29.10.2009 17:00

Arbeitsvermittler: Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt

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Zeitarbeitsfirmen erwischte die Wirtschaftskrise als erste. Umgekehrt profitieren Adecco, Randstad und Co. bereits jetzt vom kommenden Aufschwung.
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von Christiane Habrich-Böcker, €uro am Sonntag

Harald Krüger, Personalvorstand bei BMW, hat ein Ziel: Er will mit dem derzeitigen Mitarbeiterstand das Anziehen der Konjunktur und somit auch das der Absätze stemmen. Dieses Vorhaben teilt Krüger mit der Mehrheit seiner Kollegen. Laut einer Befragung des Personaldienstleisters Manpower wollen 80 Prozent der europäischen Arbeitgeber die Zahl der Mitarbeiter im Aufschwung konstant halten.

Die Zurückhaltung beim Thema Personalaufstockung in den Unternehmen begründet Martin Kannegiesser, Präsident des Arbeitgeberverband Metalls, damit, dass bei nur vier Prozent weniger Stellen und 26 Prozent Produktionsrückgang in der Krise eine „riesige Beschäftigungsreserve“ entstanden sei, um ein gutes Stück den Aufschwung mit vorhandenem Personal zu bewältigen. Um eventuelle Engpässe zu vermeiden, so Kannegiesser, bediene man sich wieder bei der Zeitarbeit.

Anbieter wie Adecco hören das gern, spürten sie doch die Wirtschaftskrise als Erste mit voller Wucht. Die Kunden bauten als Sofortmaßnahme bei den ersten Anzeichen der Rezession die Zeitarbeiter in rasanter Geschwindigkeit ab. Innerhalb eines Jahres verlor über ein Drittel der Leiharbeiter den Job. Abzulesen auch am Umsatz der Anbieter Adecco, Randstad & Co. Das Geschäftsvolumen bei der Arbeitnehmerüberlassung sank laut Branchenverband BZA um ein Fünftel. Doch mit Anziehen der Auftragslage wird wieder gebucht, sogar von der krisengeschüttelten Autoindustrie.

Die Kehrtwende zeichnet sich seit Monaten ab – wenn auch noch verhalten. Im Juni registrierte man den ersten Anstieg. Und es blieb so: Bereits zum dritten Mal in Folge ist die Zahl der Zeitarbeitnehmer in Deutschland gestiegen, ermittelte der Branchenverband Zeitarbeit gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Im August gab es 3,7 Prozent mehr Zeitarbeitnehmer als im Juli. Im Juli war bereits ein Wachstum von 3,4 Prozent gegenüber Juni zu verzeichnen.

Damit gab es im August rund 575 000 Zeitarbeitnehmer – 60 000 mehr als im Mai, der den Tiefpunkt der Krisenentwicklung mit 517 000 Zeitarbeitnehmern markiert hatte. Dass es aufwärtsgeht, zeigt auch das Arbeitsmarktbarometer fürs vierte Quartal 2009, das der Anbieter Manpower regelmäßig ermittelt: „Rund 83 Prozent der befragten Firmen beabsichtigen den Personalstand zu halten; sieben Prozent wollen einstellen.“ Das sah im Vorquartal noch anders aus. Im Vergleich zu der letzten Befragung verbessert sich der Netto-Beschäftigungsausblick um einen Prozentpunkt auf -1 Prozent. Tendenz: weiter steigend.


Qualifiziertes Personal lässt sich zunehmend über Zeitarbeitsfirmen vermitteln

Das gilt nicht nur für Deutschland. „Die Daten aus 20 Ländern und Regionen weisen in eine positive Richtung“, folgert Manpower-CEO Jeffrey A. Joerres. Doch von alten Höhen ist das weit entfernt. Erst im zweiten Quartal 2008 stand das Barometer auf +12. Christian Salge von Manpower begründet die Volatilität damit, dass Arbeitnehmerüberlassung ein Konjunkturindikator sei: „Geht es aufwärts, greifen Unternehmen auf Zeitarbeiter zurück, um Aufträge abzuarbeiten, bevor sie Stammmitarbeiter einstellen.“ Das würde als folglich für die Personalmakler gute Unternehmenszahlen und somit steigende Kurse für Anleger bescheren.

