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19.01.2018 12:01
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Untergang einer Bitcoin-Börse - Betrüger konnte den Kurs innerhalb weniger Minuten verachtfachen

Hackerangriff oder Betrug?: Untergang einer Bitcoin-Börse - Betrüger konnte den Kurs innerhalb weniger Minuten verachtfachen | Nachricht | finanzen.net
Hackerangriff oder Betrug?
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Schon seit einiger Zeit kommt es im Rahmen der Kryptowährung Bitcoin immer wieder zu Manipulationen. Im Jahr 2014 gelang es einem einzigen Betrüger, den Wert der Bitcoins innerhalb kürzester Zeit rasant in die Höhe zu treiben.

Studie weist Betrug nach

Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat nun den bislang größten Bitcoin-Betrug der Geschichte nachgewiesen. Einem Betrüger gelang es, für einen steilen Anstieg des Bitcoin-Kurses zu sorgen, bevor dieser kurze Zeit später wieder abstürzte.

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Die Studie, die im Fachmagazin "Journal of Monetary Economics" erschien, befasst sich mit dem Zusammenbruch der ältesten Bitcoin-Börse, Mt. Gox.

Dabei gelangten wohl vertrauliche Informationen in Hände, in die sie nicht gehörten. Personen bekamen Informationen über Handelsbewegungen der japanischen Börse, die normalerweise unmöglich zugänglich sind.

Forscher der Universitäten Tulsa und Tel Aviv haben diese Vorkommnisse nun in einer Studie genauer betrachtet. Da alle Nutzer bei Mt. Gox eine individuelle ID hatten, konnten die vorgenommenen Geldbewegungen zugeordnet und der Betrüger identifiziert werden. Denn anders als angenommen laufen Bitcoin-Transaktionen nicht anonym ab, vielmehr wird ein Pseudonym für die Nutzer verwendet.

Verachtfachung innerhalb von Minuten

Im Rahmen dieses unglaublichen Betrugs kaufte der Verdächtige über einen Zeitraum von mehreren Monaten hinweg große Mengen Bitcoins - insgesamt waren es am Ende mehr als 300.000. Dabei musste der Käufer allerdings nie Transaktionsgebühren zahlen und der Verkäufer erhielt nie Geld, ebenso erreichten die Bitcoins nie das Konto des Betrügers. Dies machte die Forscher schließlich stutzig. Die gefakten Transaktionen wurden anderen Nutzern aber trotz allem angezeigt, was den Preis der Bitcoins letztlich in die Höhe trieb. Diese Aktivitäten führte der Betrüger zunächst unter dem Pseudonym "Markus" durch.

Plötzlich hörte "Markus" auf und "Willy", bestehend aus einem Netzwerk 49 verschiedener Accounts, setzte die bizarren Aktivitäten fort. Jeder dieser Nutzer kaufte nun Bitcoins für 2,5 Millionen Dollar und beendete anschließend unverzüglich den Handel. Auch das sorgte wieder für einen ansteigenden Kurs durch die hohe Nachfrage. Laut Forschern soll der Bitcoin alleine durch "Willy" von 150 auf über 1.000 Dollar in nur zwei Minuten angewachsen sein - der Kurs verachtfachte sich also.

Vertuschungsversuch?

Die Forscher vermuten, dass dieser ganze Betrug ein Versuch der Vertuschung durch den Betreiber von Mt. Gox, Markt Karpeles, war.

Bereits im Jahr 2011 waren der Börse 850.000 Bitcoins auf mysteriöse Weise abhandengekommen. Die Vermutung der Forscher: Die Betreiber wollten die damals entstandenen Verluste durch Manipulation wieder wettmachen. Die Betrugsmethode basierte außerdem auf einem System, mit dem nur Insider der Börse vertraut waren.

Da die Kunden bei den Transkationen zwar theoretisch Geld erhielten, dieses aber meistens bei Mt. Gox liegen ließen, hofften die Betreiber darauf, es nie tatsächlich auszahlen zu müssen. Und so kam es auch - im Februar 2014 sperrte die japanische Handelsplattform schließlich alle Auszahlungen und meldete kurz darauf Insolvenz an. Wenige Zeit später fand Mark Karpeles 200.000 Bitcoins, die angeblich noch in alten Wallets gelegen haben sollen.

Ein weiterer Verdächtiger

Mitte 2017 wurde nun der Russe Alexander V. in Griechenland festgenommen. Der Vorwurf der US-amerikanischen Polizei lautet: V. soll bis zu vier Milliarden US-Dollar via Bitcoins gewaschen haben, außerdem soll er in Verbindung mit dem Zusammenbruch der Börse Mt. Gox stehen. Darüber hinaus dürfte V. außerdem einer der ehemaligen Betreiber der Bitcoin-Börse BTC-e sein. Diese Börse war seit langem dafür bekannt, dass sie Identitäten ihrer Kunden nicht genau überprüfte und nicht mit Behörden kooperierte. Inzwischen ist sie offline.

Mt. Gox-CEO Karpeles, der in Japan vor Gericht steht, beteuert seine Unschuld und macht V. für die betrügerischen Aktivitäten verantwortlich. "V. ist unser Hauptverdächtiger in Verbindung mit dem Diebstahl von Mt. Gox.", so Bitcoin-Sicherheitsexperten von WizSec. V. könnte wohl tatsächlich Gelder von Mt. Gox gestohlen oder diese zumindest gewaschen haben.

Hoffnung auf Entschädigung?

Geschädigte können nun auf einen Schadenersatz hoffen - der Wert dürfte jedoch um einiges unter dem liegen, was das gestohlene Vermögen heute wert wäre. Denn die Ansprüche orientieren sich an dem Kurs zum Zeitpunkt der Pleite - seitdem stieg er um mehr als das Zwanzigfache.

Ein schwedischer Software-Entwickler, der durch den Betrug zwölf Bitcoins verlor, meint, die Opfer müssten wohl noch einige Jahre auf das Geld warten, das ihnen zusteht, denn es handele "[…] sich um eine juristische Grauzone."

Die Streitigkeiten zwischen Mt. Gox und verschiedenen Parteien sorgen außerdem dafür, dass sich die Auszahlung auf unbestimmte Zeit verzögern wird. Dabei wäre genügend Geld für eine Entschädigung vorhanden. Durch die wieder aufgetauchten Bitcoins sowie die gleiche Anzahl an Bitcoin Gold und Bitcoin Cash wären dafür aufgrund des heutigen Kurses mehrere Milliarden US-Dollar vorhanden. Japanischen Anwälten zufolge stehen Überschüsse aus der Insolvenzmasse den ehemaligen Betreibern der Börse zu. Diese gaben jedoch an, das Geld wohl nicht zu wollen.

Ein Software-Entwickler, dem 464 Bitcoins gestohlen wurden, dazu: "Wenn die Regierung das Geld einziehen würde, wäre das weniger abstoßend, als es Mark zu geben."

Einem US-Anwalt aus Taiwan, der 44,5 Bitcoins verlor, zufolge werde der Streit noch eine ganze Weile andauern: "Die Leute werden für höhere Schadenersatzansprüche kämpfen. Ganz sicher."

Forscher warnen im Hinblick auf diesen enormen Betrug: "Es ist wichtig zu verstehen, wie anfällig Märkte für Kryptowährungen für Manipulation sind."

Redaktion finanzen.net

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Bildquellen: Tomas Daliman / Shutterstock.com, Carlos Amarillo / Shutterstock.com, ppart / Shutterstock.com, Lightboxx / Shutterstock.com

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