25.03.2013 10:49
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Zypern sagt nein

Prof. Otte Kolumne: Zypern sagt nein | Nachricht | finanzen.net
Prof. Otte-Kolumne
Max Otte
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Liebe Leserinnen, liebe Leser, das zypriotische Nein zur Sonderabgabe auf Bankvermögen zeigt, wie sehr die europäische Politik erpressbar ist und wie stark die Finanzlobby auch im Jahr fünf der Finanzkrise das Geschehen lenkt.
Es zeigt auch, dass der Euro Gift für den Zusammenhalt in Europa ist und die Völker Europas eher gegeneinander aufwiegelt.

Es ist eben nicht so, wie der Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain gesagt hat, dass mit der Beteiligung der Privatsparer in Zypern ein „Präzedenzfall“ geschaffen wird. Im Gegenteil, die Abgabe auf die Sparvermögen, wenn sie sozial ausgewogen geschehen würde, wäre das zypriotische Modell eines Schuldenschnitts. Da die Banken in Zypern viele Geldzuflüsse hatten, weißes und schwarzes Geld, ist der Finanzsektor massiv auf das 8,5fache des Bruttoinlandsproduktes aufgebläht.

Die Banken haben sich aber kaum über Schuldverschreibungen finanziert. Um also an die Gläubiger heranzukommen, müsste man an die Sparvermögen. Wenn Kleinsparer bis – sagen wir zur Höhe der deutschen Anlagensicherung von 100.000 Euro – geschützt würden und darüber zwei Sätze – einer für Guthaben bis 300.000 Euro, einer für alle Guthaben darüber – eingeführt würden, könnten die großen Vermögen und Fluchtgelder an der Sanierung des unsoliden Bankensektors, der zweifelsohne teilweise auch kriminelle Gelder toleriert hat, beteiligt werden.

Geld in Zypern würde etwas unsicherer, Geld in funktionierenden Bankensystemen würde attraktiver. Das wollen wir doch, oder?

Aber natürlich sieht das zypriotische Volk das nicht und ergeht sich in Anti-Merkel-Demonstrationen. Und das deutsche Volk lässt sich mit dem Gerede von einem „Präzedenzfall“ blenden, obwohl die Situation in Deutschland eine ganz andere ist.

Eine Umlage ist in Deutschland sehr unwahrscheinlich. Stattdessen werden deutsche Sparer seit Jahren über die Finanzrepression – Guthabenzinsen deutlich geringer als tatsächliche Inflation – zur Kasse gebeten. Nach meinen Berechnungen schmelzen die deutschen Sparguthaben bei den jetzigen Zins- und Inflationsszenarien in zehn Jahren um 25 Prozent, in 15 Jahren gar um 40 Prozent.

Mag Russland Zypern „retten“. Ich finde das gar nicht so schlecht. Russland ist in den letzten Jahren oftmals verteufelt und als undemokratisch hingestellt worden, aber die EU entwickelt sich auch eher schneller als langsamer in diese Richtung.

Für die Aktienanlage heißt es mal wieder – erhöhte Unsicherheit. Aber ich bleibe bei meiner Grundthese, dass die Unsicherheit für Geldvermögen letztlich dazu führen wird, dass die Aktie sehr viel interessanter wird. Zugegeben, der DAX ist mittlerweile nahezu fair bewertet. Aber auch hier gibt es noch Schnäppchen. Und es ist viel besser als im Jahr 2000, als der DAX bei 8000 stand und mindestens 100% überbewertet war.

Wir finden immer wieder Raketen, die abgehen, nachdem sie vorher von Märkten auf grotesk niedrige Preise herunter geprügelt wurden – in den letzten Monaten zum Beispiel TNT Express (WKN: A1JJP8) oder Hewlett Packard (WKN: 851301). Aber man muss auch Geduld mitbringen können. Bei unseren japanischen Aktien saßen wir seit zwei Jahren auf hohen Buchverlusten, bevor in den letzten Monaten die Wende kam. Bei den Telecomwerten tun wir dies immer noch. Und trotz der ganzen Turbulenzen erreichte der PI Global Value Fonds (WKN: A0NE9G) in den letzten Wochen ein Allzeithoch, nachdem die Eurokrise in den letzten zwei Jahren mächtig negativ auf die Performance gewirkt hatte.

Aktuell scheint es so, als ob die Versorger E.ON (WKN: ENAG99) und RWE (WKN: 703712) ihren Kursblues endgültig hinter sich lassen und den Kursanstieg beginnen. Natürlich kann es auch ganz anders kommen – aber es ist sicher nicht verkehrt, diese Titel bei gut einem Viertel ihres Höchststandes im Depot zu haben.

Auf gute Investments, Ihr

Prof. Dr. Max Otte

Prof. Dr. Max Otte ist Herausgeber des PRIVATINVESTOR (www.privatinvestor.de) und Geschäftsführender Gesellschafter der IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH. Das Institut analysiert nach der von ihm entwickelten Strategie der Königsanalyse © börsennotierte Unternehmen und setzt sich dafür ein, mit transparenten Informationen Privatanleger bei der Entwicklung nachhaltiger und langfristig ausgerichteter Aktienstrategien zu unterstützen. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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