finanzen.net
16.02.2017 20:16
Bewerten
(15)

Muslime an der Börse: Was ist erlaubt und was nicht?

Eigentum ja, Zinsen nein: Muslime an der Börse: Was ist erlaubt und was nicht? | Nachricht | finanzen.net
Eigentum ja, Zinsen nein
Seit Jahren wächst die Nachfrage nach Scharia-konformen Investments. Wie können Muslime sich im Einklang mit dem Islam an der Börse beteiligen, welche Grenzen gibt es und welche Banken unterstützen sie dabei?
Eigentum ist erlaubt, Zinsen nicht. Im Islam gelten bestimmte Vorschriften für Handel und Geschäfte innerhalb einer Volkswirtschaft. Was die islamische Finanzierung von dem konventionellen Finanzwesen grundlegend unterscheidet, ist das Verbot von Zinsen. Zudem müssen sich Muslime an bestimmte Konzepte wie "ethisches Investieren" und "moralisch einwandfreie Käufe" halten. Das Ziel soll dabei sein, Gerechtigkeit für alle Beteiligten zu schaffen.

Islamische Grundlagen

Der Islam ist eine Religion, bei der nicht nur das individuelle Verhältnis zu Gott im Vordergrund steht, sondern die als Wegweiser für das gesamte Leben eines Menschen dient. Die Regeln und Bestimmungen, die es zu beachten und befolgen gilt, werden in der Scharia, dem islamischen Recht, dargelegt. Sie umfasst alle Aspekte des menschlichen Lebens, u.a. soziale, wirtschaftliche und politische Angelegenheiten. Abgeleitet wird sie von zwei Hauptquellen: Dem Koran als der direkten Botschaft Gottes und der Sunna, der Verhaltens- und Lebensweise des Propheten Mohammed. Folglich müssen sich auch islamische Banken an die Regeln und Gesetze der Scharia halten. Dies hat dazu geführt, dass islamische Banken einen Aufsichtsrat, das sogenannten Scharia-Board, haben müssen. Darin sind qualifizierte islamische Gelehrte vertreten, die darauf achten, dass alle Richtlinien der islamischen Finanzierung gemäß der Scharia eingehalten werden. Verboten sind zum Beispiel die unrechtmäßige Bereicherung oder Transaktionen, die mit hohen Risiken oder Spekulationen verbunden sind oder das Investieren in verbotene Branchen, wie etwa den Vertrieb von Alkohol oder Schweinefleisch.

Daraus haben sich drei wichtige Prinzipien herausgebildet, die das islamische Finanzsystem von konventionellen Finanzsystemen unterscheidet:

Verbot von Zinsen

Das wichtigste Prinzip der islamischen Finanzierung stellt das Verbot von Zinsen (Riba) dar. Nach der Scharia ist es Muslimen weder erlaubt, Zinsen zu vereinnahmen, noch zu zahlen. Zinsen begünstigen aus islamischer Sicht eine finanzielle Aktivität, durch die sich der Reichtum in den Händen einiger weniger Menschen anhäuft und der Kreditnehmer dem Risiko eines möglichen Verlusts ausgesetzt ist. Außerdem motiviert der Islam die Menschen dazu, sich ihren Gewinn und ihr Vermögen durch selbständige Arbeit anstatt durch Finanzgeschäfte zu erwirtschaften. Die Anhäufung von Zinsen wird dagegen als selbstsüchtig betrachtet. Riba gilt als eine unrechtmäßige Vermögensanhäufung und ist in jeder Hinsicht verboten - sei es bei Unternehmensinvestitionen oder für private Geldanlagen. Ziel ist die Schaffung eines Finanzsystems, das gerecht und für alle Beteiligten mit Vorteilen verbunden ist.

Gewinn- und Verlustbeteiligung

Ein weiteres wichtiges Prinzip der islamischen Finanzierung: Die Gewinn- und Verlustbeteiligung. Dabei handelt es sich um eine Form der Partnerschaft, in der die Parteien als Handelspartner angesehen und gleichermaßen am Gewinn und Verlust der Investition beteiligt sind. Der Islam verbietet außerdem jegliche Form von Spekulationen (Gharrar) und Glücksspiel (Maysir). Vertragspartner müssen genauestens über Gegenstand und Folgen eines Vertrages in Kenntnis gesetzt werden. Mit einbezogen sind auch Geschäfte, die mit einem unkalkulierbaren Risiko behaftet sind und einen unsicheren Preis beinhalten. Maysir bezeichnet Geschäfte, deren Verlauf und Ausgang nicht immer kalkulierbar sind. Gemeint ist jegliche Beteiligung an Glücksspielen, aber auch an Geschäften, die damit verbunden sind.

