15.01.2021 17:57

SAP-Aktie dennoch leichter: SAP mit versöhnlichem Jahresausklang

Erwartungen übertroffen: SAP-Aktie dennoch leichter: SAP mit versöhnlichem Jahresausklang | Nachricht | finanzen.net
Erwartungen übertroffen
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Europas größter Softwarehersteller SAP hat ein schwieriges Jahr mit einem ordentlichen Schlussquartal beendet. Angesichts der Corona-Pandemie bleibt das Management für das laufende Jahr weiterhin zurückhaltend.
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SAP hatte am Vorabend überraschend vorläufige Zahlen für das Schlussquartal vorgelegt und einen Ausblick auf 2021 gleich mitgeliefert. Nach einem verhaltenen dritten Quartal hatte der DAX-Konzern im Schlussquartal trotz Corona-Krise und Lockdowns in manchen Absatzregionen wieder einen besseren Lauf. Die Prognose für 2021 fiel im Rahmen der Analystenerwartungen aus.

Den vorläufigen Zahlen zufolge lag das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern zwischen Oktober und Ende Dezember mit 2,77 Milliarden Euro rund 3 Prozent unter dem Vorjahreswert - das war aber deutlich besser als von Analysten geschätzt, weil vor allem die Lizenzverkäufe im vierten Quartal nicht so stark fielen wie in der Corona-Krise befürchtet. Gleichzeitig zogen die Clouderlöse gegenüber dem Vorjahresquartal weiter an. Der Umsatz insgesamt sank um 6 Prozent auf 7,54 Milliarden Euro.

Im wichtigen Cloudgeschäft konnte SAP nach eigener Einschätzung einen "eindrucksvollen Schlusspunkt" für das Jahr setzen. In Nordamerika und Europa hätten sich die Auftragseingänge für die Cloud aber auch die Softwarelizenzerlöse besser entwickelt als vom Konzern erwartet. So blieb etwa die Nachfrage nach E-Commerce-Lösungen, der SAP Business Technology Plattform und Angeboten der US-Tochter Qualtrics hoch.

Auch das neue Angebot für die Neuausrichtung von Unternehmen sei bei Pilotkunden gut angekommen. Dagegen leidet die US-Tochter Concur, die Kunden Reisekostenmanagement weiter unter den Corona-Einschränkungen.

Wegen der Corona-Krise blickt das Unternehmen auf ein problematisches Jahr zurück. Im Frühjahr bekam der Konzern erste Auswirkungen der Covid-19-Pandemie zu spüren und ruderte in seinen Jahreszielen zurück. Dann musste auch noch Co-Chefin Jennifer Morgan nach nur rund sechs Monaten aus der Unternehmensspitze weichen. Nachdem sich im dritten Quartal weitere Probleme abzeichneten, zog der nun allein amtierende Vorstandschef Christian Klein im Oktober bei den Jahreszielen nochmals die Handbremse. Wegen eines Strategieschwenks rund um das Cloud-Geschäft radierte Klein auch die mittelfristigen Prognosen für die Profitabilität aus und sorgte damit für einen starken Kursrutsch der Aktie.

Gleichzeitig traten die Walldorfer im vergangenen Jahr stärker auf die Kostenbremse. Daher klingelt es nun in der Kasse. Der operative Barmittelfluss soll sich der Mitteilung zufolge im Gesamtjahr voraussichtlich im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln und bei rund sieben Milliarden Euro herauskommen. Das wäre rund eine Milliarde mehr als zuletzt anvisiert. Im Gesamtjahr lagen die Erlöse mit 27,34 Milliarden Euro um ein Prozent unter dem Vorjahr, das Betriebsergebnis erhöhte sich jedoch um ein Prozent auf 8,28 Milliarden Euro. Den kompletten Quartalsbericht legt SAP am 29. Januar vor.

Im Zuge der Eckdaten lieferte der Konzern auch den Ausblick für 2021 gleich mit. Das Management um Vorstandschef Klein hatte bereits im Oktober vor den Folgen der Pandemie gewarnt, die die Nachfrage bis mindestens zur Jahreshälfte belasten dürften. Nun rechnet der Konzern damit, dass die Erlöse mit dem Verkauf von Softwareabos und Lizenzen 2020 stagnieren oder maximal bis um währungsbereinigt zwei Prozent zulegen.

Darunter traut SAP der schnell wachsenden Software zur Nutzung über das Internet allerdings ein Wachstum von 13 bis 18 Prozent zu. Das bereinigte operative Ergebnis plant das Management mit 7,8 bis 8,2 Milliarden Euro ein - das wäre ein Rückgang zwischen einem und sechs Prozent. Mit den Werten liegt SAP wie von Experten erwartet.

