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08.02.2020 20:17

Ölprojekte in Gefahr: Führt der Klimaschutz zum Milliardenschock in der Ölindustrie?

Analyseszenario: Ölprojekte in Gefahr: Führt der Klimaschutz zum Milliardenschock in der Ölindustrie? | Nachricht | finanzen.net
Analyseszenario
Dass der Umgang mit fossilen Brennstoffen nicht wie bisher weitergehen kann, dürfte aufgrund des fortschreitenden Klimawandels offensichtlich sein. Doch die Ölindustrie scheint ihre Rechnung ohne die globale Erwärmung gemacht zu haben - infolgedessen kommt ein Analysehaus zu einem alarmierenden Ergebnis.
• Analyse von Carbon Tracker zur Ölindustrie befürchtet Milliardenschock
• Szenario mit strengen Maßnahmen, um Weltklimaabkommen einzuhalten
• Klimaschutz wird markanten Einfluss auf die Ölbranche nehmen
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Das britische Analysehaus Carbon Tracker wurde 2009 ins Leben gerufen, um sich mit den Auswirkungen der globalen Erderwärmung zu befassen. Zu den Gründern zählen dabei Energieexperten, Fondsmanager und Finanzanalysten. In einer kürzlich herausgegebenen Analyse berechneten die Experten in unterschiedlichen Szenarien die Auswirkungen unvermeidbarer Regelungen zugunsten des Klimaschutzes auf die Ölbranche.

IPR-Szenario: Strenge Maßnahmen für den Klimaschutz

Um herauszufinden, in welche Richtung es in naher Zukunft mit dem Ölmarkt gehen könnte, setzten sich die Analysten von Carbon Tracker mit einem Szenario rund um eine härtere Gesetzgebung auseinander. Die Grundlage stellte dabei das von den Vereinten Nationen forcierte Szenario Inevitable Policy Response (IPR) - also: unvermeidliche politische Reaktion - dar und das dazu gehörige Forecast Policy Scenario (FPS), welches für die erwarteten Maßnahmen steht. Das IPR-Szenario stehe für den Versuch, die Einflüsse von harten Regulierungsmaßnahmen, Druck aus der Gesellschaft, extremen Wetterphänomenen und alternativen Technologien zu modellieren und mögliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte zu erkennen. "Im Gegensatz zu vielen 'business-as-usual'-Szenarien, die die Vergangenheit in die Zukunft projizieren, sieht das IPR vor, dass die politischen Entscheidungsträger bis 2025 stark auf das Klima einwirken" werden, heißt es in der Analyse.

Angebots- und Nachfragedynamik im Fokus

Carbon Tracker untersuchte in der jüngsten Analyse die "Nachfrage nach und das potenzielle Angebot an vorgelagertem Öl und Gas" auf Basis des UN-Szenarios. Dabei stellten die Experten fest, dass "selbst subtile Verschiebungen" in der Nachfrage oder dem Angebot zu markanten Veränderungen des Ölpreises führen können: Im FPS-Szenario weise das Nachfrage/Angebots-Profil eine erhöhte Volatilität aus, heißt es. Parallel dazu würde auch der Mindestpreis schwankungsanfälliger, der zur Inbetriebnahme der Ölfelder nötig ist.

Im Rahmen des Forecast Policy Scenario rechnen die Analysten von Carbon Tracker damit, dass dieser Grenzpreis im Zeitraum von 2019-2025 bei um die 50 US-Dollar Barrels of oil equivalent (boe) liegen wird. Im darauffolgenden Zeitraum soll es zu einem Rückgang um bis zu 20 Prozent kommen, während von einer geringeren Menge an Ölfeldern ausgegangen wird. Es wird darauf hingewiesen, dass die Voraussagen nicht genau sein können und es sich nur um Tendenzen handelt, jedoch wird diese Entwicklung in der Studie noch als "konservativ" bezeichnet.

Neue Ölprojekte: regulatorische Maßnahmen noch nicht berücksichtigt?

Zusätzlich kam Carbon Tracker zu dem Ergebnis, dass alle bis zum Jahr 2025 erschlossenen Ölprojekte womöglich niemals den erwarteten Wert erwirtschaften werden, wenn die politischen Maßnahmen nicht in der Planung inkludiert sind. "Ölvermögenswerte, die 2019-2025 in Produktion gehen, werden so modelliert, dass ihr Gesamtnettowert" im IPR-Rahmen um 50 % niedriger sein könnte.

