07.03.2019 17:26

EZB lässt Leitzins unverändert - Zinswende erst 2020 - Wachstumsprognose gesenkt

Geldpolitik: EZB lässt Leitzins unverändert - Zinswende erst 2020 - Wachstumsprognose gesenkt | Nachricht | finanzen.net
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Die Europäische Zentralbank EZB hat den Leitzins für den Euroraum am Donnerstag nicht angetastet.
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Der Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte bleibt demnach unverändert bei 0,00 Prozent - seit März 2016 verharrt der Leitzins auf diesem Rekordtief. Auch die Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität und die Einlagefazilität bleiben mit 0,25 Prozent bzw. -0,40 Prozent unverändert, wie der EZB-Rat nach seiner Sitzung am Donnerstag bekannt gab.

Am Vormittag hatte der EZB-Rat über mögliche Reaktionen auf die jüngste Wachstumsabkühlung im Euro-Raum beraten. Viele Beobachter waren im Vorfeld davon ausgegangen, dass die Währungshüter neue große Geldspritzen für Geschäftsbanken auflegen werden.

Leitzinsanhebung erst 2020

Zudem gab die Euroopäische Zentralbank bekannt, ihre Niedrigzinspolitik länger fortführen als bisher gedacht. Wie die Notenbank am Donnerstag nach ihrer Zinssitzung in Frankfurt mitteilte, sollen die Leitzinsen bis mindestens Ende 2019 nicht angetastet werden. Bisher war lediglich davon die Rede, die Zinsen über den Sommer hinaus nicht zu verändern. Der Euro reagierte auf die Entscheidung mit Verlusten.

Auch Marktexperten hatten zuvor erwartet, dass die Zinswende 2020 eingeleitet wird. Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge erwarten Ökonomen, dass die EZB zunächst im ersten Quartal 2020 ihren Einlagensatz von minus 0,4 Prozent auf minus 0,25 Prozent erhöhen wird. In der Januar-Umfrage war mit einer ersten Anhebung bereits gegen Ende des laufenden Jahres gerechnet worden. Ihren Leitzins wird die Notenbank den Volkswirten zufolge dann frühestens in der zweiten Hälfte 2020 nach oben setzen. In der Januar-Umfrage hatten sie dies noch für das Auftaktvierteljahr 2020 erwartet.

Zudem beschloss die EZB, den Banken des Euroraums neue Langfristkredite zur Verfügung stellen. Wie die Notenbank ankündigte, sollen ab September 2019 bis März 2021 neue Geldspritzen angeboten werden. Die Laufzeit betrage jeweils zwei Jahre. Die Geschäfte sollen der Kreditvergabe der Banken dienen und die Wirkung der EZB-Geldpolitik unterstützen.

Konjunktursorgen treiben die EZB um

Die Sorge um die Entwicklung der Wirtschaft in der Eurozone bereitet den Währungshütern seit einiger Zeit Kopfzerbrechen. Die jüngsten Wirtschaftsdaten waren überwiegend schwach ausgefallen.

So muss sich die Europäische Zentralbank nun auf ein deutlich schwächeres Wachstum mit einer niedrigeren Inflation einstellen. Nach Aussage von EZB-Präsident Mario Draghi rechnet der volkswirtschaftliche Stab der EZB für 2019 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von nur noch 1,1 (bisher: 1,7) Prozent. Die Prognose für 2020 wurde mit 1,6 (1,7) und die für 2021 mit 1,5 (1,5) Prozent angegeben. Die Risiken für diesen Ausblick seien noch abwärts gerichtet; allerdings dürften die den Ausblick schwächenden Faktoren mit der Zeit schwinden.

Auch die Inflationsaussichten schätzt der EZB-Stab laut Draghi schwächer als im Dezember ein. Die Inflationsprognosen wurden auf 1,2 (1,6), 1,5 (1,7) und 1,6 (1,8) Prozent gesenkt. Die Kerninflationsprognosen werden erst nah dem Ende von Draghis Pressekonferenz veröffentlicht.

Draghi sagte, die über den gesamten Prognosehorizont gesenkten Inflationsprognosen beruhten hauptsächlich auf dem schwächeren kurzfristigen Wachstumsausblick.

Die Europäische Zentralbank (EZB) geht trotz zahlreicher Risiken nicht davon aus, dass die Eurozone vor einer neuerlichen Rezession steht. Es herrsche zwar eine Zeit tiefgreifender Unsicherheit vor, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag nach der Zinsentscheidung der Notenbank in Frankfurt. Die Gefahr einer Rezession, also einer schrumpfenden Wirtschaft, sei aber nach wie vor sehr gering, schränkte Draghi ein. Gleiches gelte für das Risiko, dass die Inflation außer Kontrolle geraten könnte.



Redaktion finanzen.net mit Material von dpa (AFX) und Dow Jones Newswires

Bildquellen: Jorg Hackemann / Shutterstock.com, einstein / Shutterstock.com
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