SAP erweitert Vorstand

Die SAP SE erweitert ihren Vorstand, der zwei neue Mitglieder bekommt. Julia White werde den neuen Bereich des Chief Marketing and Solutions Officer übernehmen, Scott Russell leitet künftig die Customer-Success-Organisation, teilte der Softwarekonzern mit. Russell folgt auf Adaire Fox-Martin, die das Unternehmen auf eigenen Wunsch zum Monatsende verlässt.

White kommt zu SAP nach fast 20 Jahren bei Microsoft, wo sie in den letzten fünf Jahren das Produktmarketing für Microsoft Azure geleitet hat. Russell bringt über 20 Jahre Erfahrung in den Bereichen Vertrieb, Management, Beratung und Technologie in seine neue Rolle ein. Er war zuletzt bei SAP Präsident Asia Pacific Japan (APJ). Durch ihn hat sich die Region zu einem der am schnellsten wachsenden Cloud-Märkte der SAP weltweit entwickelt.

So reagiert die SAP-Aktie

In einem schwachen Marktumfeld waren die SAP-Aktien am Freitag zeitweise mit einem Anstieg um gut ein Prozent im XETRA-Handel der größte Gewinner im DAX. Im Verlauf gaben sie ihre Gewinne jedoch ab und notierten letztlich 0,65 Prozent tiefer bei 103,52 Euro.

Vorgelegt wurden Eckdaten zum vergangenen Jahr - mit einer überraschend guten Entwicklung im Schlussjahresviertel. Dies sollte die Sorgen der Anleger mildern, dass SAP im Cloud-Geschäft womöglich mehr Gegenwind spüre als die Konkurrenz, schrieb Analyst Andrew DeGasperi von der Berenberg Bank in einem ersten Kommentar. Seinem Kollege James Goodman von Barclays zufolge hellt sich die zuletzt deutlich getrübte Stimmung gegenüber den Aktien nun deutlich auf.

In Nordamerika und Europa hatten sich die Auftragseingänge für die Cloud und die Erlöse mit Softwarelizenzen besser entwickelt als vom Konzern erwartet. Bei den berichteten Umsätzen galt jedoch weiter das angestammte Lizenzgeschäft als wesentliche Stütze für eine positive Überraschung. Analystin Stacy Pollard von JPMorgan führte aus, dieses habe die Erwartungen um elf Prozent übertroffen, das Cloud-Segment jedoch nur knapp.

Die Walldorfer sorgten mit dem Quartalsbericht für weitere Zuversicht unter den Anlegern, die im Oktober noch in Scharen aus den SAP-Aktien geflüchtet waren nach einem Rückzieher des Konzerns bei den Profitabilitätszielen. Damals war der Kurs von rund 125 Euro bis auf rund 90 Euro abgesackt - ein Minus von mehr als einem Viertel binnen weniger Tage.

Am Markt stieß am Freitag auch der Ausblick auf 2021 auf positives Echo. Beim bereinigten operativen Ergebnis plant das Management mit 7,8 bis 8,2 Milliarden Euro, was ein Rückgang zwischen einem und sechs Prozent wäre. JPMorgan-Expertin Pollard hält es für möglich, dass die durchschnittlichen Markterwartungen aufgrund dieser Aussagen um bis zu fünf Prozent steigen könnten.

Die SAP-Aktien haben sich mittlerweile von dem Oktober-Schock, der sie bis knapp unter 90 Euro auf ein Tief seit dem beispiellosen Corona-Crash im März fallen gelassen hatte, ein Stück weit erholt. Etwa 17 Prozent haben sie seither wieder an Boden gut gemacht.

Um die Scharte ganz auszuwetzen, müssen die Aktien angesichts eines aktuellen Kursniveaus von 105 Euro aber immer noch um fast ein Fünftel zulegen. Dem Technologiesektor hinken die Aktien damit schwer hinterher. Der europäische Branchenindex steht derzeit auf Rekordniveau, was allerdings weniger an den enthaltenen Softwarewerten liegt. Die Papiere der Software AG zum Beispiel haben seit Oktober auch kaum Boden gut gemacht.

Der SAP-Erholung etwas Schwung gab zuletzt auch der geplante Börsengang der US-Tochter Qualtrics, in dem Harald Schnitzer von der DZ Bank einen kurzfristigen Kurstreiber sieht. SAP dürfte mit den Anteilen, die an die Börse gehen, einen satten Gewinn einstreichen. Händler hatten zuletzt eine Bewertung von 14,4 Milliarden Dollar errechnet, vor gut zwei Jahren wurden acht Milliarden US-Dollar bezahlt.

(dpa-AFX / Dow Jones Newswires)

Bildquellen: nitpicker / Shutterstock.com

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