletzt stand der Kurs bei 27.000 Bolivar. Die Inflation in dem südamerikanischen Land nimmt verheerende Züge an, den Bürgern fehlen Lebensmittel und Medikamente.
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Also versuchen die Venezolaner, ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Sie investieren dabei auch in Alternativen wie die digitale Währung Bitcoin. Das rettet nicht nur Erspartes. Die Einwohner kaufen damit mittlerweile auch Dinge des täglichen Bedarfs ein. Bitcoin entwickelt sich zur Parallelwährung.



Zwar nutzen Investoren die Währung, die aus kryptografischen Algorithmen entsteht, immer noch vornehmlich als Investmentalternative und Spekulationsobjekt - die Kursentwicklungen sind fulminant. Der US-Top-Ökonom Robert Shiller rüffelte den Trend deshalb als "spekulative Blasenbildung". Jamie Dimon, Chef der US-Investmentbank JPMorgan Chase, bezeichnete die Währung, die oft auch für kriminelle Zahlungen verwendet wird, als "Betrug".

Doch abseits von Börsenhype und Schurken-Image schafft es die digitale Währung zunehmend ins wirtschaftliche Alltagsleben. Oliver Flaskämper, Betreiber des einzigen deutschen Handelsplatzes bitcoin.de, bezeichnet das virtuelle Geld als "digitalen Goldersatz mit Bezahloption". Er beobachtet, dass Zahlungen zunehmen, der Anteil zum Einkauf genutzter Bitcoins liege aktuell zwischen 15 bis 20 Prozent. "Wir haben es nicht mit einem Hype, sondern mit einer neuen Währung zu tun", sagt Flaskämper.

Die japanische Regierung sieht das ähnlich. Bitcoin ist in Nippon offiziell als Währung akzeptiert. Bürger und Unternehmen können etwa seit Kurzem ihre Stromrechnung beim Energieversorger Remixpoints in Bitcoin begleichen. Für Firmen, die bislang hohe Gebühren für jede Überweisung und unter Umständen sogar negative Zinsen für die Cash-Einlage bei Banken berappen mussten, ist das eine enorme Erleichterung. Andere Länder stehen in den Startlöchern: Indien sucht nach einer misslungenen Währungsreform eine digitale Währungsplattform. Und Russland fördert Blockchain-Projekte, um Kryptowährungen zu stärken.

Lob vom IWF

Warum die Bitcoins in einzelnen Ländern einen kometenhaften Aufstieg erfahren, erklärt Mati Greenspan, Chefanalyst der Social-Trading-Plattform eToro, bei der Anleger auch auf Bitcoin setzen können: "Die Menschen haben das Vertrauen in die Notenbanken verloren, die seit Jahren nur noch Geld drucken und die Länderwährungen schwächen." Die Blockchain - die den Bitcoins zugrunde liegende Übertragungstechnologie - erlaube Zahlungen jenseits teurer Geldinstitute.

Das erkennt sogar Christine Lagarde an, die Chefin des Internationalen Währungsfonds. Gerade in Ländern mit schwachen Notenbanken und inflationären Währungen könnten Bitcoins sinnvoll eingesetzt werden, sagte sie kürzlich auf einer Konferenz. Allerdings würden sich virtuelle Währungen deshalb noch lange nicht global etablieren. Noch seien sie "zu volatil, riskant, energieintensiv und zu wenig skalierbar".

Lagarde steht mit ihrem Inter­esse für die Kryptowährung und ihr künftiges Potenzial nicht allein. Schließlich konnten Anleger damit in kurzer Zeit immens viel verdienen. Zu Jahresbeginn lag der Kurs für einen Bitcoin noch bei etwa 1.000 Dollar, inzwischen ging es zwischenzeitlich sogar bis auf 5.800 Dollar nach oben.

Anfang des Monats kündigte die chinesische Regierung jedoch an, die Spekulation mit digitalen Währungen zu unterbinden. BTC China, einer der größten Bitcoin-Börsenplätze weltweit, erklärte, den Handel Ende des Monats einstellen zu müssen. Kurzfristig brach der Kurs auf gut 3.000 Dollar ein. Doch die Chinesen, die mit der Kryptowährung auch die vorherrschenden Kapitalverkehrskon­trollen im Land umgehen, handeln im Untergrund oder über die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Shanghai weiter. So konnte sich der Kurs deutlich erholen.

