28.09.2020 12:13

Unerwartetes Comeback der Rohstoffe: Wie Anleger dabei sein können

Reiche Ernte einfahren: Unerwartetes Comeback der Rohstoffe: Wie Anleger dabei sein können | Nachricht | finanzen.net
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Trotz der tiefsten Krise der Weltwirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg gab es zuletzt eine fulminante Hausse bei Naturalien. Einzelne Rohstoffe wie Palladium, Kupfer oder Soja versprechen aber trotzdem noch gute Chancen für Investoren.
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€uro am Sonntag

von Emmeran Eder, Euro am Sonntag

Am 4. September beendete der Bloomberg Commodity Index erstmals seit Ende Juni eine Handelswoche leicht im Minus - nach neun aufeinanderfolgenden Wochen mit einem Renditeplus. Das breite Rohstoffbarometer enthält die wichtigsten Rohstoffe aus den Bereichen Energie, Edel- und Industriemetalle sowie landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die Aufwärtsphase des Index war die längste seit Jahrzehnten.

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Ausgelöst wurde sie aus verschiedenen Gründen. Zuerst ist die Erholung der Wirtschaft in China zu nennen. Die Chinesen deckten sich in den vergangenen Monaten mit Rohstoffen ein. Da die Wirtschaft im Reich der Mitte weiter Fahrt aufnimmt, dürfte sich dieser Trend erst einmal fortsetzen.

Inflationsängste als Preistreiber

Bei Edel- und Industriemetallen kam noch hinzu, dass es in einigen Förderländern in Lateinamerika oder Afrika Lieferprobleme gab, weil Minen wegen der Corona-Krise geschlossen waren. Zusätzlich trieben Inflationsängste die Rohstoffpreise. Die Ankündigung der US-Notenbank Fed, vorübergehend eine Preissteigerung von mehr als zwei Prozent zuzulassen, um Konjunktur und Arbeitsmarkt zu stützen, veranlasste Investoren zur Diversifikation in Rohstoffe. Vor allem die Edelmetalle profitierten davon, aber auch andere Naturalien. Als Sachwerte gelten diese als Inflationsschutz.

Die Preise für einige Agrarprodukte wurden zusätzlich zum Teil durch ungünstige Witterungsverhältnisse getrieben. Überdies spielte der stark abwertende US-Dollar noch eine gewichtige Rolle bei der Hausse. Rohstoffe werden in Dollar gehandelt, und ein schwacher Greenback verbilligt sie.

Trotz höherer Preise gibt es noch Rohstoffe, bei denen der Aufwärtstrend vorerst anhalten könnte. Dazu zählen Palladium, Kupfer und Sojabohnen.

Palladiumbedarf steigt

Palladium hat zuletzt von den stark gestiegenen Autoverkäufen in China, den USA und der EU profitiert. In China sind diese mit 1,66 Millionen Fahrzeugen im Juli über das Januar-Niveau geklettert, ehe sich die Pandemie richtig in der Wirtschaft bemerkbar machte. In Europa sind die Verkäufe noch leicht unter dem Februar-Niveau und in den USA noch zehn Prozent darunter, haben zuletzt aber auch kräftig zugelegt.

Da etwa 85 Prozent des globalen Palladiumangebots in Katalysatoren eingesetzt werden, dominiert die Nachfrage der Fahrzeugindustrie den Palladiumpreis. Das dürfte vorerst so bleiben. "Die häufig diskutierte Umstellung auf das billigere Platin ist nicht einfach, da Produktionsstraßen verändert werden müssten, was eine lange Vorlaufzeit erfordert", erläutert Daniel Briesemann, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank.

Der Bedarf an Palladium dürfte sogar zunehmen, weil die Abgasvorschriften in der EU verschärft wurden. Dies führt dazu, dass mehr Palladium in den Katalysatoren benötigt wird, um die Abgase besser filtern zu können. Trotzdem werden Angebot und Nachfrage bei dem Metall 2020 ungefähr ausgeglichen sein, nachdem es jahrelang ein Angebotsdefizit gab.

