04.08.2011 06:00

Mack & Weise: Nicht zu viel Risiko

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Für die Vermögensverwalter Mack & Weise gilt: lieber einmal Chancen auslassen als zu viel Risiko eingehen. Ihre Fonds haben sie krisenfest gemacht.
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€uro am Sonntag
von Andreas Hohenadl, €uro am Sonntag

Auf der Terrasse des Alsterpavillons am Hamburger Jungfernstieg sind zur Mittagszeit fast alle Plätze besetzt. Es ist einer jener seltenen warmen Sonnentage im Juli. Eine leichte Brise kräuselt den Spiegel der Binnenalster und zerstäubt das Wasser der 60 Meter hohen Fontäne, die inmitten des Sees emporschießt.

Mit dem angenehmen Luftzug ist es schnell vorbei, sobald man in die benachbarten Colonnaden biegt. Die enge Fußgängerzone mit ihren Säulengängen und den schmucken Häusern im Neorenaissancestil wird zu Mittag von der prallen Sonne geflutet. Mehr Italien als kühler Norden, so scheint es. Eine ähnliche Atmosphäre vermittelt auch der Besprechungsraum im zweiten Stock des Hauses mit der Nummer 96. Mit seiner hohen Stuckdecke und den zartgelb gestrichenen Wänden strahlt er luftige Eleganz aus. Einerseits. Andererseits sorgen dunkle, schlichte Möbel für Erdung und Solidität.

Martin Mack und Herwig Weise setzen gern Kontrapunkte. Das lässt sich an der Einrichtung erahnen, im Gespräch wird es zur Gewissheit. Die Vermögensverwalter folgen keiner vorgegebenen Linie, nur ihrer eigenen Überzeugung. Und der verleihen sie mit klaren Worten Ausdruck. ­Mögen die Politiker ihr jüngstes Rettungspaket für Griechenland und Co auch feiern – für Martin Mack ist es nichts anderes, „als einem Junkie noch mal was nachzuspritzen“.

Für die beiden Studienfreunde gilt ein eherner Grundsatz: „Politische Macht vermag das ökonomische Gesetz niemals außer Kraft zu setzen.“ Diese Aussage des österreichischen Ökonomen Eugen Böhm Ritter von Bawerk haben sie als Motto über ihren jüngsten Fonds­report an die Anleger gesetzt. Ihrer Ansicht nach fällt den Politikern jetzt die gegen alle Warnungen durchgezogene Euro-Einführung auf die Füße. „Doch statt eines Besinnens, was ­angesichts der unübersehbaren Probleme mehr als angezeigt wäre, wird nun eine Transfer- und Haftungs­union durch eine unfassbare Flexibilisierung der Lissabon-Verträge installiert“, sagt Weise. „Es besteht ­somit die sehr reale Gefahr, dass die gemeinsame Währung zum Spaltpilz der europäischen Idee wird.“

So habe in Ländern wie Spanien, Portugal oder Griechenland die Jugend kaum Perspektiven, was einen gewaltigen sozialen Sprengsatz darstelle. Dazu komme der politische Sprengsatz, wenn im Rahmen von immer mehr Transferleistungen die nationalen Parlamente Schritt für Schritt entmachtet werden. „Wenn man eine Währungsunion schafft, darf man auch die Mentalitätsunterschiede nicht verkennen“, ist Mack überzeugt. Die derzeitigen Probleme offenbarten, was herauskommt, wenn man eine Industrienation wie Deutschland mit Agrar- und Tourismusländern wie Griechenland oder Portugal in einen Topf stecke.


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Für die beiden Vermögensverwalter kann eine Währungsunion nur funktionieren, wenn sich die beteiligten Länder zuvor wirtschaftlich und fiskalpolitisch angeglichen ­haben. „Eine gemeinsame Währung kann dann im Sinne der Krönungstheorie obendrauf kommen“, so Mack, „dann kann es klappen.“

Ihrer Ansicht nach wäre es für alle Beteiligten besser, „noch mal mindestens einen Schritt zurückzugehen“ und beispielsweise zwei Währungsblöcke zu schaffen: eine Hart- und eine Weich-Euro-Zone. Doch machen sie sich wenig Hoffnung, dass dies geschieht. „Das Ganze wird wahrscheinlich erst ein Ende haben, wenn Deutschland durch die auszehrenden Transferleistungen auf dem finanziellen Niveau von Griechenland angekommen ist“, sagt Mack. „Wir stehen dem Anfang der Krise näher als dem Ende.“

