Historischer Abverkauf

Flash-Crash am Kryptomarkt: Bitcoin stürzt in Richtung der 60.000er-Marke - auch Ethereum & Ripple im Blick

06.02.26 14:48 Uhr

Bitcoin, Ethereum, Ripple & Co. im Fokus: Flash-Crash belastet Kryptomarkt - Greift das "fallende Messer"? | finanzen.net

Der massive Abwärtsdruck am Kryptomarkt verschärft sich weiter und drückt den Bitcoin auf den tiefsten Stand seit Oktober 2024. Auch Altcoins werden in Mitleidenschaft gezogen.

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• Massive Liquidationen von Long-Positionen im Wert von über 2,3 Milliarden US-Dollar
• Geopolitische Spannungen und US-Zinspolitik belasten das Vertrauen der Investoren nachhaltig
• Institutionelle Abflüsse aus ETFs beschleunigen die Abwärtsspirale bei digitalen Vermögenswerten

Geopolitische Instabilität und Flucht in sichere Häfen

Der Kryptomarkt erlebt derzeit eine seiner schwersten Korrekturphasen der jüngeren Geschichte. Nachdem der Bitcoin erst im Oktober 2025 ein Allzeithoch von 126.080 US-Dollar markierte, hat sich der Preis innerhalb von nur vier Monaten mehr als halbiert. Auslöser für diesen drastischen Wertverfall ist ein Zusammenspiel aus geopolitischen Unsicherheiten und einer restriktiven US-Finanzpolitik. Insbesondere die Bestrebungen der US-Administration unter Donald Trump hinsichtlich einer Übernahme von Grönland sowie die Festnahme des venezolanischen Präsidenten haben die globalen Märkte verunsichert.

Risikoaversion und Tech-Sorgen schlagen auf den Kryptomarkt

Anleger ziehen ihr Kapital vermehrt aus risikobehafteten Assets ab und schichten in klassische Absicherungswerte um. Infolgedessen verzeichneten Gold und Silber zuletzt historische Höchststände, während der Kryptosektor unter massivem Verkaufsdruck leidet. Auch die Nominierung von Kevin Warsh für den Vorsitz der Federal Reserve sorgt trotz seiner grundsätzlich positiven Haltung gegenüber Kryptowährungen für Unruhe. Experten sehen laut einem Bericht von Forbes in der allgemeinen Risikoaversion und dem gleichzeitigen Abverkauf von Technologiewerten an der NASDAQ eine gefährliche Korrelation, die den Bitcoin weiter belastet.

Institutionelle Abflüsse und die Angst vor dem fallenden Messer

Ein wesentlicher Treiber des aktuellen Kurssturzes könnte das veränderte Verhalten institutioneller Akteure sein. Marion Laboure und Camilla Siazon, Analystinnen der Deutschen Bank, führten den jüngsten Kursrutsch laut einem internen Bericht, auf den sich Forbes bezieht, auf "massive Abhebungen aus institutionellen ETFs" zurück. Diese börsengehandelten Indexfonds, die im Jahr 2025 noch als Katalysatoren für den Aufstieg galten, fungieren nun als Beschleuniger für den Abwärtstrend. Allein am Dienstag und Mittwoch flossen über 800 Millionen US-Dollar aus Spot-Bitcoin-ETFs ab, was den Verkaufsdruck an den Börsen massiv erhöhte.

Bitcoin-Charttechnik: Niemand will ins "fallende Messer" greifen

Die technische Situation hat sich durch das Durchbrechen wichtiger Unterstützungslinien drastisch verschlechtert. Analysten wie Rachael Lucas von BTC Markets beobachten laut The Block, dass Trader derzeit davor zurückschrecken, das sprichwörtliche "fallende Messer" zu fangen. Statt Kursrücksetzer zum Kauf zu nutzen (Buy the Dip), dominieren Kapitalerhalt und die Sicherung verbliebener Gewinne das Marktgeschehen. Vincent Liu, CIO bei Kronos Research, bezeichnete die aktuelle Lage gegenüber dem Fachmagazin als "perfekten Sturm" aus erzwungenen Liquidationen gehebelter Positionen und einem Risiko-Off-Szenario im makroökonomischen Umfeld.

Extreme Angst am Markt: Liquidationswelle rollt

Die psychologische Komponente des Marktes spiegelt den Ernst der Lage wider. Der CMC Crypto Fear & Greed Index fiel zuletzt auf einen Wert von 5 Punkten, was "extreme Angst" signalisiert - der niedrigste Stand seit Juli 2023. Diese Panik entlädt sich in einer gewaltigen Welle von Liquidationen. Daten von Coinglass zeigen, dass allein innerhalb eines Zeitraums von 24 Stunden Positionen im Wert von 2,59 Milliarden US-Dollar zwangsverkauft wurden, wovon der Großteil auf optimistische Long-Wetten entfiel. Solche Kaskadeneffekte führen oft zu sogenannten Flash-Crashes, bei denen der Kurs in kürzester Zeit massiv einbricht.

Auch die Kurse anderer Kryptowährungen und Branchen-Aktien reagierten empfindlich. Ethereum verlor kräftig, während börsennotierte Handelsplattformen wie Coinbase und Robinhood zweistellige Kursverluste hinnehmen mussten. Die Marktteilnehmer warten nun gespannt darauf, ob sich der Bitcoin im Bereich zwischen 58.000 und 60.000 US-Dollar stabilisieren kann. Ein dauerhaftes Unterschreiten dieser Marke könnte nach Einschätzung technischer Analysten weiteren Abwärtsdruck bis in den Bereich von 50.000 US-Dollar auslösen.

Nach Einschätzung des Analysten Jonathan Osswald von der DZ Bank war für die Talfahrt kein einzelnes Ereignis ausschlaggebend. Vielmehr habe das Zusammenspiel mehrerer Faktoren für Verkaufsdruck gesorgt, darunter unter anderem die mangelnde Nachfrage von großen institutionellen Investoren. Darüber hinaus habe eine allgemeine Unsicherheit der Anleger und die Hebelwirkung von Derivate-Geschäften die Talfahrt des Bitcoin beschleunigt.

Aktuelle Kursreaktion von Bitcoin, Ethereum und Co.

In der aktuellen Handelswoche zeigt sich die Volatilität in ihrer vollen Ausprägung. Nachdem der Bitcoin in der Nacht auf Freitag zeitweise bis auf 60.074,20 US-Dollar durchgereicht wurde, notierte er am Freitag zuletzt bei rund 67.278 US-Dollar, was einem Minus von 3,02 Prozent innerhalb von 24 Stunden entspricht. Derweil geht es für Ethereum 4,95 Prozent auf 1.950 US-Dollar nach unten und Ripple erholt sich um 6,25 Prozent auf 1,43 US-Dollar.

Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX

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