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25.06.2020 11:39

BioNTech im Fokus: Die Jagd nach dem Corona-Impfstoff ist nicht alles

Aufmerksamkeitsschub: BioNTech im Fokus: Die Jagd nach dem Corona-Impfstoff ist nicht alles | Nachricht | finanzen.net
Aufmerksamkeitsschub
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Die Corona-Krise kennt nicht nur Verlierer: Dem Biotechnologie-Unternehmen BioNTech hat die Pandemie einen Aufmerksamkeitsschub beschert.
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Seitdem die Mainzer an einem Impfstoff forschen, stehen sie im Rampenlicht. Doch nicht nur das. Auch finanziell eröffnen sich neue Möglichkeiten. Für die Entwicklung einer Impfung hat die Europäische Investitionsbank (EIB) dem Unternehmen gerade erst einen Kredit von bis zu 100 Millionen Euro zugesagt.

DAS IST LOS BEI BIONTECH:

Der mediale Rummel um einen Corona-Impfstoff überdeckt den Forschungsschwerpunkt von BioNTech etwas. Denn eigentlich konzentriert sich das 2008 gegründete Unternehmen auf Therapien gegen Krebs. Im Gegensatz zu traditionellen Behandlungsmethoden verfolgen die Mainzer mit ihren Immuntherapien jedoch einen neuartigen Ansatz: Ziel ist es, die Immunabwehr der Patienten so zu beeinflussen, dass sie den spezifischen Tumor aus eigener Kraft bekämpfen kann.

Der Schwerpunkt liegt auf der sogenannten mRNA-Technologie. Dabei werden genetische Informationen mithilfe eines "Messenger-RNA" (mRNA) genannten Botenstoffs an Zellen geliefert, die daraus Proteine bilden. So soll eine Immunreaktion im Kampf gegen den Tumor ausgelöst werden. Doch genbasierte Impfstoffe kommen nicht nur für die Krebsbehandlung in Frage. Auch bei anderen Krankheiten wie Grippe und HIV eröffnen sie neue Möglichkeiten.

Daher ist es nicht ganz überraschend, dass das Unternehmen in den Wettlauf um einen Corona-Impfstoff eingestiegen ist. Bemerkenswert ist allerdings das Tempo, das BioNTech vorlegt.

Kaum war die Impfstoff-Entwicklung mit dem chinesischen Partner Fosun Pharma Mitte März bekannt gegeben, holten sich die Mainzer mit dem US-Pharmariesen Pfizer kurz darauf einen schlagkräftigen Partner für den wichtigen US-Markt und die restliche Welt an Bord. Schon Ende April genehmigte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) Tests des Impfstoff-Kandidaten an Freiwilligen in Deutschland.

Nahezu gleichzeitig liefen auch die ersten Tests für den Wirkstoff unter der Bezeichnung BNT162 in den Vereinigten Staaten an. Bereits Ende Juni oder Anfang Juli soll es erste Daten geben. Die Zuversicht ist groß: Bei einer Zulassung könne man mit dem US-Partner Pfizer bis Jahresende Millionen Impfstoffdosen bereitstellen, sagte BioNTech-Chef Ugur Sahin während einer Telefonkonferenz zu den Zahlen für das erste Quartal.

Doch auch die Krebsforschung der Mainzer kommt voran. Am weitesten vorangeschritten ist derzeit der Produktkandidat BNT122. Der Impfstoff gegen metastasierende Melanome und andere solide Tumore, bei der die Roche-Tochter Genentech Kooperationspartner ist, befindet sich in der zweiten Phase der klinischen Tests. Andere Projekte sind dagegen noch ein gutes Stück von der Zulassung entfernt.

Von den über 20 Produktkandidaten allein gegen Krebs befinden sich außer BNT122 alle noch in frühen Phasen der klinischen Erprobung oder gar im vorklinischen Stadium. Für ein vergleichsweise junges Unternehmen verfügt BioNTech damit aber über ein umfangreiches Programm und zahlreiche Eisen im Feuer.

Ob die ambitionierten Zeitpläne bei der Entwicklung eines Impfstoffes realisierbar sind, ist offen. "Eine Zulassung dauert 18 bis 24 Monate - wenn es schnell geht", warnt Analyst Olaf Tölke von Scope Ratings vor überhöhten Erwartungen. Realistisch wäre somit die zweite Jahreshälfte 2021. Dann aber könnte die Welt eine andere sein. Sollte die Corona-Welle in diesem Jahr zum Erliegen kommen, dürfte die Nachfrage nach einem Impfstoff entsprechend zurückgehen.

Auch die Konkurrenz schläft nicht. Eine Untersuchung der Beratungsgesellschaft EY kommt bis Anfang Juni auf 161 Impfstoff-Kandidaten. Ein wichtiger Wettbewerber kommt mit CureVac ebenfalls aus Deutschland. Das Unternehmen hat von deutschen und belgischen Zulassungsbehörden grünes Licht zum Start der klinischen Phase 1 mit einem Impfstoffkandidaten erhalten.

Die Tübinger setzen dabei ebenso wie BioNTech auf einen mRNA-Ansatz. Als weit fortgeschritten gilt derzeit auch AstraZeneca. Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande haben nicht umsonst mit dem britischen Pharmakonzern einen ersten Vertrag über mindestens 300 Millionen Impfdosen geschlossen.

