25.01.2021 16:35

Mutmaßliche Helfer von Ex-Wirecard-Manager Marsalek festgenommen

Bilanzskandal: Mutmaßliche Helfer von Ex-Wirecard-Manager Marsalek festgenommen | Nachricht | finanzen.net
Bilanzskandal
Folgen
Im Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal ermittelt die Wiener Staatsanwaltschaft in Österreichs Politik und im Geheimdienstmilieu gegen mutmaßliche Fluchthelfer des untergetauchten Managers Jan Marsalek.
Werbung
Dabei handelt es sich um einen FPÖ-Politiker, der in anderer Sache bereits unter Betrugsverdacht geraten war, sowie einen ehemaligen und einen suspendierten Mitarbeiter des österreichischen Verfassungsschutzes. Alle drei wurden festgenommen, einer der beiden Ex-Geheimdienstmänner ist zunächst wieder auf freiem Fuß. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Wien am Montag. Die Ermittlungen gegen alle drei laufen wegen des Verdachts der Begünstigung.

Der Ex-Nationalratsabgeordnete Thomas Schellenbacher war vorher schon im Visier der Wiener Justiz und sitzt nun in Untersuchungshaft. Sein Anwalt räumte ein, dass der FPÖ-Politiker dem Wirecard-Manager Marsalek kurz vor der Insolvenz im Juni half, den Flug nach Minsk zu buchen, mit dem sich dieser absetzte. Strafbar habe sich Schellenbacher damit aber nicht gemacht, weil damals noch kein Haftbefehl gegen Marsalek vorgelegen habe, sagte Anwalt Farid Rifaat der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

Der ehemalige Abteilungsleiter des österreichischen Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) soll ebenfalls bei der Flucht nach Minsk geholfen haben, ist demnach aber wieder auf freiem Fuß. Beim dritten Verdächtigen sei noch unklar, ob Untersuchungshaft verhängt werde, hieß es bei der Wiener Staatsanwaltschaft. Österreichs Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) kündigte eine schonungslose Aufklärung an: "Wir greifen konsequent durch und schaffen Schritt für Schritt durch die Aufklärung dieses Kriminalfalls einen sauberen Neustart für den Verfassungsschutz."

Der ehemalige Wirecard-Vertriebsvorstand Marsalek ist seit dem Flug nach Minsk untergetaucht, er gilt als Schlüsselfigur des Skandals. Die Münchner Staatsanwaltschaft lässt international nach dem österreichischen Manager suchen.

Marsalek soll maßgeblich an dem System des "Bandenbetrugs" beteiligt gewesen sein, von dem die Münchner Staatsanwaltschaft ausgeht. Die Wirecard-Chefetage soll die Bilanzen des Konzerns spätestens seit 2015 mit erfundenen Gewinnen manipuliert haben. Dank der erdichteten Profite bekam Wirecard problemlos Kredite, die nun zum größten Teil verloren sind.

Der Schaden für Banken und Investoren könnte laut Münchner Staatsanwaltschaft bei mehr als drei Milliarden Euro liegen. Außerdem geht die Münchner Staatsanwaltschaft der Frage nach, ob Marsalek und andere Beschuldigte dreistellige Millionensummen aus dem Wirecard-Firmenvermögen abzweigten und auf die Seite schafften.

Auch in Deutschland steht die Frage nach Marsaleks österreichischen Geheimdienstkontakten im Raum. Im Herbst schloss der Generalbundesanwalt nicht aus, dass der Ex-Manager V-Mann des österreichischen Verfassungsschutzes war, wie es in einer Antwort des Bundesjustizministeriums in Berlin auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Fabio De Masi (Linke) hieß.

Inzwischen geht das Bundesinnenministerium davon aus, dass Marsalek zumindest nicht gegen Deutschland spionierte.

