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04.07.2020 23:19

Ölpreisrally verliert an Schwung: Wie die Aussichten sind

Euro am Sonntag-Standpunkt: Ölpreisrally verliert an Schwung: Wie die Aussichten sind | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Standpunkt
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Die Corona-Krise sorgte auf dem Ölmarkt für extreme Verwerfungen. Eine Wiederholung ist unwahrscheinlich, die Ampeln stehen aber nicht auf Grün. Weshalb das so ist, erläutert Max Holzer, Leiter Relative Return bei Union Investment.
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€uro am Sonntag

von Max Holzer, Gastautor von Euro am Sonntag

So schnell der Ölpreis im April gefallen ist, so schnell hat er sich wieder erholt - wenn auch auf niedrigerem Niveau als vor der Corona-Krise. Der Tiefpunkt für ein Fass der Sorte Brent lag im April bei 19,80 US-Dollar. Mittlerweile hat sich der Preis mehr als verdoppelt. Die große Frage lautet: Setzt sich dieser Aufwärtstrend weiter fort?

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In diesem Tempo wird die Erholung kaum weitergehen. Immer noch reagiert der Ölpreis sehr empfindlich auf konjunkturelle und politische Neuigkeiten, wie man beispielsweise Mitte Juni beobachten konnte. Ging es zuvor stabil nach oben, gab der Ölpreis im Gleichklang mit den Kursen anderer risikobehafteter Anlagen wie Aktien nach. Der Grund: In den Vereinigten Staaten kam die Furcht vor einer zweiten Corona-Welle auf, zudem gab die US-Notenbank Fed eine sehr verhaltene Konjunktureinschätzung ab.

Die ganz große Volatilitätsphase ist vorbei

Das zeigt, dass es immer noch viel Unsicherheit hinsichtlich des Tempos der globalen Wirtschaftserholung gibt. Und dies wirkt sich auch auf den Ölpreis aus. Er wird grundsätzlich von der Entwicklung der Ölnachfrage bestimmt - und diese steigt, wenn die Konjunktur wieder anzieht. Aktuell liegt die Nachfrage nach dem schwarzen Gold immer noch um zehn bis 15 Prozent unter dem Niveau vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie.

Solange ungewiss bleibt, wie sich die Pandemie weiterentwickelt, wird es auch zu überdurchschnittlichen Schwankungen kommen. Doch die ganz große Volatilitätsphase ist vorbei. Solch starke Verwerfungen wie im April, als erstmals ein negativer Preis für einen Terminkontrakt verzeichnet wurde, erwarten wir nicht noch einmal.

Verantwortlich war die Angst, dass die Erdöllager "überlaufen" könnten. Diese absolute Ausnahmesituation könnte nur noch mal auftreten, wenn die größten Erdölabnehmer USA, Europa und China gleichzeitig in einen großflächigen Shutdown gehen. Das ist aber sehr unwahrscheinlich.

Zudem beschlossen damals die erdölproduzierenden Länder der OPEC+ sehr schnell Produktionskürzungen und setzten sie konsequent um. Die Akteure am Terminmarkt haben mittlerweile ihre Positionen entsprechend angepasst. Sollte es noch einmal zu einem Einbruch der Nachfrage kommen, sind sie besser vorbereitet.

Die Wahrscheinlichkeit einer Ölknappheit ist äußerst gering

Dennoch sind einer stark positiven Ölpreisentwicklung klare Grenzen gesetzt, da auch die Lagerbestände noch auf einem Rekordhoch liegen. Es dürfte mindestens zwölf bis 18 Monate dauern, bis diese wieder auf Normalniveau abgebaut sind. Das Schaffen von Platz in den Lagern ist im Interesse aller Produzenten, da die erhöhten Vorräte eine enorme Kapitalbindung verursachen.

Zunächst werden die Öllieferanten also ihre Lagerbestände reduzieren, Auch wenn die Nachfrage schnell anziehen sollte, können die Staaten der OPEC+ mit einer Angebotsausweitung reagieren, da sie infolge ihrer vorherigen Förderkürzungen über freie Produktionskapazitäten verfügen. Die Ölfelder, die derzeit nicht in Betrieb sind, werden bei Bedarf einfach wieder hochgefahren. Die Wahrscheinlichkeit einer Ölknappheit ist äußerst gering.

Außerdem lohnt sich für die US-Schieferölproduzenten bei einem Preis von rund 40 US-Dollar pro Barrel (Brent) der Wiedereinstieg in die Produktion, die sie zuletzt aufgrund zu niedriger Preise gedrosselt oder sogar ganz eingestellt hatten. Damit erhöht sich das Angebot noch weiter.

Der Preis wird also nur so weit steigen, bis Angebot und Nachfrage in Balance gebracht sind. Wir rechnen frühestens Ende 2021 wieder mit einer Nachfrage auf Vorkrisenniveau. Daher sind in den kommenden Monaten eher Preisrückschläge denn weiter steigende Notierungen möglich. Auf Jahressicht rechnen wir allerdings mit einem Ölpreis von rund 45 US-Dollar pro Barrel Brent-Rohöl. Bis Ende 2021 könnte es dann durchaus auf 50 US-Dollar nach oben gehen, bevor im Lauf des Jahres 2022 das Vorkrisenniveau von rund 60 US-Dollar erreicht werden dürfte.

Der Ölmarkt bietet attraktive Investmentmöglichkeiten

Deshalb gilt: Die skizzierte mögliche Entwicklung am Ölmarkt bietet grundsätzlich attraktive Investmentchancen. Wer aber als Privatanleger über ein Investment in Rohöl nachdenkt, sollte sich bewusst sein, dass nur über den Terminmarkt investiert werden kann. Und die Wertentwicklung über Terminkontrakte spiegelt die Entwicklung am Kassamarkt nicht eins zu eins wider.

Das heißt, es droht unter Umständen auch bei steigenden Ölpreisen ein Wertverlust. Eine Alternative bietet das Investment beispielsweise über Rohstofffonds, die in geeignete Terminkontrakte investieren.

Max Holzer


Leiter Relative Return bei Union Investment

Holzer leitet seit 2017 im Portfoliomanagement von Union Investment die Abteilung Relative Return innerhalb des neu aufgestellten Bereichs Multi Asset. Zuvor führte er von 2004 bis 2016 die Einheit Asset Allocation. Union Investment ist die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Mit aktuell rund 370 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen ist sie einer der größten deutschen Vermögensverwalter für private und institutionelle Anleger.









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Bildquellen: huyangshu / Shutterstock.com, Carsten Lerp/Union Asset Management Holding AG

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