Die massiven Kursbewegungen locken auch Investoren in Ländern mit stabiler Währung. Etwa die Kunden der US-amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs. "Da unsere Kunden vermehrt Interesse an digitalen Währungen zeigen, prüfen wir, welche Leistungen wir in diesem Bereich anbieten können", sagte eine Sprecherin.Das Haus prüfe, ob und wie die Einrichtung einer Handelsabteilung möglich wäre. Der oberste Goldman-Banker, Lloyd Blankfein, merkte zuletzt im Nachrichtenportal Twitter an, dass die Menschen auch skeptisch waren, als das Papiergeld Goldwährungen abgelöst hat.

Auf Beobachtungsposten

Laut Analyst Greenspan ist das der richtige Blickwinkel: "Passen die Banken nicht auf und entwickeln keine Lösungen, frisst Bitcoin sie auf." Der Innovationsdruck sei gewaltig.

Auch deutsche Finanzunternehmen spüren das mittlerweile. Zwar bieten weder die Deutsche Bank noch die Commerzbank Möglichkeiten zum Handel an. "Aufgrund der nach wie vor hohen Unsicherheit ist kurzfristig nicht geplant, eine eWallet-Lösung (siehe links, die Red.) für Kunden anzubieten", heißt es bei der Commerzbank. "Wir sehen aktuell kein großes Interesse unserer Kunden", sagt ein Sprecher der Deutschen Bank.

Experte Flaskämper von der Bitcoin-Börse beobachtet, dass negative Zinsen auf hohe Bargeldbestände auch institutionelle Anleger in die Kryptowährung treiben - sie investierten teils dreistellige Millionen-Euro-Beträge.

Passen die Banken also nicht auf, graben Start-ups ihnen das Wasser ab. Die deutsche Fintech Group etwa hat sich auf die Entwicklung digitaler Finanzplattformen spezialisiert und besitzt auch eine Banklizenz. Das Unternehmen arbeitet mit Hochdruck daran, seinen Kunden "den rechtssicheren Handel in der neuen Assetklasse Kryptowährungen zu ermöglichen".

Der Geist ist wohl nicht mehr zurück in die Flasche zu bringen. Womöglich ist der Bitcoin doch mehr als eine Blase.

Investor-Info

Glossar:

Blockchain
Die Blockchain überträgt Daten wie das Internet. Sie ist ein dezentrales Netzwerk, jeder Teilnehmer hat zur gleichen Zeit Zugriff auf die gleichen Informationen. Wer das Netzwerk nicht nur nutzt, sondern auch Rechenleistung zur Verfügung stellt, erhält zur Belohnung Bitcoins. Es gibt nicht nur die eine Blockchain, sondern derzeit mehr als 1000. Sie alle generieren eine eigene Kryptowährung.

Bitcoin
Die Kryptowährung wird über eigene Börsenplätze gehandelt. Das Angebot ist rechnerisch auf 21 Millionen Stück limitiert. Die Begrenzung hat der anonyme Entwickler, der sich Sashoti Nakomoto nennt, 2008 festgelegt. Laut bitcoin.de-Chef Oliver Flaskämper sind aktuell rund 16,5 Millionen Bitcoins im Umlauf. Berühmt wurde Bitcoin, als ein Mit­entwickler 2010 eine Pizza für 10 000 Bitcoins kaufte - heute etwa 40 Millionen Euro.

Investieren
Der Handel ist höchst spekulativ. Um Bitcoins zu kaufen, müssen Anleger zunächst eine App auf ihrem Computer oder Smartphone installieren, das sogenannte Wallet (deutsch: Geldbeutel). Auf der Webseite bitcoin.org sind alle Anbieter aufgelistet. Vor dem Kauf brauchen Anleger zudem ein Depot auf einer Handelsplattform wie bitcoin.de oder paymium.com. Dort geben Käufer und Verkäufer Angebote für Ordergrößen mit Preisvorstellung ab.

Bitcoin-Zertifikat
Heißes Papier

Wer nicht direkt in Bitcoin investieren will, kann über ein Zertifikat von Vontobel partizipieren. Anleger müssen mit starken Schwankungen rechnen, die etwa durch Spaltungen der Währung ausgelöst werden. Nächster Termin ist hier der 25. Oktober. Auch ein "Update" im November dürfte verunsichern. Achtung: Das Zertifikat läuft nur bis Juli 2018.

Weitere Infos: Bitcoin kaufen - So geht's

Bildquellen: mk1one / Shutterstock.com, Rob Wilson / Shutterstock.com, 123dartist / Shutterstock.com
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