10.11.2018 15:00

Echtzeitüberweisungen: Wie es funktioniert und was es kostet

Euro am Sonntag-Service: Echtzeitüberweisungen: Wie es funktioniert und was es kostet | Nachricht | finanzen.net
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Ein Klick, und schon ist das Geld auf dem Konto. Noch im ­November starten weitere Banken mit Instant Payments. So funktioniert die neue Technik.
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von Brigitte Watermann, €uro am Sonntag

Drei, zwei, eins - meins!" Mit diesem Werbespruch machte einst das Internetauktionshaus Ebay Werbung. Inzwischen ließe sich damit auch sehr gut für eine neue Variante von Überweisungen trommeln: sogenannte Instant Payments, auch als Echtzeitüberweisungen bezeichnet. Noch im Lauf des November werden Deutsche Bank, Commerzbank sowie Volks- und Raiffeisenbanken einsteigen.


Im ersten Schritt ermöglichen Commerzbank sowie Volks- und Raiffeisenbank nur den Empfang dieser Turboüberweisungen; das Überweisen selbst soll erst zu einem späteren Termin möglich sein. Weitere Institute stehen für 2019 in den Startlöchern (siehe Tabelle unten).


Spätestens seit diesem Sommer sind die Echtzeitüberweisungen vielen schon ein Begriff. Denn seither offerieren die Sparkassen als größte Institutsgruppe ihren Kunden Instant Payments - wenn auch nicht jede Sparkasse von Tag 1 an mit dabei war. Zuvor hatte als erste und einzige deutsche Bank nur die Hypovereinsbank (HVB) sie im Angebot. Deren Erfahrungen sind besser als erwartet, die Nutzerzahlen steigen von Monat zu Monat. Auch die Sparkassen konstatieren für die Turboüberweisungen schon nach kurzer Zeit große Akzeptanz und zählen inzwischen fast eine Million Kundenaufträge pro Monat.

Wie funktionieren die Turboüberweisungen? Nur maximal zehn Sekunden darf es dauern, bis bei einer solchen Überweisung das Geld nicht nur vom eigenen Konto abgegangen, sondern tatsächlich auch auf dem Zielkonto angekommen ist und direkt zur Verfügung steht - sei es für weitere Überweisungen oder auch zur Barabhebung am Automaten. "Mehr als 95 Prozent der Instant-Payment-Überweisungen werden sogar in weniger als drei Sekunden durchgeführt", sagt Gerhard Bystricky, Experte für Echtzeitüberweisung bei der Hypovereinsbank.


Zum Vergleich: Wer bei seiner Bank online auf herkömmlichem Weg überweist, bekommt das Geld zwar gleich abgebucht, aber die Zahlung wird in der Regel über Nacht abgewickelt und erst dann dem Empfänger gutgeschrieben. Dieser wartet also mindestens einen Bankarbeitstag auf sein Geld und kann auch erst dann darüber verfügen. Ein klarer zeitlicher Nachteil. Erhält ein HVB-Kunde eine Echtzeitüberweisung, bekommt er das sofort im Onlinebanking angezeigt und kann gleich auf den Betrag zugreifen. "Wir weiten unser eigenes Angebot noch aus und werden den Service in Kürze auch über unsere HVB-Mobile-Banking-App anbieten", kündigt Bystricky an.

Instant Payments laufen an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr. So sehen es die Anforderungen vor. Das eigene Bankkonto steht dabei im Mittelpunkt: Man braucht keinen zwischengeschalteten Dienstleister, um sekundenschnell Geld zu transferieren. Instant Payments sind daher auch eine Kampfansage an diverse Fintechs oder Paymentplatz­hirsche wie Paypal: Diese können in Echtzeit lediglich zwischen Accounts ­ihrer Nutzer hin- und herbuchen, aber nicht in Echtzeit tatsächliche Wertstellungen auf Konten anderer Institute, insbesondere Bankkonten, buchen.

Um von Instant Payments richtig zu profitieren, muss aber nicht nur das abgebende, sondern auch das empfangende Institut das Verfahren unterstützen. Mittlerweile ist bereits fast jeder zweite europäische Zahlungsdienstleister mit dabei, so das European Payments Council (EPC), insgesamt mehr als 2000. Turbobüberweisungen, für die es seit November 2017 einen einheitlichen Standard gibt, laufen bereits in 16 der 34 Länder des Einheitlichen Euro-­Zahlungsverkehrsraums (SEPA).

