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25.02.2016 08:00
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„Aktien bringen die Rendite“

Ufuk Boydak, Fondsmanager und Vorstand der Fondsgesellschaft LOYS, erklärt im Gespräch mit Fundresearch, warum er bei seinem Fonds Loys Global L/S auf Anleihen verzichtet.

Fundresearch: Bei Ihrem Fonds LOYS Global L/S kaufen Sie Aktien. Gleichzeitig verkaufen Sie Aktien. Wie generieren Sie mit diesem Konzept positive Renditen?

Ufuk Boydak: Für einen Aktien-Long-Short-Fonds ist es ganz normal, auf der einen Seite Long zu gehen, also Aktien zu kaufen, und auf der anderen Seite Short zu gehen, also Aktien zu leihen und zu verkaufen. Im besten Fall läuft es so, dass die Kaufpositionen an Wert gewinnen und die Verkaufspositionen an Wert verlieren, so dass man Sie günstiger zurückkaufen und die Leihe bedienen kann.

Fundresearch: Woher nehmen Sie die Sicherheit, dass Sie die jeweils richtigen Aktien kaufen und verkaufen?

Ufuk Boydak: Wir gehen anders vor als viele andere Long-Short oder Alpha-Fonds. Wir kaufen zwar Aktien. Diese bringen in einem Fonds schließlich die Rendite. Aber wir verkaufen keine einzelnen Aktien, sondern Marktindizes. Der Verkauf der Indizes ist also das Sicherheitsnetz. Rutscht der Gesamtmarkt ins Minus, fangen die Indexverkäufe die Verluste in Teilen auf. Der Fonds hat deshalb eine geringere Volatilität als ein klassischer Aktienfonds.

Fundresearch: Mit welchen Indizes sichern Sie ihre Aktien-Positionen ab? 

Ufuk Boydak: Wir legen Wert auf hohe Liquidität der Indizes. Deshalb nutzen wir die jeweils zu den Aktienwerten passenden regionalen Leitindizes. Deutsche Aktien sichern wir also mit dem DAX ab, US-amerikanische mit dem S&P 500, japanische mit dem Nikkei und so weiter. 

Fundresearch: Wenn Sie mit den Aktien positive Renditen erzielen wollen, dürfen Sie diese aber nicht zu stark mit entsprechenden Index-Verkäufen absichern, oder?

Ufuk Boydak: Zum Teil Richtig. Sollten die Investitionen mehr Rendite erwirtschaften als die des Marktes, entsteht eine Outperformance und damit einhergehend ein absolut positiver Wertbeitrag. Zudem sichern wir in der Regel den Fonds auch nicht zu 100 Prozent ab, sondern eher in einer Bandbreite von 60-90 Prozent, so dass auch durch ein geringes Exposure hier ein positiver Ertrag generiert werden kann. 

Fundresearch: Wenn Sie sagen, dass Sie bis zu 60-90 Prozent des Marktrisikos absichern, heißt das wohl, dass die Absicherungsquote schwankt. Wie gehen Sie da vor?

Ufuk Boydak: Wir steuern unsere Absicherungsquote antizyklisch. In einem Bärenmarkt erhöhen wir die Investition in einzelne Aktien. Steigt der Markt deutlich, fahren wir die Quote nach und nach herunter. Das Ziel ist es letztlich, Rücksetzer von mehr als fünf Prozent zu vermeiden. Die Steuerung der Quoten orientiert sich an dieser Maßgabe.

Fundresearch: Würden Sie so weit gehen, allein mit Indizes auf einen fallenden Markt zu setzen?

Ufuk Boydak: Nein. Wenn wir in einem Markt aktiv sind, dann beträgt die minimale Nettoinvestition in Aktien zehn Prozent. Denn eines darf man nicht vergessen: In der Schwächephase lauern auch Chancen. Diese wollen wir als langfristige Investoren nutzen. Wir spekulieren nicht auf fallende Kurse. Deshalb würden wir auch nicht beispielsweise im Nikkei Short gehen, ohne japanische Aktien im Fonds zu haben. Die Short-Positionen mit Indizes dienen tatsächlich nur dazu, das Marktrisiko und die Schwankungen zu begrenzen. 

Fundresearch: Warum sichern Sie mit Aktien ab und nicht mit Anleihen? Anleihen hätten schließlich den Vorteil, für laufende Erträge zu sorgen. Und auch die Volatilität wird dadurch gesenkt. Dass das funktioniert, haben Mischfonds in der Vergangenheit doch bewiesen.