Für ihre Anlagestrategie haben die Vermögensverwalter daraus entsprechende Schlüsse gezogen. Und die setzen sie strikt um, auch wenn sie dabei auf mögliche Gewinne verzichten oder mit ihrem konservativen Aktienfonds M & W Capital sogar leicht ins Minus driften. Rund sechs Prozent hat dieser seit März 2009 verloren. Damals drehten die Aktienmärkte wieder nach oben, der MSCI Weltindex gewann seitdem rund 60 Prozent. Immerhin ein Plus von rund zwölf Prozent schaffte in dieser Zeit der offensivere M & W Privat.

Doch auf der Liquiditätswelle, die die Aktienmärkte aktuell trägt, möchten Mack und Weise nicht mitschwimmen. „Wir tragen langfristi­ge Verantwortung“, sagen sie. „Das Risiko an den Aktienmärkten ist uns im Verhältnis zu den Chancen zu hoch.“ Ihre Anleger schätzen diese Besonnenheit. Und in den letzten Jahren, erzählt Mack, interessierten sich auch immer mehr Finanzvermittler für ihre Fonds. „Viele sind es leid, gegenüber ihren Kunden Zweckoptimismus zu verbreiten, und zu wissen, dass diese am Ende doch nur wieder enttäuscht sein werden.“ Deshalb rückten Fonds mit vermögensverwaltendem Ansatz in den Blickpunkt der Vermittler. Produkte, bei denen der Kapitalerhalt mindestens so ernst genommen werde wie die Kapitalvermehrung.

Dass Mack und Weise das Geld ihrer Investoren gut schützen, haben sie in der jüngsten Finanzkrise ­bewiesen: Während der MSCI Weltindex von 2007 bis 2009 um rund 55 Prozent einbrach, blieb das Kapital der Anleger im M & W Capital von Verlusten verschont. Der M & W Privat steigerte in dieser Zeit seinen Wert sogar um mehr als 20 Prozent.

Möglich machen solche Ergebnisse ein höchst flexibler Anlagestil (siehe Investor-Info). Der M & W Privat kann als vermögensverwaltender „Superfonds“ sogar in physische Rohstoffe investieren. Derzeit befinden sich in den Portfolios vor allem kurz laufende Bundesanleihen, Aktien deutscher Energieversorger, Edelmetalle in physischer Form sowie ausgewählte Gold- und Silberminenaktien. Doch unter den Top-Ten-Positionen beider Fonds sticht auch ein Short-ETF auf den DAX hervor, der bei sinkenden Kursen des deutschen Leitindex profitiert.

Diese Position haben Mack und Weise sukzessive ausgebaut, obwohl sie sich bisher eher negativ auf die Fondsperformance auswirkte. Doch das nehmen sie in Kauf. „Den Short-DAX-ETF haben wir als eine Art Versicherung in die Depots genommen. Und wir sind bereit, die Prämie auch über eine längere Zeit zu bezahlen“, sagt Mack. Die beiden Norddeutschen positionieren sich bewusst antizyklisch und beweisen darin große Stetigkeit. Wer mit einem großen Systemknall rechnet, für den ist eine Versicherung nur logisch.

Doch die Überlegungen von Mack und Weise kreisen auch bereits um das Danach. Sie erwarten einen harten Schnitt, der jedoch kaum von der Politik umgesetzt, sondern von den Märkten erzwungen werde. Anders kann für sie das Überschuldungsproblem diesseits und jenseits des Atlantiks nicht gelöst werden. Nachdem die US-Notenbank vorerst aufgehört hat, die Wirtschaft mit billigem Geld zu fluten, schwächle die Konjunktur schließlich immer noch. Nun gehe dem Notenbankchef absehbar die Munition aus. Angesichts des überschuldeten Haushalts sei ein ­Stimulierungsprogramm in diesem Ausmaß nicht noch einmal möglich.

Vor diesem Hintergrund halten Mack und Weise eine Rückkehr der großen Währungen zur teilweisen Edelmetalldeckung für eine interessante Alternative. An ihre Anleger schreiben sie: „Um so wichtiger ist deshalb ein Blick in die Geschichte, die uns lehrt, dass nur edelmetall­gedeckte Währungen nachhaltiges Wirtschaften und dauerhaften Wohlstand ermöglicht haben.“
Ein solides Fundament für Währungen – das scheint für Mack und Weise genauso nötig zu sein, wie einen hohen luftigen Raum mit soliden Möbeln auszustatten.