Tendenz steigend. Bislang ist der Anteil der Zeitarbeitnehmer, gemessen an allen Erwerbstätigen, noch gering. Im August stellten in Deutschland die Mitarbeiter auf Zeit gerade mal 1,4 Prozent Anteil aller Beschäftigten. Das lag oft am Image der Branche: wenig Geld für viel Arbeit. Doch das Bild ändert sich mit der zunehmenden Globalisierung, anziehender Konjunktur und demografi­scher Entwicklung stark. Die Personaldienstleister sind nicht mehr nur die Lückenfüller. Sie nehmen zunehmend Makleraufgaben für hoch qualifizierte Arbeitskräfte wahr. Denn das Idealbild vom lebenslang Angestellten verliert auf der Arbeitnehmerseite zunehmend an Zugkraft. Das weiß auch Personalchef Krüger: „Heute möchten vor allem die jungen Arbeitskräfte gar nicht mehr unbedingt in einem festen Angestelltenverhältnis gebunden sein.“

Und in einem weiteren Punkt ändern sich die Funktionen der Zeitarbeitsfirmen: Um dem Arbeitsmarkt qualifiziertes Personal zu offerieren, bieten die Vermittler den Arbeitssuchenden Weiterbildung an. Das ist keine Menschenfreundlichkeit, sondern Kalkül: Ein qualifizierter Personalstand schützt vor dramatischen Abstürzen. Spezialisten sind auch in schlechten wirtschaftlichen Zeiten gefragt. In der aktuellen Krise konnten laut Branchenverband 35 000 Zeitarbeitsstellen durch Fehlen von Fachpersonal nicht besetzt werden.

Nun sammeln die Anbieter alle Kräfte, um beim Aufschwung kräftig mitzumischen. Mit einer deutlichen Belebung wird in der Branche jedoch unisono erst 2010 gerechnet. Gewinnen werden beim Anziehen des Vermittlungsgeschäfts laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Lünendonk die Großen. Vor allem da sie dank eines dichten Standortnetzes global bedienen können. Das wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor, da auch die Kunden zunehmend weltweit agieren.

Neben anziehender Konjunktur kommt den Geschäften mit der Zeitarbeit auch die demografische Entwicklung entgegen. Allein im akademischen Bereich führt das alsbald zu dramatischen Engpässen. Der Mangel an Mathematikern, Informatikern, Naturwissenschaftlern und Technikern – den sogenannten MINT-Akademikern – hält an. Im Jahr 2015 dürften 254 000 dieser Hochqualifizierten fehlen, bis 2020 könnte die Lücke auf bis zu 426 000 anwachsen, rechnet eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln für den Arbeitgeberverband Gesamtmetall vor.

Diese Lücke können die Unternehmen aus eigener Kraft nicht ausfüllen. Dann müssen Personalvorstände wie Harald Krüger in Spitzenzeiten erst recht auf die Mitarbeiter auf Zeit zurückgreifen.

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Adecco: Übernahmepläne belasten Kurs

Adecco will den auf hochqualifizierte Arbeitskräfte spezialisierten US-Wettbewerber MPS für rund 782 Millionen Euro übernehmen. Das wollen die Schweizer zum Teil mit einer Wandelanleihe über rund 595 Millionen Euro stemmen. Mit dem Zukauf will Adecco die Position in Nord­amerika und Großbritannien stärken. Am 5. November gibt es Zahlen. Der Markt hätte sich im dritten Quartal verbessert, ließ das Management vorab wissen.

Randstad: Breit aufgestellt

Das in den Niederlanden ansässige Unternehmen legt kommende Woche die Zahlen des dritten Quartals vor. Die Analysten der Nationalbank sehen in der Aktie einen Kauf. Die Begründung: Der Konzern biete neben der klassischen Zeitarbeit umfassende Personalservice-Konzepte an. Dazu würden Personalberatung, Outsourcing von Personalmanagement und Inhouse-Services zur Abwicklung von Großprojekten bei Kunden vor Ort gehören.

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