Grundsätzlich weisen die Analysten in ihrer Studie darauf hin, dass Ölkonzerne, die mit einer erhöhten Sensibilität auf die Entwicklung des Ölpreises reagieren, auch ein höheres Risiko ausweisen. Dementsprechend seien solche risikoreichen Unternehmen weniger wert, da mit ihnen höhere Kosten verbunden werden. "Wir sind der Ansicht, dass Ölgesellschaften mit höheren Kosten und höherem Risiko beim Energiewechsel eher unterdurchschnittlich abschneiden und damit ein größeres Potenzial zur Zerstörung des Shareholder Value haben."

Das Analysehaus kam zu dem Ergebnis, dass die meisten Ölfirmen wichtige Faktoren wie den CO2-Preis und andere regulatorische Maßnahmen nicht in ihren neuen Projekten eingepreist haben. "Die Auswirkungen werden wahrscheinlich für Projekte, die kurz vor dem IPR in Betrieb genommen werden, am größten sein. Wenn die Produzenten im Vorfeld eines solchen Ergebnisses konservativ planen würden, würde dies natürlich die Auswirkungen verringern," so eine Schlussfolgerung in der Analyse.

Frühe Maßnahmen verringern Auswirkungen

In zwei verschiedenen Szenarien hat Carbon Tracker betrachtet, inwiefern sich frühere klimapolitische Maßnahmen in der Phase 2019-2025 auswirken können. Während in dem Sustainable Development Scenario (SDS) - also einem Szenario der nachhaltigen Entwicklung - mit weniger Sanktionen gerechnet wird, soll im FPS eine größere Menge an Projekten Sanktionen unterliegen und die Preise bereits höher sein. Im SDS sollen die Produzenten noch die Möglichkeit haben, erwartete Erträge mit ihren Projekten zu erzielen, dabei seien diese zwar "niedriger, aber sicherer", heißt es in der Studie. Dagegen sieht das Forecast Policy Scenario für die Ölkonzerne bereits "geringere Chancen, ihre erwarteten Erträge zu erzielen, wenn der Preis anschließend fällt."

"Höhere Preise in der Anfangsphase schaffen die Voraussetzungen für niedrigere Preise zu einem späteren Zeitpunkt, was bedeutet, dass Projekte möglicherweise nicht die erwarteten Erträge liefern oder sogar gestrandet sind", schlussfolgern die Analysten. Zum einen sei nicht zu erwarten, dass Produzenten alle Investitionssignale deuten und vorausschauend handeln würden, zum anderen würden "frühe Maßnahmen politischer Entscheidungsträger" Auswirkungen auf die Nachfrage-/ und Angebotsdynamik abschwächen und "Überinvestitionen verhindern".

Unternehmen selbst in der Verantwortung?

Angesichts einer ungewissen Zukunft, die von Klimaschutzmaßnahmen und einem Wandel in der Energiebranche geprägt sein wird, seien die Produzenten dennoch in der Verantwortung, Sanktionierungen im Blick zu behalten und ein klimabeschränktes Budget ertragreich zu verwalten. "Auf diese Weise machen sie in einer Welt mit hoher Nachfrage und einem rasanten Klimawandel eine branchenweit führende Marge bei ihren Projekten; in einer Welt mit geringer Nachfrage und begrenzter Erwärmung können sie immer noch Gewinne erzielen, wo andere sie zerstören. Wenn Unternehmen bereit sind, mehr marginale Projekte zu sanktionieren, die nur in einer Welt gescheiterter Klimaziele Sinn machen, dann sollten sie für Fehler zur Verantwortung gezogen werden." Wären Unternehmen dagegen nur dazu bereit, marginale Projekte zu fördern, die nur ohne Berücksichtigung der Klimaziele funktionieren, müssten sie mit negativen Auswirkungen rechnen. Allerdings hätten die Ölkonzerne auch verschiedene Kapazitäten, "im Vorfeld der IPR zu handeln, um die Nachteile durch selektive Projektmaßnahmen zu begrenzen", konkludieren die Analysten.

Damit Ölfirmen wie Shell, BP, Eni, OMV und Co. noch langfristig bestehen und Erträge erzielen können, muss das Management also umdenken, sich mit verschiedenen Szenarien auseinandersetzen und mit Maßnahmen bzw. erheblichen Einschnitten seitens der Politik kalkulieren. Sonst drohen womöglich bald Milliardenverluste, wenn es tatsächlich zu einem solchen Preisverfall von 20 Prozent kommt, der in einem Szenario vermutet wird. "Ob die Investitionen der Multis in neue Projekte aber so wertvoll bleiben wie sie heute annehmen, bleibt abzuwarten," sagte auch Ölmarktexpertin Cornelia Meyer gegenüber Handelsblatt.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Alistair Scott / Shutterstock.com, PhotoStock10 / Shutterstock.com

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