Mack & Weise
Berufsstart mit einer „Garagenfirma“

Martin Mack (47) und Herwig Weise (45) gründeten 1989 ihre Vermögensverwaltung. Damals studierten sie noch Betriebswirtschaft an der Uni Hamburg. „Wir sind quasi aus einer Garagenfirma heraus entstanden“, sagt Mack. Doch die entwickelte sich prächtig, und durch Empfehlungen und Mund-zu-Mund-Propaganda gewannen sie immer mehr Kunden. Das veranlasste sie, nach ihrem Abschluss 1994 ihre Nebentätigkeit zum Hauptberuf zu machen. Heute beschäftigen sie in Hamburg fünf Mitarbeiter und verwalten in ihren beiden Fonds ein Vermögen von mehr als 300 Millionen Euro.

Investor-Info

Die Vermögensverwaltung
Konzentration auf zwei Fonds

Seit 2009 managen Martin Mack und Herwig Weise keine individuellen Einzeldepots mehr. Stattdessen ­bündeln sie ihre Erfahrung in zwei Investmentfonds. Die Einführung der Abgeltungsteuer gab den entscheidenden Ausschlag zu diesem Schritt. „Unsere Mandanten haben von Beginn an auch unsere Investmentfonds in ihren ­Depots berücksichtigt. So konnten sie unsere Leistung im internen Wettbewerb überprüfen und waren schlussendlich überzeugt. Also zogen sie mit“, erklärt Mack. Ihren ersten Fonds, den konservativen M & W Capital, hatten die beiden Vermögensverwalter bereits 2001 aufgelegt. Fünf Jahre später, 2006, folgte der M&W Privat, „bei dem wir einen Tick ,sportlicher‘ unterwegs sind als beim M & W Capital“, so Mack.

Die Anlagestrategie
Flexibilität und Kapitalerhalt

Mit ihren beiden Investmentfonds verfolgen Mack und Weise einen vermögensverwaltenden Ansatz. Unabhängig von Vergleichsindizes und Quotenzwängen investieren sie in verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Derivate, Rohstoffe und Edelmetalle. Zum Teil finden sich in den Portfolios dieselben Titel, allerdings mit einer unterschiedlichen Gewichtung. Doch zur Philosophie von Mack und Weise gehört es auch, nicht immer zu 100 Prozent investiert zu sein. Wenn sie das Risiko an den Märkten höher einschätzen als die Chancen, weiten sie den Cash-Anteil in den Fonds entsprechend aus. Den Aktienanteil können sie flexibel von nahezu null bis 100 Prozent steuern. In einem negativen Börsenumfeld hat Kapitalerhalt für die beiden oberste Priorität.

M & W Capital
Konservativer Fonds für Skeptiker

Die wahre Krise steht nach Ansicht von Mack und Weise noch bevor. Sie rechnen deshalb mit heftigsten Turbulenzen an den Märkten. Der M&W Capital hat sich bereits entsprechend positioniert, indem er auf kurz laufende Bundesanleihen und Edelmetalle in Form von Minen­aktien setzt. Ein Short-DAX-ETF soll bei einem Absturz des deutschen Aktienmarkts das Schlimmste verhindern. Derzeit sorgt diese Position allerdings für ein Minus in der Wertentwicklung. Seit Auflage 2001 verzeichnet der Fonds 35 Prozent Plus, während der MSCI Weltindex in dieser Zeit rund 25 Prozent verloren hat.

M & W Privat
Die „sportlichere“ Variante

Etwas aggressiver als der Capital ist der M & W Privat aufgestellt. Der Superfonds darf auch in physische Edelmetalle anlegen. Zusammen mit physisch besicherten Edelmetall-ETFs der Zürcher Kantonalbank machen Gold und Silber derzeit ein knappes Drittel des Fondsvolumens aus. Daneben finden sich Bundesanleihen kurzer Laufzeit und Aktien von deutschen Energieversorgern unter den größten Positionen. Seit Auflage im Dezember 2006 hat der Fonds rund 40 Prozent an Wert gewonnen.

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