Sollte ein Wettbewerber im Wettrennen um den Impfstoff die Nase vorn haben, wäre das für BioNTech aber zu verkraften: Angesichts der zahlreichen anderen Projekte droht dem Unternehmen nicht das Schicksal von kleineren Biotechnologiefirmen, deren Erfolg von einem einzigen Wirkstoff abhängt.

Auch so könnte sich die Krise als Segen erweisen: Die Corona-Pandemie hat den Mainzern weit mehr als einen Aufmerksamkeitsschub gebracht. So will der chinesische Partner Fosun nicht allein bei Corona, sondern auch bei Krebs und Infektionskrankheiten mit BioNTech zusammenarbeiten. Langfristig könnte sich das auszahlen, auch wenn es nichts mit einem Sars-CoV-2-Impfstoff wird.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Analysten sind grundsätzlich zuversichtlich gestimmt, auch wenn die meisten Experetn angesichts der jüngsten Gewinne keine Luft nach oben mehr sehen. Vier der von Bloomberg erfassten Experten empfehlen aber den Kauf der Aktie, fünf raten zum Halten, und Morningstar rät als einziges Haus zum Verkauf.

Shanshan Xu und Patrick Trucchio von der Berenberg Bank zeigten sich in einer Studie beeindruckt, wie schnell es gelungen sei, mit einem großen chinesischen Pharmaunternehmen eine Kooperation beim Kampf gegen das neuartige Corona-Virus einzugehen. Mit seiner Technologie und den Produktionskapazitäten sei BioNTech hervorragend im Rennen um einen Impfstoff positioniert. Die Entscheidung der Chinesen für die Mainzer werten die Analysten als Qualitätssiegel.

Auch der Krebs-Hoffnungsträger BNT122 stößt auf positive Resonanz. Ergebnisse einer Studie des Wirkstoffs als Monotherapie sind nach Ansicht von Olga Smolentseva von Bryan Garnier erstaunlich gut ausgefallen.

Normalerweise zeigten Krebsimpfstoffe keine klinische Aktivität, wenn sie als alleiniges Mittel angewendet würden. In der Studie zur Behandlung solider Tumore sei das aber der Fall gewesen, was nach Ansicht der Analystin die Bedeutung des Ansatzes von BioNTech unterstreicht.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Pharma- und Biotechnologieaktien bei Börsenabschwüngen besser halten als der Gesamtmarkt. Das Geschäft mit der Gesundheit ist weitgehend konjunkturunabhängig, die Branche gilt daher als sicherer Hafen in unruhigen Börsenzeiten.

Dass eine Aktie sich aber nicht nur besser hält als der Gesamtmarkt, sondern komplett gegenläufig entwickelt, ist selten. Genau das tat das seit dem 10. Oktober 2019 an der US-Technologiebörse gelistete BioNTech-Papier. Als die internationalen Leitbörsen Mitte März ihre Tiefs ausloteten, setzte die Aktie zu einem Höhenflug an. Innerhalb von nicht einmal einer Woche verdreifachte sich der Kurs und erreichte am 18. März sein bisheriges Allzeithoch von 105 Dollar.

Der Euphorie folgte zwar eine heftige Korrektur, die den Kurs um bis zu 60 Prozent absacken ließ. Mit Kursen von zuletzt knapp 55 Dollar bewegt sich die Aktie aber deutlich über dem im Januar erreichten Zwischenhoch vor dem Corona-Crash. Anleger, die von Anfang an dabei waren, dürfen sich aber immer noch über deutliche Gewinne freuen.

Von dem Kursanstieg haben unter anderem die beiden Biotech-Investoren Andreas und Thomas Strüngmann profitiert. Die beiden Brüder, die 2005 den Generikahersteller Hexal an Novartis verkauft hatten, halten Bloomberg-Daten zufolge über die Beteiligungsgesellschaft AT Impf GmbH rund die Hälfte der BioNTech-Anteile. BioNTech-Chef Ugur Sahin, der das Unternehmen 2008 auch gegründet hat, hält rund 18 Prozent der Anteile

Damit ist er dank des Kursanstiegs der Aktie auf dem Papier Milliardär - denn das BioNTech kommt auf eine Marktkapitalisierung von umgerechnet rund elf Milliarden Euro und damit auf staatliche Bewertung. Zum Vergleich: Der Antikörperspezialist MorphoSys ist lediglich 3,8 Milliarden Euro wert, obwohl das Unternehmen über eine Partnerschaft schon ein Medikament auf dem Markt hat und kurz vor dem Launch eines eigenen Mittels steht.

Anders sieht es im internationalen Vergleich aus. Der US-Konkurrent Moderna, der ebenfalls auf Gentherapien mit Hilfe der mRNA-Technologie setzt und an einem Corona-Impfstoff forscht, ist nach dem Höhenflug der vergangenen Monate doppelt so hoch bewertet wie BioNTech. Das ändert aber nichts daran, dass bei BioNTech schon viel Optimismus eingepreist ist. Von Bloomberg ausgewertete Analysen kommen im Schnitt gerade einmal auf ein Kursziel von 46 Dollar, das damit deutlich unter dem aktuellen Kurs liegt.

/mf/tav/fba/zb

MAINZ (dpa-AFX)

Bildquellen: Biontech

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