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05.06.2016 16:00

Sparlust: Warum Geldanlage glücklich macht

Euro am Sonntag: Sparlust: Warum Geldanlage glücklich macht | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag
Eine repräsentative Studie belegt, dass die Deutschen trotz niedriger Zinsen weiter sparen. Wer sein Geld in Wertpapiere und Fonds anlegt, ist zufriedener.
€uro am Sonntag
von Hans Joachim Reinke, Gastautor von Euro am Sonntag

Vor zwei Wochen titelte €uro am Sonntag: "Zinsen - Wo Ihr Geld am besten aufgehoben ist". In Zeiten, in denen es 500  Jahre dauern würde, sein Kapital zu verdoppeln, statt wie bei dem Zins­niveau zu Anfang der 1990er-Jahre nur neun Jahre, könnte man das für gewagt halten. Doch tatsächlich sparen die Deutschen trotz Zinsen nahe null unverdrossen weiter, ohne ihre traditionelle Anlagestrategie - Sparbuch und Festgeld -infrage zu stellen. Das ist zwar ausgesprochen sicher, glücklicher sind aber die, die ihr Geld in Wertpapieren und Fonds anlegen. Das zeigt der neue Sparlaune-Index von Union Investment.


Er ist ein Ergebnis der aktuellen repräsentativen Studie "Die Deutschen und ihre Beziehung zum Sparen". Für diese Studie befragte Anfang des Jahres das Hamburger Marktforschungsinstitut Elbe 19 mehr als 8.000 Bundesbürger in Einzelinterviews, Gruppenworkshops und Onlineumfragen. Das Ergebnis: Kaum Anzeichen von Sparfrust, die Deutschen behalten ihre Sparlust. Demnach legen 90 Prozent der Bun­desbürger Geld zurück, jeder zweite monatlich. Die Sparquote bleibt mit durchschnittlich 10,6 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens über alle Altersgruppen hinweg auf einem konstant hohen Niveau. Nur ein kleiner Teil von 10,4 Prozent verzichtet ganz aufs Sparen.

Sparen trotz Minizinsen ist
weder altmodisch noch spießig

Sparen ist trotz niedriger Zinsen also alles andere als ein Auslaufmodell. Das Thema ist grundsätzlich sogar positiv besetzt. Die Befragten halten es weder für altmodisch noch für spießig. Ganz im Gegenteil, nicht zu sparen bereitet vielen ein ungutes Gefühl. Für 73 Prozent der Befragten bedeuten finanzielle Rücklagen, jetzt und künftig handlungsfähig zu sein. Womit auch ein Zugewinn an persönlicher Freiheit verbunden ist. Über alle Generationen hinweg besteht eine positive Verbundenheit zum Sparen. 54 Prozent sagen, dass sie ein ungutes Gefühl beschleichen würde, wenn sie nicht regelmäßig etwas zurücklegten. Der Wohlfühlfaktor desjenigen, der spart, steigt offensichtlich deutlich an.


Zudem hängt die Freude am Sparen mit der Art und Weise der Anlage zusammen. Unter den Befragten zählen 27,4 Prozent zu den modernen Sparern, die Wertpapiere und Fonds besitzen. 62,2 Prozent zählten mit Sparbuch und Festgeld zu den Traditionellen. Auf einer Skala von 0 bis 100 kommen moderne Sparer auf einen Sparlaune-Index von 64, traditionelle Sparer auf 59  Punkte, Nichtsparer fallen mit 41  Punkten signifikant zurück. Die Art der Anlage, die Renditeaussichten, das Finanzwissen und die Disziplin beim Sparen scheinen die Stimmung der Befragten deutlich zu steigern.

Eine Beziehung zwischen ­
Rosenkrieg und Liebesheirat

Da Geld ein emotionales Thema ist und bleibt, lag die Frage nahe, wie die Befragten ihre Beziehung zum Sparen beschreiben. Fast jeder Dritte stufte sein Verhältnis als "Liebesheirat" ein, 6,1 Prozent als "Rosenkrieg", die große Mehrheit (63,9 Prozent) als nüchterne "Zweckbeziehung". Folglich muss man das Thema Sparen und Geldanlage nicht lieben. Um sich damit auseinanderzusetzen, reicht eine rationale Einstellung. Frühlingsgefühle sind bei den 21- bis 30-Jährigen am deutlichsten ausgeprägt. 42,9 Prozent dieser Altersgruppe beschreiben ihre Beziehung zum Sparen als Liebesbeziehung. Eine Erklärung könnte sein, dass bei dieser Altersgruppe häufig Familien- und Haushaltsgründungen anstehen und für viele offenbar dazu auch das Sparen gehört.

