Energiewende im Blick

Erneuerbare Energie setzen sich durch: Internationale Energieagentur sieht Nachfrage nach Öl, Gas und Kohle bis 2030 auf Höhepunkt

03.11.23 23:24 Uhr

Internationale Energieagentur überrascht mit Ausblick: Energiemarkt um Öl, Gas und Kohle im Wandel | finanzen.net

Mit dem Wandel von fossilen Brennstoffen wie Öl, Gas und Kohle hin zu erneuerbare Energien dürfte die Nachfrage nach den als ökologisch bedenklich geltenden Rohstoffen bald stagnieren, heißt es in einem Bericht der Internationalen Energieagentur. Dabei dürfte auch das verlangsamte Wachstum in China eine Rolle spielen.

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• Nachfrage nach fossilen Brennstoffen bald auf Höhepunkt
• Fokus auf erneuerbaren Energien
• E-Mobilität gewinnt an Beliebtheit

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Nachfrage nach Öl, Gas und Kohle bis 2030 auf Höhepunkt

Das Wachstum der weltweiten Nachfrage nach fossilen Brennstoffen wie Öl, Erdgas und Kohle dürfte sich noch in diesem Jahrzehnt verlangsamen, wie die Internationale Energieagentur IEA in ihrem im Oktober 2023 veröffentlichten "World Energy Outlook 2023" darlegte. Dieser ins Stocken geratene Anstieg dürfte außerdem dazu führen, dass der Bedarf nach den ökologisch bedenklichen Rohstoffen bis 2030 einen Höhepunkt erreichen werde. Dem Bericht zufolge ist es das erste Mal, dass die Agentur eine solche Entwicklung in einem Szenario berechnet hat. "In diesem Szenario sinkt der Anteil der fossilen Brennstoffe an der weltweiten Energieversorgung, der seit Jahrzehnten bei rund 80 Prozent liegt, bis 2030 auf 73 Prozent, wobei die weltweiten energiebedingten Kohlendioxidemissionen (CO2) 2025 ihren Höchststand erreichen", heißt es im Report.

Erneuerbare Energien im Kommen

Als Hauptgrund für die nachlassende Nachfrage nach fossilen Brennstoffen nennt die IEA den verstärkten Fokus auf erneuerbare Energien wie Erdwärme, Bioenergie, Wasserkraft, Windenergie und Solarenergie. "Der Übergang zu sauberer Energie findet weltweit statt und ist unaufhaltsam. Es ist keine Frage des 'ob', sondern nur des 'wie bald' - und je früher, desto besser für uns alle", erklärte IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol im Rahmen einer Pressemitteilung. Dabei sehe die Agentur vor allem Landesregierungen und Unternehmen, aber auch Anleger in der Verantwortung und räumt mit der Annahme auf, dass fossile Brennstoffe eine Zukunft haben: "Angesichts der anhaltenden Spannungen und der Volatilität auf den traditionellen Energiemärkten sind die Behauptungen, dass Öl und Gas sichere Alternativen für die Energie- und Klimazukunft der Welt darstellen, schwächer denn je", so der Wirtschaftswissenschaftler. Stattdessen verweist er auf die Vorteile von umweltfreundlichen Energiequellen: "Neue industrielle Möglichkeiten und Arbeitsplätze, größere Energiesicherheit, sauberere Luft, universeller Energiezugang und ein sichereres Klima für alle".

E-Auto-Markt gibt Gas

Dieser Wandel dürfte sich der Agentur zufolge auch an einer steigenden Nachfrage nach E-Autos bemerkbar machen. So wird im Bericht darauf verwiesen, dass im Jahr 2020 eines von 25 verkauften Autos ein elektrisch betriebenes Fahrzeug war. 2023 war es bereits ein E-Auto je fünf verkauften Pkw. Bis 2030 sollen dann laut IEA weltweit fast zehnmal so viele Elektroautos unterwegs sein wie noch im Oktober 2023. Anzeichen dafür lassen sich bereits jetzt erkennen: So befände sich der Absatz von Autos und Zwei- sowie Dreiradfahrzeugen mit Verbrennungsmotoren deutlich unter dem Niveau von vor der Corona-Pandemie. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen ungefähr 60 Prozent der verkauften Zwei- und Dreiradfahrzeuge elektrisch betrieben sein, so die IEA. Hier habe der Inflation Reduction Act der US-Regierung, der Kaufprämien für E-Fahrzeuge beinhaltete, der Branche Antrieb verschafft.