Finanzmethoden

Heutzutage gibt es verschiedene Finanzmethoden, die von islamischen Banken angeboten werden. Eine davon ist die Murabaha. Hierbei erwirbt das Geldinstitut die zu finanzierenden Güter und verkauft sie anschließend an den Kunden weiter. Da die Bank hier als Zwischenhändler ein gewisses Risiko übernimmt, steht ihr nach der Scharia ein angemessener Ertrag zu. Diesen muss der Kunde mittels eines Aufschlags auf den ursprünglichen Preis zahlen.
Eine weitere Methode der islamischen Finanzierung ist die Mudaraba, die dem Sondervermögen der Kapitalanlagegesellschaften gleichkommt. Ein Treuhänder übernimmt die Funktion der Kapitalanlagegesellschaft und legt Vermögenswerte der Kunden an. Für seine Dienste erhält der Treuhänder regelmäßig einen festen Anteil am Ertrag aus den Investitionen. Für kleinere Investitionen eignet sich die Musharaka, eine Beteiligungsfinanzierung durch Beteiligung auf Zeit. Der Kunde bringt hierbei Vermögensgegenstände und das jeweilige Finanzinstitut Geld in die Beteiligung. Die Aufteilung der Gewinne erfolgt nach einer bestimmten vereinbarten Formel, der Verluste hingegen jeweils in Höhe der Kapitalanteile.
Ähnlich dem Operating Leasing, gestattet ein Finanzinstitut bei der Ijara seinem Kunden die vorübergehende Nutzung eines Wirtschaftsgutes gegen Entgelt. Ähnlich wie bei Murabaha erwirbt die Bank die Gegenstände auf eigene Kosten und vermietet diese an den Kunden. Diese Methode kommt insbesondere bei grenzüberschreitenden Transaktionen zur Asset-Finanzierung, wie beispielsweise beim Schiffs-, Flugzeug- oder Ausrüstungserwerb, vor. Möchte man schließlich in noch nicht fertige Projekte finanzieren, so eignet sich hierfür die Istisna. Diese findet statt, wenn ein Bankinstitut im Auftrag eines Kunden den Unternehmer mit der Herstellung der jeweiligen Güter beauftragt. Er finanziert die Fertigstellung der Waren und verkauft diese weiter an den Kunden, der wiederum den Werklohn zzgl. eines Gewinnaufschlags zahlen muss.

Muslime und Aktienhandel - Welche Möglichkeiten gibt es?

Den meisten Muslimen ist bekannt, dass Zinsgeschäfte aus islamischer Sicht verboten sind, jedoch besteht eine große Unsicherheit bezüglich des Handelns mit Aktien. Was ist erlaubt und was nicht? Bei einer Aktie handelt es sich um einen Anteilsschein und somit um eine Unternehmensbeteiligung. Sich an einem Unternehmen zu beteiligen, ist zunächst nicht verboten, jedoch kommt es darauf an, um was für ein Unternehmen es sich handelt. Entspricht es nicht den islamischen Grundsätzen, ist es einem Muslim auch nicht erlaubt, den entsprechenden Anteilsschein zu erwerben. Ob ein Unternehmen dem islamischen Recht entspricht oder nicht, wird von der Accounting and Auditing Organisation for Islamic Financial Institutions (AAOFI) geprüft. Diese ist unter anderem für die Festlegung von Standards für Islamische Banken und für die Prüfung der Konformität von Unternehmen zuständig.

