Nahost-Konflikt im Blick

Ölpreise ziehen wegen Nahost-Eskalation kräftig an - So hoch steigen Brent und WTI

02.03.26 22:33 Uhr

Pulverfass Nahost: Ölpreis explodiert nach Militärschlag gegen Iran | finanzen.net

Die Ölpreise haben am Montag nach der Eskalation im Nahen Osten am Wochenende wie erwartet zunächst deutlich zugelegt.

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Die Ölpreise haben nach der Eskalation im Nahen Osten wie erwartet zunächst kräftig zugelegt, dann aber einen Teil der frühen Gewinne wieder abgegeben. In der Nacht zum Montag stiegen die Notierungen für Brent-Öl aus der Nordsee und Rohöl aus den USA in den ersten Handelsminuten um jeweils mehr als zehn Prozent. Dabei erreichte Brent-Öl in der Spitze bei 82,37 US-Dollar je Barrel (159 Liter) den höchsten Stand seit Juli 2024 und US-Öl bei 75,33 Dollar den höchsten Stand seit Juni 2025.

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Zuletzt kostete Brent noch 77,65 US-Dollar, für WTI werden 70,95 US-Dollar fällig. Am Wochenende hatten Israel und die USA den Iran angegriffen und dabei unter anderem das Staatsoberhaupt und den Religionsführer des Landes Ajatollah Ali Chamenei getötet. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen und schränkte außerdem den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ein, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels.

Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge in der ölreichen Region am Persischen Golf. Jede Störung könnte die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern. Die Staaten des Ölverbunds Opec+, in dem neben Staaten der Opec auch andere wichtige Förderstaaten wie Russland organisiert sind, hatten am Sonntag auf einem planmäßigen Treffen beschlossen, die Tagesproduktion zu erhöhen, um Engpässe und zu starke Preisanstiege zu verhindern.

Insgesamt will die Opec+ die Tagesproduktion um 206.000 Barrel steigern, wie der Verbund nach einer Online-Sitzung mitteilte. Den jüngsten Krieg im Nahen und Mittleren Osten erwähnte die Gruppe jedoch mit keinem Wort. Stattdessen wurde die Produktionserhöhung mit dem stabilen Ausblick für die globale Wirtschaftsentwicklung und niedrigen Ölvorräten erklärt.

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Nach Einschätzung von Analysten der Deutschen Bank werden das Ausmaß und das Tempo der Eskalation der Lage im Nahen Osten in den kommenden Tagen von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt. Unter anderem könnten die höheren Ölpreise "eine Deeskalationsdynamik auslösen".

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, geht davon aus, dass der Preis für Brent-Öl aus der Nordsee im Fall einer längeren Schließung der Straße von Hormus weiter in Richtung der Marke von 100 Dollar steigen könnte. "Bliebe der Ölpreis mehrere Monate so hoch, würde das die Inflation im Euroraum rechnerisch um mehr als einen Prozentpunkt erhöhen und das Wirtschaftswachstum um einige Zehntel Prozentpunkte senken", sagte Krämer.

Ökonomen sehen wirtschaftliche Risiken durch höhere Ölpreise

Mit der Eskalation im Iran-Konflikt sind die Ölpreise, aber auch Erdgas, deutlich gestiegen - letzteres hat sich zu Beginn der Woche um etwa 25 Prozent verteuert hat. Die heftigen Preissprünge bei wichtigen Energierohstoffen rufen Ökonomen auf den Plan, die vor Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung, auch in Deutschland, warnen.

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Vor allem die Einschränkung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels, schürt Sorgen vor wirtschaftlichen Folgen. "Der Nahost-Krieg könnte den Brent-Ölpreis wegen der Schließung der Straße von Hormus in Richtung 100 US-Dollar steigen lassen", sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Sollte der Ölpreis dann auch mehrere Monate auf diesem hohen Niveau bleiben, "würde das die Inflation im Euroraum rechnerisch um mehr als einen Prozentpunkt erhöhen und das Wirtschaftswachstum um einige Zehntel Prozentpunkte senken".

Die Diskussion über die Risiken der jüngsten Eskalation im Nahen Osten konzentrieren sich nach Einschätzung von Ökonomen der US-Bank JPMorgan auf die Frage der Energieversorgung. In den vergangenen Jahren sei die globale Wirtschaftstätigkeit zwar weniger abhängig von Rohöl geworden, und der Anteil des im Nahen Osten geförderten Rohöls an der globalen Produktion sei gesunken. Dennoch bleibe die Weltwirtschaft von Öl und Erdgas aus dem Nahen Osten abhängig, hieß es in einer Analyse.

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank, sieht in der Dauer des Kriegs im Nahen Osten einen wichtigen Faktor für mögliche konjunkturelle Folgen. Erst bei einem länger anhaltenden Konflikt würde ein deutlicher Anstieg der Ölpreise riskant für die Konjunktur. In diesem Falle "wären die wirtschaftlichen Folgen signifikant", sagte Gitzel. Bleibt es hingegen bei einem kürzeren Konflikt "werden die wirtschaftlichen Folgen jedenfalls begrenzt bleiben", sagte der Experte der VP Bank.

Nach Einschätzung von Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, haben sich die Rohstoffmärkte schon länger auf eine Eskalation im Nahen Osten eingestellt. Zuletzt war der Preis für Rohöl bereits deutlich gestiegen. Allerdings hält auch Experte Kater einen Anstieg des Ölpreises bis auf 100 Dollar je Barrel für möglich, sollte sich eine wochenlange, effektive Sperrung der Transportwege aus dem Golf abzeichnen. "Danach sieht es aber zurzeit nicht aus", sagte Kater.

Ökonomen der Bethmann Bank verweisen zudem auf jüngste Konjunkturdaten. Diese lassen mehr Wachstum in der Weltwirtschaft erwarte. In den USA und in Europa stützen staatliche Investitionen die konjunkturelle Entwicklung. Hinzu komme die Aussicht auf weiter sinkende Zinsen in den USA. "Sollte sich der Konflikt schnell stabilisieren, dürften sich die Anleger wieder auf die positiven Faktoren konzentrieren", hieß es bei der Bethmann Bank.

dpa AFX

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