Ufuk Boydak: Dass das in der Vergangenheit funktioniert hat, heißt nicht, dass die Ergebnisse in Zukunft ebenfalls so gut ausfallen werden. Ein nicht geringer Teil der positiven Anleihen-Performance in Mischfonds rührt schließlich daher, dass die Kurse für Anleihen gestiegen und die Renditen entsprechend gefallen sind. Bei deutschen Staatsanleihen bewegen sie sich zum Teil sogar schon im negativen Bereich. Der Spielraum, Aktienpositionen durch Anleihen abzusichern, ist dadurch geschrumpft. Zudem haben sich die Korrelationen der Anlageklassen verändert. Bei steigenden Zinsen fallen die Kurse sowohl der Anleihen als auch der Aktien. Bei  unserem Vorgehen ist die Korrelation negativ, da Aktien mit Aktien gesichert werden. Daher ist ein solches Konstrukt strukturell risikoärmer und hat ein deutlich besseres Rendite-Risiko-Profil.

Fundresearch: Wenn Sie mit dem Kauf einzelner Aktien eine höhere Performance erzielen wollen als mit dem Verkauf der jeweiligen Länder-Indizes, dann bedeutet das, dass Sie die Aktien sehr gut auswählen müssen. Wie gehen Sie da vor?

Ufuk Boydak: Wir haben eine genaue Vorstellung davon, welche Aktien in unsere Strategie passen und welche nicht. So suchen wir gezielt nach qualitativ hochwertigen Unternehmen, die wir für stark unterbewertet halten…

Fundresearch: …was bedeutet das konkret?

Ufuk Boydak: Wir wollen die Aktien zu einem Preis kaufen, der nach unserer Einschätzung mindestens 30 Prozent unterhalb ihres fairen Kurses liegt. Besonders wichtig ist es hierbei, zudem auf eine stabile Ertragssituation zu achten.

Fundresearch: Wo finden Sie solche Aktien?

Ufuk Boydak: Wir suchen jedenfalls nicht bei kleinen Hoffnungswerten in Nischenmärkten, sondern favorisieren gestandene Unternehmen, in bewährten Industrien mit hoher und stabiler Ertragskraft. Wir sehen uns genau an, wie diese Unternehmen gemanagt werden und welche Zukunftsperspektiven die Geschäftsmodelle haben. Unternehmen müssen für Ihre Eigentümer, also die Aktionäre, geführt werden, und das Management muss in diesem Sinne handeln. 

Fundresearch: Wenn Sie Unternehmen mit so überzeugenden Kennzahlen finden – wie kann es sein, dass deren Aktien noch unterbewertet sind? Müssten nicht auch andere Marktteilnehmer darauf aufmerksam werden und in diese Unternehmen investieren?

Ufuk Boydak: Das tun sie ja oftmals auch. Manchmal früher. Manchmal später. Wenn wir zu denjenigen gehören, die diese Perlen früher entdecken, gehören die Anleger, die in unseren Fonds investiert haben, zu den Gewinnern. Und wir arbeiten hart daran, dass es so kommt. Wir haben sechs Spezialisten in unserem Research-Team, die für uns die passenden Aktien aus der großen Masse herausfiltern.

Fundresearch: Können sie Beispiele für große, bekannte Unternehmen nennen, die nach Ihrer Überzeugung unterbewertet sind?

Ufuk Boydak: Nehmen Sie beispielsweise die Deutsche Post. Die Amazon-Ängste drücken auf die Aktie. Allerdings gibt es für uns langfristig viele überzeugende Argumente für die Deutsche Post. Neben dem monopolistischen Briefgeschäft ist die Tochter DHL im europäischen und gerade im asiatischen Markt sehr gut aufgestellt. Die Branche wächst strukturell. Das Potenzial wird nach unserer Überzeugung derzeit vom Markt noch unterschätzt, da zu viel Wert auf die nächsten ein bis zwei Quartale gelegt wird. Auch andere Logistikunternehmen können interessant sein. In der Branche findet derzeit eine Konsolidierung statt. Das ist spannend.

Fundresearch:  Wie viele solche Aktien haben Sie in ihrem Portfolio?

Ufuk Boydak: Wir haben zurzeit etwa 70 bis 80 Werte im Fonds. Ob alle diese Werte unsere Erwartungen erfüllen, wird sich zeigen. Aber wir sind vorsichtig und sichern die Positionen zum größten Teil ab. Unser Ziel ist unter dem Strich eine positive Fonds-Performance von drei bis fünf Prozent pro Jahr bei einer geringen Schwankungsbreite und keinen größeren Rücksetzern. Bisher haben wir seit Auflegung des Fonds Ende 2011 jedes Jahr unser Ziel mindestens erreicht oder sogar deutlich übertroffen.

(MvA)

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