Das Prüfverfahren lässt sich grob in zwei Teile gliedern: Die Sektor- und Finanzanalyse. Die Sektoranalyse bezeichnet die Prüfung des Geschäftsmodells eines Unternehmens. Dabei soll sichergestellt werden, dass das Unternehmen seinen Gewinn aus erlaubten Quellen erwirtschaftet. Nicht erlaubte Quellen sind beispielsweise Einnahmen aus dem Handel mit Alkohol, Schweinefleisch oder Glücksspiel. Die Finanzanalyse hingegen bezeichnet die Untersuchung von Finanzkennzahlen, die innerhalb eines gewissen Rahmens sein sollten. Ein Unternehmen sollte beispielsweise nicht mehr als 33 Prozent Verbindlichkeiten haben.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich islam-konforme Aktien aus einem spezialisierten Index auszusuchen, beispielsweise aus dem Dow Jones Islamic Index oder dem Dow Jones Islamic Market Titans 100. Letzterer schaffte in den vergangenen drei Jahren ein Plus von knapp 33,5% und beinhaltet Aktien wie z.B. Apple, Microsoft oder Johnson & Johnson. Es gibt eine Reihe von Banken, die Muslime dabei unterstützen, sich an der Börse zu beteiligen. Hierbei spielen insbesondere islamische Banken eine große Rolle, von denen es mittlerweile mehr als 300 in 75 Ländern gibt. Aber auch konventionelle Banken beteiligen sich am Markt für islamische Investitionen. Darunter die HSBC, Citibank, Standard Chartered und die Deutsche Bank.



Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Taraskin / Shutterstock.com, KuveytTuerk

Nachrichten zu Microsoft Corp.

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Microsoft Corp.

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
05.12.2019Microsoft OutperformBernstein Research
11.11.2019Microsoft OutperformCredit Suisse Group
01.11.2019Microsoft overweightBarclays Capital
28.10.2019Microsoft OutperformBernstein Research
28.10.2019Microsoft buyDeutsche Bank AG
05.12.2019Microsoft OutperformBernstein Research
11.11.2019Microsoft OutperformCredit Suisse Group
01.11.2019Microsoft overweightBarclays Capital
28.10.2019Microsoft OutperformBernstein Research
28.10.2019Microsoft buyDeutsche Bank AG
20.07.2018Microsoft NeutralMacquarie Research
13.06.2018Microsoft NeutralMacquarie Research
30.04.2018Microsoft NeutralMacquarie Research
01.02.2018Microsoft NeutralMacquarie Research
01.02.2018Microsoft NeutralJP Morgan Chase & Co.
19.11.2018Microsoft UnderperformJefferies & Company Inc.
26.09.2018Microsoft UnderperformJefferies & Company Inc.
14.06.2018Microsoft UnderperformJefferies & Company Inc.
13.06.2018Microsoft UnderperformJefferies & Company Inc.
11.06.2018Microsoft UnderperformJefferies & Company Inc.

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Microsoft Corp. nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die richtige Strategie für die Börsenkrise

Stecken Sie nicht den Sand in den Kopf, sondern kaufen Sie die richtigen Aktien. Erfahren Sie im aktuellen Anlegermagazin mehr über attraktive Qualitätsaktien und zyklische Aktien
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX geht im Plus ins Wochenende -- Wall Street behauptet -- USA und China offiziell mit Teileinigung -- Billionenwert: Apple- und Microsoft setzen Rekordjagd fort -- Volkswagen, Henkel im Fokus

Trump will China-Zölle zum Großteil als Hebel für Gespräche erhalten. Oracle enttäuscht beim Umsatz. Nach Ergebniseinbruch: Broadcom erwartet im neuen Geschäftsjahr wieder höhere Gewinne. Siemens-Tochter Healthineers winkt bei QIAGEN ab. Milliardendeal: Delivery Hero kauft Essenslieferanten Woowa. Moody's senkt Daimler-Rating.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Diese Aktien hat Warren Buffett im Depot
Die Änderungen unter den Top-Positionen
Hohe Ausgaben
Die beliebtesten Weihnachtsgeschenke 2019
Das Schwarzbuch 2019
Wo 2019 sinnlos Steuern verbrannt wurden
Die wertvollsten Marken der Welt 2019
Diese Unternehmen sind vorne mit dabei
Die beliebtesten Arbeitgeber in Deutschland
Hier arbeiten die Deutschen am liebsten
mehr Top Rankings

Umfrage

Was wünschen Sie sich von der Großen Koalition?

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Microsoft Corp.870747
Deutsche Bank AG514000
Wirecard AG747206
Daimler AG710000
Apple Inc.865985
Scout24 AGA12DM8
Amazon906866
Allianz840400
TeslaA1CX3T
NEL ASAA0B733
Deutsche Telekom AG555750
BASFBASF11
E.ON SEENAG99
Infineon AG623100
Aramco (Saudi-Aramco)A2PVHD