"Es haben sich keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die im Raum stehenden Kontakte Jan Marsaleks zum Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung den Tatbestand einer gegen die Bundesrepublik Deutschland gerichteten geheimdienstlichen Agententätigkeit oder eines sonstigen in die Verfolgungszuständigkeit des GBA fallenden Straftatbestands erfüllen könnten", hieß es im Dezember auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Michael Leutert.

Aus Sicht der österreichischen Grünen sind die Festnahmen ein weiterer Puzzlestein in den Beziehungen zwischen Verfassungsschützern, Wirecard, FPÖ und Jan Marsalek. Der Verdacht eines besonderen Näheverhältnisses der Beteiligten werde erhärtet, so der Abgeordnete der Grünen, David Stögmüller. "Marsalek hat Politiker mit Macht und Beamte mit Zugang zu klassifizierten Unterlagen gebraucht, gesucht und auch gefunden. (...) Und welche Rolle hatte dabei Russland und der russische militärische Geheimdienst, mit dem Marsalek ja äußerst gute Verbindungen pflegte?"

Das 2002 gegründete BVT ist einer von drei Nachrichtendiensten in Österreich. Es analysiert unter anderem Gefahren durch extremistische Strömungen wie radikalen Islamismus und Rechtsextremismus. Das Amt geriet in den vergangenen Jahren durch verschiedene Affären in Misskredit.

/mrd/cho/DP/stw

WIEN (dpa-AFX)

Ausgewählte Hebelprodukte auf Wirecard AG
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Wirecard AG
Long
Short
Hebel wählen:
5x
10x
Name
Hebel
KO
Emittent
Bildquellen: CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Images

Nachrichten zu Wirecard AG

  • Relevant
    1
  • Alle
    4
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Wirecard AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
26.06.2020Wirecard VerkaufenIndependent Research GmbH
25.06.2020Wirecard VerkaufenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
22.06.2020Wirecard VerkaufenIndependent Research GmbH
19.06.2020Wirecard ReduceOddo BHF
18.06.2020Wirecard VerkaufenIndependent Research GmbH
26.05.2020Wirecard buyBaader Bank
15.05.2020Wirecard kaufenIndependent Research GmbH
14.05.2020Wirecard buyBaader Bank
11.05.2020Wirecard buyBaader Bank
07.05.2020Wirecard buyBaader Bank
18.06.2020Wirecard Equal-WeightMorgan Stanley
08.06.2020Wirecard NeutralOddo BHF
08.06.2020Wirecard NeutralUBS AG
02.06.2020Wirecard NeutralUBS AG
26.05.2020Wirecard HaltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
26.06.2020Wirecard VerkaufenIndependent Research GmbH
25.06.2020Wirecard VerkaufenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
22.06.2020Wirecard VerkaufenIndependent Research GmbH
19.06.2020Wirecard ReduceOddo BHF
18.06.2020Wirecard VerkaufenIndependent Research GmbH

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Wirecard AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Werbung
Werbung
Werbung
Neue Funktionen als Erstes nutzen
Sie nutzen finanzen.net regelmäßig? Dann nutzen Sie jetzt neue Funktionen als Erstes!
Hier informieren!
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub
Werbung

Heute im Fokus

Dow Jones freundlich -- DAX beendet Sitzung in Grün -- Delivery Hero bestätigt vorläufige Zahlen -- DWS holt Digitalisierungsexperten von der Deutschen Bank -- GAZPROM, Philips, Bayer im Fokus

EnBW will größten Solarpark im Südwesten bauen. Credit Suisse gibt optimistische Haltung zu globalen Aktienmärkten auf. Entgegen den Prognosen: ZEW-Konjunkturerwartungen trüben sich im August weiter ein. Hauck Aufhäuser Investment Banking belässt VERBIO auf "Buy". RTL baut Streaming-Angebot um Musikbereich aus. Andritz sackt milliardenschweren Auftrag für Zellstoffwerk ein.

Umfrage

Sollten die Corona-Regeln bei steigenden Infektionszahlen im Herbst wieder verschärft werden?

finanzen.net zero
finanzen.net zero

Oskar

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln