SAP-Aktie unter der Lupe: Wenn die KI-Euphorie der Realität weicht

Trotz Rekordgewinnen schickt ein enttäuschender Ausblick beim Cloud-Auftragsbestand die SAP-Aktie auf Talfahrt. Investoren hinterfragen zunehmend die Monetarisierung von KI.
Werte in diesem Artikel
• Cloud-Wachstum bleibt im vierten Quartal hinter den hohen Markterwartungen zurück
• Massive Aktienrückkäufe über 10 Milliarden Euro können den Abverkauf nicht stoppen
• Analysten warnen vor einem "KI-Investitions-Kater" in der gesamten Softwarebranche
Die jüngsten Quartalszahlen von SAP haben am Parkett für eine Zäsur gesorgt. Zwar konnte der Walldorfer Softwarekonzern den Nettogewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 7,5 Milliarden Euro mehr als verdoppeln, doch die für die Zukunft entscheidenden Kennzahlen trüben das Bild. Besonders der Current Cloud Backlog (CCB), der den Vertragsbestand für die kommenden zwölf Monate widerspiegelt, wuchs währungsbereinigt um 25 Prozent und lag damit einen Prozentpunkt unter der eigenen Prognose. Da diese Kennzahl als bestimmendes Fundament für künftige Gebührenumsätze im Abo-Modell gilt, reagierten die Marktteilnehmer empfindlich auf die Zielverfehlung.
Strukturelle Zweifel an der KI-Monetarisierung
In der Branche wächst die Sorge, dass die enormen Investitionen in künstliche Intelligenz nicht schnell genug in messbare Erträge fließen. JPMorgan-Analyst Toby Ogg konstatierte gegenüber Kunden, dass sich der Sektor in einem Umfeld befinde, in dem er "verurteilt wird, bevor der eigentliche Prozess beginnt". Laut Ogg reichten selbst solide Ergebnisse nicht mehr aus, um den Markt positiv zu stimmen, sofern nicht "unwiderlegbar nachgewiesen werden kann, dass KI ein nachhaltiger Wachstumsmotor" ist. Die Befürchtung: KI könnte bestehende Geschäftsmodelle eher kannibalisieren oder durch neuen Wettbewerb stören, anstatt nur zusätzliche Margen zu generieren.
KI-Stimmungskater trifft auch Aktien von Alphabet, Amazon & Co.
Diese Skepsis betrifft nicht nur die europäischen Software-Häuser. Auch US-Giganten wie Amazon, Alphabet und Meta Platforms sehen sich mit einem "KI-Investitions-Kater" konfrontiert. Stephen Innes von SPI Asset Management beschrieb die aktuelle Stimmung als das "Negativ des Booms von 2021". Während Konzerne wie NVIDIA als Schaufelverkäufer der Goldgräberstimmung weiterhin profitieren, müssen Plattformbetreiber wie SAP erst beweisen, dass ihre Kunden bereit sind, für integrierte KI-Lösungen dauerhaft Aufpreise zu zahlen. SAP-Chef Christian Klein betonte zwar, dass "SAP Business AI" bereits in zwei Drittel der Cloud-Vertragsabschlüsse im vierten Quartal enthalten sei, doch der Markt gewichtet die kurzfristige Wachstumsverlangsamung derzeit schwerer.
Aktienrückkäufe als schwacher Trost
Um das Vertrauen der Aktionäre zu stützen, kündigte der Vorstand ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm an. Über einen Zeitraum von zwei Jahren sollen bis zu 10 Milliarden Euro in eigene Papiere fließen. Finanzchef Dominik Asam verteidigte die Strategie, doch Kritiker wie Jefferies-Experte Charles Brennan verweisen auf tieferliegende Probleme wie eine gesunkene Kundenzufriedenheit im Kernbereich der fest installierten Software. Zudem wird am Markt moniert, dass solche Programme oft nur der Kurspflege dienen, während das Kapital in einer Phase des technologischen Umbruchs für Forschung und Entwicklung oder strategische Zukäufe kritischer sein könnte.
Trotz der aktuellen Kursverluste bleibt die Mehrheit der Analysten mittelfristig konstruktiv. Laut Daten von TipRanks stehen 15 "Buy"-Empfehlungen lediglich einer "Sell"-Einstufung gegenüber, bei einem durchschnittlichen Kursziel von 257,50 Euro. Dennoch zeigt die aktuelle Dynamik, dass die Zeit der Vorschusslorbeeren für KI-Versprechen vorbei ist und die Anleger nun harte Belege für die Profitabilität dieser Innovationen fordern.
Aktuelle Kursreaktion
Die SAP-Aktie notierte im heutigen XETRA-Handel schließlich bei 174,92 Euro, was einem Aufschlag von 2,16 Prozent entspricht. Ob und wann das Papier ihr Vor-Quartalszahlen-Niveau bei rund 200 Euro wieder erreichen wird, bleibt abzuwarten. Die nächsten wichtigen Termine für SAP-Anleger dürfte die nächste Bilanzvorlage am 23. April, sowie die Hauptversammlung am 5. Mai sein.
Redaktion finanzen.net
Übrigens: Alphabet A (ex Google) und andere US-Aktien sind bei finanzen.net ZERO sogar bis 23 Uhr handelbar (ohne Ordergebühren, zzgl. Spreads). Jetzt kostenlos Depot eröffnen und Neukunden-Bonus sichern!
Ausgewählte Hebelprodukte auf Alphabet A (ex Google)
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Alphabet A (ex Google)
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
| Name | Hebel | KO | Emittent |
|---|
| Name | Hebel | KO | Emittent |
|---|
Weitere Alphabet A (ex Google) News
Bildquellen: nitpicker / Shutterstock.com, SAP AG