AUMOVIO-Aktie trotzdem fester: Umsatzrückgang droht, Verlust deutlich ausgeweitet

Autozulieferer bleibt unter Druck, auch 2026 kein klarer Aufschwung in Sicht.
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Der Autozulieferer AUMOVIO kämpft weiter mit einem schwachen Umfeld. Im neuen Jahr dürfte der Erlös erneut sinken, wie der MDAX-Konzern am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Einen Rückgang der Gewinnmarge aus dem Tagesgeschäft schließt das Management um Chef Philipp von Hirschheydt trotz des harten Sparkurses ebenfalls nicht aus. Die Marktbedingungen seien weiter schwierig, auch deshalb setze der Konzern die angekündigte Reduzierung von Produktionsstandorten fort, hieß es. Unter dem Strich kosteten der Konzernumbau und die Abspaltung viel Geld, der Nettoverlust weitete sich aus.
Wie die gesamte Branche leidet der Hersteller von unter anderem Bremsen, Elektronik und Innenraumdisplays unter der schwachen Nachfrage durch Autobauer, weil die Produktion von Fahrzeugen weltweit weiter nicht recht in die Gänge kommt. Im vergangenen Jahr sei die Umsatzentwicklung im Kerngeschäft weitgehend konstant gewesen, wenn Verkäufe von Unternehmensteilen, Kapazitätsabbau und Wechselkurse ausgenommen werden - in toto ging es jedoch um 5,6 Prozent auf 18,55 Milliarden Euro nach unten mit dem Erlös.
Dieses Jahr dürften es dann nur 17,0 bis 18,5 Milliarden Euro auf bereinigter Basis werden - also ohne Geschäftsverkäufe gerechnet. AUMOVIO geht von einem Rückgang der weltweiten Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen aus. Das dürfte zusammen mit einer weiteren Reduzierung der Produktionsstätten und Teilverkäufen sowie mit verzögerten Hochläufen und Wechselkurseffekten in allen Sparten zu geringeren Erlösen führen. In Nordamerika lasten vor allem die von US-Präsident Donald Trump erhöhten Zölle auf der Nachfrage.
Direkte Lieferbeeinträchtigungen durch den Nahost-Krieg spüren die Frankfurter bisher laut von Hirschheydt kaum. Verzögerungen seien aber künftig schon zu erwarten, sagte er.
Der Manager hat den Blick wegen des schwachen Abschneidens in den Vorjahren auf die Profitabilität gerichtet. Noch unter Conti wurden 5.400 Verwaltungsjobs und 1.750 Stellen in der Forschung und Entwicklung gestrichen. Weitere 3.000 Jobs in Forschung und Entwicklung entfielen zum Großteil schon bis Ende 2025, im Januar kündigte das Unternehmen den Abbau von weiteren 4.000 Stellen in dem Bereich an. Bei den noch laufenden Sparrunden gehen auch erneut Arbeitsplätze in Deutschland verloren, der Schwerpunkt liegt aber auf dem Ausland.
Auch in der Produktion will das Management den Konzern verschlanken. Von weltweit 55 Produktionsstätten sollen auf Sicht zehn wegfallen, in diesem Jahr werden vier geschlossen. So kündigte von Hirschheydt zur Wochenmitte an, ein Werk in China dichtzumachen. 1.500 Stellen in der Produktion fallen damit zusätzlich weg.
Die operative Marge (bereinigtes Ebit) erwarten von Hirschheydt und Finanzchefin Jutta Dönges für das laufende Jahr bei 3,5 bis 5,0 Prozent - ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr wäre damit nicht ausgeschlossen. Analysten gingen laut einer Erhebung im Auftrag des Unternehmens bisher im Schnitt von 4,4 Prozent Marge aus. 2025 legte die Marge dank Einsparungen von zuvor 2,5 auf 3,9 Prozent zu.
Der Produktmix sollte bei der Marge nun Rückenwind liefern, ebenso die weitere Reduzierung des Produktionsnetzwerkes. Höhere Rohmaterialkosten dürften dem aber entgegenwirken. Die höheren US-Zölle erzeugten Finanzchefin Dönges zufolge bisher keine direkte Belastung der Gewinnkennziffern - dem Unternehmen gelinge es gut, sich die höheren Zölle bei den Kunden wiederzuholen.
Unter dem Strich weitete AUMOVIO im vergangenen Jahr den Verlust von 289 auf 655 Millionen Euro aus. Grund waren Einmalaufwendungen für den Stellenabbau und die Abspaltung von Conti. Insgesamt betrugen die Sonderbelastungen fast 800 Millionen Euro, auch Steuern musste AUMOVIO mehr zahlen.
Eine Dividende soll es zunächst nicht geben, im zweiten Halbjahr will das Unternehmen dann eine neue Strategie zur Kapitalverwendung vorstellen. Darin enthalten sind auch Dividendenzahlungen, die Dönges ab dem kommenden Jahr in Aussicht stellte. Dieses Jahr soll ihr zufolge nämlich unterm Strich ein Gewinn stehen.
So reagieren Anleger und Analysten
Die Aktien von AUMOVIO sind am Mittwoch trotz schwächerer Ergebnisse auf Erholungskurs geblieben. Von Analysten gab es einhelliges Lob für die Barmittelzuflüsse des von Continental abgespaltenen Autozulieferers.
AUMOVIO-Aktien erholten sich im XETRA-Handel zuletzt um weitere 4,05 Prozent auf 38,02 Euro, nachdem sie am Freitag mit 34,54 Euro noch auf dem tiefsten Niveau seit Oktober 2025 gehandelt worden waren. Damit lagen sie leicht unter ihrem ersten Kurs nach dem Börsengang im September. Den Erfolgsweg haben sie Mitte Januar bei gut 47 Euro verlassen. Seither ging es, zuletzt besonders dynamisch im Zuge des Iran-Kriegs, um gut ein Viertel abwärts.
Mit Umsatz und Ergebnis blieb das Unternehmen am Mittwoch zwar etwas hinter den Markterwartungen zurück. Experten lobten aber unisono den Barmittelzufluss. Der UBS-Experte David Lesne sieht nach den Geschäftszahlen und dem Ausblick auf 2026 darin bestärkt, dass sich der Free Cashflow rasch in Richtung der für 2028 erwarteten Milliarde Euro bewegen kann.
Die AUMOVIO-Finanzchefin Jutta Dönges stellte im Nachgang der Bilanzvorlage am Vormittag für 2026 sogar eine Dividende in Aussicht.
Analyst Harry Martin vom Analysehaus Bernstein attestierte AUMOVIO in Reaktion auf die Zahlenvorlage einen sehr starken Barmittelzufluss. Der Ausblick liege im Rahmen anderer Autozulieferer, aber unter den mittleren Markterwartungen. Auch Experte Jose Asumendi von JPMorgan wertete den bereinigten Free Cashflow aus dem Vorjahr als klar positive Überraschung.
FRANKFURT (dpa-AFX)
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Bildquellen: AUMOVIO SE