Verlangsamtes Wachstum in China

Die IEA legt den Fokus in ihrem Bericht außerdem auf China. So gehen die Experten davon aus, dass die verlangsamte Wirtschaft der Volksrepublik auch einen großen Einfluss auf die Energienachfrage im Land - und auch weltweit - hat. Die Gesamtenergienachfrage Chinas dürfte demnach bis 2025 ihren Scheitelpunkt erreichen. Auch im Reich der Mitte dürfte außerdem der Wandel hin zu erneuerbaren Energien stattfinden, was nicht nur die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen, sondern auch die daraus entsehenden Emissionen schmälern dürfte. "In den letzten zehn Jahren war China für fast zwei Drittel des Anstiegs des weltweiten Ölverbrauchs und für fast ein Drittel des Anstiegs des Erdgasverbrauchs verantwortlich und war der dominierende Akteur auf den Kohlemärkten. Es wird jedoch weithin anerkannt, auch von der Führung des Landes, dass Chinas Wirtschaft einen Wendepunkt erreicht", so die Agentur. "Das Land verfügt bereits über ein Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnnetz von Weltrang, und die Pro-Kopf-Wohnfläche entspricht inzwischen der Japans, obwohl das Pro-Kopf-BIP viel niedriger ist. Diese Sättigung deutet auf eine geringere zukünftige Nachfrage in vielen energieintensiven Sektoren wie Zement und Stahl hin." Darüber hinaus sei die Volksrepublik mit einem Fokus auf Wind- und Solarenergie und zahlreiche Hersteller von Elektrofahrzeugen ein "Kraftwerk für saubere Energien".

Fünf Säulen der Energiewende

In ihrem Bericht geht die IEA jedoch auch auf Herausforderungen der Energiewende ein. "Jedes Land muss seinen eigenen Weg finden, aber die internationale Zusammenarbeit ist entscheidend für die Beschleunigung des Übergangs zu sauberer Energie", erklärte Birol weiter. "Die Geschwindigkeit, mit der die Emissionen zurückgehen, wird vor allem von unserer Fähigkeit abhängen, nachhaltige Lösungen zu finanzieren, um die steigende Energienachfrage der schnell wachsenden Volkswirtschaften der Welt zu decken. All dies zeigt, wie wichtig es ist, die Zusammenarbeit und Kooperation zu verdoppeln und sich nicht von ihr zurückzuziehen." So müsse bis 2030 eine weltweite Strategie etabliert werden, die insgesamt fünf Säulen kombiniere. Der Agentur zufolge müsse die Kapazität an sauberer Energie verdreifacht, die Steigerungsrate der Energieeffizienz verdoppelt, die aus fossilen Brennstoffen entstehenden Methanemissionen um 75 Prozent reduziert, Investitionen in Schwellen- und Entwicklungsländern verdreifacht sowie die Nutzung fossiler Brennstoffe geordnet zurückgefahren werden.

Geopolitische Unsicherheiten

Aber auch die geopolitischen Unruhen in der Ukraine und im Nahen Osten wirken sich auf den Rohstoffmarkt aus. "Die angespannte Situation im Nahen Osten kommt 50 Jahre nach dem Ölschock, der zur Gründung der IEA führte, und schafft weitere Unsicherheit für eine verunsicherte Weltwirtschaft, die die Auswirkungen der hartnäckigen Inflation und der hohen Kreditkosten zu spüren bekommt", so die Agentur weiter. Der Konflikt in der Region bietet insofern Potenzial für weitere Eskalationen, als dass sich dort zahlreiche ölproduzierende Länder befinden. "Dies kommt zu der Unsicherheit hinzu, die wir auf den Erdgasmärkten nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine hatten", erklärte Birol laut "CNN".

OPEC erwartet steigende Nachfrage nach Öl

Der Bericht der IEA steht im Gegensatz zur Einschätzung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), die die wichtigsten erdölproduzierenden Länder der Welt repräsentiert. Wie der Zusammenschluss im Oktober 2023 erklärte, rechne man bis 2045 mit einer steigenden Nachfrage nach Öl. Die Nachfrage solle dann bei 116 Millionen Barrel pro Tag liegen, was Generalsekretär Haitham al-Ghais mit einem steigenden Bedarf an Energie rechtfertigte. "Das Ergebnis ist, dass es keinen glaubwürdigen Weg gibt, die vor uns liegenden Herausforderungen zu bewältigen, ohne alle verfügbaren Energiequellen und alle relevanten Technologien zu nutzen und die Stabilität des Energiemarktes als Eckpfeiler für die erforderlichen enormen Investitionen zu berücksichtigen", erklärte er die Prognose.

Redaktion finanzen.net

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