Das kann sich aber schnell ändern. Denn in den Palladium-ETFs sind aktuell global gerade noch 507.000 Feinunzen des Metalls gebunden. Anfang 2019 waren es noch 720.000. "Viele Investoren haben ihre ETFs bei den hohen Preisen verkauft", sieht Carsten Fritsch, Edelmetallanalyst bei der Commerzbank, hier die Hauptursache für den Rückgang. Sollte das Interesse der Investoren wieder steigen, dürfte das den Palladiumpreis antreiben.

Chinesen horten Kupfer

Ähnlich wie Palladium hat auch Kupfer zuletzt haussiert. Verantwortlich dafür sind vor allem die sich wieder belebenden asiatischen Wirtschaften. Sie importieren 70 Prozent des global angebotenen Kupfers, den Löwenanteil davon China. "Die Chinesen haben sich im Frühjahr als Schnappchenjäger betätigt und die damals günstigen Preise genutzt, um sich große Mengen zu sichern", sagt Briesemann. Da zwischen Bestellung und Einfuhr in der Regel drei Monate liegen, machte sich das bei den Importen erst im Sommer bemerkbar. Das zeige sich auch an den hohen Beständen von 180.000 Tonnen, die aktuell an der Shanghaier Börse gelagert seien, 20.000 mehr als vor einem Jahr.

Diese fehlen aber dem Weltmarkt. Da sich auch in Europa und den USA im Sommer der Bedarf erhöht hat, führte der leer gefegte Markt zu Preiserhöhungen. "Von China erwarte ich wegen der gut gefüllten Läger und der großen eingekauften Mengen nun keine preistreibende Wirkung mehr", sagt Briesemann. Diese könnte aber weiter von Europa und Nordamerika kommen, da dort die Nachfrage hoch bleibt. Die im August um 9,5 Prozent gestiegenen Exporte Chinas zeigen, dass sich die Ökonomien der Industrieländer zeitversetzt zum Reich der Mitte beleben.

Zugleich sind an der Londoner Metallbörse (LME), dem wichtigsten Handelsplatz dieses Sektors, die Lagerbestände an Kupfer mit 82.500 Tonnen auf den niedrigsten Wert seit Ende 2015 gesunken. Das ist ein Grund, warum Spekulanten positiv gestimmt sind. Die Netto-Long-Positionen befinden sich an der LME auf dem höchsten Wert seit zwei Jahren, was auch von dieser Seite für höhere Preise spricht. Allerdings dürfte der Großteil des Preisanstiegs schon vorbei sein. Daher scheint es sinnvoll, mit einem Knock-out-Zertifikat an der schon fortgeschrittenen Hausse zu partizipieren und die Gewinne zu hebeln.

Soja-Rekordernte in Brasilien

Das Gleiche gilt für Sojabohnen. Diese haben sich in den vergangenen Wochen wie viele andere Agrarprodukte kräftig verteuert, obwohl das größte Erzeugerland, Brasilien, eine Rekordernte erzielt hat. China als größter Sojabohnenimporteur hat dies überwiegend aufgesogen. Wegen des Handelskonflikts mit den USA musste es US-Soja durch südamerikanische Sojabohnen ersetzen. Der Bedarf ist aktuell groß, da die Schweinegrippe überwunden ist.

Die Zahl der Schweine hat deutlich zugenommen. Das führt dazu, dass die Züchter im Reich der Mitte wieder viel Futtermittel benötigen. 80 Prozent der Sojabohnen weltweit werden zu Futtermitteln verarbeitet. "China ist auf Sojabohnenimporte angewiesen, da die aufstrebende Mittelschicht hungrig nach Fleisch ist", sagt Gerhard Bellof, Professor für Tierernährung an der Hochschule Weihenstephan. Sojaschrot, das aus den Sojabohnen hergestellte Futtermittel, sei für Tiere der bedeutendste Eiweißlieferant.