Eine weitere interessante Erkenntnis: Je moderner das Anlageverhalten, desto weniger stehen die Befragten mit dem Sparen auf Kriegsfuß. Von den Nichtsparern bezeichneten 17,7 Prozent ihr Verhältnis als "Rosenkrieg". Dieser Wert war bei anderen Gruppen deutlich niedriger. Bei den traditionellen Sparern wählten nur sechs Prozent die Einstufung "Rosenkrieg". Bei modernen Sparern fiel der Wert mit knapp drei Prozent noch deutlich niedriger aus.


Viele haben das Sparen offenbar in die Wiege gelegt bekommen, sind stark durch das Elternhaus geprägt: 40,8 Prozent der modernen Anleger geben an, dass die familiäre Prägung für ihr Sparverhalten eine bedeutende Rolle spielt. Sie sind auch besonders planungsaffin. 76,0 Prozent von ihnen machen für wichtige und wesentliche Dinge im Leben sehr konkrete Pläne. Bei den traditionellen Sparern sind es 65,3 Prozent. Altersvorsorge und zukünftige Handlungsfähigkeit spielen für moderne Sparer eine größere Rolle.

Der Anteil der Nichtsparer fällt mit 10,4 Prozent überraschend gering aus. Von ihnen geben 51 Prozent fehlende Mittel als Grund für ihre Untätigkeit an. Das zeigt, dass die andere Hälfte ihr Potenzial nicht nutzt. Jeder dritte Nichtsparer (36,1 Prozent) gibt niedrige Zinsen als Ursache für seine Sparverweigerung an. Die Diskussion über das Niedrigzinsumfeld schadet der Sparkultur.

Viele glauben, dass es sich für sie nicht mehr lohnt, sich mit ihrer Geldanlage auseinanderzusetzen. Ein bisschen mehr Ermutigung könnte schon helfen, um die Menschen nicht weiter zu verunsichern. Niedrige Zinsen führen aber bisher nur im geringen Maß dazu, dass vorgezogener Konsum, etwa über Konsumentenkredite, in großem Maßstab das Sparen ersetzt. Nur 31 Prozent der Befragten gaben eine Affinität zu vorgezogenem Konsum an.

Finanzwissen entscheidet
über das Anlageverhalten

Ein wichtiger Faktor beim Sparen ist die Einschätzung des eigenen Wissens. Die Studie ergab, dass 85,7 Prozent derer, die sich selbst als Experten bezeichnen, regelmäßig sparen. Unter den "Ahnungslosen" spart nur jeder Dritte regelmäßig. Um aber erfolgreich zu sparen, muss man nicht unbedingt Experte sein. Unter den modernen Sparern ordnen sich 43,1 Prozent als "Ein-bisschen-Kenner" ein. Bei den traditionellen Sparern sehen sich 23,7 Prozent als Experten und 54,4 Prozent als Ein-bisschen-Kenner.

Wichtig ist, dass Sparer den Schritt schaffen, zeitgemäß anzulegen. Fonds können ein wesentlicher Teil der Lösung sein, weil sie dem Sicherheitsverständnis des Kunden entgegenkommen, ihm Teile des Risikomanagements abnehmen und auskömmliche Erträge erwirtschaften. Die Bankberatung kann hier entscheidend sein. Denn Menschen von heute auf morgen zu souveränen Selbstentscheidern umzuerziehen ist unrealistisch. Wir stehen erst am Anfang einer Evolution des Sparens.

zur Person:

Hans Joachim Reinke,
Vorstandschef Union Investment

Hans Joachim Reinke steht seit 1. Juli 2010 als Vorstandsvorsitzender an der Spitze der Union Investment Gruppe. ­Bereits im Januar 2004 wurde er Mitglied des Vorstands und ­verantwortet seither das Geschäft mit Privatkunden.
Union Investment ist die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Mit aktuell 260 Milliarden Euro ­an verwaltetem Vermögen ist sie einer der größten deutschen ­Vermögensverwalter für private und ­institutionelle Anleger.
Bildquellen: Union Asset Management Holding AG, Jakub Krechowicz / Shutterstock.com
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