Maximal 15.000 Euro

Mancherorts gibt es Instant Payments schon viel länger: "In Großbritannien läuft ‚Faster Payment‘, das dortige ­Pendant, bereits seit zehn Jahren erfolgreich", erläutert Matthias Salmon vom Zahlungsverkehrstechnologie-Unternehmen NCR. Im Sommer 2018 wurden allein dort bereits 230 000 Transaktionen pro Stunde abgewickelt. Dass die Geschwindigkeit nicht zulasten der Sicherheit geht, dafür sorgen im Hintergrund ausgefeilte Sicherheitssysteme. Außerdem gibt es eine Summenbegrenzung: Es dürfen maximal lediglich 15 000 Euro überwiesen werden.

Bei den rund 400 deutschen Sparkassen können Instant Payments im Online- und Mobile Banking genutzt werden. Außerdem werden sie bei der ­Banking-App-Funktion Kwitt, dem Handy-zu-Handy-Bezahlverfahren, bereits automatisch eingesetzt - bei Beträgen bis 30 Euro sogar ohne Eingabe einer Transaktionsnummer, der sogenannten TAN. Sparkassen-Kunden können zwischen der Standard- und der Echtzeitüberweisung wählen. Bei der Hypovereinsbank braucht man ein Girokonto mit Onlinebanking-Zugang. Echtzeitüberweisungen können einfach über die reguläre Eingabemaske des Onlinebankings als Zahlungsart ausgewählt und ausgeführt werden.

Geschwindigkeit kostet Geld

Einen Haken gibt es allerdings - die schnelle Überweisung ist oftmals nicht gratis: Die ­Hypovereinsbank nimmt 50 Cent für jedes Instant Payment, es sei denn, man führt ein "Exklusivkonto" für 14,90 Euro Gebühr pro Monat, dann sind die Transaktionen umsonst. Die Deutsche Bank, die am 20. November loslegt, verlangt 60 Cent, die zum Sparkassenverbund gehörende Direktbank 1822direkt nimmt 99 Cent. Bei den Sparkassen entscheidet jedes Mitgliedsinstitut individuell, was es für die Leistung verlangt. So werden es auch die Volks- und Raiffeisenbanken handhaben.

Doch was hat man als Kunde wirklich von Instant Payments? "Man hat sofort Gewissheit, dass die Überweisung tatsächlich und erfolgreich ausgeführt wurde", sagt HVB-Banker Bystricky. "Für viele Kunden hat das einen hohen Wert." Man denke dabei nicht nur an Überweisungen zwischen Privatpersonen, sondern an terminkritische Überweisungen zum Beispiel ans Finanzamt, bei der Anzahlung einer Ferienimmobilie oder beim Autokauf von privat zu privat. "Auffällig ist, dass der Service verstärkt in Randzeiten am späteren Abend oder am Wochenende und an Feier­tagen genutzt wird, vermutlich bei fristgebundenen Zahlungen", erklärt der Experte.

Bei den Volks- und Raiffeisenbanken sieht man den Nutzen vor allem dort, wo es auf bestimmte Begleitumstände einer Zahlung ankommt, zum Beispiel für Zug-um-Zug-Geschäfte in einem durchgehenden digitalen Prozess. Interessant sind sie auch für Firmenkunden: Unternehmen könnten zum Beispiel ihre Liquiditätsplanung durch Echtzeitüberweisungen noch gezielter steuern.

Künftig wird man durch Turbozahlungen auch Services direkt freischalten können, zum Beispiel Video-on-­demand oder den dringenden Abschluss einer Versicherung via Internet, erwarten Marktbeobachter. "Als Verbraucher werde ich Instant Payments richtig schätzen, wenn sie auch im Einzelhandel angekommen sind und ich beispielsweise in Sekundenschnelle direkt mit meinem Smartphone Zahlungen vom Konto aus leisten kann", glaubt NCR-­Experte Salmon. Der Handel zeigt daran jedenfalls großes Interesse.

Instant Payments - Wer es hat und wer es plant (pdf)






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Bildquellen: WHYFRAME / Shutterstock.com, Aaron Amat / Shutterstock.com
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