Die Hausse bei dem Agrarprodukt dürfte sich auch fortsetzen, da China zuletzt wieder viele Sojabohnen bestellt hat, um der Phase 1 des Handelsabkommens mit den USA nachzukommen, das dieses Jahr getroffen wurde. Zugleich läuft die Ernte in Brasilien aus, während sie in den USA beginnt. Wegen trockener Witterung wird diese bezüglich Menge und Qualität laut Branchendienst IHS Markit aber wohl schlechter ausfallen als erwartet.

Das könnten auch die Anleger zu spüren bekommen, die in Rohstoffe investieren. Diese sind sehr volatil und eignen sich nur als Beimischung. Wer den Markt breit abdecken will, sollte zum Amundi-Fonds (siehe Investor-Info) greifen. Einzelne Rohstoffe sind nur risikobereiten und erfahrenen Anlegern zu empfehlen.


INVESTOR-INFO

Förderländer

Russland und Südafrika vorn

Global werden 40 Prozent des Palladiums in Russland gefördert. Der aktuelle Konflikt wegen Alexej Nawalny könnte kurzfristig zu Spekulationen führen, dass es wegen neuer Sanktionen zu Lieferengpässen kommt. In der letzten großen Krise mit Russland wegen der Ostukraine 2015 war das aber nicht der Fall.

WT Physical Palladium ETC

Auch auf die Anleger setzen

Die Verkäufe von Palladium-ETFs drückten lange das Angebotsdefizit des Metalls. Auf dem nun niedrigen Niveau der Bestände in den Produkten ist von hier keine dämpfende Wirkung mehr erwartbar. Auch die Long-Positionen der Spekulanten sind gering. Unter anderem auf wieder höheres Interesse der ETF-Anleger und Terminmarktakteure setzen Käufer des Palladium-ETC von WisdomTree.

DZ Bank K.-o.-Zertifikat Kupfer

Die Hausse läuft aus

Kupfer konsolidiert derzeit nach der fulminanten Hausse seit Anfang Juli im Bereich zwischen 6.500 bis 6.700 Dollar je Tonne. Wird der Widerstand bei 6.800 Dollar je Tonne überwunden, ist ein Anstieg bis zum Hoch von Mitte 2018 bei 7.300 Dollar möglich. Mit einem Hebelzertifikat der DZ Bank partizipieren risikobereite Anleger daran. Die K.-o.-Barriere bei 2.641 Dollar ist 60 Prozent entfernt. Da die Hausse schon weit fortgeschritten ist, sollten Anleger die Stoppkurse beachten.

GS Mini-Fut.-Zer. Sojabohnen

Veganes Essen im Kommen

Nicht nur höhere Bestellungen aus China für Futtermittel unterstützen den Sojapreis, sondern auch die immer größere Anzahl an Veganern, die Tofu und Sojaquark essen oder Sojamilch trinken. Die Pflanze weist einen hohen Protein- und Nährstoffgehalt auf. Nicht nur in Europa und den USA, sondern ebenso in Asien ist veganes Essen auf dem Vormarsch. Auch davon können Anleger mit dem gehebelten Mini-Future-Zertifikat auf Sojabohnen von Goldman Sachs profitieren.

Amundi Commodities Fonds

Breit gestreut in Rohstoffe

Der Fonds von Amundi legt an den Rohstoffterminmärkten mit Derivaten und Futures an. Zu zwei Dritteln partizipiert er an der Wertentwicklung des Bloomberg-Commodity-Index, der Rest wird in Derivate auf einzelne Rohstoffe investiert. In landwirtschaftliche Erzeugnisse darf hier im Gegensatz zu den meisten übrigen Rohstofffonds, in denen diese aus ethischen Gründen ausgeschlossen sind, investiert werden. Das Produkt ist zum Teil währungsgesichert, und es kann eine Erfolgsbeteiligung erhoben werden.









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Bildquellen: iStockphoto, WitthayaP / Shutterstock.com

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